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Full text of "Palästinischer Diwan : als Beitrag zur Volkskunde Palästinas; gesammelt und mit Übersetzung und Melodien hrsg"

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Palästinischer Diwan 



Als Beitrag zur Volkskunde Palästinas 



gesammelt und mit t)bersef2ung und Melodien herausgegeben 



Gustaf H. Dalman 







7 



Leipzig 

J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung 

1901 



Der hochwürdigen 

theologischen Fakultät zu Halle 

als ein Zeichen des Dankes 

für die iiim verliehene Doktorwürde 

in Ehrerbietung gewidmet 

vom Verfasser 



I* 



D 



Vorwort. 



A. Der Zweck der Publikation. 

as lehrreichste Denkmal vergangener Zeiten, welches das 
gegemvärtige Palästina aufzuweisen hat, ist die Denkweise 
imd Sitte seiner Bevölkerung. So wenig diese als die unmittel- 
bare Erbin oder Fortsetzung von altisraelitischem oder gar kanaa- 
nitischem Volkstum gelten kann,^ so sehr hat doch die Stammes- 
verwandtschaft und die Gleichheit der allgemeinen Lebensverhält- 
nisse eine so weitgehende Analogie der Weise des Denkens, 
Lebens und Arbeitens bewirkt, dass es keinen die biblische 
Forschung wirksamer unterstützenden Anschauungsunterricht giebt 
als eben die palästinische Volkssitte. Freilich darf man nicht 
ohne weiters die Gegenwart in die Vergangenheit zurücktragen 
wollen. In alter Zeit hatte die griechisch-römische Kultur den 
Orient überflutet. Die arabische Invasion hat dann ihre Spuren 
zum grossen Teil vertilgt und eine vielfach niedriger stehende 
Lebenssitte an die Stelle gesetzt. Auf diese haben weiterhin 
besonders persische und türkische Einflüsse eingewirkt, bis in 
neuester Zeit europäische Civilisation erobernd einbrach. Der 
Forscher muss es verstehen, den Spuren einer wahrhaft alter- 
tümlichen Lebensgestalt gewissenhaft nachzugehen, und darf die 
Arbeit nicht scheuen, durch stete Befragung der biblischen wie 
der für archäologische Dinge ausserordentlich reichhaltigen nach- 
biblischen jüdisch-rabbinischen Litteratur Altes und Neues sorgsam 
zu scheiden. Die Vorarbeiten für eine biblische Archäologie 
zeigten mir, dass es trotz einer von Jahr zu Jahr reicher an- 



' wie eine zahlreiche Bevölkerung ohne jeden Rest verschwinden kann, 
ist noch jetzt in manchen Gegenden Palästinas zu sehen. 



— VI — 

wachsenden Palästinalitteratur noch immer an einer, hierfür hin- 
reichenden Stoff bietenden Materialiensammlung völlig fehlt. Für 
die städtische Sitte des modernen Ägyptens haben wir zwar die 
ausgezeichnete Arbeit von E.W. Lane, Manners and Customs of 
the modern Egyptians (5. Ausg. 1871). Aber für Palästina giebt 
es kein entsprechendes Werk, und nirgends ist die Sitte der Bauern 
und Beduinen, Handwerk, Ackerbau, Wein- und Olivenkultur 
so allseitig und eingehend beschrieben, dass es möglich wäre, 
sich darüber zum Zweck wissenschaftlicher Arbeit hinreichend zu 
unterrichten.^ 

In der Überzeugung, dass bei dem raschen Überhandnehmen 
europäischen Wesens in Palästina mit der Inventarisierung palä- 
stinischen Lebens und Arbeitens nicht gezögert werden dürfe, 
bin ich während eines fünfzehnmonatlichen Aufenthalts im Orient 
vom März 1899 bis Juni 1900 bemüht gewesen, von Sitte, Denk- 
und Arbeitsweise des syrisch-palästinischen Yolkes möglichst viel- 
seitig Kenntnis zu nehmen. Der Wunsch, zunächst für die in 
letzter Zeit in neuen Fluss gekommene Auslegung des Hohen- 
liedes vergleichbaren Stoff zu gewinnen, war die ursprüngliche 
Veranlassung, dass ich auch begann, volkstümliche arabische 
Lieder zu sammeln. Dabei wurde mir klar, dass im Gesangsleben 
des palästinischen Volkes ein wichtiger Schlüssel für die Erfassung 
seines inneren Wesens liege, und dass es darum der Mühe wert 
sei, dies zum Gegenstande besonderer Aufmerksamkeit zu machen. 
Es will beachtet sein, dass das niedere Volk Palästinas noch 
immer auf dem primitiven Standpunkt micivilisierter Völker steht, 
bei welchem das geistige Leben nicht in irgend welcher Litteratur, 
sondern in Sprüchwörtern und mehr oder minder sagenhaften Er- 
zählungen, vorzugsweise aber in dem von Mund zu Mund gehenden 
Liede pulsiert. Volkstümlicher Gesang, noch unbeeinflusst durch 
occidentales Volksschulwesen ^ und wenig berührt von der arabi- 



^ der erbauliclie Wert solcher Schriften wie Schneller, Kennst du das 
Land? (6. Aufl. 1890), G.R. Lees, Village life in Palestine (1897), G. M. Mackü, 
Bible Manners and Customs (1898) und anderer, soll nicht verkannt werden. 
Aber ihre Angaben sind nicht genau genug, um verwendbar zu sein, und 
öfters recht einseitig infolge des Wunsches der Verfasser, das hervorzuheben, 
was sie an biblische Sitten erinnerte. * es ist freilich zu bedauern, dass 

die Missionsschulen beginnen, in dieser Richtung zerstörend zu wirken, indem 
sie fast ausschliesslich occidentalen Gesang pflegen. 



— VII — 

sehen Kunstpoesie der grossen Städte, begleitet das Leben des 
palästinischen Arabers von der Wiege bis zum Grabe. Ich habe 
deshalb allenthalben zu erfahren gesucht, nicht eigentlich, was 
das Volk dichtet, am wenigsten, was seine Schriftsteller in Nach- 
ahmung altarabischer Kunstpoesie zu Tage fördern, sondern was 
man singt, bei der Arbeit sowohl wie bei geselliger Zusammen- 
kunft, auf Hochzeiten wie am Totenbett, im Krieg wie im Frieden. 
Und zwar mussten neben den niederen Yolksklassen der grossen 
Städte hauptsächlich Bauern und Beduinen befragt werden, wenn 
ein dem Zwecke entsprechendes Resultat erreicht werden sollte. 
Was ich gefunden habe, wird hier vorgelegt, ohne dass ich ver- 
sucht hätte, durch eine Auswahl nach europäischem Geschmack 
das gewonnene Resultat willkürlich zu modifizieren. Nicht ein 
anmutiges Lesebuch, sondern ein zuverlässiges Hilfsmittel zu 
Studien sollte geschaffen werden. Beigegeben wurden nur die 
ziim Verständnis notwendigsten Anmerkungen und allgemein orien- 
tierende Angaben, welche hoffentlich hinreichen, um die Situationen 
der Lieder dem Leser zu vergegenwärtigen.^ Genauere Mit- 
teilungen über diese Dinge bleiben einer späteren selbständigen 
Publikation vorbehalten. 

Auf Vollständigkeit des von mir Gebotenen erhebe ich selbst- 
verständlich keinen Anspruch, obwohl ich bemüht war, keinen 
Zweig des Volkslebens ausser acht zu lassen. Mögen andre in 
regem Wetteifer in die Arbeit eintreten und besonders auch die 
gebildeten Araber Palästinas beginnen, statt der üblichen Über- 
schätzung altarabischer Wissenschaft und europäischer Kultur- 
formen in edler Begeisterung für ihre Heimat der Sprache und 
dem Lied ihres Volkes ernste Aufmerksamkeit zu schenken. An- 
regung in dieser Richtung zu geben, betrachte ich als einen 
wichtigen Zweck dieser Publikation. 



* doch dürfen die Angaben über einzelne Sitten, wenn nichts andres 
bemerkt ist, nur auf die Gegenden bezogen werden, aus denen die mitgeteilten 
Lieder stammen. Durch unerlaubte Verallgemeinerung spezieller Angaben 
dieser Art, besonders bei Wetzstein, ist schon mancherlei Unheil angerichtet 
worden. 



— VIII 



B. Die Herkunft der Lieder. 

Die wichtigsten Fundgruben der mitgeteilten Gresänge sind 
hier kurz zu erwähnen. Zuerst sei Jerusalem genannt, w^o der 
junge Tischler Daniel Abraham (im Frühjahr in der Regel als 
Dragoman thätig), aus einer arabisch -protestantischen Familie 
Galiläas stammend, mich mit vielgesungenen Liedern Jerusalems, 
aber auch Dichtungen galiläischer Herkunft bekannt machte. In 
dem Aussätzigenhaus der evang. Brüdergemeinde, in welchem 
jetzt etwa 60 männliche und weibliche Kranke meist bäuerlicher 
Herkunft musterhaft verpflegt werden, war es neben andren be- 
sonders die aussätzige Zmikna, welche mir ländliche Poesien aus 
der Umgebung Jerusalems vermittelte. In dieser Richtung gab 
auch einige Beiträge ein von Rev. Zeller in Jerusalem mir mit- 
geteiltes Manuskript des langjährigen arabisch -protestantischen 
Predigers in Betgäla bei Betlehem, Bschära Kanaan (1899 ent- 
schlafen). Aus Nazaret sandte willkommene Ergänzimgen Fräu- 
lein Elisabeth Bender, jetzt in Safed, aus Tiberias Lehrer 
F. Korban daselbst. 

In der ostjordanischen Belka habe ich Gedichte erhalten 
in Mädaba von einigen jungen Bauernburschen, an der Moses- 
quelle am Berge Nebo von einer Beduinenfrau, in einem Beduinen- 
lager zwischen 'Amman und Sir von meinen beduinischen Gast- 
freunden, auf dem Gipfel des Gebel Öscha' unter dem Schatten 
seines heiligen Baumes von einigen Beduinen, an der Quelle 
Gädür unterhalb Essalt von einem beduinischen Hirtenknaben, im 
Wädi-ssalihi am Wasserfall ebenfalls von einem Hirten, in Essalt 
selbst von einigen Bauern, Grosse Verdienste um die Erklärung 
der Lieder sowohl wie um die Vollständigkeit meiner Sammlung 
hat sich der dortige Lehrer Farah Täbri erworben, welcher noch 
nachträglich diesen ganzen Winter hindurch mit aufopfernder 
Hingabe bemüht gewesen ist, durch Nachfrage bei Bauern und 
Beduinen und eingehende Mitteilungen den mir aufgestossenen 
Lücken meines Wissens abzuhelfen. Er hat schliesslich auch 
eine Durchsicht einiger Aushängebogen dieses Buches vollzogen, 



— IX — 

deren Ergebnis am Schlüsse des Werkes mitgeteilt wird. Diesem 
werten Freunde auf dem Gebirge Gilead sei hier wärmster Dank 
gesagt. 

Im 'Aglün und Haurän habe ich besonders in Elhösn als 
Gast des Lehrers Eljäs Elfär von ihm selbst und von dortigen 
Bauern Lieder erfragt. Weiter haben mir Mitteilungen gemacht 
Schnitter auf dem Felde bei Hauära, Bauern im Haurändorfe 
Inchil, Beduinen im Beduinenlager bei Zeräkijje zwischen Inchil 
und Damaskus. 

Die nordpalästinische I^andschaft Merg 'Ajün zwischen dem 
Jordanquellflusse Hasbäni und dem Litäni wurde für mich wichtig 
durch einen zweimonatlichen Aufenthalt im Hause des ehren- 
werten Dorfschechs Färis Subhijje in Balät. Hier, in dem nahe 
gelegenen Gededi, auch in Abu Kamha am Fusse des Hermon, 
gewann ich einen besonders vielseitigen Einblick in das Sanges- 
leben bäuerlicher Palästinenser. An dieser Stelle sind auch zu 
nennen meine beiden aus Chijäm in Merg 'Ajün stammenden 
Maultiertreiber, welche im Frühjahr 1900 fünfzig Tage lang meine 
treuen Begleiter waren, der Maronit Cheiralla und der Mutwäli 
'Ali, von denen besonders der erstere meinen Zwecken zu dienen 
vermochte. In Sidon, wo ich palästinisches Fischen kennen 
lernen wollte, fanden sich zwei moslemische Seeleute bereit, aus 
ihrem Liederschatze gleichfalls beizusteuern. 

Ein mehr als sechsmonatlicher Aufenhalt in Aleppo im gast- 
lichen Hause meines verehrten Freundes, Rev. W. Melville Christie, 
der auch einen Beitrag zur Liedersammlung spendete, gab mir 
Gelegenheit, in mehrfacher Richtung Gesangeskenntnis zu ge- 
winnen. Schulknaben diktierten die Lieder arabischer Kinder, 
ein moslemischer Vorsänger bei Hochzeitszügen , Badediener von 
Beruf, gab einen Teil seines Liedervorrats, beduinische Dichtungen 
vermittelte Hmed, Sohn Sälih's, vom Stamme der Schähir, im 
Sommer wohnhaft im beduinischen Zeltlager bei Helän (etwa 
'i Stunden von Aleppo entfernt), im Winter in einer Höhle 
zwischen Helän und Aleppo; bäuerliche Lieder teilten mit einige 
Bauern in Teil eggibln. Auch ein moslemischer Freund , Herr 
Ahmed Amiri in Aleppo, gab einige nützliche Beiträge. Um die 
Aufzeichnung und Erklärung der Lieder machte sich hier, in 
Sidon und in Merg 'Ajun sehr verdient der aus Balät stammende 
arabische Lehrer, jetzt Prediger Hablb Subhijje. 



— X — 

Wer den mangelhaften Stand unserer Kenntnis der neu- 
arabischen Dialekte Syriens kennt, weiss, wie nötig es stets ist, 
in der Gegend, welcher die einzelnen Lieder entstammen, auch 
ihren Sinn festzustellen. Ein beduinisches Lied würde zuweilen 
schon in dem seinem Entstehungsort nächstgelegenen Dorfe nicht 
mehr recht verstanden werden, und ähnlich steht es mit Liedern 
bäuerlichen Ursprungs. Dass arabische Städter, zumal wenn sie 
in europäischen Schulen gebildet sind, keine zuverlässigen Er- 
klärer volkstümlicher Lieder sind, versteht sich von selbst. Frei- 
lich kommt es auch vor, dass der Tradent eines Liedes manche 
Stellen desselben selbst nicht zu erklären vermag, und man muss 
dankbar sein, wenn er dies offen zugiebt und nicht durch bloss 
geratene Erklärungen den Frager täuscht. Ich bin bemüht ge- 
wesen, stets Kundige zu befragen, und hoffe, dass der Irrtümer 
nicht allzu viel geblieben sind. Zuletzt hat Herr Däüd Sag'^än 
aus Mtallet eschschüf im südlichen Libanon, jetzt in Berlin, noch 
eine erspriessliche Revision des gesamten Steifes mir mit vor- 
genommen. Ihm wie allen denen, die mit Rat und That mich 
bei dieser Arbeit imterstützten, Beduinen, Bauern und Städtern, 
Arabern wie Europäern bleibe ich zu Dank verpflichtet. Dank- 
bares Gedächtnis schulde ich auch Albert Socin, der, obwohl 
von tödlicher Krankheit ergrifiPen, es sich nicht nehmen liess, mich 
im letzten Winter seines Lebens für meine Reise sprachlich zu 
rüsten, und mich so zu seinem letzten Schüler machte. 

In bezug auf die Herkunft der Lieder aus städtischen, bäuer- 
lichen und beduinischen Kreisen werden im allgemeinen wenig 
Zweifel entstehen, da oft der Tradent des Liedes oder auch sein 
Inhalt dies hinreichend deutlich macht. Wo dies nicht der Fall 
ist, habe ich durch beigesetzte Bemerkungen nachzuhelfen ge- 
sucht. Yon den städtischen Liedern dürften einige, ebenso wie 
die Schifferlieder von Sidon, ägyptischen Ursprungs sein. Dies 
genauer festzustellen schien mir hier nicht nötig, da doch nur 
mitgeteilt werden sollte, was für Gesang im palästinischen Volke 
wirklich lebt. 

Noch sei erwähnt, dass ich nicht wenige von diesen Gesängen 
auch im wirklichen Gebrauch des Yolkes thatsächlich gehört habe. 
Auf ländlichen und städtischen Hochzeits- und Beschneidungs- 
festen, im Bauernhause und im Beduinenzelt, auf den Strassen 
der Grossstadt und auf den einsamen Pfaden der Wildnis, bei 



— XI 



Freude und Trauer, unter Moslems, Juden und Christen , überall 
hat der Gesang des Volkes mich begleitet und sich mir in dem 
Masse mit dem Bild des Landes verwoben , dass ich es ohne 
diese begleitenden Töne mir gar nicht denken kann. 



C. Der Inhalt der Lieder. 

Nicht gross ist die Zahl der Lieder erzählenden Inhalts mit 
epischem Charakter. Hierher gehören die Lieder mit Erzählungen 
aus dem Hirten-, Jagd- und Kriegsleben (S. 33f., 101 f., ^ 153f., 
300 f.), sämtlich beduinischen Ursprungs. Yon Bauern wurde ge- 
dichtet das scherzhafte Lied vom geschlachteten Hahn S. 13, die 
Erzählung vom verlorenen Messer S. Il2ff., welche indes nicht 
vollständig mitgeteilt ist, und das Reiseerlebnis S. 273 f. Städtischer 
Herkunft ist das Lied vom Aufstand in Aleppo S. 201 ff. Nicht 
völlig gehören hierher die Erzählungen mit Versen S. 89ff., 106 f., 
weil die Verse selbst keinen erzählenden Inhalt haben. 

Die Rätsel (S. 95 — 100), meist beduinischen Ursprungs, geben 
einen Einblick in die Neigung des Orientalen zu verhüllten An- 
deutungen, welche oft die Lösung der Rätsel recht unsicher 
machen. 

Ausser Liedern, die in Beziehung zu der Gelegenheit stehen, 
bei welcher sie gesungen werden, wie Erntelieder, Kriegslieder, 
Wallfahrtslieder, Schlummerlieder u. s. w., hat die überwiegende 
Mehrzahl der Lieder Erfahrungen und Stimmungen von Lieben- 
den zum Inhalt. Die meisten beziehen sich auf das Liebesver- 
hältnis zwischen Jüngling und Mädchen, eine kleinere Zahl gilt 
direkt der Braut und dem Bräutigam. Wegen der Verwandtschaft 
mit einigen Liedern im Hohenliede sind besonderer Beachtung wert 
die Gesänge, welche „wasf", d. h. Besehreibung des Gegenstands 
der Liebe, zu ihrem vorzüglichsten Inhalt haben. Dies ist indes 
nicht, wie manche wohl geglaubt haben, eine eigene Dichtgattung. 
Es werden in Liedern verschiedener Art die Vorzüge der geliebten 
Person zuweilen ausführlich geschildert, während man sich ge- 



» das Lied „Acht Königskinder auf der Jagd" verdient besondere Her- 
vorhebung wegen seines eindrucksvollen Szenenwechsels, der sich mit dem 
Schluss des Deboraliedes vergleichen lässt. 



— XII — 

wohnlich mit kurzen Andeutungen begnügt. Solche „Beschrei- 
bungslieder" teile ich mit S. lOOf. und 1 lOff., 251flP. (beduinisch), 
S. 120 fF. (bäuerlich), S. 130 ff., 245 ff. (städtisch).^ In der Regel 
wird nur weibliche Schönheit so eingehend beschrieben. Ein 
einziges vom Libanon stammendes Kunstlied (S. 242 f.) Hess sich 
auftreiben, welches die Schönheit eines jungen Mannes schildert. 
An den Jüngling wendet sich auch ungewöhnlicher Weise das 
Reigenlied aus Tiberias (S. 269 f.). Alle diese Lieder gelten nicht 
direkt Braut und Bräutigam. Ton ihrer Schönheit pflegt man 
kürzer zu reden (s. S. 193, 212ff., 254 ff.). Das schliesst nicht 
aus, dass es Gegenden giebt, in denen man anders verfährt. Nach 
den Mitteilungen von Wetzstein - gilt dies wohl von der weiteren 
Umgebung von Damaskus und einem Teil des Haurän. Es ist 
aber durchaus keine allgemeine palästinische Sitte, und ausserdem 
nicht zu rechtfertigen, dass man die da berichtete Stellung des 
„Beschreibungsliedes" in den Tlochzeitsgebräuchen für absolut 
unveränderlich gehalten hat. „Beschreibungslieder" werden zu 
jeder Zeit gesungen, und nicht nur auf Hochzeiten. Sie sind 
auch nur dann auf das Brautpaar zu beziehen, wenn dies direkt 
angedeutet wird. Mit diesem Thatbestand wird man zu rechnen 
haben bei der Auslegung des Hohenliedes, welches nach seinem 
Inhalt nicht eigentUche HochzeitsKeder,'' sondern Liebeslieder ent- 
hält, die natürlich auch auf Hochzeiten gesungen werden konnten.* 
Den Scherz einer Yorstellung von Braut und Bräutigam als König 
und Königin kennt man hier und da im Westjordanland, ohne 
dass die Dreschtafel dabei eine Rolle spielte. Niemand wusste 
von Liedern, welche etwa an diese Sitte erinnern. Nebenbei sei 
— im Interesse der Auslegung des Hohenliedes — auch erwähnt, 
dass nicht der Frühling, sondern der Herbst in ganz Palästina 
die beliebteste Zeit zu Hochzeiten ist, weil man dann aus dem 
Ernteertrag das zur Brautzahlung nötige Geld gelöst hat und 
ausserdem nach Vollendung des Dreschens müssige Zeit besitzt. 

^ s. auch das vou Wetzstein mitgeteilte Liedstück bei Delitzsch, Hohes- 
lied und Kohelet (1875) 174ff. ^ Zeitschr. f. Ethnologie V 287 ff., Delitzsch, 
Komm, zu Hoheslied und Kohelet (1875) 172 ff. ^ Sudde lässt mit Unrecht 
in seinem Kommentar zum Hohenlied (1898) alle Gesänge von Braut und 
Bräutigam reden. Siegfried (Komm. z. Prediger u. Hoheslied 89) betont sogar, 
dass die Schilderungen der Reize beider den Vollzug der Ehe voraussetzen. 
* dass dies noch im 2. nachchristl. Jahrhundert vorkam, ist aus dem Protest 
Tosephta Sanh. XII 10 zu schliessen. 



— XIII — 

Es ist eine Eigentümlichkeit arabischer Lieheslieder, dass in 
der Regel das geliebte Mädchen unter dem Bild einer männlichen 
Person vorgestellt wird und dass der Dichter es zuweilen liebt, 
sogar von „Freunden" in der Mehrzahl zu reden, wenn er doch 
nur eine „Freundin" meint. Dies geschieht gewiss nicht, wie 
man in Palästina zuweilen behauptete, damit die Lieder auch in 
den Mund von Mädchen passen, sondern weil der Orientale es für 
anständig hält, über den Gegenstand seiner Liebe einen zarten 
Schleier zu breiten. Der occidentale Leser dieses Buches wird 
gebeten, diese Darstellungsform stets im Auge zu haben, da es 
nicht möglich war, überall durch Anmerkungen vor Missverständ- 
nissen zu warnen. In einigen Fällen haben die Worte der Liebes- 
lieder einen unschönen zweiten Sinn, den zu enthüllen ich indes 
nicht für meine Aufgabe hielt. Dass nur die körperlichen Vor- 
züge der Geliebten Lihalt des Liedes werden, entspricht dem 
Kulturstande des palästinischen Volkes. Doch soll man daraus 
nicht folgern, dass der Orientale Vorzüge des Gemüts imd Charak- 
ters am Weibe gar nicht zu schätzen wisse. 

Vollständig fehlen patriotische Lieder und Naturlieder, eben- 
so Wanderlieder. Auch daraus dürfen nur mit Vorsicht Schlüsse 
gezogen werden. Lieder, welche dem türkischen Staatswesen 
gelten, sind ja nicht zu erwarten, wenn auch ein Lebehoch auf 
den Sultan (S. 194, 205) bei festlichen Zügen nicht fehlt. Aber 
die Heimat und das Heimatsland liebt auch der Orientale, und 
er ist durchaus aufgeschlossen für die Reize einer an Wasser und 
Vegetation reichen Landschaft oder einer mondhellen Nacht. Für 
das Grossartige in der Natur und ihre feineren Farbennüancen 
hat er indes wohl weniger Sinn. Die meisten würden einen be- 
schaulichen Sitzplatz im Schatten an sprudelndem Wasser jeder 
noch so erhabenen Fernsicht vorziehen. Trotzdem pHegt die 
Volksdichtung sich mit solchen Gegenständen nur indirekt zu be- 
fassen. Man singt an der Quelle nicht von frischem Wasser und 
grüner Aue, sondern von der Geliebten, die dem Borne gleicht. 
Eigentliche Wanderlust ist indes im Lande kaum irgendwo ent- 
wickelt. — Trotz der dem Trinken abholden allgemeinen Sitte fehlt 
es nicht an christlichen und moslemischen Trinkern, welche mit 
Gesang das Gelage würzen. Als Trinklieder dienen Liebeslieder 
jeder Art, so z. B. die 'Atäba „Im Gefängnis der Liebe" (S. 81). 
Besondere Trinklieder gehören vorzugsweise der Kunstpoesie an. 



— XIV — 

I^atürlich müssen es nicht immer eigentliche Lieder sein, mit 
denen die Trinker sich unterhalten. In Aleppo schien öfters ein 
in endlosen Kadenzen gesungenes Ja lel „o Nacht!" als völlig 
genügender Text zu gelten. 

D. Die Dichtungsarten. 

Der Araber lässt immer noch allein ein nach den 16 Mustern 
der altarabischen Poesie verfertigtes Gedicht als ein „richtiges 
Lied" (schirr sahih oder schi'r mazbüt) gelten. Jede andere 
Dichtungsweise bezeichnet er als „fehlerhaft" (marlüt) oder 
„verdorben" (fäsid) und behauptet, dass in diesen Dichtungen 
keinerlei Gesetz, sondern nur absolute Willkür herrsche. Unter 
dieses Urteil fällt nun nahezu alles, was das Yolk gewöhnlich zu 
singen pflegt, und somit auch der grösste Teil des Inhalts dieser 
Liedersammlung. Die Wahrheit ist, dass die Volkspoesie sich 
öfters mehr oder weniger unabhängig von den Fesseln der alten 
Kunstpoesie neue Formen geschaffen hat; indes soll nicht ge- 
leugnet werden, dass unter Umständen in der That formell minder- 
wertige Ware produziert wird. Grosse Freiheit in Zählung und 
Messung der Silben, mancherlei Willkür behufs Gewinnung des 
Reims ist zu beobachten. 

Folgende Dichtungsarten kommen in dieser Sammlung vor : 

1. Kaside.^ Bei dieser der klassischen arabischen Poesie 
eigenen Dichtungsart verläuft das Gedicht in gleich langen Yers- 
zeilen ohne Abteilung von Strophen. Derselbe Reim geht durch 
die zweiten Zeilen desselben Liedes durch, während die je ersten 
Zeilen ungereimt sind oder ebenfalls einen eigenen durch das 
ganze Gedicht laufenden Reim erhalten. Gesänge der ersteren 
Art s. S. lOlff., 107, 216, der letzteren Art S. 100, 103ff., lOSff., 
121 f., 130ff., 153 f., 251 f., 323f. und im Nachtrag. Beduinen dichten 
noch immer gern in dieser Form, obwohl sie an die sprachliche 
Gewandtheit des Dichters nicht geringe Anforderungen stellt. 

Hier dürfen vielleicht auch genannt werden einige ungereimte 
oder schlechtgereimte Dichtungen (s. S. 35, 37), welche wohl als 
unvollkommene Ausführungen der Kaside zu betrachten sind. 

Als eigenartige Modifikationen der Kaside sind die Lieder 
zum Klatschreigen (s. S. 296 ff.) zu betrachten. Derselbe Reim 

^ Melodie 17. S. über diese Dichtunsrsart Socin, Einleitunar z. Diwau 48 ff. 



— XV - 

geht durch die je zweite (in dem Beispiel S. 300 ff. die je dritte) 
Zeile des ganzen Liedes. Zweizeilige , bez. dreizeilige Verse 
werden allerdings dadurch abgeteilt, dass der Chor einen Refrain- 
gesang einschaltet. Dieser ist aber nicht durch den Reim mit 
dem Liede selbst organisch verknüpft. 

2. Mauwäl.^ Zwei Arten dieser Dichtungsgattung kommen 
hier vor, erstlich das fünfzeilige , sogenannte ägyptische Mauwäl 
mit fünf gleichen Zeilen, von denen Z. 1, 2, 3 und 5 denselben 
Reim haben, während Z. 4 ungereimt ist, zweitens das sieben- 
zeilige baghdädische Mauwäl mit besonderem Reim für Z. 1, 2, 
3, 7, sowde für Z. 4, 5, 6. Wo möglich wird dabei für den Reim 
immer das gleiche Wort benutzt, wenn auch mit wechselnder 
Bedeutung. Die Zeilen sind fünfhebig. Beispiele der ersteren 
Art s. S. 219, 220, der letzteren Art s. S. 220, 221 ff. In Nordsyrien 
ist das Mauwäl auch bei den Bauern sehr beliebt. Es gehört 
sonst mehr der städtischen Kunstpoesie an. 

3. 'Atäba.^ Diese könnte man als ein vierzeiliges Mauwäl 
betrachten, bei dem Z. 1, 2, 3 dasselbe Reimwort erhalten, 
während Z. 4 stets auf „'atäba" reimt, was zuweilen dadurch 
erreicht wird, dass einem mit den Vokalen a — ä endenden Worte 
die Silbe „ba" angehängt wird. Doch sind die Zeilen nur vierhebig, 
somit kürzer als bei dem Mauwäl. Diese Liedform wird von 
Bauern und Beduinen gern angewandt. Ich habe öfters 'Atäba- 
Verse improvisieren hören. Wie Kaside und Mauwäl ist 'Atäba 
stets Sologesang. Ihr wie dem Mauwäl ist es eigen, dass das 
ganze Gedicht nur aus einem Verse besteht. Das hindert nicht, 
dass zuweilen mehrere 'Atäba- Gedichte zu Dialogen vereinigt 
werden, s. S. 89— 94.» 'Atäba-Verse s. S. 65—88,* 95—97, 99, 
155 ff., 207, 209, 304f., 310ff., 322f. 

* pl. mauäwll. S. über diese Dichtungsform H. Gies, Ein Beitrag zur 
Kenntnis sieben neuerer arabischer Versarten (1879) 38 fF.; Sachau, Arabische 
Volkslieder aus Mesopotamien (Abh. d. Berl. Akad. f. 1889) 44 ff.; M. Hartmann, 
Das arabische Strophengedicht. 1. Das Muwasiah (1897) 221. — Melodie 8. 
^ eigentlich sagt man: bet 'atäba, pl. bjüt 'atäba. 'atäba ist nämlich 
nicht eigentlich Bezeichnung des Gedichts, wie Sachau, Arabische Volks- 
lieder aus Mesopotamien 17, annimmt, sondei'n des Musterwortes, nach dem 
der Endreim gemacht ist. — Melodie 6. u. 7. ' das Lied „vom 'Atäba- 

dichteu" S. 88f. ist eigentlich kein Lied, sondern eine Zusammenstellung von 
zwei Gedichten verwandten Inhalts. * mit Ausschluss der Nummern 39 — 44 
S. 77 fr., welche zu den Megana-Liedem gehören und nur durch ein Verseheu 
an diese Ställe gerieten. 



— XVI — 

4. Haläba. Dies ist eine an die 'Atäba erinnernde Form 
des Strophenliedes. Ein zweizeiliger Refrain, dessen erste Zeile 
mit haläba schliesst, wird dem Lied vorausgeschickt und dann 
zwischen die Strophen eingeschoben. Die erste Zeile desselben 
ist stets die gleiche, die darauf reimende zweite wird jedesmal 
neu gebildet. Die Zeilen haben die Länge der 'Atäbazeilen. 
Ein Beispiel s. S. 245ff. ^ Auch das Gedicht „Schwere Verwun- 
dung''' S. 80 gehört wahrscheinlich hierher und ist deshalb, ob- 
wohl von einem Beduinen mitgeteilt, nicht beduinischen Ursprungs. 
Haläba ist eine städtische Liedform. 

5. Matlü^^^ Dies ist ein aus mehreren Yersen bestehendes 
Lied. Diese Verse haben je vier Zeilen zu etwa fünf Hebungen. 
Jeder Vers hat in Z. 1 , 2, 3 seinen eigenen Reim. Dagegen zieht 
sich in Z. 4 derselbe Reim durch das ganze Lied. Als „Lied- 
reim" wird der Reim des ersten Verses benutzt, der aber dort 
Z. 1, 2, 4 verknüpft, während Z. 3 den Versreim des zweiten 
Verses vorankündigt. Diese ganze Zeile wird sogar am Anfang 
von Vers 2 wiederholt, während später immer die letzte Verszeile 
auch für den Anfang des neuen Verses (mit verändertem Reim- 
wort) benutzt wird. Farah Täbri bezeichnete Gedichte dieser 
Art als „Matlü' elme'^anna", wenn sie, wie die S. 116 — 120 mitge- 
teilten Beispiele 10 bis 12 Silben in jeder Zeile haben im Unter- 
schiede von „Matlü' elkarräde" mit 7 bis 8 Silben in der Zeile. — 
Der Vorsänger (kauwäl, munschid) singt vor, die übrigen Sänger 
wiederholen jede zweite oder vierte Zeile. 

6. Ga'idijje.^ In Merg ""Ajün galt es als Regel, dass auf 
den Vortrag eines Matlü**^ stets eine Ga'idijje folgen müsse. Hatte 
der Matlü*' zu seinem Inhalt Liebeskummer, so herrscht hier 
freudige Stimmung vor. Eine Ga'idijje besteht aus Versen von 
je acht dreihebigen Zeilen. Innerhalb jedes Verses reimen die 
Z. 1, 3, 5, 7, ebenso 2, 4, 6, während Z. 8 einen durch das 
ganze Lied gehenden Liedreim erhält. Nur im ersten Verse 
reimen aber Z. 1, 3, 5, 6, 7, und Z. 2, 4 bereiten den Liedreim 



* dort ist unrichtiger Weise der Refrain zwischen den Strophen nicht 
gehörig als solcher kenntlich gemacht worden. - pl. matäli', S. 116 nach 
der Aussprache transskribiert matäla'. Es bedeutet: „Eingangslied". — 
Melodie 15. ^ es sollte wohl eigentlich gu'edijje heissen, da die Be- 
zeichnung wahrscheinlich von Gru'aid, dem Namen eines ägyptischen Dich- 
ters abzuleiten ist, s. Dozy, Supplement s. v. ga'ada. — Melodie 16. 



— XVII — 

von Z. 8 vor. Beispiele s. S. 120—129. In dem Beispiele S. 126 f. 
ist indes am Anfang eine vierzeilige Form angewandt, welche sich 
vom Matlü' nur durch grössere Kürze der Zeilen unterscheidet und 
somit als Matlü'' elkarräde zu bezeichnen wäre (s. c). Bei der 
vierzeiligen Ga'idijje wiederholt der Chor jede zweite Zeile, bei der 
achtzeiligen nur jede vierte Zeile. In Südpalästina ist die Dich- 
tungsform der Ga'idijje vmter diesem Namen ganz unbekannt. 

7. Zagal.^ Mit dieser der Volkssprache fremden Bezeich- 
nung benenne ich hier das nicht in den besonderen Formen des 
Matlü^^ und der Ga'ldijje einhergehende aus Vierzeilern be- 
stehende Strophengedicht, die üblichste Form der volkstümlichen 
städtischen Gedichte und der Lieder zu Tanz und Beigen bei 
Bauern und Beduinen. Das Volk hat für derartige Lieder nur 
die allgemeine Bezeichnung rina „Gesang". Man redet z. B. von 
rina 'ala debke „Gesang zum Stampfreigen". Gewöhnlich wird 
das Lied eröffnet durch einen Zwei- oder Vierzeiler (farsche), 
der bestimmt ist, vom Chore als Refrain (radde od. mradd) nach 
jedem Verse (dör od. bet) wiederholt zu werden. Zuweilen wird 
aber dieser Refrainvers bei der Wiederholung teilweise modifiziert, 
Beispiele s. S. 274 ff., 288 ff. Der Reim des Refrainverses bestimmt 
dann auch den Reim der letzten Zeile jedes Liedverses, während 
die übrigen drei Zeilen jedes Verses ihren eigenen Reim haben. 
Gewisse Reimworte der Refrainverse sind typisch geworden und 
haben dann den danach gedichteten Liedern den Namen gegeben. 
Man redet deshalb von Liedern „auf Me'amia" (S. 198—204), „auf 
Megana" (S. 274 ff., 278ff., 285 ff.), „auf Hnaijena" (S. 274 Anm. 4), 
„auf Mülaija" (S. 288 ff., 293fe.),2 „auf Mäni" (S. 243 f.), „auf 
Zenu" (S. 232 f.), „auf Ja Hwedeli" (S. 34, 268).^ Das sind nicht 
Liedgattimgen , sondern Dichtungen nach dem Modell eines be- 



^ diese Bezeichnung eutlehue ich aus H. Gies, Ein Beitrag zur Kenntnis 
sieben neuerer arabischer Versarten 30, s. auch H. Coupry, Traite de Versifi- 
cation Arabe (1875) 129, 182. Mröba'a werden derartige Gedichte genannt 
bei Socin, Einleitung zum Diwan aus Centralarabien 53. — Melodie 14, 
14», 23—26. 2 s_ auch Hartmann, ZDMG LI (1897) 195 ff. » nur einzelne 
Verse auf „Ja Hwedeli" habe ich aufgenommen. Ein ganzes Lied dieser Art 
mit zweizeiligem Refrain teilt Hartmann mit ZDMG LI (1897) 181 ff. Er 
scheint nicht bemerkt zu haben, dass es sich dabei nur um eine Singart 
handelt, auf welche stets neue Verse gemacht werden können. Wie bei Hai-t- 
mann zu sehen, gehört „Ja hwedali" eigentlich dem Refrain an, jeder Vers 
beginnt mit ,jä weli weli". 

Dal man, Volksleben. II 



— XVIII — 

stimmten Liedes, dessen Melodie und Liedreim dabei über- 
nommen wurde, sodass „auf Mülaija" Musterlied und Melodie 
gleichzeitig bezeichnet.^ 

Eine eigentümliche Form des vierzeiligen Strophengedichts 
zeigen die Wettgesänge S. 2S0ff., über deren Form dort das 
Nötige bemerkt ist. 

Lieder mit vierzeiligen Strophen ohne Refrain s. S. 241 f., 243 ff. 

8. Tarwid.^ So heisst eine Liedgattung, welche die Bauern 
bei Hochzeiten, Beduinen auch beim Weiden und Melken an- 
wenden. Langgetragene Töne sind der Melodie eigentümlich, die 
indes in Nordpalästina und im Ostjordanland nicht die gleiche 
ist. Yierhebige und dreihebige Zeilen kommen vor. Die von mir 
mitgeteilten Beispiele sind sehr verschiedenartig. Die beduinische 
Tarwlde auf S. 157 lässt sich als ein Dreizeiler auffassen, bei 
dem jede Zeile auf lälak endet. S. 184f. und 207 f. finden sich 
Zweizeiler, zum Teil ungereimt, S. 214 f. vierzeilige Yerse , bei 
denen Z. 2 und 4 auf dasselbe Reimwort ausgehen, während sie 
im übrigen nur den grössten Teil von Z. 1 und 3 wiederholen. 

9. Hida. Der Lockgesang des Kameltreibers, der auf dem 
ersten Tier seiner Kamelreihe voranzieht, aber auch angewandt 
vom Kamelhirten und vom Reiter überhaupt zum Antreiben seines 
Tieres, hat eine eigentümlich langgezogene Singweise. Die Bei- 
spiele S. 137 — 139 zeigen, dass meist gereimte vierhebige Zwei- 
zeiler dafür angewandt werden. Die als Frauengesang S. 136 f. 
mitgeteilten Yerse sind dagegen vierzeilig mit Reim für Z. 2 und 4. 
Yon Socin^ werden die „Treiblieder" (hedajän) mit den „Kriegs- 
liedern" (hadäwa) Wetzstein's identifiziert. Aber wenigstens im 
Ostjordanland wird beides in Melodie, Inhalt und Bezeichnung 
unterschieden. Li Merg 'Ajün kannte man ha de nur als Bezeich- 
nung einer bestimmten Art von Hochzeitsgesängen und wusste 
nichts von dem Treibgesang hida. 



1 diese doppelte Bedeutung haben gewiss auch die Psalmenüberschrifteu, 
soweit sie nicht Angaben des Autors oder des Begleitiustruments enthalten. 
Der Wortsinn wird dabei ebenso gleichgültig sein wie bei den arabischen 
Bezeichnungen, deren Sinn den orientalischen Sängern oft dunkel und stets 
völlig gleichgültig ist. Es genügt ihnen, dass sie wissen, was für eine Dichtungs- 
art und Melodie durch 'Atäba, Mauwäl, 'Ala Mülaija oder Bardu bezeichnet 
wird. - die Singweise heisst tarwid, das einzelne Lied tarwide, pl. 

taräwid. — Melodie 9. ^ Einleitung: zum Diwan aus Ceutralarabieu 49. 



— XIX — 

10. Hadi.^ So heisst das kriegerische Marschlied der Be- 
duinen, das aber die Bauern von Nordpalästina auch gern bei 
Hochzeitszügen verwenden. Beispiele s. S. 144 — 152, 188f., 193f., 
197 und im Nachtrag. Neben gereimten und ungereimten Zwei- 
zeilern (s. S, 149, 151, 194) finden sich Dreizeiler, Yierzeiler und 
Sechszeiler mit sehr verschiedener Behandlung des Reims. Meist 
sind die Verszeilen dreihebig. Einen Dreizeiler mit durchgehen- 
dem Reim s. S. 145 Nr. 2 und 189, einen Yierzeiler derselben Art 
S. 145 Nr. 1. In Yierzeilern reimen sich Z. 1, 3 und Z. 2, 4 in Bei- 
spielen S. 145 f., Z. 1, 2 und 3, 4 S. 151. Öfters reimen nur 
Z. 2, 4ff., während Z. 1, 3ff. reimlos sind (s. S. 149 f., 152, 194), 
oder es reimen Z. 1, 2, 3, während Z. 4 reimlos ausgeht (S. 150 
Nr. 2). Vielerlei Unregelmässigkeiten kommen vor, s. das Lied 
S. 197 f. Nr. 4, in dem wohl nur Z. 2, 4 stets reimen sollten, 
während in Vers 1 Z. 1 mid 4 reimen, in Vers 2 Z. 1, 3 eigenen 
Reim haben. 

11. Schöbäsch. Das „Siegesgeschrei" oder der „Hurra- 
ruf-', wovon Beispiele S. 205 und 208, wird angestimmt, um 
jemanden zu ehren. Es besteht aus einem rasch und laut gerufenen 
mehrzelligen Versehen mit verschiedener Behandlung des Reims, 
auf welches der Chor mit langgezogenem hoo! antwortet. 

12. Gelwe.^ Die Bezeichnung hängt zusammen mit der 
Präsentierung der Braut in ihren Gewändern, bei welcher solche 
Lieder gesungen werden. Die S. 254 ff. mitgeteilten Gelwe- 
Lieder bestehen aus vierzeiligen Versen. Z. 1, 2, 3 haben den- 
selben Reim, Z. 4 einen anderen, der wohl eigentlich durch das 
ganze Lied hindurchgehen sollte, in Wirklichkeit aber öfters 
wechselt. Vielleicht sind die Lieder aus Versen verschiedener 
Herkunft zusammengesetzt. Li dem Gelwe-Vers S. 186 reimen 
sich Z. 1, 2, reimlos sind Z. 3, 4. Die Zeilen sind meist drei- 
hebig. Vorsängerin und Chor wechseln beim Vortrag. 

13. Zalrüta.^ So heisst eigentlich nur der den Frauen des 
Orients eigene Freudentriller, welcher durch rasche Hin- und 
Herbewegung der Zungenspitze in der Mundöffnung hervorgebracht 
wird, indem man lulululululesch (in Jerusalem: lululululull) 



1 Bezeichnung der Singart. Das einzelne Lied heisst huddawijje, pl. 
hadäwa, oder huddadijje, pl. hadädi. — Melodie 10. ^ pl. gelä- 
"w^ijje. — Melodie 11 u. 12. ^ auch zarrOta. — Melodie 18. 

II* 



— XX — 

in hoher Tonlage singt. In Merg 'Ajün nennt man aber ebenso ein 
yierzeihges Gedieht mit gleichem Reim aller Zeilen, welches mit 
diesem Triller schliesst. Die Zeilen können zwei bis vier Hebun- 
gen haben und werden öfters im gleichen Gedicht teilweise lang 
gedehnt. Durch den raschen Vortrag der Zeilen, der dem Ende 
zueilt, ohne innezuhalten, erklärt sich die sonst nicht in diesem 
Masse vorkommende Dehnung der Versfüsse. Den Z. 1, 2, 3 wird 
der Freudenruf äwiha (so in Nordpalästina) oder ähiha bez. ähäh 
(so im Süden) vorausgeschickt. Bei Jerusalem nennt man deshalb 
ein solches Gedicht Imhäha. Eine Zalrüta ist stets Gesang einer 
einzelnen. Beispiele s. S. 185ff., 192 f., 209—214, 306 — 309. 

14-. Imläla. So nennt man eine der Gegend von Jerusalem 
eigene Gesangsweise, welche die Frauen in den Weingärten an- 
wenden. Die Silben „lele" oder „lelö" werden an beliebigen 
Stellen in die AVorte eines Liedchens eingeflochten, auch hängt 
man „jarwelelö" als Refrain an die Zeilen an. Die melodisch 
klingende Singweise ist stets Gesang einer einzelnen Person, wenn 
auch die Imlälä oft gleichzeitig von allen Gärten her im Wett- 
streit ertönt. Beispiele s. S. 25 — 27 und im Nachtrag. 

15. Mtauwaha. Dies ist eine den Beduinenfrauen eigene 
Art des Hochzeitsgesangs. Nach den S. 217f. gegebenen Bei- 
spielen dienen dafür zwei- oder vierzeilige gereimte Yerse mit nur 
zwei Hebungen in jeder Zeile , denen eigentümlich ist, dass der- 
selbe Ausdruck in der je ersten Zeile zweimal wiederholt wird 
und dann als Schluss der zweiten Zeile zum dritten Mal erscheint. 
Doch fehlt es nicht an Abweichungen. 

In der Form sind verwandt die beduinischen Lieder S. 10 
Nr. 3, S. 44 „Der tätowierte Schöne" und S. 53 „Der einäugige 
Geliebte", bei denen der Anfang der Yerszeile als Nachhall am 
Schlüsse (oder als zweite Zeile) wiederholt wird. 

16. Tahnin.^ Der Gesang der dem Mekkapilger das Ge- 
leit gebenden Frauen, welcher von ihnen gemeinsam (ohne 
Wechselgesang) ausgeführt wird, zeichnet sich durch seine häufi- 
gen Wiederholungen aus. Die kurzen nur zweihebigen Yers- 
zeilen enden meist mit demselben Ausdruck und werden gefolgt 
von einer echo - artigen Wiederholung der ersten Hälfte der Vers- 
zeile. Es sind mehr Litaneien als Verse. Beispiele s. S. 313 — 315. 

^ so heisst der Gesaug dieser Art, die Bezeichnung des einzelnen Liedes 
ist mir nicht bekannt. 



— XXI — 

Litaneiartig ist auch das Maurerlied S. 63 f. und das Wall- 
fahrtslied S. 158. 

17. IS'iddäbe.^ Das Klagelied, bei grösseren Trauerfeiern 
„ma'ld" genannt, hat zwar in jeder Gegend oder jedem Dorfe 
seine festbestimmte Melodie, aber sonst sehr verschiedene Formen. 
Gereimte Zweizeiler sind eine häufige Form (s. S. 318 ff., 325 ff., 
335 ff.). Aber es giebt auch Dreizeiler, Yierzeiler und Fünfzeiler 
und ganze Lieder dieser Art. Die Zeilen sind zwei- bis fünfhebig. 
Zuweilen werden Zwei-, Drei- und Yierzeiler zu längeren Liedern 
verknüpft. Bei Liedern, die sich aus Zweizeilern zusammen- 
setzen, hat jeder Zweizeiler öfters eigenen Reim (S. 339, 342). 
Bei drei- und vierzeiligen Versen kann besonderer Liedreim an 
den Yersschlüssen eintreten (S. 320 f, 325, 332). Es können aber 
auch alle Zeilen jedes Yerses gleichreimig sein (S. 337 f.), oder 
auch nur Z. 2 und 4 Reim erhalten (S. 342 f.). *Stets wird das 
von dem Yorsänger oder der Yorsängerin vorgesungene Lied von 
den Mitklagcnden zeilenweis wiederholt. 

18. Rina.^ Mit diesem allgemeinen Namen bezeichnet der 
palästinische Bauer und Städter, jedes Gedicht, für das er keine 
besondere Bezeichnung hat. Dahin gehört die grosse Masse der 
kleineren Liedchen der Hirten, Feldarbeiter, Handwerker, Schiffer, 
Frauen, Kinder. Alle schon besprochenen Möglichkeiten der 
Reimbehandlung in Zwei-, Drei- und Yierzeilern können hier ein- 
treten. Xur einige gelegentlich vorkommende Besonderheiten 
seien hervorgehoben. 

a) das Gedicht mit Zeilenbrechung. Dies liegt vor, 
wenn der Chor beim Gesang nicht wiederholt, was der Yorsänger 
ihm vorsang,^ sondern die vom Yorsänger nur begonnene Lied- 
zeile selbständig zu Ende führt. Hierher gehören die S. 264 ff. 
mitgeteilten Tanzlieder. Die beiden Hälften können gleich laug 
sein, zuweilen ist aber die zweite Hälfte kürzer, sodass ein Yer- 
hältnis von 3 zu 2 eintritt wie in der mit Unrecht Kina-Strophe 
genannten Yerszeilenform der althebräischen Poesie mit fünf 
Hebungen (S. 265). Der erste Teil der Zeile ist der kürzere 
in dem Tanzlied S. 266 Nr. 4. — Zeilenbrechung findet sich auch 



' Melodie 19 — 22. ^ ein Lied: riuäje, arnijje, runuawijje, 

pl. ranäni. — Melodie 1—5. ' dies ist natürlich das Gewöhnliche, weil 
meist nur einzelne Liederkundige vorhanden sind. 



— XXII — 

in einigen Kinderliedern (S. 161, 174), im Spruch vom Pflügen 
(S. 3) lind wohl in den beduinischen Liedern S. 35 Nr. 4, S. 103 
Nr. 1 , ohne dass hier an Vortrag durch verschiedene Chöre zu 
denken wäre. 

b) der Knittelvers. Diesen Namen wird man da an- 
wenden dürfen, wo mit gelegentlichem Wechsel der Zeilenlänge 
ohne Yersabteilung völlig zwanglos gereimt wird, meist so, dass 
zwei oder drei Zeilen denselben Reim haben, der dann durch 
einen anderen abgelöst wird. Öfters wird auch durch eine reim- 
lose Zeile der Übergang zu einem neuen Reim gewonnen. Hier- 
her gehört vor allen Dingen ein grosser Teil der Kinderlieder 
und SpielHeder ^ (S. 175 — 184), die Lieder der Dreschknaben 
(S. 14 — 19) und das Lied des Ausrufers von Verlorenem (S. 54 f.). 
Hierher wird aber nicht zu rechnen sein das Lied vom verlorenen 
Messer S. 112 ff., in welchem gleiche Zeilenlänge durchgeführt ist 
und nur keine strengen Reimregeln statthaben. 



E. Der Rhythmus. 

Der neuarabischen Volkspoesie ist es eigen, dass in ihr das 
rein rhythmische Prinzip das quantitierende Prinzip ^ zu verdrängen 
begonnen hat, sodass zwischen quantitierenden und rhythmischen 
Gedichten unterschieden werden kann.^ Ich habe darauf ver- 
zichtet, die einzelnen Lieder meiner Sammlung rhythmisch zu 
behandeln und wenn nötig zurechtzustellen, da dies mit dem 
Hauptzweck dieser Publikation nicht notwendig verbunden war 
und auch nur im Zusammenhang mit einer eingehenden sprach- 
lichen Kommentierung ausführbar gewesen wäre. Die Gesänge 
werden somit so mitgeteilt, wie sie diktiert wurden, d. h. eben 
nicht genau rhythmisch, da die Araber nicht gewöhnt sind, ihre 
Lieder zu sprechen und darum von einer rhythmischen Recitation 
wenig wissen.* Nur habe ich bei einigen Liedern (S. 230 ff.) die 
mit ihrem eigentlichen Rhythmus wenig zusammenhängende Be- 

* denselben Charakter haben die von J. Göldziher ZDMG XXXIII 
608—630 aus Kairo mitgeteilten Kinderlieder. - über den Sinn dieser Aus- 
drücke s. E. Sievers, Studien zur hebr. Metrik I (1901) 25 ff. ^ vgl. 
H.Stumme, Tripolitan.- tunesische Beduinenlieder (1894) 24 f. * auch Socin 
berichtet davon, Einleitung zum Diwan 53. 



— . XXIII — 

tonung angegeben, welche ein gebildeter Araber beim Lesen an- 
wandte. In der Regel kennen die Eingeborenen nur den Rhythmus 
der Melodien, besonders wenn diese durch Klatschen oder andere 
rhythmische Bew^egungen begleitet werden wie bei Tanz- und 
Reigenliedern, aber auch bei den Klageliedern der Frauen und 
manchen Kinderhedern (s. z.B. S. 174). Trotzdem habe ich niemals 
zu erfahren vermocht , wie die Volksdichter bei der Abfassung 
solcher Lieder zu Werke gehen. Auf die Frage , ob denn der 
Dichter nicht irgend etwas in seinen Zeilen zähle, um das Grleich- 
mass festzustellen, wurde mir von verschiedenen Seiten die Ant- 
wort, es werde nichts gezählt, für das Volksgedicht gebe es nur 
ein Mass, die absolute Willkür. Vermutet werden darf wohl, dass 
der einzelne stets die Form eines ihm bekannten Gedichtes instinkt- 
mässig nachahmt. 

Bei vielen Liedern ist es ohne grosse Schwierigkeit möglich, 
einen Rhythmus herauszufinden. Es lassen sich miterscheiden 
Verszeilen mit 2, 3, 4 und 5 betonten Silben, zwischen welche 
ein bis drei ^ unbetonte Silben eingeschaltet werden können ohne 
Bindung an eine bestimmte Zahl im einzelnen Gedicht. Zuweilen 
stossen auch zwei betonte Silben unmittelbar aufeinander. Keine 
Bedenken walten ob in bezug auf das Nachklingen von ein oder 
zwei unbetonten Silben auch am Schlüsse der Zeile, wenn das 
letzte Wort Betonung auf Paenultima oder Antepaenultima hat. 

Als zweihebig seien beispielsweise verzeichnet die Schöpf- 
heder S. 48 Nr. 1, S. 49, das MelkKed S. 51 Nr. 6, das Maurerlied 
S. 63, das Beschneidungslied S. 172, das Kinderlied S. 176 Nr. 5, 
das Spiellied S. 182 Nr. 1, das Hochzeitslied S. 187 „An die 
Braut", die Freudenü-iller S. 209, 211 Nr. 1, die Mtauwahät 
S. 217f., die Refrainlieder S. 238, 247, das Reigenlied S. 270 
Nr. 1, die Lieder zur Verabschiedung des Mekkapilgers S. 313if., 
das Klagelied S. 319 Nr. 5. Zuweilen bilden zweimal zwei 
Hebungen eine Periode wie in dem Spiellied 8. 174 Nr. 1 und 
in den Tanzliedern S. 264 Nr. 1, S. 266 Nr. 3, S. 267, S. 272. 

Sehr häufig sind dreihebige Lieder. Die grosse Masse der 
kleinen Liedchen jeder Art gehört hierher, aber auch die 



* vier Silben kommeu auch vor und lassen sich nicht immer auf drei 
reduzieren, s. z. B. den Freudentriller S. 211 Nr. 1, S. 212 Nr. 2, fe. 309 Nr. 7. 
Vgl. oben S. XX. 



— XXIV . — 

Ga'ldijje -Lieder S. 120 ff., die meisten Marschlieder S. 146—151, 
vgl. S. 193 Nr. 1, S. 194 Nr. 2, das Matlü' elkarräde S. 190, die 
Me'annalieder S. 198 ff., der Freudentriller S. 212 Nr. 2, das 
Tarwid S. 214 f., die Refrainlieder „Ja zenu" S. 232 f., „Bardu" 
S. 237, die Lieder S. 242 ff., die Gehvelieder S. 254 ff., die Reigen- 
lieder S. 273, 280 f., 286 f., 296 f., 300f., 303, auch die Klagelieder 
S. 316 f., 320 Nr. 8, 325, 332. — Mit starker Cäsur zwischen 
erster und zweiter Hebung finden sich dreihebige Zeilen im Tanz- 
lied „0 Kichererbschen" S. 266. 

Yierhebig sind u. A. die 'Atäbaverse, s. S. 65 ff., die Treib- 
lieder (Hida) S. 137 f. Nr. 1—8, die Tarwidverse S. 184 f., 207 f., 
manche Zalrütaverse wie S, 210, 26 1 f., die Refrainlieder S. 230 f., 240, 
245f., 250, die Tanzlieder S. 264, die Reigenlieder S. 271, 274 ff., 
285, 288f., 293f., die Totenklagelieder S. 319 Nr. 3, 320 Nr. 6, 7. 

Als fünfhebig möchte ich bezeichnen den Mauwäl S. 21 9 ff., 
den Matlu S. 116 ff., die Klagelieder S. 324 Nr. 9— 11. Cäsur 
zwischen dem dritten und vierten Fuss findet sich im Tanzliede 
S. 265. Doch will mir scheinen, dass bei dem Matlü'' wie meist 
beim Kasld ein strenger Rhythmus nicht ausgebildet ist. Dies 
wird damit zusammenhängen, dass die Nachahmung altklassischer 
Dichtungsformen notwendig zu unklaren rhythmischen Verhält- 
nissen führen musste, sobald die in der Volkssprache übliche Weg- 
lassung der Endungsvokale in die Dichtungen eingeführt wurde. 

Die Melodien gehen in bezug auf den Rhythmus ihre eigenen 
Wege. Beispielsweise sei erwähnt, dass die Ga'idijje, welche 
oben als dreihebig bezeichnet war , in der Melodie zweifelsohne 
vier, unter Umständen durch Klatschen hervorgehobene Ikten hat. 
Ebenso waren die Reigenlieder „auf Megana" als vierhebig be- 
zeichnet, während in der Melodie in Übereinstimmung mit den 
Pas des Reigentanzes fünf Ikten gezählt werden müssen. Es 
werden deshalb die obigen Mitteilungen über die Rhythmen unter 
aller Reserve gegeben. Ich hoffe, dass der an mannichfachen 
Formen reiche Stoff andere locken wird, sich mit dem hier ge- 
botenen metrischen Problem zu befassen. Seine wirkliche Lösung 
wird zweifelsohne auch die alttestamentliche Metrik auf einen 
festeren Boden stellen, als sie ihn gegenwärtig besitzt. Die vor- 
auszusetzende Aussprache ist hier zum mindesten nicht zweifel- 
haft, und die thatsächliche Behandlung der Lieder durch die 
Araber lässt sich immer wieder praktisch prüfen. 



— XXV 



F. Die Melodien. 

In Syrien und Palästina ist zu unterscheiden der mehr oder 
weniger kunstgemässe Gesang der städtischen Berufssänger, welche 
sich in Kaffeehäusern und auf Hochzeiten hören lassen, und der 
volkstümliche Gesang der Bauern und Beduinen. Die vibrierende 
näselnde Klangfarbe ist beiden Singweisen eigentümlich. Aber 
die IS'eigung, durch Yerschmelzungen und Einschaltung von Neben- 
figuren den Gang einer Melodie undurchsichtig zu machen, wuchert 
im Kunstgesang in ganz anderer Weise als im Naturgesang. 

Es fehlt der arabischen Musik nicht an irgendwelchem Takt, 
der auf einem Schallinstrument wie Topftromrael oder Pauke 
oft auch hörbar gemacht wird. Aber Triolen- und Viertelbewe- 
gung wechseln, und um die Herstellung „höherer rhythmischer 
Einheiten",^ d. h. eines Taktsystems in unserem Sinne, kümmert 
sie sich wenig. Bei der Kunstmusik ist diese das Ohr verwirrende 
Eigentümlichkeit ganz besonders fühlbar. Ausserdem haben 
fremde Einflüsse mehrfach auf sie eingewirkt. In älterer Zeit 
geschah dies von Persien aus, gegenwärtig unterscheidet man in 
Syrien bei den Gesangsvorträgen der Kunstsänger arabische, d. h. 
ägyptische, und türkische, d.h. wohl meist aus Konstantinopel 
stammende Musik. Die letztgenannte ist ohne Zweifel feiner 
entwickelt mid reicher an echtmusikalischen Gedanken als die 
erstere. Die weithin wohlbekannten Melodien 31 und 32 meiner 
Sammlung, die ich in Aleppo aufzeichnete, sind Proben türkischer 
Kunstmelodien, während die Melodien 25, 26, ebenfalls in Aleppo 
aufgezeichnet, arabischen Kunstgesang kennzeichnen sollen. In 
die letztere Kategorie gehört auch der Ruf des Mueddin zum 
Gebet Nr. 27, bei dem zu beachten ist, dass dies nur eine der 
zahlreichen Möglichkeiten darstellt, den Gebetsruf zu singen. 

Noch immer wird von der arabischen Musiktheorie die Lehre 
von den 17 Stufen innerhalb der Oktave vorgetragen. Aber der 
ehedem dem Hofstaat des vorigen Sultans angehörende Musiker, 
welcher mich in Aleppo darauf hinwies, kam in Verlegenheit, als 



1 vgl. Sievers, Studien zur hebr. Metrik I (1901) 141. 



— XXVI — 

er zeigen sollte, wo diese Stufen in musikalischen Kompositionen 
wirklich vorkommen. Nachdem besonders auf Grund der Mit- 
teilungen von E,. Q. Kiesewetter in „Die Musik der Araber" 
(1842) die Meinung vorgewaltet hatte, dass es sich dabei um eine 
durchgeführte Scheidung von Dritteltönen handle, hat J. P. U. Land 
bewiesen,^ dass in dieser Lehre nur die in den verschiedenen 
Tonleitern gegebenen Möglichkeiten der Intervalle sehr verschie- 
denen Umfangs in ein System gebracht sind. Dass die im Ge- 
brauch befindlichen Tonarten von unserem Tonsystem nicht weit 
abliegen können , sieht man besonders an der orientalischen 
Cither (Känün), deren 25 Töne (zu je 3 Saiten) nach dem System 
unserer Durtonleiter gestimmt sind. Die Doppelschalmei (migwiz) 
der Hirten hat eine in Halbtönen fortschreitende chromatische 
Tonleiter von 7 Stufen, und auch auf den anderen Flötenarten 
(arrül, näj, schabbäbi) finden sich nur halbe und ganze Tonstufen,''' 
Die einsaitige Bauerngeige ist in dem mir gehörigen Exemplar 
auf dem Griffbrett mit sechs Ringen versehen, bei deren zweitem 
die Tonreihe anfängt. Das Greifen bei Ring 4 oder 6 ergiebt 
jedes Mal einen um eine Quarte höheren Ton. Ring 3 und 5 
entsprechen Tönen, welche um eine halbe Tonstufe niedriger 
sind als der Ton des darauf folgenden Rings. ^ Auch hier ist 
also eine chromatische Tonleiter vorausgesetzt. Trotzdem ist es 
wahr, dass dem orientalischen Gesang Intervalle eigen sind, die 
wir als unrein empfinden, während sie dort zum Wesen der Musik 
gehören. Nur sagte man mir, dass ihre Anwendung vom Ge- 
schmack des einzelnen Sängers abhänge. Bei Mel. 23, 27 habe 
ich durch beigesetzte Kreuze angegeben, wo etwa Erhöhung um 
^ji Ton statthaben kann.* 

Die arabisch-türkische Musik unterscheidet 12 Haupttonarten 
ausser einer fast unbegrenzten Zahl von Nebentonarten, welche 
sich vorzugsweise durch die verschiedene Stellung der halben 



^ Recherches sur l'histoire de la Gamme Arabe, iu Actes du sixieme 
Congr. intern, des Orient, tenu en 1883 ä Leide II 1 37 ff., und „Tonschrift- 
versuche und Melodieproben aus dem muh. Mittelalter", Vierteljahrschrift f- 
Musikwissenschaft II (1886) 347 ff. - nach den mir gehörigen Exemplaren. 
S. die Tonleitern 3—5. * s. unter den Tonleitern und Stimmungen Nr. 8. 

•* vgl. bei Land, Vierteljahrschr. f. Musikwissenschaft II 351, die Stufen X und 
XVII, welche noch nicht ganz ^/g Ton unter der je nächsten Stufe liegen. 



— XXVII — 

Tonstufen unterscheiden/ die indes nicht wie bei den alten Kirchen- 
tonarten durch blosse Verschiebung des Anfangspunktes der Ton- 
reihe gewonnen ward. Aber nur die Kunstmusik macht von diesen 
Tonarten in grösserem Umfange Gebrauch. Die Melodien des 
Yolksgesanges lassen sich auf wenige Tonarten zurückführen. 

Wichtige Eigentümlichkeiten des Gesangs der Bauern und 
Beduinen sind, dass meist nur eine einzige Tonphrase vorhanden 
ist, welche bei jeder Zeile des Verses wiederholt wird,^ imd dass 
der Tonumfang der Melodie eine Quarte selten überschreitet.^ 
Die Sangweise des Ka.sid (Mel. 17) bildet nur scheinbar eine 
Ausnahme, da der Araber hier je zwei Zeilen als einen Vers 
rechnet. Auch die 'Atäba- Melodie (Nr. 6. 7) ist im Grunde ein- 
zeilig, da die Zeilenschlüsse nur dasselbe Thema variieren. Melo- 
dien mit zwei Tonphrasen* wie Nr. 11, 12, 23 — 26 sind städtischen 
Ursprungs. 

Dieser Charakter der arabischen Volksmelodie, welcher beim 
Gesang unzählige Wiederholungen desselben musikalischen Ge- 
dankens zur Folge hat, macht länger fortgesetztes Anhören 
arabischen Volksgesanges recht ermüdend. Indes der Orientale 
liebt diese Eintönigkeit. Stundenlangem Gesang meines Maul- 
tiertreibers lauschten meine beduinischen und bäuerlichen Gast- 
freunde mit nie erlahmendem Interesse, obwohl er nur die beiden 
Melodiephrasen des Kasid dabei zu Gehör brachte. Man wird 
kaum fehlgehen, wenn man den Psalmenmelodien der alten 
Hebräer denselben Charakter zuschreibt. 

Eine dreifache Art des Liedervortrags kennen die Orientalen : 
Einzelgesang, Chorgesang und Wechselgesang. 

Einzelgesang wdrd ausschliesslich angewandt bei den Lied- 
gattimgen Kasld, 'Atäba und Mauwäl, sowie bei den Weinbergs- 
liedern und Freudentrillerversen der Frauen (s. Mel. 17, 6, 7, 8, 
18). Aber auch Hirtenlieder, Tränklieder, Treiblieder, Schnitter- 
lieder, Schlummerlieder werden naturgemäss nur von einem Sänger 
vorgetragen (s. Mel. 1, 2, 3, 4), ebenso solche Lieder wie die 
S. ri2ff. und 242 f. mittffeteilten. Dass auch ein einzelner zuweilen 



^ nach dieser Auschauuug, welcher die allgemeine Höhe der Tonlage 
gleichgültig ist, hat unsere Musik nur zwei Tonarten, Dur und Moll. * dies 
war nach Land, a. a. 0. 350 die älteste Gestalt des arabischen Gesangs , die 
erst im 7. Jahrh. geändert wurde. ^ auch dies ist uralte Sitte, s. Land, 

Recherches 52. * zuweilen mit geringen Modifizierungen bei der Eepetition. 



— XXVIII — 

Lieder anstimmen kann, für welche eigentlicli eine andere Vor- 
tragsart üblich ist, versteht sich von selbst. Der Sänger pflegt 
bei seinem Yortrag mit einer Hand ein Ohr zu schliessen, was 
nach Meinung der Orientalen den Gesang befördern soll. 

Chorgesang ist nicht allzu häufig, weil bei ihm die Voraus- 
setzung ist, dass alle den Text des Liedes kennen. Die „Regen- 
bitten" (S. 56ff.) und die Verabschiedungslieder für die Mekka- 
pilger (S. 312 0".) werden stets von den Frauen im Chor gesungen. 
Bei den Männern in Merg 'Ajün ist das Tarwid (S. 184 f., 207 f., 
Mel. 9) Chorgesang, der in der Regel von zweien angestimmt wird. 

Wechselgesang sind alle Tanz- und Reigenlieder (Mel. 11, 
12, 13, U^'^), die Refrainlieder (Mel. 23, 24, 25, 26), die 
Höde -Lieder auf Hochzeiten (Mel. 10), Matlü' und Ga'ldijje 
(Mel. 15, 16), die Totenklagelieder (Mel. 19, 20, 21, 22) und 
manches Andere, wie z. B. die Lieder der Dreschknaben (S. 14 ff.). 
Zuweilen hat der Chor auf den Gesang des Vorsängers (kauwäl, 
munschid) nur mit einem Rufe zu antworten, mit höö! oder öö! 
S. 197 Nr. 4, 205 Nr. 7, 208 Nr. 2, mit jöö jo! S. 174f. Bei den 
Refrainliedern ist es der am Anfang som Vorsänger vorgesungene 
Refrain, der vom Chor nach je zwei oder vier Zeilen wiederholt 
Avird. Giebt es keinen Refrain, so wird das Lied selbst Zeile 
um Zeile, und zwar zuweilen sogar mit AViederholungen repetiert. 
Natürlich ist hierbei deutliches Vorsingen und gute Aufmerksam- 
keit des Chores Haupterfordernis. Dass zuweilen der Chor nicht 
wiederholt, sondern die vom Vorsänger nur halb vorgetragene 
Zeile zu Ende führt, war schon oben S. XXI gesagt worden. Aller 
Chorgesang ist nur einstimmig. Wenn etwa beim Reigen Männer 
und Frauen zusammen singen sollten, würden beide dieselbe 
Melodie ausführen. 

Als Begleitungsinstrumente dienen bei städtischem Kunstge- 
gesang die Cither (känün), die Violine (oder kamangi), Mando- 
line ('üd), das Tambourin (duff) und die Topftrommel (dirbekki). 
Soweit es sich nicht um blosse Lärminstrumente handelt, ist die 
Begleitung eine homophone. Die Mandoline scheint nur die 
untergeordnete Aufgabe zu haben, durch rhythmisch wechselnde 
Töne die Gesamtwirkung zu verstärken. Bei Bauern und Beduinen 
ist nur die Bauerngeige (rabäbi) öfters, aber keineswegs überall 
vertreten. Besonders bei dem Vortrage des Kasld sind Zwischen- 
spiele auf diesem Instrument (vgl. Mel. 17) beliebt. Derartige 



— XXIX — 

Begleitung des Gesangs wird auch in den städtischen Kaffee- 
häusern dem niederen Volk geboten. Die Mandoline ('üd) ist den 
Bauern imd Beduinen ebenso fremd wie die Cither der Städter 
oder die tambüra der ISTubier/ welche wohl am ehesten dem 
Kinnör der Hebräer entspricht. Es soll vorkommen, dass ein 
Hirtenknabe den Gesang eines anderen auf der Schalmei begleitet. 
Doch habe ich dies nie gehört. Dagegen ist die Schalmei in 
ihren verschiedenen Gestalten ein beliebter Ersatz für Gesang als 
Begleitung des Tanzes. Wo möglich wird dann eine Pauke, 
Topfti-ommel oder allenfalls das Tambourin als Begleitung hinzu- 
genommen. ]SI"atürlich können auch Pauke oder Topftrommel 
allein den Rhythmus für Tanz oder Reigen angeben. Nr. 30 der 
Melodien zeigt, wie eine Schalmei-Melodie zum Stampfreigen sich 
bei den Beduinen in der Nähe von Aleppo ausnahm. Nr. 28 
giebt einen Teil einer Melodie auf der arabischen Klarinette 
(zummär) mit Paukenbegleitung, wie ich es auf einer dörflichen 
Beschneidungsfeier bei Aleppo hörte, Nr. 29 einen durch ganz 
Syrien vielgebrauchten Rhythmus für Pauke oder Topftrommel 
beim Tanz. 

Im Gedanken an das noch immer nicht sicher erklärte „sela" 
der Psalmen sei erwähnt, dass die Mauwälsänger auf den dörf- 
lichen Festen bei Aleppo ihren Gesang mit dem Worte „zäl" 
„es ist aus" zu schliessen pflegen, um damit der Musik das 
Zeichen zu geben, dass sie nun wieder zum Tanze auf- 
spielen solle. 

Über die Herkunft der einzelnen Liedmelodien sei noch 
folgendes bemerkt. 

Yon einem Hirtenknaben bei Essalt hörte ich Nr. I , von 
einem Beduinen auf Gebel Oscha^ Nr. 2, im 'Aglün von Schnittern 
bei Hauära Nr. 3, von Bauern in Elhösn Nr. 4 und 5, vom Maul- 
tiertreiber Cheiralla aus Chijäm (Merg 'Ajün) Nr. 6, 9, 10, 14, 15, 
16, von Frauen in Balät (Merg 'Ajün) Nr. 13 und 18, in Gededi 
(ebenda) Nr, 20, von Hrn. Däüd Sag an, jetzt in Berlin, Nr. 8, 
12, 17, 24, vom Beduinen Hmed bei Aleppo Mr. 7, 21, 22, von 
Hrn. Ahmed Amiri in Aleppo Nr. 23, 27, 31, 32. 



* dies Instrument ist in Palästina unbekannt, und es befremdet, dasselbe 
in dem von N. Müller und J. JBenzinger herausgegebenen Alten Testament auf 
Tafel 152 als , Modernes Musikinstrument aus Jerusalem" abgebildet zu sehen. 



— XXX — 

Alle diese Melodien wurden von mir nach dem Gehör auf- 
gezeichnet. Schriftlich erhielt ich 'Nr. 25 und 26 von Hrn. Ahmed 
Amiri in Aleppo , Nr. 1 1 von Frl. Elisabet Bender in Safed, 
Nr. 14^ von Hrn. James Cohen in Tiberias aus dem arabischen 
Liederbuch der amerikanischen Mission in Beirut (Nr. 87). 



G. Transskription und Aussprache des Arabischen. 

Folgendes System der Transskription der Konsonanten wurde 
angewandt: 



1 ' 




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(jo 


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kg 


dsch 




^ 


.1 i 


Nur, wo 


dies 


notw 


endig 


schi( 


en, wurde 


' für 


Hamza 


gesetzt, 



Die Transskription ist keine rein phonetische, indem t, d, z und k 
auch in Texten geschrieben wurde, in denen t (s), d (z) d (z) und 
Hamza dafür zu sprechen ist. Bei der Benutzung von Hartmann's 
„Arabischem Sprachführer" hatte ich die bei dem rein phoneti- 
schen Prmzip — das H. indes bei k selbst durchbricht — sich er- 
gebenden Übelstände zu sehr empfunden, um mich zur Annahme 
dieses Prinzips entschliessen zu können. Das Eichtige wäre 
doppelte Textmitteilung, erstlich in reinphonetischer Transskription, 
zweitens in Schriftsprache mit arabischen Lettern. Das letztere 
hatte hier zu unterbleiben, deshalb Hess sich auch die phonetische 
Transskription nicht durchführen. Nur bei k und k habe ich 
beduinische Aussprache als g und dsch für k, als tsch für k in 
den Text aufgenommen, weil dies keine Unklarheit über die zu 
Grunde liegenden Konsonanten veranlassen konnte. Damit im 
übrigen die richtige Aussprache der Texte doch einigcrmassen 
möglich sei, werden die dafür nötigen Angaben hier beigefügt. 
Die Laute t und d werden von den Städtern stets durch t 
(selten s) und d (seltener z) ersetzt, während Bauern und Be- 



— XXXI — 

duiuen sie als interdentale Spiranten sprechen. — g ist nur bei 
den Beduinen dg, sonst französisches j, weshalb die oft ange- 
wandte Transskription mit dsch für Palästina unangebracht ist. — 
üass ch deutsches ch in „ach", z weiches s, s scharfes s ist, 
kann als bekannt gelten. — r wird überall dental mit starkem 
ßollen gesprochen. 

Die Laute s, d, t ' werden überall deutlich von s, d, t unter- 
schieden. Bauern und Beduinen sprechen d in Nord- und Ost- 
palästina nicht wie im Süden als eigentümlich modifizierten Yer- 
schlusslaut, sondern als postdentale Spirans, d und d sind dann 
zuweilen schwer zu unterscheiden. Der Laut des z wird von den 
Beduinen stets,- selten von Bauern, niemals aber von Städtern 
gesprochen, die Bauern setzen d, die Städter d oder z dafür ein. 
Wo er gesprochen wird, ist er eine interdentale Spirans mit 
der den Buchstaben d, t, s eigenen breiten Anstemmung der 
Zunge, sodass der Luftstrom seitlich (von den Backenzähnen her) 
entweicht. Diese Aussprache ist deutlich unterschieden von der 
Aussprache des z als stimmhaftes s mit oberwähnter Nüancierung 
des Tones, wie man sie mich in der moslemischen Akademie der 
Azhärijje zu Kairo lehrte. 

Das 'Ain wird meist unter Beigabe eines kurzen a gesprochen, 
*en klingt deshalb wie 'ain, tingiTin wie tingiTain, selbst vor 
a kann man öfters das dem Konsonanten beigegebene a von dem 
folgenden Hauptvokal unterscheiden. — r vor r im Silbenauslaut 
schwankt zwischen gutturalem r und g; in Aleppo wird es oft 
im Silbenauslaut zu ch, also schurl zu schuchl. 

k wird von den Städtern und städtisch redenden Dörflern in 
Hamza verwandelt und als solches im Silbenauslaut sehr hörbar 
gesprochen. Bei den Bauern vieler Gegenden des Westjordan- 
landes wird es wie deutsches k vor o und u artikuliert , in 
Nazaret von k gar nicht unterschieden, während die Beduinen 
und Bauern im Ostjordanland, auch in der Gregend von Aleppo 
es als hartes g sprechen. Diese Aussprache wandten in Aleppo 
auch die volkstümlichen Sänaer auf Hochzeitszügen und in den 



* die übliche Bezeichnung dieser Laute als emphatisch erweckt die uu- 
zutrefiende Meinung, als ob sie mit besonderer Anstrengung hervorgebracht 
würden. Wer sich au sie gewöhnt hat, findet es zuweilen mühsamer, s, d 
und t an der richtigen Stelle zu sagen. ^ zu'un „Reisegesellschaft" ist 

ein Beispiel eines Worts, welches indes wohl überall mit d gesprochen wird. 



- XXXII — 

Kaffeehäusern an. Die Beduinen haben aber für k noch eine 
zweite Aussprache als dg (von mir mit dsch transskribiert), welche 
sie gelegentlich anwenden. „Ich will nach Jerusalem gehen" 
heisst beduinisch: ana widdi edggids; für: ist es wahr? sagt 
man: sidgg (statt sidk). Zuweilen nähert sich diese Aussprache 
des k dem tsch und ist dann von der zweiten Aussprache des 
k nicht zu unterscheiden. Den Libanonbauern allein ist die tief- 
gutturale Aussprache des k eigen. — Für k haben die Beduinen 
und die ostjordanischen Bauern eine zweite Aussprache als tsch.^ 
„Habt ihr eure Arbeit vollendet?" kann heissen: „tschammaltu 
schui'litschu". Bestimmte Regeln für die Anwendung dieser 
zweiten Aussprache bestehen nicht. Sie ist nicht auf die Laut- 
folge ik und ki beschränkt, sondern findet sich auch z. B. in ka 
und ku. 

h wird im Silbenauslaut besonders nach langem Vokal nicht 
deutlich gehört. — Dass w englischem w ähnelt, ist bekannt. — 
j e im Anlaut ist meist i. — Verdoppelte Konsonanten werden 
— anders als im Deutschen — überall auch doppelt gesprochen. 
Unterlassung der Verdoppelung zieht zuweilen schlimme Missver- 
ständnisse nach sich. 

Die orthographischen Fehler, welche nach Mitteilung von 
Farah Täbri Kinder und Ungebildete beim Schreiben machen, 
kennzeichnen die Aussprache, Städter verwechseln f und ^^ und 
schreiben köda für "ö da, 'alam für kalam, Dörfler vertauschen 
(jj und ^ und schreiben kän für kän, kult für kult. Sonst 
vorkommende Vertauschungen sind: i^ für O in dahab statt 
dahab; v:i> oder y*i für c.» in tär statt tär, hassahu statt 
hattahu; \ für Jö in zahar statt zahar, auch umgekehrt Je für 
\ in zehür für zehür; y-w für \jO in asfar statt asfar, auch 
\jc für j* in safar statt safar. Hinzuzufügen ist die häufige 
Verwechselung von ^6 und ib, z. B. duhr statt zuhr, und von 
i> und, \. Auch Schreibkundige sind oft im Zweifel, ob Wörter 
mit \jo oder Jö, mit <> oder *>, mit y* oder yo geschrieben 
werden müssen, wenn diese in der Schriftsprache nicht gewöhn- 
lich sind. Bei Beduinen können iJ, jjj und -^ vom Hörer ge- 



1 Wetzstein, ZDMG XXII, 163 ff., hat sicherlich mit Unrecht die zweite 
Aussprache des k mit dsch, die des k mit tsch wiedergegeben. Für die 
Belka, den Hauräu, die Gegend von Aleppo ist das Umgekehrte zutreffend. 



— XXXIII - 

legentlich verwechselt werden. So ist es zu erklären, dass Wetz- 
stein irrtümlicherweise die Reigennamen debke und sahge in 
debka und sahka verw^andelte. ^ Er hörte debtscha und 
sahdscha und meinte in beiden Fällen k voraussetzen zu müssen. 
Ahnliches ist mir selbst öfters begegnet, was freilich zum Teil 
damit zusammenhängt, dass das Ohr des Occidentalen für die dem 
Arabischen eigentümlichen Laute nicht genügend geschärft ist.^ 

Die Vokalisation soll die von mir gehörte Aussprache wieder- 
geben, und nicht der in der Schriftsprache üblichen entsprechen, 
was besonders für die Araber bemerkt sei, denen etwa dies Buch 
in die Hände fällt. Besondere Schwierigkeiten verursachte die 
Unbestimmtheit der kurzen Yokale , welche in demselben Worte 
keineswegs immer gleich lauten. Auch die Vokalfärbmigen, welche 
die Konsonanten d, t, z, s, h, " veranlassen, sind keine völlig fest 
bestimmten. Ich habe öfters darauf verzichtet, sie wiederzugeben, 
unter der Voraussetzung, dass sie sich bei richtiger Aussprache 
dieser Konsonanten von selbst einstellen. 

Folgende Einzelheiten seien bemerkt. Bei imbetonten End- 
vokalen werden in der Regel keine Längen bezeichnet; sonst 
wurde ä, e, ü für lange, e, 5 (im Beduinischen auch i, ü) für 
kontrahierte Vokale verwendet. Die verschiedenen Schattierungen, 
mit denen ä gesprochen werden kann, sind nicht weiter miter- 
schieden worden. Von den Städtern wird langes ä dem ä ge- 
nähert, in Aleppo war es zuweilen von e nicht mehr zu imter- 
scheiden. Bauern und Beduinen sprechen klareres ä. — Das aus 
ai entstandene e schwebt meist zwischen e und ä. Die Beduinen 
bei Aleppo sprechen es als i, und ebenso aus au entstandenes 
ö als ü. — Das Suffix der 3. Pers. masc. Sing, habe ich stets u 
geschrieben, obwohl die Aussprache zwischen u und ö schwankt. 

Überall wird Silbenschluss mit zwei Konsonanten gern durch 
Einschaltung emes Hilfsvokals aufgelöst,-^ und zwar nicht nur bei 



1 s. S. 267 u. 295. Dozy giebt deshalb im „Supplement" sahka neben sahge. 
* verhört hat sich wohl auch HaHmann, ZDMGr LI 198 Str. 7 Zeile 1, in: 
hutt eFadm 'al'adm, was heissen würde (S. 211): „Leg den Knochen auf den 
Knochen" (!). Es muss doch wohl heissen: hutt elkadam 'alkadam „setze 
Fuss hinter Fuss" (vgl. in dieser Sammlung S. 230). Hamza (statt k) wurde 
für 'Ain gehalten. » s. dazu auch Wetzstein, ZDMG XXII 180 f., Sachau, 

Arabische Volkslieder aus Mesopotamien 92. Die biblische Vokalisation der 
Segolatformen ist eine Folge derselben Neigung. 

Dal man, Volksleben. III 



- XXXIV — 

Konsonanten, die sich nicht zusammensprechen lassen. Man sagt 
chub^z für chubz, in't für int, bar4 für barl, Schemas für 
schems, ketab^t für ketabt. Auch das unmittelbare Zu- 
sammenstossen von drei Konsonanten in einem Worte oder in der 
Aufeinanderfolge zweier Worte wird durch Hilfsvokale vermieden, 
man sagt il^hbäba für ilhbäba, 'aPktäf für "^alktäf, samm^ 
sukkar für samm sukkar, ibkit iktir für bkit ktir. 

Arabischer Gesang bietet besonders bei der langsam einher- 
schreitenden Melodie des Tarwid Gelegenheit, den Einfluss langer 
Dehnung einer gesungenen Silbe auf ihren Yokal zu beobachten, 
walad wird zu wälääd, jalli zu jälle, heli zu hell. Der 
ganze dem Arabischen eigene Vokalismus scheint dann zerstört, 
was erwähnt sei, weil die Ton- und Yortondelmungen in der 
biblischen Vokalisation des Hebräischen wohl durch einen ent- 
sprechenden Einfluss zu erklären sind. 



Obersicht über die Herkunft der Lieder. 



A) Westjordanland. 

1. Jerusalem, städtisch: S. 2::;0tf.; häuerlich: S. 65 f., 67 ff., 99, 158 f., 804; 

beduinisch: S. 66, 155. 

2. Gegend von Jerusalem, bäuerlich: S. 4 f., 22 fi'., 25 ff., 41 f., 56 f., 58, 

59ff„ 68 f., 144, 165 f., 171, 172 ff., 188, 262 ff., 268 f., 270 f., 273 ff., 
296 ff., a06, 810 f., 824 f., 381, 334 ff;, 844. 

3. Gegend von Nazaret und Tiberias, bäuerlich: S. 80, 254 ff., 269 f., 

325 ff.; beduinisch: S. 110 ff. (V). 

4. Merg 'Ajün, bäuerlich: S. 14 ff., 20, 29 ff., 81 f., 95, 112 ff., 117ff., 120 ff., 

155 f., 168 ff., 184 ff., 191 f., 193 f., 207, 208, 247 ff., 267, 268 f., 272, 278 ff., 
304 f., 806 ff'., 811 f., 316 f., 322 f., 330. 

5. Am See Hole, beduinisch: S. 19 f., 136. 

B) Ostjordanland. 

1. Belka, städtisch: S. 80f. (?), 116f, 190f., 242ffi, 258ffi; bäuerlich: S. 28f., 

38, :84, 37, 45, 57, 214 ff., 261 f., 818fl:, 332 f., 337 ff., 342 f.; beduinisch: 
S. 7, 81 ff'., 38 ff'.. 42 ff:, 58, 100 ff., 103, 109 f., 186 f., 145 ff'., 153, 157, 
188 f., 208, 216 f., 217 f., 251 ff., 800 ff., 323, 329 f., 339 ff., 350 ff. 

2. 'Aglün. bäuerlich: S. 7f., 38, 41, 46, 48 f., 50 ft'., 52, 54 f., 135, 137 ff., 

139 f., 166 ft; 187 f., 278; beduinisch: 46, 150, 171. 

3. Hauräu. bäuerlich: S. 8 f., 185, 150 f.; beduinisch: S. 9 f.. 89, 308. 

C) Norden. 

1. Sidon, Seeleute: S. 141 ff'. 

2. Berüt, städtisch: S. 249 f. 

3. Libanon, bäuerlich: S. 283 f. 

4. Tripolis, Seeleute: S. 143. 
5 




D) Centralarabien. 
Beduinisch: S. 104 f., :M5 ff. 



Erster Teil 

Bei Arbeit und Ruhe 



Da] man, Volksleben. 



Auf Feld und Tenne. 

1. Beim Pflügen. 

Es wird beim Pflügen überall in Palästina viel gesungen. 
Aber nirgends weiss man von besonderen dafür bestimmten 
Liedern. Die ''Atäba ist die hier mit Yorliebe angewandte Lied- 
form. Da 'Atäba -Verse bei jeder Gelegenheit gesungen werden 
können, sind sie weiterhin gesammelt mitgeteilt. 



Spruch vom Pflügen. 
Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduinen Hmed. 

Elbür — mä jitäla' ta'ab-ettür 
weschschigäg — mä jef em ergäg 
wettenäje — mä minha rnäje 
wettitllt — mä "^annu tehdit 
wattirbP' — iftah eggubb ubP*^ 
wattichmis — dahab bilkls. 

Die Brache — giebt nicht her die Arbeit des Ochsen, 

und das Aufreissen ^ — giebt nicht zu essen dümie Brotfladen, 

und das zweite Pflügen — davon ist kein Reichtum, 

und das dritte — das ist nicht der Rede wert, 

und das vierte — thue auf die Vorratsgrube und verkaufe! 

und das fünfte — Gold ist im Beutel. 



^ das erste Pflügen. 

1* 



— 4 — 

2. Bei der Ernte. 
Beim Getreideschneiden und -Ausreissen. 

a) Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Aussätzigen in Jerusalem. 
1. Von der Sichel. 

Mengali ja men galäh 

räh lilhaddäd galäh 
mä gaLäh illä be'ölbe 

ret harölbe 'azäh 
mengali jahu razze 

jelli scharetak min razze. 

Mengali jabu-lcharächisch 
mengali filkaschsch® täfisch. 

Meine Sichel, o wer schliff sie? 

er ging zum Schmied, der schliff sie, 
er schliff sie nur um eine Metze (Getreide).^ — 

möge die Metze Trauerspeise ^ für ihn werden! 
meine Sichel, du mit der Spitze, 

die ich gekauft habe aus Gaza. 

Meine Sichel, o du mit den Verzierungen,^ 

meine Sichel, die rasch fährt durch die Halme. 

2. Der gesegnete Thau. 

Winnida ja mabraku 
hadd hell waclnaku. 

Und der Thau, o wie gesegnet ist er, 

er zerstörte meine Kraft und machte sie schwach!* 



^ 'ölbe ist hier Getreidemass = 6 sä' = 1/2 keile = 18 1. - bei seinem 
Leicheumahl. Es wird dem Schmied der Tod gewünscht. ' churc hasch 
ist eine Verzierung am Rücken und Stiel der Sichel. * zum Ernten gewisser 
Feldfrüchte durch Ausreissen ist Thau notwendige Voraussetzung, damit die 
Stengel geschmeidig sind und die Körner nicht ausfallen. 



— 5 — 

3. Die schlimmen Dornen. 

Ja ret ischschök mä bän 

walä, tchallak walä kän 
'aminnu taba' ezzen 

uräh ezzen hardän 
ja rulmän ruddüh 

sam^n ubed raddüh. 

dass doch die Dornen nicht zu sehen wären, 
und nicht geschaffen wären und nicht existierten, 

weil sie stachen den Schönen,^ 
und es ging der Schöne davon. 

Burschen, bringt ihn zurück, 

Eier in Butter gebt ihm als Mittagessen! 

Variante desselben Liedes aus Teil eggibDi bei Aleppo. 

Mitgeteilt von einem Bauern. 

Ja let ischschök mä kän 

ulä ganbar ulä bän 
ulä min fög hetän 

^aminnu chammasch izzen 
räh izzen hardän 

■^ala ja guär riddüh 
wana Tatta feddän 

ufeddänen ufeddän 
umakküken hinta 

ubäki-lhabb gilbän 
tä jizra' fen mä kän. 

wenn doch die Dornen nicht existierten, 

und nicht aufschössen und nicht zu sehen wären, 

auch nicht auf den Feldmauern, 
weil sie den Schönen zerkratzten, 

es ging davon der Schöne ärgerlich. 
Auf,^ ihr Nachbarn, bringt ihn zurück, 



'■ das Mädchen. - 'ala ist Anrufe wort, worauf die Anrede an den Ge- 
rufenen sofort foloren muss. 



— 6 — 

und ich biete dar ein Joch (Land) 

und zwei Joch und ein Joch, 
und zwei Makkük^ Weizen 

und den Rest der Körner Platterbsen, 
dass er säe, wo es auch sei. 

4. Das Mädchen mit der Halskette. 
Arwahak ja chaiji warwah 

arwahak dlret halab 
ja mdakdak 'azenüdak 
säir ilburme dahab. 

arwahak ja chaiji warwah 

arwahak dlret mas^r 
ja mdakdak 'azenüdak 

säir ilburme kes^r. 

Geh doch, mein Bruder,^ gehe, 

geh doch nach der Gegend von Aleppo, 

o du Tätowierter auf den Armen, 

der du schmiedest^ die Halskette von Gold. 

Geh doch, mein Bruder, gehe, 

geh doch nach der Gegend von Kairo, 
o du Tätowierter auf den Armen, 

der du schmiedest die Halskette von Metallstücken.* 

5. Bezaubernde Tauben, 
'Adära ja benäjät 

hamäm erra'bijjät 
'adära lösch tibkin 

'ala 'önbin *^ala tin 
'ala rummän schibtm. 

Jungfrauen, ihr Mädchen, 

ihr bezaubernden Tauben, 
Jungfrauen, warum weint ihr? 

wegen Trauben, wegen Feigen, 
wegen Granatäpfeln von Schibtm ? ^ 



1 ein Makkük = 16 Schimbul = 1728 1. ^ es ist doch wohl ein 

Mädchen gemeint. ^ füj. ^schmieden lassest". * keser soll besonders 

gutes Gold bezeichnen. * Ortsname. 



— 7 — 

b) In der Belka. Mitgeteilt von einem Bauemburschen in Mädaba. 
Auf dem Wege zur Stadt. 

Haije ja bun'd fäjih 

wen mlaggi wen räjih 
räihan süg ilmedine 

mäli-rölbe rewäih. 

Auf, du duftender Strauss,^ 

wo wirst du gefunden, wo gehst du hin? 
Ich gehe nach dem Markt der Stadt, 

ich fülle die Schachtel mit Düften. 

c) Im 'Aglun. Mitgeteilt von Schnittern aus Hawära. 
l. Das schlafende Mädchen. ^ 

Ja näima nöm ettuli 

wuddagga 'alburtum heli^ 
löla hajäj min häli 

lirkud wahöbb ennäima. 

ja näima nöm ilcharüf 

widdagga 'alburtum ma'rüf* 

lüla hajäj min eddijüf 
lirkud wahöbb ennäima. 

ja näima ja näimä 

ret irawäfi däima 
gälüli chaijik bilhabs 

fezzat uzallat käima. 

der du schläfst den Schlaf des Lamms, 
und die Zeichnung auf den Lippen ist süss, 

wenn ich mich nicht schämte vor meinen Eltern, 
lief ich und küsste die Schlafende. 

der du schläfst den Schlaf des Schafs, 

und die Zeichnung auf den Lippen ist vortrefflich, 

wenn ich mich nicht schämte vor den Grasten, 
lief ich und küsste die Schlafende. 



1 ein Mädchen ist angeredet. - Melodie 3. ^ Variante: widdugg 
elazrag 'attedi „und die blaue Zeichnung ist auf den Brüsten". 
•* Variante: widdugg el'azrag 'alakföf „und die blaue Zeichnung ist auf 
den Schultern". 



Schlafende, o Schlafende, 

o wäre doch das Wohlsein dauernd! 
Man sagte mir, dein Bruder ist im Gefängnis — 

da sprang sie auf und blieb stehen. 

2. Der Zemzambrunnen. 

Bir izzemzam "^aleh härisin mä jenäm 
weimeschäma 'aleh mitl raff ilhamäm. 

Der Zemzambrmmen,^ an ihm ist ein Wächter, der nicht schläft, 
und der Schönen sind an ihm wie der Flug von Tauben. 

d) Im Haurän. Mitgeteilt von Bauern in Inchil. 
1. An den Garbenbinder. 

Ja mrammir limm-ischschamäil 
wakra' umtöbiz wungämu säil. 

ja mrammir ja hazln 
kem dafannälak dafin 

ben bullänan uschibrak 
ukirs'^anne mä tlin. 

Garbenbinder, sammle die Schwaden, 

kahl und gekauert und mit fiiessendem Rotz. 

O Garbenbinder, o ärmster, 

wie viel haben wir dir versteckt Verstecktes - 

zwischen Bulläna und Schibrak 

und Kirs^aime, die nicht weich ist.^ 

2. An den Schnitter. 

Ja m'allmi hat Idak 

wiljöm bislach gildak 
wiljöni rada mä beridak. 



* im Heiligtum zu Mekka. An ein Mädchen wird gedacht. - die 

Schwaden hat der Schnitter auf dem domenreichen Boden niedergelegt, von 
wo sie der Garbenbinder aufsammeln muss. * drei dornige Gewächse sind 
genannt. Bulläna ist ein in ganz Palästina häufiges dorniges Kraut, 
schebrak soll Ononis antiquorum sein (nach Low, Aramäische Pflanzen- 
namen 429), kirs'anne ist eine Art Eryngium (Mannstreu). Von kirs'anue 
wird besonders erwähnt, dass sie hart ist, weil sie erst im Sommer holzig 
und stachlich wird, Avährend sie im Frühjahr weich ist und in diesem Zu- 
stand als Salatkraut dient. 



— 9 — 

Meister, her mit der Hand, 

heut zieh ich dir die Haut ab,^ 
aber morgen mag- ich dich nicht. - 

Mitgeteilt von einem Beduinen bei Zeräkijje. 
3. Der Enttäuschte. 

Jabu 'agäjil mer'az 

h^jig 'agibinu 
igäna-lchabar mgauwaz 

söda 'ala mäntünu. 

abu 'agäjil merjüm 

läjig 'agiblnu 
usbur 'ala hökm alla 

belki ahäli jintünu. 

du mit den Kopfringen von Mer'^az,'^ 

niedergezogen auf seine Stirn, 
es kam uns die Kunde: verheiratet, 

trauernd wegen: sie geben ihn mir nicht.* 

du mit den Kopfringen von Merjüm,^ 

niedergezogen auf seine Stirn, 
warte auf den Befehl Gottes, 

vielleicht geben ihn mir meine Eltern.^ 

e) In Merg 'Ajün. Mitgeteilt von jungen Leuten in Gededi. Nr. 1 und 3 
wurden als beduinisch bezeichnet, Nr. 3 als aus dem Hauran stammend. 

1. Ärmliches Schnitterleben. 

He ja ulidi — taba'^ak radi 

wesch maukülak — lahm-oggidi 

schü maschrübak — moijet widi 
ja 'aclldi — chud 'an idi 

habl ilkinnab — kata' Idi. 



' vgl. das deutsche „schinden" für „quälen". ^ so singt der Garben- 
binder dem Schnitter zu, der fleissig für ihn schneiden muss. ^ eine be- 
sondere Art Wolle. * das vom Angeredeten begehrte Mädchen soll an 
einen andern vergeben sein, es trauert aber, weil sie dem von ihr Bevorzugten 
versagt wird. ' so sasrt das Mädchen. 



— 10 — 

mein Knabe, ^ — dein Charakter ist schlecht, 
was ist deine Speise? — das Fleisch des Zickleins, 

was ist dein Trank? — das Wasser der Thäler. 
O mein Helfer, — nimm von meiner Hand,"^ 

das HanfseiP — zerschnitt meine Hand. 

2. Die Schüssel Sauermilchreis. 

Tule^ ilhaua ja hassäd 

hägi kä'id filfaje 
ja hassäd mlükijje 

mä bahsud welä fijje 
illa mä teglni 

ma'genet lebanijje 
hatta äkul uischba" 

biddibb ilmrüwe fijje. 

Es erhob sich der Wind,* o Schnitter, 

genug des Sitzens im Schatten, 
königlicher Schnitter! 

Ich schneide nicht, und nicht ist Kraft, 
wenn nicht zu mir kommt 

eine Schüssef mit Sauermilchreis, 
damit ich esse und satt werde, 

dann verbreitet sich der Mut in mir. 

3. Rasende Liebe des Beduinen. 

Mus'ad ja tannür — ja gammä'-lhabäib 
umus'ad ja tannür mus'ad. 

jabu kadäda — ja murtaki ^assef waweli 
jabu kadäda jabu. 



^ walacl „Knabe" nennen die Beduinen jeden Mann, der noch nicht Greis 
ist. Hier redet der Schnitter zum Garbenbinder. * die Schwaden. 

^ ein Strick von Hanf oder Ziegenhaar wird beim Ernten um das Hand- 
gelenk gebunden. Man sagt, er verhüte das Zerreissen desselben. * der 
kühlende Nachmittagswind ist im Schatten abgewartet worden. 



— 11 — 

'öschkak brida — 'öschk il'arab bignün 
we'öschkak brida 'öschkak. 

höscha urummäna — in käbalu 'aren waweli 
höscha urummäna höscha. , 

Du GlückHcher, o Tannür,^ — du Sammler der Liebhaber, 
du glücklicher, o Tannür, du glücklicher! 

O du mit dem weissen Kopftuch, — der du vertraust auf das 

Schwert, o weh mir! 
du mit dem weissen Kopftuch, o du! 

Deine Liebe sucht Einwilligung, — die Liebe des Beduinen ist 

rasend ! 
Deine Liebe sucht Einwilhgung, deine Liebe. 

Höscha und Rummäna,^ — wenn sie (mich) an der Quelle treffen, 

o weh mir! 
Höscha und R.ummäna, Höscha. 

f) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduinen Hmed. 
1. Das Erntestück.^ 

Ja immäni retak bür 

retak mur'a lezzarzür 
wezzarzür jäkul ridde 

ben idlä'u mirtädde. 

jammäni läbüdd tirhal 

wafazza' bani halhal 
manägilhum bidihum 

jeguschschu-schschük ma' ezza'tar. 

Erntestück, o wärst du Brache, 

wärst du ein "Weideplatz für den Star, 
und der Star bekäme zu verzehren (Gewehr-) Ladung, 

die an seine Rippen wiederkehrt. 



* tannür heisst der Backofen der Nordpalästinenser, aber auch die 
fensterlose Hütte, in der er sich befindet. Da die Backhütte oft von den 
Wohnhäusern der Dörfer weit abliegt, eignet sie sich zu einem Stelldichein 
von Liebenden. Hier scheint ein Beduine den Tannür eines Dorfes zu solchem 
Zweck benutzt zu haben. * zwei Mädchen, zwischen denen schwer zu wählen. 
' immän ist das dem einzelnen Schnitter zugeteilte Stück des Emtefeldes. 



12 



Erntestück, es hilft nichts, du musst davon, 
und ich überrasche die Söhne Halhals 

mit den Sicheln in ihren Händen, 

die abschneiden die Dornen mit dem Thymian.^ 

2. Hilfe erwünscht. 
Halli j'^äwinni gäbarni 
tschän acher mnilwugüf. 

Wer mir hilft, thut mir einen Gefallen, 
das wäre besser als das Dastehen. 

Mitgeteilt von einem Bauern in Teil eggibiu bei Aleppo. 
1. Weizen wie die Wangen des Mädchens. 

Ja rä'^i attähün rinimt 
gätak hinta hasijje 

hamra mitl 'chdüd ilbint. 

Besitzer der Mühle, du hattest Gewinn, 

zu dir kam Weizen von Hasja,^ 
rot wie die Wangen des Mädchens. 

2. Meine Sichel. 
Mengali ja men galäh 

räh lassäjir galäh 
mengali mengal lisüni 

akrat umälu snüni. 

Meine Sichel, o w^er. schliff sie? 

er ging zum Goldschmied, der schliff sie. 
Meine Sichel ist eine Sichel von Hsün,^ 

ritzend, obwohl ohne Zähne. 

3. Um ein Ei. 
^Albedawi wilbedawijje 

wilbedawi tallak martu 
'anitfet lebanijje 

'ala rarifin aklatu 
u'ala beda mischwijje. 



1 mit dem Getreide schneiden sie auch die Dornen ab, so scharf sind 
sie. ^ ein Dorf südlich von Höms, wegen seines guten Weizens bekannt. 
' Name eines Schmieds. 



— 13 — 

über den Beduinen und die Beduinin: 

der Beduine verstiess seine Frau 
wegen eines Bisschens Sauermilchreis, 

wegen eines Brots, das sie gegessen hat, 
und wegen eines gerösteten Eis.^ 

4. Der geschlachtete Hahn. 
Ja 'ämra jamm 'ammär 

'ala schuebet ennär 
dabahti-ddik akaltih 

ukulti dikna tär 
lä tajjar walä tär 

walä 'alla min eddär 
häda dammu 'ala-lhet 

ja rischu mäli-ddär 
ja lahmu milu-lmakle 

'aleh essamn fauwär 
'aleh ilka'k bidwär 

jischbe' gesch chuttär 
chatätir u chuttär 

uchatätlr limüsa 
ulimüsa weld 'ammär. 

'Amra, Mutter 'Ammärs, 

über der Hitze eines kleines Feuers 
hast du den Hahn geschlachtet und assest ihn, 

und sagtest: unser Hahn flog davon! 
Nicht liess er fliegen und nicht flog er, 

und stieg nicht auf vom Haus. 
Da ist sein Blut auf der Wand 

und seine Federn füllen das Haus, 
imd sein Fleisch füllt die Bratpfanne, 

über ihn steigt die Kochbutter, 
dabei die Kringel in Rundung, 

er würde sättigen eine Armee von Vorübergehenden, 
Vorübergehende jeder Art, 

vorbeigehend bei Musa, 
und Musa hat ein Kind (Namens) 'Ammär. 



^ berla mischwijje ist ein in heisser Asche gargemachtes Ei. 



— 14 — 
Zum Ausreissen von Feldfrüchten. 

In Merg 'Ajün. Mitgeteilt von einem Bauern in Balät. 
Alles ist vorüber. 

Akalt igräbi ja wäwi 

kän me'allak bedawi 
kän me'allak chazaktu 

marak elmischmusch mä diktu 
marak el'öneb mä diktu 

marak ilmukta mä diktu 
marak ettln mä diktu. 

Du hast meinem Proviantschlauch gefressen, o Schakal, 

er war aufgehängt auf Beduinenweise, ^ 
er war aufgehängt, du zerrissest ihn, 

vorüber ist die Aprikosenzeit, ich kostete nicht davon, 
vorüber ist die Traubenzeit, ich kostete nicht davon, 

vorüber ist die Gurkenzeit, ich kostete nicht davon, 
vorüber ist die Feigenzeit, ich kostete nicht davon u. s, w. 



3. Beim Dreschen. 

Lieder für den Knaben, der, auf dem Dreschbrett (maurag) 
stehend, die es ziehenden Ochsen antreibt. In der Regel singen 
zwei Knaben, der eine stimmt an, der andere, sein Nachbar auf 
dem nächsten Dreschplatz, wiederholt Zeile um Zeile. 

In Merg 'AjQn. Mitgeteilt von Bauern in Gededi. 
Das weisse Mädchen und Ahmed der Schlächter. 

Halili ja beda — ja schirsch ilhummeda 

ja gibne tarijje — fök ilhetalijje 
fettih ja tabakna — hatta nilhak rafakna 

refakna subhijje — Iwärdi 'ala-lmoije 
wärdi 'atschäni — lahakha schubbäni — min schabäb ^hseni. 

ja machrübi ja 'akka — fiki-lhagar biddakka 
fiki ahmed eggezzär — la bjäkul ulä bischrab 
illa min kis ilfelläh — wilfelläh tallak martu 



^ wohl an einem Baum. 



— 15 — 

tfillakha mä tallakha — tallakha 'achwänikha 

chwänikha lülu umirgän — tukk umüt ujä 'azbän 
lesch mintukk ulesch minmüt — mintakkek kull enniswän. 
jejejejejeje 5ö! 

Du gefällst mir, o AVeisse/ — o Wurzel von Sauerampfer, 

frischer Käse — auf dem Milclibrei! 
Tliue dich auf, o unsre Rose^, — dass wir einholen unsre Begleitung,^ 

unsere Begleitung am Morgen, — die hinging zum Wasser, 
hinging durstig, — es folgten ihr junge Männer von den Männern 

Hsen's.* — 
Zerstörtes, o 'Akka — in dir sind die Steine verziert,^ 

in dir ist Ahmed der Schlächter^ — er isst und trinkt nur 
von dem Beutel der Bauern, — und der Bauer verstiess seine Gattin,'' 
er verstiess sie, wie er sie verstiess, — er stiess sie aus an 
ihren Halsketten, 
ihre Halsketten sind von Perlen und Korallen. — Birst vor Arger 
und stirb, du Frauenloser ! 
Warum sollen wir bersten und warum sterben? — wir lassen 
(lieber) bersten alle Frauen! 
jejejejejeje — 5ö! 

Mitgeteilt von Bauern und Bauemknaben in Balät. 
1. Die Base Hmädi's und der Nebenbuhler. 

Hädi ja hädi — ja gamal mas'üdi 

chätim limschanschal — jellk lil^hmädi 
hmädi biliksära — tnäillu-ttiära 

räh essef kullu — mä ta'mäni minnu — ta'm bint 'ammu 
täkul samm usä'a — uhaijt-illassä'^a 

tilsa'ha bilsänha — tfarrek 'agiränha 
giränha nasära — fihadik ilhära 

hart ilküblijje — dakk ilmahlabijje 
dakk ilmahlab dakk irruzz — häda schurl uläd il'özz 

häda schurl el'azäzijje — imm eschsche'ür mdallijje 



^ ein Mädchen ist angeredet. * eigentl. gelbe Rose. Der Sinn ist: 

Glück, sei mir hold! * es ist auch wieder das Mädchen gemeint. * hier 
schliesst das erste Lied, welchem ein zweites unmittelbar folgt. ^ durch 

Skulpturen. * Ahmed der Schlächter, gest. 1804, berüchtigter Hen-scher 

eines selbständigen Gebiets mit der Hauptstadt Akko. '' ausser der Aus- 

sauguug durch den Fürsten hat der Bauer noch häuslichen Ärger. 



— 16 — 

dallatni 'abir ublr — halfatli wahjät-ilmir 

sidd ilküz bitteffäha — uläki-lchel errammäha 
rammähtik jä-lhändi — mraschrascha bilwardi — elward mähu 'andi 

elward 'and-eddarra — alla jechün eddarra 
iibhelha ukuäha — rabb issama ramäha 

tabachna lebanijje — wellebanijje akalha-l'asfür 
werasfüi- min egginne — alla jikla' fulän 'anni. 
jejejejejeje öö! 

Leittier, o Leittier — o Kamel des Mas'üd!^ 

der Ring mit Geliäng — steht dem Hmädi,^ 
Hmädi im x^eiibruch — die Yögel singen ihm; 

dahin ist der ganze Sommer, — er speiste mich nicht von ihm, — 
er speiste die Tochter seines Onkels, 
mag sie essen Gift und Verwirrtheit, — und die Schlange die 
stechende 
möge stechen ihre Zunge, — sie mag austeilen^ ihren Nachbarn, 
ihre Nachbarn sind Christen — in jenem Quartier, 

im südlichen Quartier. — Das Stossen des Mahlabbreis,* 
das Stossen des Mahlab, das Stossen von Reis, — das ist die 
Arbeit der bevorzugten Kinder, 
das ist die Arbeit der Bevorzugten, — der mit den herab- 
hängenden Haaren. "* — 
Sie zeigte mir den Weg zu diesem und jenem Brunnen, — sie 
schwor mir beim Leben des Emir: 
„Verschliesse das Krüglein mit dem Apfel — und gehe entgegen 
den rennenden Pferden!"^ 
Deine Renner, o Schmeichlerin, — sind besprengt mit Rosen- 
wasser, — Rosenwasser Trabe ich nicht, 
das Rosenwasser hat die Nebenfrau,'^ — Gott werde untreu der 
Nebenfrau, 
und mit ihrer Stärke und ihrer Kraft — hat der Gott des 
Himmels sie verworfen. 

* der Dichter meint wohl sich selbst. ^ der Herr des Knaben. 

* von dem Grift. * Reismehlbrei mit dem Gewürz Mahlab. * das ist 

die vom Kameltreiber beneidete Base Hmädi's. Hier endet der Zusammen- 
hang, das Folgende wird ursprünglich in einen anderen Zusammenhang ge- 
hören. * d. h. schweige über unsre Abmachung und tritt den Mitbewerbern 
entgegen. '' nur Nebenfrauen greifen zu solchen Lockmitteln wie seine 

Mitbewerber, die deshalb verflucht werden. 



— 17 — 

Wir kochten Milchreis, — imcl den Milchreis ass ein Vogel, 
und der Yogel ist von den Yerrückten.^ — Gott reisse aus KN.^ 
von mir! 

Jejejejejeje — oo! 

2. Das führerlose Pferd. 

Tär ennida ja teri 

mälik gauäd ilcheli 
mälik gauäd iddahma 

ja dahma wen därüsik 
därüsik chatar umät 

umät — alla lä jekim hätu. 
jejejejejeje — öö! 

Es flog davon der Thau, o mein Yogel, ^ 

was ist dir, du ausgezeichnetes der Pferde, 
was ist dir, du ausgezeichnetes unter den Schwarzen? 

Schwarze, wo ist dein Drescher? 
Dein Drescher ging davon und starb, 

er starb? — Gott lasse nicht auferstehen seine Achselhöhle!* 
Jejejejejeje oo ! 

3. Der gestorbene Dreschknabe. 

Häda fulän wejä rinnu 

'ajünu täira minnu 
räh 'almathana tajithan 

igäni-lchabar 'annu 
akal auwal muschtäh 

utäni muschtäh 
iga 'azräin achad ruh fulän uräh, 
jejejejejeje 55! 



^ gemeint ist der Nebenbuhler, welcher sein Verhältnis zur Geliebten 
störte. ^ hier nennt der Knabe jemand, den er nicht leiden kann, etwa 
den Knaben auf einem benachbarten Dreschplatz. ^ gemeint ist ein Pferd, 
welches unthätig ist, weil ihm der lenkende Knabe fehlt. * scherzhafter 
Weise pars pro toto. 

Dal man, Volksleben. 2 



— IS — 

Dieser N. N.^ und o seine Stimme, 
seine Augen fliegen von ihm^ — 
er ging zur Mühle zu mahlen, 

da kam die IS'achricht über ihn: 
er ass einen ersten Muschtäh-^ 
und einen zweiten Muschtäh, 
da kam 'Azräin,* ergriff die Seele von N. N. und ginj 

davon. 
Jejejejejeje oo ! 

4. Der Drescher braucht eine Braut. 

Der 'akki ja der 'akki 

ana msäfir "^ämakki 
chabbüli mä chabbüli 

chabbüli schakfet ka'ki 
wilka'ki guwwa-lraachzan 

welmachzan bela miftäh 
welmiftäh mninnaggär 

winnaggär beddu kaddüm 
Avilkaddum mnilhaddäd 

wilhaddäd beddu hadid 
wilhadid mniFuzid 

wiFuzId beddu beida 
wilbeida mniggäge 

wiggäge bedha kamha 
wilkamha mniddärüs 

widdärüs beddu 'arüs 
wiFarüs mnilfelläh 

wilfelläh beddu bakar 
wilbakar beddu rabP' 

werrabP' beddu matar 
welmatar beddu bark ura'd 

infatahat Hz fulän ö bä'ir. 



jejejejejeje oo 



^ der Name eines andern Dreschkuaben, dem der Tod augewünsclit 
■werden soll, wird genannt. - d. h. er war rasch und geschickt. ' eine 
Art Brot. * der Todesengel, des.sen Name eigentlich 'Izräil. 



19 



Der 'Akki, Der 'AkkiS 

ich reise nach Mekka, 
sie versteckten mir, was sie mir versteckten. 

sie versteckten mir ein Stück Kringel, 
und der Kringel ist drinnen im Vorratsraum, 

und der Vorratsraum hat keinen Schlüssel, 
und der Schlüssel ist vom Schreiner, ^ 

und dem Schreiner fehlt die Axt, 
und die Axt ist vom Schmied, 

und der Schmied braucht das Eisen, 
und das Eisen ist von Uzid,^ 

und Uzid braucht ein Ei, 
und das Ei ist von der Henne, 

und die Henne braucht Weizen, 
und der Weizen ist vom Drescher,* 

und der Drescher braucht eine Braut, 
und die Braut ist vom Bauern, 

und der Bauer braucht Rinder, 
und die Binder brauchen Grünfutter, 

und das Grünfutter braucht Regen, 

und Regen braucht Blitz und Donner — 
. . 5 

Jejejeje jeje oo ! 



4. Beim Austreten der Dura durch Büffel. 

Am See Hole. Mitgeteilt von Bauern in Gededi als von Beduinen am Hole 

stammend. 

Das weisse Mädchen vermisst. 

Ja hseriti ja weli 

wilbld haddum heli 
'alli saru billeli 

gümu hatta nilhaghum 
^ala dhür-ilcheli 

ja memiti ja dalla 
galb-ilhazln mu'^alla. 

' wohl ein Ortsname. ^ an den hölzernen Schlüssel des arabischen 

Holzschlosses ist gedacht. •'' wohl Name des Eisenhändlers. * därüs 

ist der die Dreschtafel lenkende Knabe. ^ die derbe Beschimpfung des 

unliebsamen Kameraden l)leibt besser unübersetzt. 

2* 



— 20 — 

mein Unglück, weh mir! 

die "Weissen^ zerstörten meine Kraft 
wegen deren, die sich aufmachten in der Nacht! 

Auf, dass wir sie erreichen^ 
auf .den Rücken der Pferde ! 

O mein Mütterchen, o Dalla, 
das Herz des Traurigen wurde schwer betroffen. 



5. Beim Worfeln. 

a) In Merg'Ajun. Mitgeteilt von Bauern iu Gededi. 
Yon der Wurfgabel. 

Ja midräti — wen bitbäti — biraramäti 
jalla-lbaraki — barakat rabbi — fl hassubbi 

barakat heidar — fi halbeidar 
he däjim — jalla däjim. 

meine Wurfgabel, — wo übernachtest du? — in den Getreide- 
haufen. 
Gott, der Segen, — der Segen des Herrn — sei in diesem 

Körnerhaufen, 
der Segen über Heidar — auf dieser Tenne, 
Ewiger, — o Gott ist ewig! 

b) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduinen Hmed. 
1. Fleissiges Worfeln. 

Ja midräti — ochdi uhäti 

jahmad jahmad jahmedäti 
chelin til'ab — lamman tif^ab 

filmedäni. 

O meine Wurfgabel, — nimm und gieb!^ 
o Ahmed, o Ahmed, o mein kleiner Ahmed, 

Pferde spielen, — bis sie müde sind, 
auf dem Rennplatz.* 



* die Sehnsucht nach dem weissen Mädchen. ^_" er möchte den 

Mädchen nachsetzen. ' nimm — die Spreu, gieb — die Körner. * Selbst- 
ermunterung des Worf lers. 



— 21 — 

2. Willkommene Helfer. 

Wasse'üli benkum 

wig'alüni chekum 
uchaj chaijälin lakum 

üb eddig a'^Inkum 
'inu limin je'lnkum 

uhädi-Falga ja schabäb 
uliaiju rakkäb elerkäb 

uhaiju min jif an ujitni. 

Macht mir Platz unter euch 

und nehmt mich an als euern Bruder, 
und der Bruder ist ein Reiter für euch, 

und in der Not helfe ich euch. 
Helft dem, der euch hilft, 

und das ist die Sache, o junge Männer, 
lasst hoch leben den Reiter auf Steigbügeln, 

lasst hoch leben den, der durchbohrt und wiederholt.'- 

3. Ein unliebsamer Gast. 

Uharradi-lchäl 'ab 

barrad illelijje 
asmar ilhelwijje 

asmar umin der hanna 
asmar ukaffu mhanna 

wirhalu ja gesch 'anna 
wirhalu nahn rahalna. 

Und dieser Böse mit dem Haarmal hat sich Tadel zugezogen, 

er störte die Abendgesellschaft, 
braun von Schönheit, 

braun und aus Der Hanna, 
braun und sein Handteller ist mit Henna gefärbt. 

Geht denn fort, ihr Leute, von uns, 
ja geht fort, — wir sind fortgegangen.^ 



^ das Lied bezieht sich eigentlich auf Hilfe im Kampf. Hier wird es 
auf die Erutearbeit bezogen, bei welcher oft die Leute verschiedener Gehöfte 
einander gegenseitig aushelfen. ^ (jjgg Ljgjj wurde als die Fortsetzung des 
vorigen vorgetragen. Es klingt wie Abweisung der angebotenen Hilfe. 



— 22 — 

4. Ein Fluch den räuberischen Muäli. 

Tule' elmizän 'äli 

wistaua 'inb-iddauäli 
äh ja zri'ät razäli 

aklatha chel ilmuäli 
täkul sitt mit zafra 

utgalla'lha arba* n^'äli. 

Es stieg der Orion in die Höhe, 

und reif wurden die Trauben der Weinstöcke. 
Ach! ihr Saaten des Razäli,^ 

es verzehrten sie die Pferde der Muäli. ^ 
Mögen sie bekommen sechshundertfach den Rotz 

und ihnen abgerissen werden vier Hufeisen! 



Im Hause. 

1. Zum Mahlen auf der Handmühle. 

In vielen Gegenden Palästinas und Syriens wird nur im i^ot- 
fall die Handmühle zum Mehlmalilen benützt. In der Gegend 
von Jerusalem ist dies häufiger. 

Bei Jerusalem. Mitgeteilt von der aussätzigen Zmikna in Jerusalem. 
1. Die klagende Eule. 

Küm isma' ilbümi 

escli birgamat kälat 
kälat ja zmikna 

lajäli-ssa'id zälat. 

küm isma' ilbümi 

esch birgamat Allele 
kälat ja zmikna 

lajäli-ssa'id zallen. 



Name eines reichen Aleppiners. - ein Beduinenstamm. 



— 23 — 

Auf, höre die Eule, 

wie sie girrte, sagte: 
sie sagte: Zraikna,^ 

die glücklichen Nächte '^ sind vorüber. 

Auf, höre die Eule, 

wie sie girrte in der Nacht, 
sie sagte: Zmikna, 

die glücklichen Nächte sind verflossen. 

2. Auf dem Wege zum Grab eines Bräutigams. 

Schabäb mitl-ilraträfls 

marrün 'and kabr il'aris 
chudu kurab chudu rauwäja 

chudu tawil errüh ma'äkum 
lan däkat i^chläk ranni. 

Junge Männer^ wie ein edler Herr 

gingen vorüber beim Grab des Bräutigams. 

Nehmt Schläuche mit, nehmt Krüge,* 
nehmt das Fett meines Herzens geröstet,^ 

nehmt einen Langmütigen mit euch, 

wenn ungeduldig werden die Gemüter, singt er.^ 

3. Trennung seit der Jugend. 

Ana illi kauäni-lben 

'arüs adäl'i min mazräri 
lamma asbah erräs schäjib. 

Ich bin es, die mit Brandmal versehen hat die Trennung 

auf den Enden meiner Rippen seit meiner Jugend, 
bis dass das Haupt grau wurde. '' 



1 hier nennt die Mahleude ihren Namen. - das Mehlmahlen auf der 
Handmühle geschieht nachts am frühen Morgen. Das Teigmachen und Backen 
schliesst sich daran an, An Nachtruhe ist dann wenig zu denken. * etwa 
die Brüder der Sängerin. * um mit dem Wasser den brennenden Schmerz 
zu kühlen. ^ vor Schmerz und Trauer. * um den übergrossen Schmerz 

zu mildem. '' die Sängerin klagt über Trennung vom Geliebten, die von 

der Jugend bis zum Alter dauerte. 



— 24 — 

4. Sehnsucht nach dem Soldaten. 

Ja ^askari Uli schäwischak masri 

darabni be'üd izzän 'achasri 
ja 'askari jabu teläte gedäil 

immak "^ala schalt ilbahr bitsäil 
ja 'askari jabu kdeli kulH 

rabb-erar'sch rauwihak "^amhalli. 

Soldat, du dessen Sergeant ein Aegypter, 

er schlug mich mit dem Buchenstock auf meine Hüfte. ^ 

Soldat, du mit den drei Flechten, 

deine Mutter am Meeresstrand fragt (nach dir). 

Soldat, du mit der Stirnlocke, sage mir, 

der Herr des Throns bringe dich zu meinem Ort! 

5. Der Soldat mit der Troddel. 

Tula*^ mnilbulak schurräbto harir 

lä ja memti mä as'ab itta'llm 
tula*^ mnilbeled schurräbto zarka 

lä ja memti mä as'ab ilfurka. 

Er ging hervor aus der Kompagnie, mit seidener Troddel, 
ach, o Mütterchen, wie schwer ist das Lernen! 

Er ging hervor aus der Stadt, mit blauer Troddel, 
ach, o Mütterchen, wie schwer ist die Trennung!^ 

6. Die Bitte um Urlaub. 

Ja schäwlsch hell izrär daijäti 

iga-rid ta'aijid \achajäti 
ja schäwlsch hell izrär essidrijje 

iga-Fid ta'aijid "^arulijje. 

O Sergeant, löse die Knöpfe meiner Hände, 

es kam das Fest, — dass ich Glück wünsche meinen Schwestern. 
O Sergeant, löse die Knöpfe der Weste, 

es kam das Fest, — dass ich Glück wünsche der Frau. 

^ so klagt der Soldat. ^ ^[^ Sängerin versetzt sich in die Stimmung 
des Soldaten. 



— 25 — 

7. Ein mahlendes Mädchen. 

Baschüf miscli'al kä'id 'attähüne 
bejad misch'^al mahrame marküme 

ja näs daclilalla lä tlümüni 
wana mclaija' rimet elruzläni. 

Ich sehe Misch'al sitzend an der Mühle, 

in der Hand Misch'als ein gesticktes Taschentuch. 

O Leute, um Gottes willen tadelt mich nicht, 
ich habe ja verloren die schönste ^ der Gazellen. 

2. Vom Backen. 

Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Zmikna in Jerusalem. 
Die backende Geliebte. 



Ja schöftin schufteha tichbiz *ala-ssäge 

madküktin 'assidr chirfän une'äge 
lä tiz'alin ja sumr ilbid ramiäge. 



welch ein Anblick, ich sah sie backen auf dem Säg,^ 

tätowiert auf der Brust mit Lämmern und Mutterschafen, 
seid nicht böse, o ihr Braunen, — die Weissen* sind verwöhnt! 



Im Weingarten. 

1. Die Imlälä der Frauen und Mädchen.* 

Bei Jerusalem. Mitgeteilt von aussätzigen Frauen in Jerusalem. 
l. Warnung an den Traubendieb. 

Tä^ itla*" lä tala'^t illa katlli — jarwelelö 

umhammal 'ala bräl u'alhamiri — jarwelelö 

b^räl uhamiri mä jeschilnak — jarwelelö 

mä jeschTlnak rer® bräl ilmesäkini — jarwelelö. 



^ rime eine als sehr schön geltende weisse Gazellenart. ^ ein konvexes 
rundes eisernes Blech, das bei den Beduinen stets, bei den Bauern zuweilen 
zuna Brotbacken dient. * zu denen das bewunderte backende Mädchen 

gehört. * s. Vorwort. 



— 26 — 

Auf, komm her! ^ du kommst nur herauf getötet — jarwelelö!^ 
und geladen auf Maultiere und Esel — jarwelelö! 

Maultiere und Esel schaffen dich nicht weg — jarwelelö! 

es schaffen dich nur weg die Maulesel der Aussätzigen — 

jarwelelö ! 

2. Liebe ohne Gegenliebe. 

Ja hsereti scharräsch ilbattich fi libbu 

biljemen jamma 
ihn ilkahebe jabrudni wanahibbu 

alhena ja ruh. 

Mit Einschaltung von le: 

Ja hsere-lele-ti scha-lelele-rrasch ilbattich fl-lele-libbu 

belelelele iljemen jamma 
ihn ilka-lelele-hebe ja-lelele-bruclni wana-lelele-hibbu 

elelelele alhena ja ruh. 

mein Unglück ! Wurzeln trieb die Melone in ihrem Fleisch ^ — 

in Jemen, o Mutter! 
der Sohn der Hure hasst mich, aber ich liebe ihn — 

das Wohlsein, o Geist! 

3. Kameltreiber und Pflüger. 

Ja ret min töchud iggammäl jis'ödha 

biljemen jamma 
jegib ilhedijje täli-llel juk'ödha 

alhena ja ruh. 

ja ret min töchud ilharrät mä tis'^ad 

biljemen jamma 
tahmil kadahha waddür filbeled tischhad 

alhena ja ruh. 



^ ein Weinbergsdieb ist angeredet. - jarwelelö kommt vielleicht von 
ja ruwähu „o seine liebliche Gestalt!". ^ in einer schlecht werdenden 

Melone entstehen wurzelähnliche Fäden. Das Bild soll wohl besagen: mein 
Geliebter taugt nichts, er ist verdorben. 



— 27 — 

Mit Einschaltung von le: 

Ja ret min t-elelelel-öchud iggammäl j-elelel-is'ödha 

belelelele iljemen jamma 
je-lelele-gib ilhe-lelele-dijje t-elelel-äli lel je-lelele-k'ödha 
elelelele alhena ja ruh. 

ja ret min t-elelelel-öchud ilharrät m-elelel-ä tis'ad 

belelelele iljemen jarama 
tahmil kadahha-lelelelö waddür fi-lelelele-lbeled tischhad 

elelelelele alhena ja ruh. 

dass doch die, welche den Kameltreiber nimmt, er glücklich 

• T ^r ^^ . machte — 
in Jemen, o Mutter! 

er möge bringen das Geschenk, den Rest der Nacht sie auf- 
das Wohlsein, o Geist! 

dass doch die, welche den Pflüger nimmt, nicht glücklich 

• T T»r ^^ . würde — 
m Jemen, o Mutter! 

sie möge tragen ihren Korb und in der Stadt umher gehen 

betteln — 

das Wohlsein, o Geist! 

4. Bittere Trennung. 

Ja hsereti ja lah'l mä marr^ furkähum 
itmannet häli hagar tauwali wilkähum. 

ja hsereti ja leh'l ^kin kabbalu kible 
kin 'addabüiii 'adäb ilchet fiFibre, 

ja hsereti ja leh'l kin schammalu schamäl 
kin 'addabüni 'adäb ilchel filmidän. 

weh mir ! o die Angehörigen, wie bitter ist ihre Trennung, 
ich wünschte, ich wäre ein Stein, der fliegt und sie erreicht. 

weh mir ! o die Angehörigen, sie gingen nach Süden, 
sie quälten mich mit der Qual des Fadens =* in der Nadel. 

weh mir! o die Angehörigen, sie gingen nach Norden, 
sie quälten mich mit der Qual der Pferde auf dem Rennplatz. 



* wegen des von ihm mitgebrachten Geschenks, wenn er nachts heim- 
kommt. *kin = känu. ' der durch ein enges Öhr gezogen wird. 



— 28 — 
Ein Lied für Mädchen. 

In der Belka. Mitgeteilt von einer Frau in Essalt. 
Der Geliebte ein Granatapfelbaum. 

Chaiji ja schgeret rummän 

umscherra'an hauäha 
wassäri wilmistasbih 

jiftir "^ala nauäha. 

Mein Bruder, o Granatapfelbaum, 

freiwehend ist seine Luft, 
der nachts reisende und der morgens aufbrechende 

frühstückt von seinen Körnern. 



2. Beim Keltertreten. 

Es giebt keine ausschliesslich für das Keltertreten bestimmten 
Lieder. Die hier mitgeteilten sind von Männern auf Keltern ge- 
sungen worden, können aber natürlich auch bei anderen Gelegen- 
heiten benützt werden. 

a) Bei Hebron. Mitgeteilt von einem Knaben in Kämet elchalll bei Hebron. 
Ein Knabenreim. 

Hädandelli hädandöl 

häda 'öneb häda tin 
häda akl irasäfir. 

Hädandelli, hädandöl, 

das sind Trauben, das sind Feigen, 
das ist Futter für die Yögel ! 

b) In der Belka. Mitgeteilt von einem Burscben in Essalt. 
Der mit der Schläfelocke und die Wasserträgerin. 

Jabu gdeli tull uschüf 
mä gultillak jabaiji 
gözi arla min chaiji 



— 29 — 

jahwemal iraslijje 

jiktub nasibak lijje 
becl ilhamäm utäjir 

wenneh^d döbu usäjir. 

du mit der Schläfelocke, schau und sieh! 

sagte ich dir nicht, mein Väterchen : 

mein Gatte ist teurer als mein Bruder! — ^ 
O der du trägst den Wasserkrug, 

Er (Gott) möge schreiben dein Geschick für mich! 
Die Tauben legen und fliegen aus,^ 

und der Busen ist im Wachsen und Werden. 

c) In Merg 'Ajun. Mitgeteilt vom griechischen Priester iu Abu Kamha 

am Hermon. 

l. Schlaraffenwünsche. 

Ja rabbi tirham 'abdak 

witnaggih min kull 'blijje 
utig al sakfu min jabrak 

uhetänu min lebanijje 
hsän aschkar min dibs igdid 

wilkarbüz kibbe nijje 
ganz tabangät min bedingän 

wilkaddäha basalijje 
zerfain samne mniggaulän 

uelfen baida maklijje. 

Herr! erbarm dich deines Knechts 

und erlöse ihn aus aller Not! 
Mache seine Decke von Jabrak* 

und seine Wände von Milchreis, 
ein fuchsrotes Pferd von frischem Dibs^ 

und die Sattelspitze von roher Kibbe, ^ 



* so redet das Mädchen zu ihrem Geliebten, den sie heiraten will. Das 
Folgende ist Rede des Liebhabers. * so wird auch das Mädchen reif 

werden. * Weinblätter, mit Fleisch und Graupe gefüllt. * Traubeusyrup. 
^ zerklopftes Fleisch mit Graupe und Zwiebel gemischt. 



— 30 - 

ein Paar Pistolen von Bedingän ' 

und den Stahl (darin) von Zwiebelspeise, 

zwei Schläuche Koclibutter vom Gölän 
und zweitausend gebratene Eier. 

2. Die Lasten des Kameltreibers. 
Schauwasch eggammäl kalbi 

wiljöm ncädu 'arrahil 
kultillu gammäl chudni 

käl ana darbi tawil 
kultillu gammäl birkab 
käl ana himli takll 
kultillu wesch ilhamüli 

käl krunful ugenzabil 
kultillu wesch ilhamüli 

käl sabäja mkehhalln 
kultillu wesch ilhamüli 

käl schabäb msellahin 
kultillu wesch ilhamüli 

käl 'agä'iz imkebtalln 
kultillu wilhiml iFächar 

käl zabäd ujäsmin. 

Beängstigt hat der Kameltreiber mein Herz, 

heut riefen sie zur Abreise, 
ich sagte zu ihm : Kameltreiber, nimm mich mit ! 

er sagte: Mein Weg ist zu lang, 
ich sagte zu ihm: Kameltreiber, ich reite! 

er sagte: Meine Ladung ist zu schwer, 
ich sagte zu ihm: Was sind denn die Lasten? 

er sagte: Gewürznelken und Ingwer, 
ich sagte zu ihm: AVas sind denn die Lasten? 

er sagte: Mädchen mit geschwärzten Augenlidern, 
ich sagte zu ihm : Was sind denn die Lasten, 

er sagte : Bewaffnete junge Männer, 
ich sagte zu ihm: Was sind denn die Lasten? 

er sagte : Gekrümmte alte Frauen, 
ich sagte zu ihm: Und die übrige Ladung? 

er sagte: Zibet und Jasmin.^ 



* die essbare schwarze Frucht von Solanum melousrana. - Wohlsrerüche. 



— 31 — 

In einer viel kürzeren Variante dieses Liedes, welche mir in 

Jerusalem mitgeteilt wurde, heisst es in bezug auf die Ladung 

des Kamels nur: 

kultillu wischu hemülak 

kalli kahwe ufanägin 

kultillu lemin hedijje 

käl lemustafa-ramir. 

Ich sagte zu ihm: Was sind denn deine Lasten? 

er sagte mir: Kaffee und Tassen, 
ich sagte zu ihm: Für wen als Geschenk? 

er saarte: Für Mustafe den Emir. 



In der Wildnis. 

1. Beim Weiden von Schafen und Ziegen. 

'Atäba-Yerse werden überall von Hirten gern gesungen. 
Daneben giebt es aber auch nicht wenig eigentliche Hirtenlieder, 
die zuweilen so vorgetragen werden, dass den singenden Hirten- 
knaben ein anderer auf der Rohrflöte begleitet. 

a) In der Belka. Mitgeteilt vou Beduinen auf dem Gipfel des Gebel Osclia' 
unter der heiligen Eiche. 

1. Gruss an die ferne Geliebte. 

Sallim *ala wallfi — rä'i-ddelül ja räjih 
ja min jegül laheli — töbi rada saräjih. 

Grüsse meinen Vertrauten, — Besitzer des Reitkamels, 

der du davongehst, 
o wer sagt meinen Eltern, — dass mein Gewand 

wurde zu Fetzen! 

2. Treues Gedenken, 

Ja wann^ti bilgal^b gämat t^henni 
'assähib elli jischla' elgalb muträh 

ja 'ab®d hat ilfaras lä twinni 

uda'na neschüf abu 'ajünin rädija 



— 32 — 

ana in seiet suehbi mä saläni 

halli salämu min gafa ilba'id weddäh 

auwehalu min chämasu beggemäni 
welaua jemmii fög 'öngu urattäh 

ulä benna rer inneh'd wezzräri 

wadüg schiffät il'asal min tenäjäh, 

mein Seufzen ! im Herzen erhob es sich, klagt 

über den Freund/ dessen Andenken das Herz ausreisst. 
O Sklave, gieb die Stute, sei nicht lässig, 

und lass uns schauen den mit den herrlichen Augen! 
Ich, wenn ich entbehren könnte meinen kleinen Freund, er kann 

meiner nicht entbehren, 

er, der seinen Gruss aus weitester Ferne schickte. 
Wehe dem, der ihn fasst am Perlengurt 

und schlingt seine Rechte um seinen Hals und bedeckt ihn! 
aber nichts ist zwischen uns als der Busen und die Knöpfe, 

und ich koste die Honiglippen von seinen zwei Yorderzähnen. 

3. Fort mit dem Taugenichts. 

Kuli mä lallet ^treri 

wädi min gafa wädi 
jalla tigla'u kübän 

wädi min gafa wädi 
har'i kübän 'ala-ddär 

bigallib bilhauädi. 

Soweit ich schaue eine Berghöhe, 

Thal hinter Thal, 
auf, schleudert doch den Taugenichts 

Thal hinter Thal, — 
siehe da,^ der Taugenichts im Haus — 

er wendet (nur) um die Herdsteine. 

4. Weiser Spruch. 

Läirurrak eddinja lauinha zahat 
akamin schechin 'an techtu tähat. 



^ die Geliebte. ^ har'i oder ar'i „siehe" erinnert an hare bez. are 
im Hebräischen der Mischua und dem tarffumischen Dialekt des Aramäischen. 



— 33 — 

Nicht betrüge dich die Welt, auch wenn sie blüht, 
wie viele Häuptlhige fielen von ihrem Sitz! 

Gehört von einem Hirteuknabeii Ijei Essalt Ijei Souiienuntergaug. 
In Liebesweh.^ 

liäbat 'alaiji cschschem^s 
wazlani 'alaiji ellel. 

Es ging mir unter die Sonne, 
dunkel ward mir die Nacht. 

^Jitgeteilt von einem Hirtenknaben an der Quelle Gädür bei Essalt. 
Die Lieder stammen wohl sämtlich von Beduinen. 

I. Der Überfall. 

AVana wärid 'ala 'ammiin 

lägatni sirbet ra'iän 
wähad rabbat jadaija 

wähad rabbat riglaija 
uwiihad galt ischschorijja 

agatni bint^ 'ammi 
tirkud witsammi 'alaija 

armat 'alaija-lmandll 
ugaddabetni-schschibrijje 

gälat ja walad er'a 'aheli 
in kannak dauwär 'arra'ijje 

walla lar'a 'ala lielik 
lauin fiägi ma.srijje 

willa gargüra gerba 
jök^lüha uhüsch ilberrijje 

ja walad ir'a 'aheli 
uschrä'ak gild ettenijje 

ugartak 'albeda chamsln 
wissamra tüti 'almijje. 

Ich führe zui- Tränke nach 'Amman, 

da traf mich ein Haufe Hirten, 
und einer band meine Hände, 

einer band meine Püsse, 



^ Melodie 1. 

Dal III an, Volksleben. 



34 



lind einer führte die Herde weg. 

Da kam zu mir meine Base, 
läuft und sagt Gottes Namen über mich. 

warf auf mich das Tuch 
und reichte mir das Dolchmesser 

und sagte: „0 Knabe, weide für meine Eltern, 
Avenn du nach Hütung suchst!" — 

„Bei Gott, ich weide für deine Eltern, 
auch wenn mein Lohn nur ein Para 

oder ein räudiges Lamm, 
das die wilden Tiere fressen." — 

„O Knabe, weide bei meinen Eltern, 
dann ist dein Yorratsschlauch vom Fell einer zwei- 
jährigen Ziege 

und dein Lohn für die Weisse ^ fünfzig, 
und die SchAvarze^ erreicht hundert. 

2. Hwedeli am Meeresstrand. 

Ja hwedeli ja hwedeli 

schadd urahal 
nizilu 'ala schalt elbahr 

winkän diritkum mahl 
scharrig 'ala diret häli. 

Hwedeli, o Hwedeli,^ 

er sattelte und ging davon, 
er Hess sich nieder am Meeresstrand. 

Wenn aber eure Gegend dürr ist, 
ziehe ich ostwärts zur Gegend meiner Eltern ! * 

3. Schlimme Botschaft. 

Jarmaih dünak chirbetak 
*^anaze achdün idhänha. 



^ er soll — gegen die Sitte, welche nur einen Proceutsatz der geworfenen 
Jungen vorschreibt — festen Lohn erhalten, und zwar 50 Stück von den 
geworfenen Lämmern. Die „Weisse" ist das Schaf. ^ von der „Schwarzen", 
d. h. der Ziege, erhält er sogar das doppelte, wohl weil die Ziegen häufig 
zweimal im Jahre Junge werfen. ■' Name eines Mädchens, Diminutiv von 
liadla. * Rede des Mädchens. 



— 35 — 

Emaih, da hast du deine Ruine/ 
'Anaze nahmen ihr Fett.^ 

4. Dem Besten die Hand abgehauen. 

Ja 'ab^d 'allimni 

jtä \ab^d gülii 
eschschabb waschschubbän 

minhu chijärhum 
gäl ibnak karlm eddef 

gate*^at jaminu 
hihi kasrin jehaijilha gbär 

ulähi gurhin jehaijilha daua 
sitta usab'ln jabu 'ali 

illi tale'in min ilichfa 
ma wahadetin tlauwid 'ala gär®ha. 

Mohr, lehre mich, 

o Mohr, sage mir: 
der junge Mann und die jungen Männer ■. — 

wer ist ihr bester? 
Er sagte : dein gastfreier Sohn, 

abgehauen wurde seine Rechte — 
das ist kein Bruch, für den man Verband bereitet, 

das ist keine Wunde, für die man Medizin bereitet! 
Sechs und siebzig (Frauen) sind's, o Yater 'Ali's, 

welche hervorkommen aus der Verborgenheit, 
nicht eine von ihnen wendet sich an ihren Nachbar.^ 

5. Bitte um einen Kuss. 

Hamm ^glebi gatalni 

chudi rainni jahläli 
düuak höbba mnellehi 

lä tcharrib saijäli. 



^ Remaih ist Besitzer einer Ruine und der dazu gehörigen Grundstücke. 
"^ Beduinen vom mächtigen Stamm der 'Anaze haben die Felder und die dort 
wohnenden Pachtbauern geplündert. ^ um Hülfe. So schamhaft sind sie 
sonst, während sie jetzt alle hervorkoiiniien, um 'Ali zu beklagen. 

3* 



— 36 — 

Die Sorge meines Herzens hat mich getötet, 
nimm (sie) von mir, o Halali ! — 

Da hast du einen Kuss vom Kinn,' 
verdirb nicht meine Tätowierung! 

6. AYichtige Nachricht. 

Rä'i-lhamra raijidli 

laminni a'tik 'elem ilwäkid. 

Du Besitzer der braunen Stute, halte an, 
dass ich dir die gewisse Kunde gebe.^ 



7. Fürsorge für das Pferd. 

Hott ilhamra schigg ilbet 
'an al^hbüb iddäri. 



/ 

Stelle die braune Stute in den Clastraum des Zelts, 
vor dem Windstoss dem zerstreuenden! 

8. Ein unerschwingbares Gut. 

Ja bnaijetin jalli bilfrig 

ruba' megidi chaddha 
erchast rühi walfaras 

mä hagwati jintün^ha. 

Mädchen, die im Lager ist, 

wie ein Yiertel Megidi ^ ist ihre AVange, — 
ich habe dargeboten mich selbst und die Stute, 

ich denke nicht, sie Averden sie mir geben. 

Mitgeteilt von einem jungen Bauern iu Essalt. Beduinisch. 
1. Das Pferd ohne Reiter. 

Mhera ja rurra 

düsi bilmeräh 
'ammi ja mutlag 

wabüi wen räh. 



1 Das Mädchen bietet dem Geliebten einen Kuss an und entsprit-ht da- 
mit seinem Wunsche. - wohl über die Geliebte. ^ d. h. wie Silber. 



Junge Stute, du mit der weissen Stirn, 

tritt in den Lagerplatz!^ 
Mein Onkel, o Mutlag, 

und mein Vater — wohin ging er? 



2. Unter Straussenfedern. 

Ja ngüm ezzaläm 
wen ilbenaija tnäm 

tah^t libb elgatäif 
füg*^ rlscli enna'äm. 

Sterne des Dunkels, 

wo schläft das Mädchen? 
Unter dem Busen der Sammtdecken, 

auf den Federn des Strauss. 



Mitgeteilt von eiuein Hirtenknabeu im Wadi-ssalihi am Wasserfall. - 
Auch der Tod soll nicht trennen. 

Ja wanneti mii wann'^ha küll wannän 
mä wann^'ha-lwog'än fög elwasäjid 

walberd säb'^ni ja riäsch iFain gült ahh 
liif*ni bhadenak itchäjal ilmöt gäni 

mä nigbal elhessäd güm^t watirattet 
güm^t tahaijal benna's walinwädi. 

mein Seufzen, nicht seufzte ebenso irgend ein Seufzender, 

nicht seufzte so der Leidende auf den Kissen. 
Die Kälte traf mich, o lange Wimpern des Auges, ich sagte: ach! 
umfange mich mit deinem Busen — ich nehme an, der Tod 

käme zu mir, 
wir empfingen nicht den Neidischen, ich machte mich auf und 

bedeckte mich, 
ich machte mich auf und stellte mich schläfrig und ein- 
geschlummert. 



' das Pferd kommt ohne Reiter zurück. Der Onkel, der hier auch 
Vater genannt wird, ist im Kampf gefallen oder ermordet. ^ das Lied 

wird sonst auch zur Rabäbi gesungen. 



— 38 — 

b) Im 'Aglün. Mitgeteilt vou einem Bauern in Elhösu. 
Der Leithammel. 

La tidbahui ja hamad 

tutlf min urgiibti-lgurgä'a 
tidbahni-lbenät imchenig 

wilkull täkul uträ'i 
mä tiehbur jöm ilhag'^a 

tinhamni wägik ibsä'a 
wa'gal min gart-iddimes 

wilbag min hall ilmuglä'a 
rühi lä raddik alla 

bintik bedälik meriä^a 
bilhalib atjab minnik 

tmalli täfür bsä'a 
wana debahtik lilbenät 

wuchdüdhin gibnet lischrä'^a. 



^ Nicht sollst du mich schlachten, o Hamad, 

du entfernst von meinem Hals die Glocke, 
schlachtest mich für die Töchter des Mchenig, 

und alle essen und weiden sich. 
Denkst du nicht an die Zeit des Schlummers, 

du rufst mir, und ich komme zu dir sogleich, 
und schneller als das Werfen des Steins, 

und rascher als das Abschiessen der Schleuder. 

^Greh hin, nicht lasse dich Gott zurückkehren, 
deine Tochter wird statt deiner Leittier, 

in der Milch ist sie besser als du, 
füllt die Holzschüssel sofort, 

und ich schlachte dich für die Mädchen, 

deren Wangen gleich dem Käse des Schlauchs.-^ 



' Rede des Leithammels. ^ Antwort des Hirten. ^ schrä' ist 

der kleine Schlauch des Hirten für die durch Labmagen geschlickerte Milch, 
welche die Beduinen gib na „Käse" nennen. 



— 39 — 

c) Im Haurän. Mitgeteilt vou eiuem Beduinen bei Zeräkijje.' 
Mahnung an den Pferdehirten.^ 

Ehlnb lafrega ja walad 
welilub laha zid elhalib 

"^ainek lau sär ettalab 

tifrig" häblbak min habib. 

Melke für Frega,^ o Knabe, 

melke ihr reichlich die Milch, 
pass auf, wenn geschähe die Fordermig, 

entfernt sie deinen Liebling von Habib.* 

d) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduinen Hmed. 
1. Die geizige Herrin. 

Ja jumma ja rabbäha 

niä dig'^t 'endik räha 
rer elhatab waggelle 

wa 'aubaijeti mibtelle 
• wahöhiz 'and elmuchmar 

warid li fid'ölle 
fid'ölle mä tischba'^ni 

illa hlib eschschögra 

waberridu bigdlhi 
wasukku sakk ilfelwa 

wagül jumma helwa 
helwa rähat lehalha 

wazuäretha gemalha 
urabwi tiga*^ tedagdag 

taibaijin dagg el'azrag 
el'azrag azrag semäwi 

'ala sderha miträwi. 

Mutter, du Gewinnmacherin ! 

ich habe bei dir keine Ruhe gekostet, 
nichts als das Brennholz und die Dungfladen ^ 

und mein Mäntelchen durchnässt 



* auch in der Belka bekannt. - Melodie 2. ■'' Name eines Fohlens. 
* das Pferd soll einst im Stande sein, mit der vom Angeredeten Geliebten 
schnell davon zu sprengen, wenn der feindliche Beduiuenschech Hablb kommt. 
' mit dem Sammeln von Brennholz und Dünger (für das Feuer) wurde der 
Knabe beschäftigt. 



— 40 — 

und ich gehe umher bei der Holzschachtel ^ 

und wünsche mir ein Stück Tarmüzbrod,^ 
ein Stück Tarmüz macht mich nicht satt 

ohne die Milch der Braunen,* 

die ich kühle in meinem Becherchen* 
und schlürfe, wie das Fohlen schlürft, 

und ich sage : ^ O Mutter Helwa ! — 
Helwa ging zu ihrer Familie, 

und für ihren Besuch dient ihr Kamel, — 
o Herr, möge sie fallen und zerschellen, 

dass sichtbar wird die blaue Tätowierung, 
deren Blau ist wie das Blau des Himmels, 

auf ihrer Brust verführerisch. 



2. Kinderlied beim Hüten der Lämmer. 

Waggidäje-lbid elbid 

wahdaranni ^almegld 
wat'aminni sukkara 

min sekäklr ennebe 
wennebe schäil tschetäb 

min halab le'aintäb 
ja nasära ja tschläb 

lesch mä tsallu 'aleh. 

Und die Zicklein, die weissen, die weissen, 

sie sind herabgekommen zum Zeltplatz 
und gaben mir Zucker ^ zu essen 

von dem Zucker des Propheten,' 
und der Prophet trägt ein Buch *^ 

von Aleppo nach 'Aintäb,^ — 
o Christen, ihr Hunde, 

warum benedeit ihr ihn nicht? 



^ muchmar ist die grosse Holzscbachtel mit Deekel, in welcher 
Vorräte verwahrt werden. ^ fid'ölle ist ein Stück tarniOz, d.h. Durabrot, 
das man unter Kohlen gebacken hat. * ein braunes Schaf ist gemeint. 

* von Holz. ^ weil alle diese Genüsse dem Knaben vei'sagt werden, ver- 

wünscht er seine Brotherrin. * süsse Milch. ' der beste Zucker. * den 
Koran. ' in armenisches Land. 



— 41 



2. Beim Schafscheren. 

a) Im 'Aglün. Mitgeteilt von einem Bauern in Elhösu. 

Auf guter Weide. 

Schugr eddahhi berwed eschschlhi 
win serrahühin liäbbln enihi. 

Blonde (Schafe) fressen morgens auf der Aue von Ehrenpreis, 
wenn sie frei weiden lassen die (jungen Männer wie) Wind- 

stösse. 

b) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduinen Hmed. 

Seidenweiche Wolle. 

Gizzi ja 'abesa gizzi 

süfitsch harir unä'im eggizzi. 

Lass dich scheren, o kleine Schwarzköpfige, lass dich scheren, 
deine Wolle ist Seide und weich das Fliess. 



3. An den Hirten. 

Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Aussätzigen in .Jerusalem. 

I. Schafhirt, Rinderhirt, Eselhirt. 

Rä'i-lranam schabbib tarannilak 

rä'i-lbakar schöschih manädllak 
rä'i-lhamir ruddi trassilak. 

Schafhirt, flöte, dass ich dir singe! 

Rinderhirt, schwinge deine Tücher!^ 
Eselhirt, Geschwür soll dir anhaften! 

' beim Tanz. 



— 42 — 

2. Der mädchenhafte Hirtenknabe. 

Rä'i-lranani ja chäfijje 

deschschir 'asät erra'ijje 
rä'i-lranam mä ret rä'i-lba'ärin 

ja hidib 'enu mitl latsch ilmakärin 
rä'i-lranam mä ret rä'i-schscherijje 

ja hidib 'enu ja kdälet bunaije. 

Schafhirt, du, der sich versteckt, 

lass den Hirtenstab! 
Schafhirt, nicht wirst du Hirt der Kamele, 

du dessen Augenwimper wie die Enden ^ der Kopf binden. 
Schafhirt, nicht wirst du der Hirte der Schafherde, ^ 

du dessen Augenwimper wie das Stirnhaar eines Mädchens. 



3. Beim Holzholen der Mädchen. 

Da Palästina waldarm ist, muss das Brennholz oft aus weiter 
Ferne herbeigeholt werden. Gestrüpp, Wurzeln, Baumäste werden 
in der Wildnis oder im Walde abgehauen und ausgerissen und 
auf dem Kopf in grossen Bündeln nach Hause getragen. Der 
Sicherheit wegen geht wohl meist eine grössere Zahl von Mäd- 
chen zusammen. 



a) In der Belka. Mitgeteilt von einer Beduinenfrau auf dem Gipfel des 

Gebel Öscha'. 

1. Ich möchte mit dir fortlaufen. 

R.ä*i-lranam ja neschmi 

ja läbis ilmizwijje 
ubeddi ächdak ugötir 

chäjif min ümmi tidri 
ute'allim heli bijje. 



^ latsch eigentl. „Schlag", hier wohl das herabhängende Ende der 
makrüue, einer langen rotgelben Kopfbinde. Der Hütejunge hat etwas 
Mädchenhaftes an sich und passt nicht für das rauhe Gewerbe eines Hirten. 
^ jetzt weidet er nur einzelne Schafe. 



— 43 — 

Sehafhii-te, du hübscher, 

der du anlegst die Mizwijje/ 
ich wollte dich nehmen und fortlaufen, 

ich fürchte nur, meine Mutter erfährt es 
imd benachrichtigt meine Angehörigen von mir. 

2. Tadle nicht den Verliebten, 
Jalla tlüm glebak 

ja läjini ilm^häwi 
retak gaddib eddöle 
illi bilhabs itläwi. 

Bei Gott, tadele dein Herz, 

der du den Verliebten tadelst, 
wärst du doch einer, den die Regierung festhält, 

der im Gefängnis sich Avindet! 

3. Einen Kuss vom Starken. 

Ja scliögi a'tini höbbati 
wilftijin mä jedügeha. 

mein Liebling, gieb mir meinen Kuss, 
aber der Schwächling kostet ihn nicht. 

4. Das Auge ein AVasserborn. 

Aschüf elwalad warräd 

'ala bir ettenijje 
chaiji jitlubni "^atschän 

*eni fauwäri' moije. 

Ich sehe den Knaben nach Wasser gehn 

zum Brunnen Tenijjo, 
wenn mein Bruder bittet mich im Durst, 

ist mein Auge (wie) Bäche von Wasser.^ 



^ mizwijje ist der Beduioeumautel mit seidener Umuähuiig auf den 
Achseln und am Hals. - sie weiss ihn besser zu befriedigen als der 

Brunnen, 'eu heisst gleichzeitig „Auge" und „Quell". 



— 44 — 

5. Thränen wie Bächo. 

Dame' 'eni tahaddar 

haiiwad wädi-sselilii 
dame' *eiii ball elbet 

ja 'eni wusterihi. 

Die Thränen meines Auges strömten nieder, 

kamen herab das Thal SelThi, 
die Thänen meines Auges nässten das Zelt, 

o mein Auge, ruhe nun aus! 

6. A'^or und nach der Heirat. 

Ja liägar däwi 'illati 

mä ben delü'i säila 
uhägar häti farweti 

'ala-lmezäbil chäira. 

O Edler,* gieb Medizin meiner Krankheit, 
die zwischen meinen Rippen fliesst! — 

Ja, Edler, 2 gieb her meinen Pelz, 
auf dem Mist wälzt er sich herum. 

b) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduinen Hmed. 

Der tätowierte Schöne. 

Bibra halebijje — mangüsch 'drä' ezzln 

bibra halebijje 
ummatsch nebijje — abütsch gädi-släm 
ummatsch nebijje. 

Mit einer Nadel aus Aleppo — ist tätowiert der Arm des 

Schönen, 
mit einer Nadel aus Aleppo. 
Deine Mutter ist eine Prophetin — und dein Vater ein Richter 

des Islam, ^ 
deine Mutter ist eine Prophetin. 

* die Geliebte soll den Liebeskummer stillen. - in Wirklichkeit will 
der Mann das Mädchen nur für niedrige Dienstleistungen. So singt sie 
spottend. ^ d. h. er ist aus guter, frommer Familie. 



— 45 



Bei Quelle und Brunnen. 

1. Beim Führen zum Wasser und beim Tränken 
der Schafe. 

a) In der Belka. Mitgeteilt von eiuem Hirtenkuabeu 
au der Quelle Gädilr hei Essalt. 

Das beste Wasser. 

Gedäli wen tardln 

maschäri 'mä fihiim tili. 

Gedäli,^ wo gehst du trinken? 

Bei Tränkplätzen, in denen kein Schlamm. 

Mitgeteilt vou einem Baueruburscheu in Essalt. 
^lalmung- an den Brnnaen. 

Ja bir lau tsehüfi 

wärdln 'alek ichschüfi 
alla nihaiji-lwärid 

wilwärda wilwärid 
umni ischsehaniu elbärid 

winkäii mä terwihin 
liaijid wana rä'lhin. 

() Brunnen, wenn du sehen solltest 

zu dir nach Wasser kommen jiuige Gazellen,'^ — 
m()ge Gott begrüssen ^ wer nach Wasser kommt, 

die nach Wasser Kommende mid den nach Wasser Kommenden! 
Du mit der kalten Buttermilch,* 

mid wenn du sie ^ nicht reichlich tränkst, 
gell weg, dann bin ich ihr Hirte. 



* wohl Name eines Schafs .,die Streitsüchtige''. Mau sagte mir, der Leit- 
hammel heisse so. ^ Mädchen. •' mit haijäk alla „Gott lasse dich lebeu". 
* das Wasser der Quelle ist gemeint. — Die letzten zwei Zeilen wurden mir vou 
einem Beduinen bei Zeräkijje ( Haurän) als selbständiges Lied mitgeteilt. Sie 
lauteten da : „ntschennak mä terwihin, — genib wani rä'Thin." Hier soll der 
Brunnen wohl die Schafe tränken, nicht die Mädchen. ^ die Mädchen. 



— 46 — 

1») Im 'Aglön. Mitgeteilt von Bauern in Elhösu. 

1. Die Tränke.i 

Gedäli wen tardin 
'ala inuschra*^ elradir. 

Gredäli, wo gehst du trinken? 
Zu dem Tränkplatz des Bachs. ^ 

2. Die drei Schönen. 

Wana wärid waranni 

wiratasch michUf zinni 
ulinni btalat neschäma 

'an ischjähin jis'alinni 
lauinni bschögi ja jumma 

ja rumli "^fdäwi ta'anni 
lauinni bzeni ja jumma 

g'res elräwi jehenni 
lauinni bwalad ja jumma 

ja näga elwäclha thenni. 

Und ich gehe zum Wasser und singe, 

und der Durst bethört meinen Sinn, 
und siehe, ich bin bei drei Schönen, / 

nach ihren Angelegenheiten fragen sie mich. 
Und wenn ich bei meinem Liebling bin,^ o Mutter, 

o der Speer eines Freiwilhgen* durchbohrt mich: 
und wenn ich bei meinem Schönen^ bin, o Mutter, 

das Glöckchen des Verführers ertönt dann; 
und wenn ich bei einem Knaben^ bin, o Mutter, 

o weisshaariges Kamelweibchen, ^ das nach ihrem 

Junten seufzt! ® 



' Melodie 4. - mit racllr kann jedes stille Wasser iu einem Bach 
oder bei einer Quelle gemeint sein. ^ ^[^ ^q[ Mädchen werden einzeln 

aufgeführt. * efdäwi „freiwilliger Leibsoldat eines Beduinenhäuptlings". 
^ vielleicht sollte es heissen: ja näga elwaddha thenni „o Eamelweibchen, 
das nach seinem Geliebten seufzt". " einer solchen gleicht der Sänger in 
diesem Fall ; er weiss sich für keine zu entscheiden, weil sie ihm alle gefallen. 



— 47 — 

c) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduiuen Hmed. 
1. Willk omni eng riiss. 

Hai j in n'ägi 
iljöm gan 
haiji scharräbät elleben. 

Willkommen, meine Schafe, 

heut kamen sie, 
willkommen ihr, die ihr mit Milch ^ tränkt! 



2. Der lüsterne Kamelhirte. 

Wardat bilak ja bazbüz 

winte me'änig lak *agüz 
hi güz 5 mä güz. 

Zum Wasser gingen deine Kamele,- o Bazbüz,^ 

und du umarmst ein altes Weib, 
sei sie verheiratet oder unverheiratet. 



3. Fluch dem Yater! 

Jabu brim-ilmer'az 

wilhig 'ala gebinak 
gänä-lchabar mgauwaz 

lan'al boiji-lmantinak. 

du mit dem Ko])fring von Me/az -Wolle, 

zieh (ihn) herunter auf deine Stirn! 
es kam uns die Kunde, verheiratet, 

ich verfluche meinen Yater, der mich dir nicht gegeben hat.* 



1 lebeu ist iu der Beduiiieusprache Bezeichnung der Milch in jeder 
Fonn, der süssen sowohl wie der gesäuerten. Soll frischgemolkeue süsse 
Milch besonders bezeichnet werden, braucht mau hallb. ^ gemeint ist 

die Leidenschaft des Mannes. ^ bazbüz ist w-ohl Spottname. Es kann be- 
deuten „Pfeife". * dieser Vers gehört vielleicht zu dem S. 9 mitgeteilten 
Liedchen. 



4b 



4. Warnung* vor dem Schawi. 

La täehdin isehschäwi 
wischschäwi kaddäb 

rühi sidi hgalla 

jesarrhitsch biddauäb. 

Nimm nicht den Schawi,^ 

der Schawi ist ein Lügner — 

geh, jage ein Rebhuhn I^ 

er^ treibt dich aus mit den Lasttieren. 



2. Beim Schöpfen für die Herde. 

Der lederne Schöpfeimer (delu) wird in den Brunnen geworfen 
und an seinem Seil langsam heraufgezogen. Bei dem Herauf- 
ziehen wird gern o;esun2:en. 



a) Im 'Aglun. Mitgeteilt von Bauern in Elliösn. 
\. An die Schafe.* 

Haijhin jöm gen 

haij helwät elleben 
'alaiji merwihenne 

lauin edlewi schenne. 

Heisse sie^ willkommen am Tage, da sie kamen, 
willkommen denen mit süsser Milch! 

Mir liegt ob, sie reichlich zu tränken, 

auch wenn mein Eimerchen abgenutzt*' ist. 

2. An den Brunnen. 

Ja dnaijeni ja helu 
asra' beradd eddelu. 



^ eschschäwi ist Stammesbezeichnung. - d. h. suche dir einen 

besseren Mann. ^ jguer, der Schawi. * Melodie 5. ^ ^^g Schafe. 

* altersschwach. 



— 49 — 

mein Ohrchen/ o Süsser, 

beeile dich mit der Zurückgabe des Eimers! 

b) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduiueu Hmed. 
Ivuf zum Wasser. 

Dillu bigdeu 

wilchadar bigden 
wardi mä tardln 

win kunti 'auwäf 
lä budd mä tardin 

ischrabin 'auati 
min ezzeläl essäfi 

min 'arag ^ktäii 
'almoij ja mhannäwi 

'almoij liiss 'fdäwi 
ja da'düschet rumhu 

gül idwel ehväwi 
delwak wirschäk 

lelin raschäk 
hallib ma'zäk. 

Schöpfet, wie es füi- sie^ genügt, 

und das Grüne ^ («ei), wie es für sie genügt!* — 
Gehe nach Wasser, wie du willst, 

und wenn du auch 'Auwäf ^ bist, 
notwendig musst du zum Wasser gehn. 

Trinke zur Gesundheit 
von dem kühlen Wasser dem klaren, 

von dem Schweiss meiner Schultern! — 
"Am Wasser, o Glücklichgepriesener, 

am Wasser ist die Stimme des Helden — 
o über den Federbusch seiner Lanze! 

' der Brmiuen ist angeredet, ein Mädcliea gemeint. - für die 

Schafe. * es ist wohl das Futter gemeint. * hier schliesst das erste 

Stück. Es folgt Rede eines .Jünglings an seine Geliebte. * wohl Name 

eines Helden. " von hier ab Rede des Mädchens. 

Dairnan, Volksleben. 4 



— 50 — 

ich sage : wie der Schwanz des Schakals ! ^ 
(Da ist) dein Schöpfeimer und dein Seil — 

Nacht brach über dich herein, 
melke deine Zielen !^ 



In Dorf und Zeltlager. 

1. Beim Melken der Kühe. 

Damit die Kühe beim Melken still halten, wird gern beim 
Melken gesungen. Kamele bedürfen sogar der Besänftigung durch 
Gesang vor dem Melken. Bei Schafen ist das Singen über- 
flüssig. 

Im 'Aglun. Mitgeteilt von Bauernfrauen in Elliösn. 

1. Abwehr des hösen Blicks. 

Ja marhaba biha 
wiren mä t'ädlha. 

O willkommen ihr (der Kuh), 
und das böse Auge möge ihr nicht schaden! 

2. Die Schwarzäugige. 

Süd irejün ^ejünha 
rüs ilheräb igrünha. 

Wie die Schwarzen unter den Augen sind ihre Augen, 
wie die Spitzen von Lanzen^ ihre Hörner. 

3. Sie weide Lavendel! 

Tir'a chzema ma* nefel 

weschscharr 'anha kin gefel. 



• so gross ist der Federbusch an der Lanzenspitze. - er soll rasch 

seine Geschäfte besorgen, damit sie sich bald treffen können. ^ harbe 

ist eigentlich das spitze Eisen an der Lanze. 



— 51 — 

Sie weide Lavendel und Klee, 

und das Böse werde von ihr gewandt! 

4. Die Kuli mit dem weissen Gesicht. 

Haijalla bsubhijje 

halläbt errub'ijje 
lä tiz'ali lä tiz'ali 

weddär minnik temteli. 

Grlückauf der Blässe,^ 

die ein Yiertelmass Milch giebt, 
sei nicht böse, sei nicht böse, 

und das Haus werde von dir gefüllt!- 

5. Die Kuh mit dem Kälbchen. 

Ja marhaba begauwädet iregäli 
tava nefel watigtuf innuäri 

ja marhaba bigdämha 
wabnaiha guddämha. 

Willkommen, du Leiterin der Kälber, 
sie weidet Klee und pflückt die Blüten. 

Willkommen ihren Tritten, 
und ihr Junges ist vor ihr. 

6. Die beste Kuh. 

Haijalla haijalla 

sitt ilbagar 
haijalla haijalla 

ugrünha senin u'^asal 
haijalla haijalla 

rä'iki abu schibrijje 
haijalla haijalla 

jewerrdik 'almoije 
haijalla haijalla. 



^ Kuh mit weissem Gesicht. - mit Milch. 



— 52 — 

Glückauf, glückauf, 

Herrin der Rinder! 
glückaiif, glückauf, 

du, deren Hörner Scliinalz und Honig, 
glückauf, glückauf! 

Hein Hirt ist der mit dem Dolclimesser, 
glückauf, glückauf! 

er führt dicli zum Wasser, 
glückauf, glückauf! 



2. Beim Buttern. 

Ein Schlauch oder Krug, der mit der zu butternden Dick- 
milch gefüllt ist, wird von der butternden Frau hinundhergestossen. 
Bei einem kleinen Schlauch und dem Kruge geschieht das auf 
dem Boden, ein grösserer Schlauch wird in einem Gestell auf- 
gehängt und von zwei Frauen gestossen. Bei dieser morgend- 
lichen Beschäftigung ist gute Gelegenheit zum Gesang. 

Im 'Aglün. Mitgeteilt von einer Bauernfrau in Elhösn. 
Butterschlauch! 

Ja schkewti medah medah 
kull Jörn mallTli-lgedah. 

mein kleiner Butterschlaucb, schüttle, schüttle, 
jeden Tag fülle mir die Schale ! * 



3. Beim Wasserholen. 

Brunnen oder Quelle sind oft weit vom Hause oder Zelte 
entfernt. Das Wasserholen ist deshalb eines der wichtigsten Ge- 
schäfte der Frauen und Mädchen. Sie ziehen gegen Abend dazu 
aus und tragen das Wasser in ilu'on Krügen auf dem Kopfe heim. 



'■ das für die Butter l>estimmto Hülzwtass ist o-emeint, 



— 5:{ — 

a) In der Belka. Mitgeteilt von einem tiiiiieriil)urscheu iu Essalt. 
Auf diis Mädchen am lirunnoii.^ 

Schiffha würde 'alba- 

bnaija innilranädlr 
g'ultillia ja bint isglii 

widdi höbba mnilchaddeu 
gälatli ja walad ruh 

bala trinimi bilischrüh 
talläb ilhöbba medbüh 

gurah bo'ejäl ilchurschSn 
walla lan sehti laslh 

wancha 'ajäl ilmefällh 
gurah be'ejäl ilchurschän. 

Ich sah sie nach Wasser gehen zum Brunnen, 

ein Mädchen von den Koketten, 
ich sagte zu ihr: „O Mädchen, gieb mir zu trinivcn, 

ich wünsche einen Kuss von den beiden Wangen!" 
Sie sagte zu mir: „0 Knabe, geh, 

ohne umher zu werfen mit Erklärungen! 
Wer den Kuss fordert, wird getötet, 

Erfahrung haben die Kinder der Churschän, ^ " — 
Bei Gott, wenn du schreist, schreie ich 

und rufe zu Hilfe die Kinder der Mefälih,-* 
Geschwüre haben die Kinder der Churschän.*" 

b) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduinen Hmed. 

Der einäugige Geliebte. 

.Tabu fard 'en — jafdäk abu-renln 
jabu fard 'en. 

Unömak 'aFldln — nöm alchcschef ta'al)an 
nömak 'aridin. 



^ dies ist ein Hirtenlied und nur wegen des Inhalts hierhergesetzt. 
- der Beduinenstamm, dem das Mädchen angehört. * wohl auch Stammes- 
uame. Vielleicht ist aber der Name aus fellähiu „Bauern" absichtlich 
gebildet. In J]lhösn erklärte man: die Mutigen. * das stolze Wort des 

Mädchens wird zu ihren Ungunsten gewandt, weil gurah auch „wunde 
Stelle, Geschwür" heisst. 



— 54 — 

du mit einem Auge, — dich erlöse der mit zwei Augen, ^ 
du mit einem Auge ! 

Dein Schlaf auf den Armen '^ — ist der Schlaf des Gazellen- 
jungen des müden, 
dein Schlaf auf den Armen. 



4. Beim Ausrufen von Verlorenem. 

Wenn jemand etwas vermisst, etwa ein Schaf oder einen Esel, 
sendet er einen Mann in den Dörfern bez. Zeltlagern der Beduinen 
herum, um da von einem geeigneten Pimkt aus, etwa auf einem 
Dach, den Verlust bekannt zu machen mid durch Angebot einer 
Belohnung für den Ansager und durch Yerfluchimg des Hehlers^ 
zur Mitteilung von Nachricht über den verlorenen Gegenstand 
anzuregen. 

Im 'Aglün. Mitgeteilt von Eljäs elfär in Elhösn und dort auch von mir gehört. 
Fluch über den Hehler! 

Ja säm'in essöt salin 'annabi 

auwalkum mhammad 

utänikum *ali 

utälti fä(me bint ennabi 
ja min schäf — ja min wagad — ja min *elim — 
ja min chibir — ja min hass 

el^hmär eFaswad 
embäreh ezzuhr kän "^albedar 

wisüm wisalli 'ala mhammad (alchadr) 
wilhaläwa wilbeschära 

megidijjen haläl zeläl 
irägil je' agil 'aleh 

wilgähid jahrig wäl^deh 
tisrah ma*^ elmäl 

watrauweh 'aUejäl 



^ das Mädchen möchte ein Auge hergeben, um den einäugigen Geliebten 
zu erlösen. - des Mädchens. ^ vgl. 3 Mose 5, 1. 



— 55 — 

illi jinkirha jigta^ mälu ma'jälu 

jela"ib ilfär 
min gillat ezzrär 

jela"ib ilgutt 
min gillet innutt. 

Ihr, die ihr die Stimme hört, benedeit den Propheten! 

Euer erster sei Muhammad, 

euer zweiter 'Ali, 

und eure dritte Fätme, die Tochter des Propheten. 
() wer gesehen hat, — o wer gefunden hat, — o wer Kunde 
hat — o wer erfahren hat, — o wer gemerkt hat — 

den schwarzen Esel, 
gestern mittag war er auf der Tenne, — ■ 

der faste und benedeie den Propheten (den Chudr)!^ 
und die Belohnung für. die gute Botschaft 

ist zwei Megidi '^ rechtmässig, rein. 
Wer zurückgiebt,^ dem gebe er (Gott) wieder, 

mid wer in Abrede stellt, dessen Eltern verbrenne er! 
Es gehe auf die Weide mit dem Vieh 

und komme über die Kinder! 
Wer verleugnet, dem entreisse er sein Vieh und seine Kinder! 

Er möge spielen mit der Maus, 
weil ihm fehlen die Kleinen, 

er möge spielen mit der Katze, 
weil ihm fehlen die Springer.* 

Wer nichts weiss, antwortet: alla je'ägil 'alek ,jGrott gebe 
dir wieder!" Wer Auskunft geben kann, sagt etwa: Ja rä'i 
eddähibe ta'äl hat ilhaläwa „O Besitzer des Fortgekommenen, 
komm, gieb die Belohnung!" 



^ ein moslemischer Heiliger, entsprechend St. Georg. '^ etwa 8 Mark. 
' zu 'agil Tgl. 'ogla , Wiedergabe eines Teils der Beute." * die Kinder. 



— 5B 



5. Bei ausbleibendem Winterregen. 

Wenn der "Winterregen wie im Jahre 1900 bis über den 
10. Dezember ausbleibt, ziehen in Palästina die Mädchen scharen- 
weis dm'ch die Ortschaften und singen zusammen (ohne Yor- 
sängerin) Regenlieder mit häufiger Wiederholung jeder Zeile. 
Die Beduinenmädchen bei Aleppo kleiden dafür zwei Stöcke als 
Puppe an. Eine trägt dieselbe, eine zweite hält einen Zuber 
über den Kopf. 

a) Bei Bethlehem. Mitgeteilt von Farah Täbri in Essalt. 

Christliche Regenbitten. 

Jalla elret ujä rabbi 

tiski zere'na-lrarbi 
jalla elret ujä däjim 

tiski zere'^na-nnäjim 
hattena-lmoije figgarra 

ujalla rahmetak jalla 
hattena-lmoije filbrik 

ja rabbi ballal errlk 
kasadna-radra umär ja'küb 

tiski zar'ana elmasjüb 
kasadna-Fadra umär eljäs 

tchaddir zar'^ana eljabbäs. 

O Gott, der Regen, und o mein Herr, 

tränke unsre kleine Saat im Westen ! 
O Gott, der Regen, und o Ewiger, 

tränke unsre kleine Saat die schlummernde! 
Wir thaten das Wasser in den Krug, 

und o Gott, deine Barmherzigkeit, o Gott! 
Wir thaten das Wasser in das Krüglein, ^ 

o mein Herr, nässe den Speichel!^ 



1 brik ist der kleine Trinkkrug, garra der grosse Krug zum Auf- 
bewahren des Wassers (in anderen Gegenden der Krug zum Wasserholen). 
- im Munde der Durstigen. 



^^'il' wandten uns an die Jungfrau und Sankt Jakob, 
tränke unsrc Saat die vom Unglück betroftene! 

AVir wandten uns an die Jungfrau und Sankt Ebas. 
mache grün unsere Saat die dorrende ! 

b) In der Belka. Mitgeteilt vuu Faralj Täl»ri in Essalt. 
Regenbitten in Essalt. 

Jalla elret ujä däjim 

tiski zre'ina-nnäjim 
jalla elret ujä rabbi 

tiski zre ina-lrarbi 
jalla elret uritna 

ja rabbi iski zre'na 
räliat umm elret tegib elmatar 

umä gät illa-zzar"' tül eschschagar 
rähat vmim elret tegIb erre'üd 

mä gät illa-zzar*' tül elke'üd. 

O Gott, der Regen, du Ewiger. 

tränke unsre kleine Saat die schlummernde! 
Gott, der Regen, o mein Herr, 

tränke unsre kleine Saat im Westen! 
(> Gott, der Regen, und regne uns, 

o mein Herr, tränke unsre kleine Saat! 
Es ging die Mutter des Regens, um Regen zu bringen, 

sie kam nicht, bis die Saat lang wurde wie Bäume. 
Es ging die Mutter des Regens, um Donner zu bringen, 

sie kam nicht, bis die Saat lang wurde wie ein aus- 
gewachsenes Kamel. 

c) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduinen Hmed. 
Mutter des Regens! 

Umm alret ja raije 

'abbi gued'^na moije 
welhönta btül elbäb 

waschsche'ir mälu hsäb 



— 58 - 

« 

umm alret rltina 

bill ibschet rä'ina 
rä'ina hasan ilagra*^ 

lü sinten mä jizra^ 

Mutter des Regens, o Wasserguss, 

fülle unsren kleinen Schlauch^ mit Wasser, 
und der Weizen sei lang wie die Thür 

und die Gerste ohne Zahl! 
Mutter des Regens, giesse uns reichlich, 

mache nass den ManteF unsers Hirten — 
unser Hirte ist Hasan, der Sohn von AgraV^ 

zwei Jahre sind's, dass er nicht sät. 

Die singenden Mädchen erwarten von der Hausfrau ein Ge- 
schenk von Graupe. Erhalten sie nichts, so singen sie einen 
Schmähreim. 

Schurgäta — rä'it elbet darräta. 



Am Kalkofen und beim Hausbau. 

1. Beim Heizen des Kalkofens. 

In der Gegend von Jerusalem werden die Kalköfen mit 
Dorngestrüpp geheizt. Da das Feuer mehrere Tage zu imter- 
halten ist, ist es keine geringe Arbeit, dem Feuer stets neue 
Nahrung zuzuführen. In der Nähe des alten Tekoa hörte ich 
dabei singen, ein Mann stimmte an, ein zweiter respondierte, 
beide schoben dabei abwechselnd Dornen in das Feuerloch des 
Ofens. 



^ güd, Dimin. giied, ist der kleiue Wasserschlauch, deu man auf 
Reisen mitnimmt. - b seh et ist der kurze Mantel der Bauern. ' agra' 
., Kahlköpfiger" war wohl Beiname des Vaters oder eines Vorfahrs. 



59 



Komm wieder! 

Jamsersibna 

lä tit'ibna 
nih^t 'anna 

ta'äl lena. 

der du uns in Unruhe versetztest,^ 

mach uns nicht müde! 
du gingst von uns, 

komm zu uns ! 



2. Beim Steinetragen und Mauern. 

Bei Jerusalem. Mitgeteilt von aussätzigen Mäuneni in Jerusalem. 

1. Bitte an den Meister. 

Ja m'^alUm dir idak 

räh ennehär imnidak 
ja m'allim linn nauet 

8ubb lassubjän zet 
zethum min bethum 

lä tkül raddethum. 

() Meister, tummele deine Hand, 

es ging der Tag von deiner Hand. 
< ) Meister, wenn du es beabsichtigt hast, 

spende den Jungen Oel! 
Ihr Oel ist aus ihrem Hause, 

sage nicht: ich habe ihnen Mittagessen gegeben. 

2. Arbeit bis zun! Abend. 

Ja m'allim hellna 

tanrauweh kullna 
wana ma bahellkum 

tä jerarrib zillkum. 



* ein Mädchen ist aremeiut. 



60 — 



Meister, entlass uns, 

dass wir alle gehen! — 
^Ich aber entlass" euch nicht, 

bis abendlich wird euer Schatten. 



3. Verspottung- des Meisters. 

Ilm'allim schara barle 

ilbarle zarzürijje 
in gä'at tökul daknu 

win schib'at watichra flha. 

Der Meister kaufte ein Maultier, 

das Maultier ist starfarben; 
wenn es hungrig ist, frisst es seinen Bart, 

wenn es satt ist, so verunreinigt es ihn. 

4. Der Christ und der Moslem. 

M'allimna ja nusräni 

ibni 'ala-ddär suwäni 
m'allimna abu schäsche keblr 

'adüwak juka' filblr. 

Unser Meister, du Christ, 

baue auf dem Haus ein Zelt!^ 
unser Meister, der mit der grossen weissen Kopf binde, ^ 

dein Feind möge in den Brunnen fallen! 

5. Der Schech und die Sehlange. 

Haije wihauat 

filblre dauat 
wisch dauwäha 

schechin gäha 
sahab eddabbüs 

min ilkarbüs 
itwalläha. 



* Antwort des Meisters. - das besagt wohl uur, das er sich ver- 

gnügen soll. Das Zelt ist uur des Reims wegen genannt. ^ der Moslem. 



— 61 — 

Eine Schlange wickelte sich zusammen. 

in den Brunnen fiel sie, 
und was machte sie fallen? 

ein Schech kam zu ihr heran, 
er zog den Keulenstock 

von dem Sattelknopf, ^ 
näherte sich ihr. 

(). Preis des Propheten. 

Ah min kurdi udäli 

inharam nöm eraläli 
wiraläli wiliksür 

hatta m'allimna randür 
bana 'aläli waksur 

bana hetän mekke 
u'ala mekke saläm 

ja saläm ikri saläm 
'almugellal bilramäm 

ilrazäle zär^tu 
zär^tu wachtär^'tu 

kälat girni ja muchtär 
girni min lahib ennär 

rühi alla gärki 
tatrabbi ezrärki 

irda'u ja weladi 
ja mheget kebedi 

irda'u min dalhalib 
fl schafä'at ilhablb 
. ilhablb mhammadi 
figgenän mchalladi 

figgenän ufinna'lm. 

Ach! dem Kurden und Zigeuner 
ist verboten der Schlaf in Söllern, 

luid die Söller und die Schlösser, 
unser Meister ist soo-ar fein, 



' daran hin«' iler Stock. 



— 62 — 

er baute Söller und Schlösser, 

er baute Mauern von Mekka,^ 
und Mekka sei Gruss! 

o Gruss über Gruss 
dem in den Wolken Yerliüllten ! ^ 

Die Razäle ^ besuchte ihn, 
besuchte ihn und erwählte ihn, 

sagte: „Beschütze mich, o Auserwählter! 
beschütze mich vor der Flamme des Feuers!'' — 

„Gehe, Gott schützt dich, 
dass du aufziehst deine Kleinen!" — 

„Sauget, o meine Kinder, 
o Herzblut meiner Leber, 

sauget von dieser Milch 
unter der Fürsprache des Geliebten!" — 

der Geliebte ist Muhammed 
in den ewigen Gärten 

in den Gärten und der Seligkeit. 

7. Das neue Haus. 
Menhu bana betu gedid 

widdabarat ligmäl minnakl ilhadid 
menhu bana betu 'agab 

widdabarat ligmäl minnakl ilchaschab 
wahna nauena 'al'aked 

ja näs ®sallu ^annabi. 

Wer ists, der baute sein Haus neu, 

und wund wurden die Kamele vom Transport des Eisens. 
Wer ists, der baute sein Haus wunderbar, 

und wund wurden die Kamele vom Transport des Bauholzes, 
und wir beabsichtigten das Gewölbe (zu bauen), 

o Leute, preist den Propheten! 

8. Alles Gute dem Meister. 
A'tu lim'allim mä talab 

a'^tüh 'akka ma' halab 
winkän mä jirdäschi 

a'tüh sanädik eddahab 



^ wie die Mauern von Mekka. - Muhammed. ^ eiue Erzählung 

aus Muhammeds Leben liegt wohl dem Folgenden zu Grunde. 



— 63 — 

wiiikän ja m'allim bitrid ilräwie 

ibnilha röschen utäka häwie 
winkän ja m'allim bitrid imm ilhalak 

ibnilha röschen 'ala bir iradak. 

Gebt dem Meister, was er verlangt, 

gebt ihm Akko nebst Aleppo, 
und wenn es ihm nicht gefällt, 

gebt ihm die Kisten mit Gold! 
Und wenn, o Meister, du willst die Verführerische, 

baue ihr einen Kiosk und ein luftiges Fensterchen, 
und wenn, o Meister, du willst die mit den Ohrringen, 

baue ihr einen Kiosk bei dem Brunnen von 'Adak. 



3. Beim Bau der Kuppel. 

Bei Jerusalem. Mitgeteilt von einem Aussätzigen in Jerusalem. 

Der Vorsänger singt das eigentliche Lied, der Chor den 

Refrain : ja chalil alla. Aber der Refrain kann auch wegfallen, 

dann wiederholt der Chor jede Liedzeile. Dabei werden Steine 
und Kalk den Maurern hinaufgereicht. 

Liebling Gottes! 

Ja chalil alla 

jäbu-ldlfän 
ja chalil alla 

uhdur lahän 
ja chalil alla 

kauwi zindi 
ja chalil alla 

mitl eggindi 
ja chalil alla 

jalla jantum 
ja chalil alla 

esch chammantum 
ja chalil alla 

chel ibtirab 



— 64 — 

ja ehalil alla 

t'l halmirab 
ja chalil alla 

alla alla 

alla alla. 

Liebling Gottes,^ 

o Yater der Gäste, 
o Liebling Gottes, 

komm hierher, 
(» Liebling Gottes, 

mache stark meinen Arm. 
<» Liebling Gottes, 

wie der Soldat, 
o Liebling Gottes! 

Vorwärts, o ihr, 
o Liebling Gottes, 

was dachtet ihr? 
o Liebling Gottes, 

Pferde spielen, 
(> Liebling Gottes, 

auf diesem Rennplatz, 
o Liebling Gottes ! 

Gott, Gott, 

Gott, Gott! 



Auf Weg und Steg. 

LTnter dieser Überschrift wird hier eine Sammlung von 
'Atäbaversen mitgeteilt, weil dies die Liedform ist, welche 
der Wanderer sowohl wie der Maultiertreiber, der zu Pferde 
sitzende Beduine und der auf dem Esel nach der Stadt reitende 
Dorfknabe, der Hirt und der Ackerbauer am häufigsten anwendet. 
Die Melodie der 'Atäba mit ihren schwermütigen Schlusskadenzen 
gehört ganz eigentlich zu den Lauten, ohne die man palästinische 

' Abi-iihnm. 



— ()5 — 

Landschaft sicli nicht denken kann. 'Atäba uird indes nicht nur 
unterwegs gesungen, sondern auch im Hause bei der Arbeit und 
besonders bei aheiuUichen Zusammenkünften zur Unterhaltung 
der Gesellschaft. Ein 'Atäbakundiger Sänger ist im Bauern- 
liause mid im Boduinenzelt ein willkommener Gast. 



'Atabaverse.^ 

ii) Aus Jerusalem. Mitgeteilt von Daniel Aljniham, doch mit der Augabe. 
dass viele dieser Lieder aus Nazaret stammen. 

1. Tn treue Geliebte. 

Jabu cliaddin 'alek ward tibna 

tubna 'an drüb iggahel tubna 
hasabtak dahab tärik tibna 

tärlk chaflf witaijerak uasmit hauäba. 

Du mit der Wange, auf dir sind strohgelbe Rosen, 
wir bereuten die Wege dov Inwissenheit, bereuten, 

ich hielt dich für Gold, aber du bist in Wirklichkeit Stroh, 
in Wirklichkeit leicht, und dich bläst davon ein Windhauch. 

2. Treue Anhänglichkeit. 

Habibi int 'em wint rülii 

uba'dak min isallini ja rühi 
will agäk ilmöt tafdik brülii 

umusch läzim 'aschamm ilhauril)a. 

Habibi lätkül imii saletak 

salet errüh winte mä saletak 
halak bä'ük wana-lli scharetak 

b'elfen riäl wilbäki dahäba. 

Wana talüb löbätik jfi haij<^ 

rarll) utälat ilrui'be 'alaijje 
billa ja kamar tinwir 'alaijje 

zeti schahh usi'ägi-ntafäba. 



1 s. das Vorwort und .^^l'lodie und 7. 
Dal man, Volk>loboii. 



— 66 — 

Mein Geliebter, du bist mein Auge, und du bist meine Seele, 
und nach dir^ wer wird mich trösten, o meine Seele? ^ 

AVenn der Tod dir naht, will ich dich lösen mit meiner Seele, 
und es ist nicht nötig, mehr die Luft zai schöpfen. 

Mein Geliebter, sage nicht, dass ich dich vergessen, 
ich vergass die Seele, aber dich vergass ich nicht. 

Deine Eltern verkauften dich, ich bins, der dich gekauft hat 
um zweitausend Megidi'^ und den Rest in Gold. 

Und ich winde mich mit deinen Windungen, o Schlange, 
als Fremder, und lang wurde mir die Fremde. 

Bei Gott, o Mond,* leuchte mir, 

mein Oel ging zur Neige und meine Lampe ist erloschen. 

3. Ein Mädchen nähert sich. 

(BeduiDisch). 

Hala bittärisch ilmukbil hälu fen 

zarif umrachchi ga'üdu hälu fen 
billa tis'alu-ttärisch ilmukbil hälu fen 

gi'än u'andu ta'b iliadäba. 

Willkommen dem Gehenden, der sich nähert, wo ist seine 

Verwandtschaft ? 
hübsch und herabhängen lassend seine Locken, wo ist seine 

Verwandtschaft ? 
Bei Gott, fraget den Gehenden, der sich nähert: wo ist 

seine Verwandtschaft? 
hungrig (ist er) und bei ihm ist Mattigkeit ob des Mittag- 
essens.^ 

4. Bringt sie zurück! 

(Beduinisch). 

Häli rekbu ngädi waschmalü hin 

reddühum mrärib waschmalühin 
halkebär ilmanäsif wisch malühin 
lah^m churfän hggäi radäba. 



1 nach dem Tode der Geliebten. ^ die Geliebte. ^ eine Silbermünze 
im Wert von etwa 4 Mark. * die Geliebte. ^ das ihm fehlt. 



— 67 — 

Meine Angehörigen ritten Negdpferde/ und sie gingen nordwärts, 
bringt sie zurück nach Westen und vereinigt sie! 

Diese grossen Präsentierplatten, womit sind sie gefüllt? 

Mit Fleisch von Schafen, für den Kommenden ein Mittagessen. 

5. O hätte ich dich nie gekannt! 

Gäfetüna saletüna fard nöb 

walä "^ödtu dakartüna fiird nöb 
ja retna mä 'arifnäkum fard nöb 

walä räsi nakal minkum hauäba. 

Ihr habt uns hart behandelt, vergasset uns auf einmal, 

und nicht mehr gedachtet ihr unser einmal ! 
da SS wir euch nicht gekannt hätten einmal, 

und mein Kopf nicht von euch davongetragen hätte Liebe! 

6. Unliebsame Trennung. 

Kata"^na gbäl nitlaffat waräna 

hasabna hbäbna gäjin waräna 
lä gazäkum eher jelkuntum waräna 

farraktu benna üben lehbäba. 

Wir überschritten Berge, wandten uns hinter uns, 
wir dachten, unsere Freunde kämen hinter uns, — 

nicht sei eure Belohnung Gutes, ihr, die ihr wäret hinter uns. 
ihr trenntet uns von unsern Freunden. 

7. Die Geliebte in Trauer. 

Natahni jom 'ed alla wilhadd 

umin ba*^ad ilmetamman läbs ilhadd 

min lak filhüd ilkabr tathadd 
""agab tilbas tiäb südäba. 

Er stiesH auf mich am Tage des Festes und am Sonntag, 
und nach dem Kostbaren hatte er angelegt Trauer, — 

wen hast du in der Kammer ^ des Grabes, dass du Trauer träo-st? 
wunderbar ists, dass du trägst schwarze Kleider! 

' edle arabische Pferde. - lahd. plur. lehüd, heisseu die Steine, 

welche um und über die ohne Sarg begrabene Leiche im Orabe gebaut werden. 



— 68 — 

8. Notwendiger Abschied. 

Ana larhal kadas wenzal ballda 

liukm eschschech wesch täle berida 

gakär biresehre klebu belTda 
iltazamna nilbas tiäb niäba. 

Ich ziehe fort von Kadas ^ und gehe hinab nacli Ballda, 

Befehl des Hänpthngs (ist es), und was bleibt in der Hand?- 

Trotz des Yerkelirs ist sein Herz thöricht, 

wir waren genötigt Kleider der Trauer-* zu tragen. 

9. Gerechtes Urteil erbeten. 

Tala' reniiu gedid ubark sali 

ndakk escli schäm 'adder'rän säfi 
Avin kannak ja häkim tehkuni l)il'insäti 

ehkum beni üben elhabäba. 

l[(M'aufzogen neue Wolken und lieller Blitz, 

und die Tätowierung des Mals auf den Armen ist deutlich, 
imd wenn du, o Richter, richtest in Gerechtigkeit, 

richte zwischen mir und den Geliebten. 

I (). A u f g e f ä h r 1 1 c h e n W e g e n. 

Kata'na igbäl wahli mä darübi 

utibki-rajin 'aminnha drübi 
wana ladri ilmanijja 'adrübi 

kab'l mä git wadda't ilhabäba. 

Wir überschritten Berge, und meine Angehörigen wussteu nicht 

von mir, 
und das Auge weint, weil es wird geschlagen, 
und hätte ich gewusst das Verhängnis auf meinen AVegen, 

ehe ich hierherkam, hätte ich Abschied genommen von den 

Geliebten. 

^ in Nordgaliläa. - um der Notwendigkeit zu eiitgeheu. ■' eigeutl. 
..Erisatzkleitler". 



— 69 — 

11. Gewisscnsfrage. 

Hala berlmtiii tir'a basäli 

utischrab bekadah ballür sali 
sa'altik bennabi iliäli 

bikir wilUx kataf wardok hadäba. 

Willkommen der Antilope, die Zwiebeln weidet 
und aus einem Krystallglase trinkt, das überfliesst, 

ich frage dich bei dem teuren Propheten: 

bist du Jungfrau oder ])flückte jemand deine Rose? 



12. Vergessen. 

Salfuii ilbid jabn immi salüni 

midri b.älhum midri salüni 
'asa dihin bilmakla salüni 

challüni trih balä ratäba. 

Es verschmerzten mich die Weissen, o Sohn meiner Mutter, sie 

verschmerzten mich, 
ich weiss nicht, ob (ich) in ihrem Sinn, oder ob sie mich ver- 
schmerzten, 
vielleicht — wie Fett in der Pfanne — machten sie mich fliessen, 
sie Hessen mich am Boden liegen ohne Halt. 



13. Der Bau des Liebenden. 

Ana lak'öd 'ala-ddarben wabni 

wa'edd*^ bjüt lizzenät wabni 
uder'äni chaschab lilbet labni 

winhüdik bid ja umm iFasäba. 

Ich sitze an der Wegscheide und baue, 

und bereite Häuser für die Schönen und baue, 

und meine Arme will ich als Bauholz für das Haus l)au('n, 
denn dein Busen ist weiss, o du mit der Kopfbinde! 



— 70 — 

14. Ich möchte ihr Sklave sein. 

Ruzlän ilmasägid min ra'äkum 

häda ihn 'äbid hal ra'äkum 
löla-lhaja lamschi ma'äkiim 

wahmil iggüd wigräb-izzhäba. 

Verehrungswürdige Gazellen, wer hat euch geweidet? 

Das ist der Sohn Abids, der euch geweidet hat."^ 
Schämte ich mich nicht, ginge ich mit euch 

und trüge den Wasserschlauch und den Vorratssack. 

15. Verscherztes Glück. 

Sidri räig lissa ma-rta'a bu 

nasibak schahh rabbak lä ta'addebu 
razälak räh rag'athu s^'äba. 

Meine Brust ist gangbar, noch nicht wurde daran geweidet, 
dein Glück hat abgenommen, deinen Herrn quäle nicht! ^ 
Deine Gazelle ist fort, ihre Rückkelir ist schwierig. 

I(). Totkrank vor Liebe. 

Talat nigmät b\ard eschschark jacFen 
hattu bilkalb talat darbät mi'den 

gäbüli-lhaklm ukäl mäzinn 

mäziim jetib min ^grüh ilhauäba. 

Drei Sterne im Land des Ostens glänzen, 

sie versetzten dem Herzen drei schlimme Schläge. 

Man brachte mir den Arzt, und er sagte: ich denke nicht, 
ich denke nicht, dass er genese von den Wunden der Liebe. 

17. Nur Eine. 

Habäbi näzlln bmerg wa'jün 
ufräkhum a'ma lilkalb wa'jün 

lä uhokk min chalak ilmä be'jün 
rerak mä ö'firah kalbi hadäba. 



ihr Erzieher, d. h. ihr Vater. ^ durch Bitten. 



— 71 — 

Meine Geliebten Hessen sich nieder auf AViese und Quellen/ 
und ihre Trennung machte blhid das Herz und die Augen. 

Nein, bei dem, der das Wasser in Quellen geschaffen, 
ausser dir verwundete keiner mein Herz. 

18. Verspätete Reue. 

Libis mandll "^alkitfen warchäh 
talat schämät 'alchadden warchäh 

ja dill min kän bidu ter warchäh 
usär jisih ja ahl ilhauäba. 

Er legte an ein Tuch auf den Schultern und Hess es herab- 
hängen, 
drei Haarmale waren auf den Wangen und er Hess sie wachsen. 
Ach über den, in dessen Hand ein Vogel war, und er Hess ihn 

fliegen^ 
und fing an zu rufen: O ihr Leute der Liebe! 

19. Die verlorene Geliebte. 

Schataf niakrün fök erräs warchäh 

uscha'ru ralab iggaddäl larchäh 
'ala min kän bidu ter warchäh 

usär jesih jä'azz ilhabäba. 

Er wand eine Kopfbinde um das Haupt und Hess sie hängen, 
und sein Haar machte Mühe dem Flechter, wenn er es hängen 

Hess, — 

o über den, in dessen Hand ein Vogel war, und er Hess ihn fliegen 
und fing an zu rufen: o teuerster der Geliebten! 

20. Soll man singen oder weinen? 

Schataf makrün fdk erräs Taswad 

ujöm fräkhum ja jöm aswad 
ana-n rannet kälu-nnäs mis'ad 

wana-n ibket schimtu bi-Fedäba. 



' Anspielung an die Landschaft Merg'Ajun in Nordjialästina. - thöricht 
ist, wer ihn sich entgehen lässt. 



— 72 - 

Er wand eine Kopfbinde nm den schwarzen Kopf, — 
und der Tag- ihrer Trennung^ — o schwarzer Tag! 
Wenn ich sang, sagten die Leute: glücklich (ist er)! 
und wenn ich weinte, waren schadenfroh über mich die Feinde. 

21. Mit den Wolken möchte ich fliegen! 

Habäbi näzlin bikasr 'äli 

wimnen atüllmm ja dem häli 
ana lasri ma' elrem eschschamrdi 

na da uenzal 'ala sidr ilhabäba. 

Meine Freunde Hessen sich nieder auf hohem Schloss, 
von wo soll ich sie erreichen, o schweres Geschick! ^ 

Ich will nachts reisen mit den nördlichen Wolken 

als Thau und niederkommen auf die Brust der Greliebten. 

22. Noch nicht vorzweifelt. 

Libis mendll fök erräs mahni 

ugarr ilmil ja nähi dabahni 
ana surt schäjib usar ezzahr mahni 

uba'd bichätri schamm ilhauäb^. 

Er legte ein Tuch an auf dem Kopfe gekrümmt, 

und das Ziehen des Schminkstifts,'' o Yollkommner, tötete mich, 

ich wurde grau und der Rücken ward gekrümmt, 

aber noch ist's in meinem Sinn, die Luft zu geniessen.* 

23. Die Unschuld der Jugend. 

Za'ak ter ilhamäm nkiil jumma 

umahla költ-iggähil jfi jumma 
kadabtu 'änhüdu ugäb jumma 

'agab jastädna rlm ilfaläba. 

Es rief die Taube und sagte: O 3[utter! 

und wie süss ist die Rede des Unwissenden: o Mutter! 
Ich fasste ihn an seinem Busen, und er antwortete : Mutter, 

wunderbar, dass uns jagt die Antilope der Wildnis! 



' der Tremiuug von der Geliebten. ^ eigentlich: o Unrecht gegen 

mich. ^ zwischen den Augenlidern, um ihren Rand schwarz zu färben. 

* Lelienslust und Liebeslust ist ihm gebliel>en. 



24. Sie fing- an. 

Kamazni bliudb *önu Aviltaua ll 

häkäni uliaketu 'ala schl 
"wana-lniatliüin birüschii bala sein 

bilniaktüb racldüli gauäba. 

El- z^Yinke^te mir zu mit der Wimper seines Aug-es imd gab mir 

Zeichen, ^ 

er sprach mit mir und ich si)rach mit ihm über etwas, 
und ich, der ich verdächtigt wegen des Yerkelires ohne Grund, 

im Briefe sandten sie mir Antwort ! ^ 

25. Abscliied wider AVillen. 

*Eni min 'ejün ilrarrabüni 

uahli min tamtä'hum rarraljüni 
baket iktlr jom ilwadda'üni 

'ala l)käji biki ter issamäba. 

Ich gedenk es denen, die mich in die Fremde gehen Hessen, 
und meine Eltern, wegen ihres Geizes-* Hessen sie mich in die 

Fremde gehen, 

ich weinte sehr am Tage, da sie von mir Abschied nahmen, 
über mein AVeuien weinten die Yögel des Himmels. 

26. Terhindertes Zusammentreffen. 

Talat marrät glt eddär malkäk 
rarad niilH uka.sdi schuf malkäk 

ret ilharamni schöftak umalkäk 
jemüt ujehterim schamm ilhauäba. 

Drei Mal kam ich zum Hause, ohne dich zu treffen, 

keinen AVunsch (sonst) hatte ich, und meine Absiebt nur, zu 

sehen, dich zu treffen, 
o dass doch der, der mich verhinderte dich zu sehen und zu 

treffen, 
sterben milchte und verhindert würde, die Luft zu geniessen. 



* durch Bewegungen von Armen, Kopf und Schultern. ^ kein näherer 
Verkehr fand statt. -■» er sollte sich selbst sein Brod verdienen. 



— 74 — 

27. Von Liebe getroffen. 

Schaka räsu ila räsi gadd räsi 

'ala räsu rasa ganb räsi 
ja rauwäs ilhaua rauwis leräsi 

waka' ras ilhaua bräsi usäba. 

Es klagte sein Haupt meinem Haupt: es zerbrach mein Haupt 
an seinem Haupt, das unbeweglich blieb bei meinem Haupt, ^ 

() Taucher der Liebe, lass tauchen nach meinem Haupt, 
es fiel das Haupt der Liebe auf mein Haupt und traf.^ 

28. Hallma mit den blonden Zö^^fen. 

*Ala bir issafa wirdat hallma 

gadäjil schukr warchathum hallma 

rühu ja sumr mantum ranima 
tä'u ja bid jä'azz ilhabäba. 

Zum Brunnen 8afa ging nach AVasser Halima, 
blonde Zöpfe — es Hess sie hängen Hallma, 

geht weg, ihr Braunen, ihr seid nicht gute Beute, 

kommt her, ihr Weissen,'^ ihr teuersten der Geliebten ! 

V 

29. Kein Hindernis für den Liebenden. 

Sabäh ilcher abu mändil jänis 

sötak bizaläm illel j'änis 
wana-n wokfüli chams mlje hauäris 

ladüs bdärkum ba'd ilriäba. 

Guten Morgen, du mit dem Tuche, o Anis, 

deine Stimme in der Finsternis der Nacht macht es traulich, 
und ich, wenn auch gegen mich hinträten fünfhundert als Wächter, 

würde in euer Haus treten nach Sonnenuntergang. 

;^0. Die Geliebte im Haurän. 

Tal'at nigmet ilrarrär minräd 

umarbäha gabal haurän minräd 
billa ja haua-lraddär indär minräd 

nada waktur 'ala sidr ilhabäba. 



^ jemand klagt über die übergrosse Liebe seiner Geliebten. - er bittet, 
dass man ihn nicht ganz versinken lasse. ^ ihnen gehört Hallma an. 



— li) — 

Es ging auf der Morgenstern ' jenseits, 

lind seine Heimat ist das Haurängebirge jenseits. 

Bei Gott, o treuloser Wind,''^ wende dich nach jenseits 
als Thau und tröpfle auf die Brust der Geliebten! 

31. Nur eine Medizin für den Kranken. 

Nizil ma'ben jäfa üben ma'lül 

thäkini uband ettöb mahlül 
ana-lli min feräk ilhöbb ma'lül 

umä jischfini rer schöf ilehbäba. 

Er Hess sich nieder zwischen Jäfa und Ma'lül,* 

sie spricht mit mir, und die Schleife des Gewandes ist gelöst 

Ich bins, der wegen der Trennung des Geliebten krank, 
und nur das Sehen der Geliebten heilt mich. 

32. Gift gleicht Zucker. 

Nizil ma'ben safita u'akkar 

ukäsi kän säfili t'akkar 
habäbi lau saküni samm'^ snkkar 

'ala kalbi aladd min eschscheräba. 

Er Hess sich nieder zwischen Säfita und 'Akkar,* 
und mein Becher war mir rein, er wurde trübe. "" 

Wenn meine Geliebten mich mit Gift tränkten, (wäre es) Zucker, 
meinem Herzen schmackhafter als Limonade. 

;{3. Treueschwur. 

Mzil ma'ben zahle weliksaijir 

habibi lä tawll walä ksaijir 
halafna diu 'annak mä nraijir 

mä zäl errüh wiggitti sauäba. 

Er Hess sich nieder zwischen Zahle und Ksaijir," 
mein Geliebter ist weder lang noch kurz, 

wir schwuren: von dir will ich nicht lassen, 
so lansre die Seele und der Leib zusammen, 



• die Geliebte. - der Ostwind soll Westwind werden, der dem Osten 
Thau bringt. ^ Dörfer bei Nazaret. * nördlich von Tripolis. '" der 

Liebesverkehr wurde abgebrochen. " /.wischen Libanon und Antilibauos. 



— 76 — 

34. Fern von der Geliebten. 

Hfllak bischscliäm uahli birahäwen 

ba'ad nmä twossüna rahäwin 
wana-hnahbus behab^^s rahäwen 

tära-lmahbüs wihnijjit sauäba. 

Deine Familie ist in Damaskus und meine Familie in Rahäwen, 

fern, und nicht erreichen uns Passgänger, 
ich aber bin gefangen im Grefängnis von Rahäwen, 

in Wirklichkeit ist der Gfefangene und der Tote gleich. 

35. Ivebensüb erdruss. 

Ana labki 'ala häli wana haij 

imafsi 'äifi-ddünja Avana haij 
sadlkin mä iglni wana haij 

wisch li fih 'and radd etträba. 

Icli weine über mich selbst, während ich lebe, 

und meine Seele hat (ijerdruss an der Welt, während ich lebe, 
ein Freund kommt nicht zu mir, während ich lebe, 

was habe icli an ihm nach dem l'mschütten der Erde?' 

36. l^ n b e z w i n g 1 i c h e Seh n s u c h t. ^ 

Kaddet illel 'ala-lchullän adauwir 

hazin ubizaläm illel adauwir 
sä'a anäm sä'a aküm adauwir 

sä'a akül hön känu-lhabäba. 

Ich vollendete die Nacht, nach den Vertrauten suchend. 

traurig und in der Dunkelheit der Nacht suchend, 
die eine Stunde schlaf" ich, die andere Stunde stehe ich auf, suche, 

eine Stunde sag' ich: hier waren die Geliebten. . 

37. Yorübergehende Verstimmung. 

Tala' reman gdid ubark säfät 

udakk ennll 'addar'än säfät 
zarif ettül lä tkattir 'atäbät 

täri-ddunja bhä möt uhajäba. 

* über meiner Leiche. - auch von CheiraUa aus Chijäm (Merg 'Ajün) 
mitsreteilt. 



Autstiegen neue Wolken und helle Blitze, 

und die blauen Tätowierungen auf den Armen >sin(i khir. 
Schöngewachsener ! mache nicht viel A'orwürfe, 

es ist ja doch in der Welt nur Tod und Lel)en.^ 

3S. Preis der Geliebten. 

'Atäba fuddat ilbeda kadamha 

lau maschat 'agücli jitcharmasch kadamha 

sabe' bäschät usangak chadamha 
wibn il'äzem mäsik birrekkäba. 

'Atäba- — weisses Silber ist ihr Fuss, 

wenn sie auf Tuch ginge, würde zerkratzt ihr Fnss. 
sieben Pasclias und ein Regierungsbezirk sind ilu'o Dicnci'. 

und der Sohn 'Äzems hält den Steigbügel. 

'M) . D a s 31 ä d c li e n a u s Tl ö m s. 

Marrat 'ala-ggis'r chaija ilgis'r mal 

mdahhni-ssälif mnizzabäd irtäl 
sa'altha bnaija kälat min schamäl 

fidirit höms il'adijje rabiena. 

Sie ging vorüber auf der Brücke, mein Bruder, die Brücke l)(»g sicli. 

sie salbt das Schläfehaar mit Zibet in Röteln.^ 
Ich fragte sie: mein Mädchen? sie sagte: vom Norden. 

im Bezirke von ITihus dem gesunden sind wir erzogen. 

40. Kein Abschiedsgeschenk. 

Ja zarif uttül wen ahlak radu 

'agabal haurän rähu waba'du 
bad'i 'assäir 'ejünu jirmadn 

leseh mä TsTr teräki mschenschala. 

Schimgcwaclisener, wohin verschwanden deine Angehiirigen? 

zum navu'ängcbirge gingen sie und entfernten sich, 
ich verwünsche den Goldschmied: seine Augen mögen triefend 

werden ! 

warum schmiedet er nicht Ohrrino-o mit Gehänge? 



* es kauu nicht immer gleich sein. * Name eines Mädohens. 

ä 1 Rotl = 2.566 Kilogr. 



78 



41. Die Geliebte verlobt. 

Ja zarif uttül jii sinn addahük 
ja mrabba bidaläl immak uabük 

ja clibär issau limmen talabük 
selia'r räsi schab uzahri-nhana. 

O Seböngewachsener ! o lachende Zähne! 

() der du auf\Yuchsest unter der Liebkosung deiner Mutter und 

deines Vaters ! 
böse Nachrichten, als sie dich begehrten, 

mein Haupthaar wurde grau und mein Rücken krumm. 



42. Übermächtige Liebe. 

Ja zarif ettül ja rumh ilchaijäl 
liägi tzid 'ala kalbi hubb udaläl 

larüh lelbäscha waktub 'ardhäl 
mä biki mazlüm rer hubbi uana. 



Schöngewachsener, o Speer des Reiters! 

genug, dass du mehrst meinem Herzen Liebe und Liebkosung; 
ich will zum Pascha gehen und eine Bittschrift ^ schreiben, 

nicht blieb em Vergewaltigter ausser meinem Geliebten und mir ! 

43. Traum von der Geliebten. 

Ja zarif ettül ja rühi init 

ja '^ak^'d lülu bisidr ilbin't 
isma'u ja näs billel schü hlini't 

imm "^ejün süd 'ala zindi näime. 

Schöngewachsener, o meine Seele bist du. 

o Perlenschnur auf der Brust des Mädchens! 
Hört, Leute, was ich diese Nacht geträumt, 

eine Schwarzäugige schläft auf meinem Arm. 



^ um über Vers'ewaltio'uno' durch übermächtige Liebe zu klageu. 



— 79 - 

44. Schwere Besorgnis. 

Ja zarlf ettül wakkif takullak 
räjih 'alrurbi blädak ahsanlak 

cliäjif ja mahbüb trüh utitmallak 
ute'äschir ilrer utinsäiii ana. 

Schöngewachsener, warte, dass ich dir sage: 

du gehest in die Fremde, deine Heimat ist dir besser, 

ich fürchte, o Geliebter, du gehst und wirst ansässig, 
und hast Umgang mit anderen und vergissest mich. 

Mitgeteilt von Aussätzigen iu Jerusalem. 
1. Trennungsschmerz. 

'Eni mnilbuka zädat waram scheu 
bahiss za'ün chulläni wara mschen 

ubaUa ja bajäbina warumscheu 
dam'^u tatörik essama "^aschäba. 

Mein Auge vom Weinen mehrt es schlimme Geschwulst. 

ich merke die Gesellschaft meiner Freunde hinten gehend, 
und bei Gott, ihr Augäpfel und Lider, 

thränet, dass ergrüne der harte Stein mit Kräutern. 

2. Unverstandenes Leiden. 

Ja hammi mä jeschllak tör "^ammäl 

ja gurhi fl sidri u'ammäl 
ja wok'ati mä-miäs liimmäl 

tatar mä bjifhamu radd-iggauäba. 

meine Not, dich trägt kein Arbeitsstier, 

o meine Wunde in meiner Brust, die stets eitert, 

o mein Unglück, wie sehr sind die Leute nachlässig, 
Tartaren, die nicht wissen zu geben Antwort. 

3. Schlimme Täuschung. 

Razälin läh li filbarr wahdi 

■^aggal "^abahsch kabri ulahdi 
razäli chammantak iaiji wahdi 

watäri lak telat arba^ ishäba. 



— Sü -^ 

Eine Gazelle erschien mir im Freien allein, 

sie beeilt das Graben meines Grabes und meiner Gruft. ^ 

Meine Gazelle, ich meinte, du wärest für mich allein, 
und siehe da, du hast drei, vier Freunde. 

4. Zehrende Liebe. 

Abu sälif Ivama ginh essenünu 

mibsam dürr willülu senünu 
ana li fihauäk arba' senünu 

iahmi däb wifazni inschazza. 

Du mit dem Schläfehaar wie die Flügel der Schwalbe, 

der Mund wie eine Perle und wie die Perlchen seine Zähne, 

deine Liebe genoss ich vier Jahre, 

mein Fleisch schmolz und mein Gebein wurde zerbröckelt. 

bl Aus Galiläa. Mitgeteilt vom BtUieniknabeu Mohammed Hasan in Lüliic 
(zwischen Xazaret und Tiberias). 

Keine Andeutungen mehr! 

Schuf izzen jahruz bilme'äni 

chaschab sandük sidrak lilrae'äni 
ja habibi lä twaddili me'äni 

u ild thaijar kef rnddilku gauäba. 

Sieh den Schiinen, er bewahrt die Andeutungen, 
Kisteidiolz ist deine Brust für die Andeutungen. 

mein Geliebter, nicht sende mir Andeutungen, 

und icli werde wieder verlegen, wie ich euch Antwort gebe. 

<•) In der Belka. Mitgeteilt von einem Beduinen auf dem Gebel Öscha'. 
Schwere Verwnndung. 

Wana laslh wabki ja sauäbi 
ana-lmagrüh umrammag sauäbi 

ja behhäsch gabri wilisäbi 

daehilak tischheru Icffil lehbäba. 



' eigentl. der mit Steinen ausgesetzte und gedeckte unterste Teil des 
Grabes. 



— 8t — 

Und ich werde schreien und weinen: O meine Verwundung! 

ich hin der A^erwundete, und meine Verwundung ist tief. 
O Gräher meines Grabes und der du zuschaust/ 

ich bitte dich, lass (hnon ab^ von wegen der GeHebtenl 

(1) In Merg 'Ajün. Mitgeteilt vom Bauernkuaben Rattäs in ßalät. 

Liebe verkürzt die Zeit. 
'Alaija min haleb hxsch schäm jömain 

sidrik mal'ab ih;haijäl jömain 
'äschartik sine bitküH jömain 

'aschrit jöm ahla min sine. 

Mir sind von Aleppo nach Damaskus zwei Tage, 
deine Brust ist Spielplatz des Reiters zwei Tage, 

ich verkehrte mit dir ein Jahr, du sagst, zwei Tage, 
der Umgang eines Tags ist süsser als ein Jahr. 

Mitgeteilt vou einem juugeu Manne in Gededi.-' 
Im Gefängnis der Jjiebe. 
Kaddet illel 'adäni blümän 

ubusbur 'agefa wilrez lümän 
brld il'ömr jitkadda blümän 
walä sä'a mefärik lil^hbäb. 

Ich vollendete die Nacht, mein Aufenthalt war im Gefängnis/ 
und warte geduldig bei unfreundlichem Benehmen, und der 

Zorn ist Gefängnis, 

ich wünschte, das Leben würde vollendet im Gefängnis, 
und keine Stunde Trennung bringend den Geliebten. 

Mitgeteilt vom Maultiertreiber Cheiralla aus Chijäm. 

Rasche Xachricht erwünscht. 

Kaddet hmüm ja sähib mitl ettell 

u'akli min edmär erräs rateltel 

ja tärisch ruh 'addire mitl ettel- 

erräf biFagal rudd iggauäba. 



^ lies S. 80 willi säbi. ^ ]_ deschschiru. ■' junge Leute «iugeu 
dort gern diese 'Ataba beim 'Arak, wenn sie berauscht sind. * Ifiman 

= Gefängnis aut Lebenszeit. 

]):ilman, Volksleben. 6 



— 82 — 

Ich durchlebte Nöte, o Freund, wie ein Hügel, 

und mein Verstand vom Hirn des Kopfes her ist schwankend. 

Wanderer, gehe zu der Gegend^ wie das Tele- 
gramm, in Eile bringe zurück die Antwort ! 

e) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduinen Hnied. 
1. Frage nach der EntscliAvundenen. 

Selak "^an chafif ildschedem illi häs 

bzulfü jiksar issauwän wilhäs 
tamätilü bilmatch ubischbet wilhäs 

ubtlatijjät ilbeschra jiltaga. 

Ich frage dich nach dem mit dem leichten Fuss, der floh, 
mit seiner Klaue zerbricht er den Feuerstein und den Kiesel. 

seine Spuren sind in Match, in Schbet und Häs 
und in Tlatijjcät ilbeschra ist er zu finden. 

2. Mahnung zur P^ile an den Goldschmied. 

Ja dimmi schanschil ilmelwa "^arüräk 
wa'alek illöm ja dimmi 'ali uräk 

wani in ridt ilhag ze'inhin 'al'üräk 
""addalül ennähre fgäg ilchala. 

O Tadelnswerter,^ mache Gehänge an das Armband am Ende, 
und auf dir ist der Tadel, o Tadelnswerter, 'Ali ist hinter. 

dir her,^ 
und wenn ich will, folge ich ihren Gesellschaften-^ am Ende 
auf einem Reitkamel, das durchschneidet die Defiles der 

Wildnis. 

3. Der Liebende hungert nicht.^ 

Abät illel *^ala-lchullän mägü'^' 

umin sidr izzarif emset maugü*' 
wana-n masset chadd ettaraf mägü=*' 

tamant-ifräd ida bitna chala. 



* der Geliebten. ^ moslemische Bezeichnung von Christen und Juden. 
' der Besteller drängt. * den Gesellschaften der Geliebten. » Melodie 7. 



— 83 — 

loh verbringe die Nackt über den Geliebten/ hungere nicht, 
und wegen der Brust des Schönen^ wurde ich gepeinigt, 

und ich, wenn ich die zarte Wange saugte, hungere nicht 
achtmal,^ wenn wir die Nacht draussen verbracliten. 



4. Droliung. 

T'aijirni bigölit radalhen 

welinte min izläni ilradalhöii 

ani lagdob fetlU ulardilhin 
wanäsishin 'ala fegg ilchahi. 

Du beschimpfst mich durcli die Rede: Morgen hier. 

und du bist nicht von den Leuten des „Morgen hicr-'.-^ 
ich will ergreifen meine Flinte* mid ihnen folgen früh morgens 

und auf sie lauern ^ in dem Defile der Wildnis. 



5. Herbe Abweisung. 

Ja schäib ruh lewara-lbet wumdah 
umä nugbalak ulö neslb windPh 

ujälaua mehzamak tscherb 

tedhik hagar watäwhak belifra. 

Greis, geh hinter das Haus und singe Loblieder," 

und wir nehmen dich nicht an, auch wenn wir verlassen und 

einsam wären. 
(.) wäre doch dein Gürtel festgezogen, 

dass ich dich fülle ' mit Steinen und dich in den Eufrat ver- 
senke. 



' im Gedanken an die Geliebte. - acht Tage. ' .,morgeu hier" 

wäre nach Hmed eine Eedensart der Hadidi -Beduinen. Ein Hadidi be- 
schwert sich, dass man ihm nachäft't. * eigentlich: meine Lunte. ^ so 
erklärte Hmed, gemeint sei Gazelleujagd, aber es solle angedeutet werden, 
dass der Angeredete gut thut, sich in. Acht zu nehmen. Das „Morgen hier" 
könnte der Beduine in einer für ihn unangenehmen Weise wahrniachen. 
" wie ein Bettler. '^ so nach Hmed. 



6. Stets waclicndo Liebe, 

J.ä haltimsohi luesehiak (läblijje 
schahm 'tschlai miimak däblijje 

wäni leschil 'en eddlb lijje 
wasähirhin 'ala tül elmeda. 

du, der du gehst mit balancierendem Uaug, 

das Fett meiner Nieren zerfliesst mir deinetwegen, 

und ich Avill mir nehmen das Auge des AVolfs^ 
und mit ihnen ^ wachen für alle Zeiten. 



7. Die Geliebte verloren. 

Jabu gussa jabu hagib jabu 'en 

urada-hlak TbI'ünak jabu 'en 
jabu talät idru' uba'en 

min 'ada elme'^atschschia 'arrgäb. 

Du mit dem Stirnhaar, du mit der Braue, du mit dem Auge, 
morgen verkauft dich deine Familie, du mit dem Auge, 

du mit den drei Ellen und zw^ei Spannweiten der Arme,^ 
abo-esehen von der Bieji-uno; auf dem Hals.* 



8. Das ^[ ä d c h e n a m E u fr a t. 

Schekalan gussar düäjibhhi nia'a tül 

irasäib winharan gür ilma'a tül 
uhabibi-lwazzet irribiat ma^i tül 

alifra utarakat 'äsi hamä. 

Sie legten ihre kurzen Locken längs 

den Kopfbinden und gingen entlang den Rand, der längs (geht), 
und mein (beliebter ist wie der Schwan, der aufwuchs längs 

dem Eufrat und verliess den Orontes von Hamat. 



* der nachts nicht schläft. - der (Teliebten. ^ von Hand zvi Hand. 
* übertreibende Schiklerung der Länge des Haars der Geliebten, wobei die 
Bieguufif desselben am Nacken noch nicht in Anschlag gebracht sein soll. 



— S5 — 

7. Ein K ä II un - Feuer. 

Abät illel 'ala-lchullan tsclieuni 
u'^elldschet biddaraäir när tschi'nni 

invalla ja walTfi min jammi lä ttsclienni 
wallfak min zarar jabu-dduäb. 

Ich verbringe die Nacht über den Freunden. Beinamen gebend. 

und es entzündete in den Gedanken ehi Känün ^ - Feuer, 
Bei Gott, o Vertrauter, von meiner Seite lasse nicht, 

der ich dein A'ertrauter seit der Jugend, o du mit den 

Locken ! 

10. Schr»pfräder für die (ieliebte. 

Ana hisür itterädschi wannüä'lr 

iha-lmadgüg 'ahnäni nüä'ir 
delü'i min chaschab tuslah nüri'lr 

tedir ilfed bisnlii essacha. 

Ich will schmieden die Olirringe und die Schöpfräder- 

für den, der tätowiert ist auf der Brust ^ mit Schö})fräderH,'- 

meine Rippen sind Bauholz, gut für Scliö[)fräder,* 

den Überlluss heraufzuwhiden ui den Jaliren der Fülle. 

II. Bitte um Arznei.'' 

'Ajüni min elbetscha zäid walamhen 

adauThin "^asa jibtal walamhen 
äni ladchul 'ala woihin wa'amndiiii 

beltschi jäm'^rüli beUata. 

Meine Augen — vom Weinen mehrt sich ihr Jjciden, 

ich will ihnen Arznei geben, vielleicht hört auf ihr Leiden, 

ich will hineingehen zu ihrem Vater und ihrem Onkel,* 
vielleicht werden sie für mich befehlen das Geschenk. 



* käuüü ist das Kohleubecken für die Heizung im Winter. - rad- 

tÖrmige Verzierungen. •' niäni „die Brust zwischen den Brüsten". ♦ d.h. 

fiir den Liel)esgenus8. ^ von Hmed an den Herausgeher gerichtet. " den 
Beschützer der Augen des Bittstellers. 



— 86 — 

12. Goldene Lippen. 

ßarätim min dahab wisenün min fadd 

nchargltu 'ala-lbidwän tinfadd 
ndschn gut lilli tschän rainfadd 

n^ila 'arag cheddu n'lsch etninna. 

Scliwellende Lippen von Gold und Zähne von Silber, 
und sein Ausgabegeld ist auf die Beduinen verteilt,^ 

sein Speichel ist Speise für den, der elend war, 
nnd vom Schweiss seiner Wange leben wir beide. '^ 

13. Locken wie Haken. 

Ge'üdu tschararäbid ittaläwan 

tschalälib bidaläli taläwan 
lielu gül lessumr wilbid ittaläwan 

ikuddan libn 'äbid 'attaläb. 

Sehie Locken sind wie die Nattern, die sich winden, 
wie Haken bei meiner Liebkosung winden sie sich.^ 

Schöner, sage zu den Braunen und den Weissen, die sich winden, 
dass sie zum Sohne *^Abids eilen wegen der Förderung.* 

14. Beschleunigte Reise. 

Habäb ilgalb kull ma ^rnnu *^ala-lbäl 

agidd essir bözhürin 'ala-lbil 
ihrd ilhül winhihin ^ila-lbill 

bill ennide wilmeschfidsch habäb. 

Die Gehebten des Herzens, so oft sie in den Sinn kamen, 
beeile ich die Reise auf Rücken — auf Kamelen, 

oin Jahr vergeht, und ich treibe sie an auf der Nässe, 
der Nässe des Thaus, ^ und die Sorge (sind) die Freunde. 



^ alle bestreiten es. - tler Liebende nud die Geliebte * Hmed er- 
klärte: um das Herz. * der Sohn 'Abids verlangt nach ihnen. * die 
Kanicl-e werden am frühen Morgreu vorwärts o-etrieben. 



— 87 — 

15. Nadelstiche. 

Abät illel b^'ajüni gatätib 

min agl ilrazz bige'üdu gatätib 

wana masläk lü jisla-lgata Üb 
elmanäni ujitruk eddib iraua. 

loli verbringe die Nacht, während in meinen Augen Stiche 
Avegen der Zierrat, ^ welche bohrt in seine Locken Stiche, 

und ich kann dich nicht entbehren, wenn auch das Sandhuhn ent- 
behren könnte der Güte 
des Schlafs und der Wolf abliesse vom Heulen. 

10. Verbotener Umgang. 

Lafat tugrug kadik ilhalte bijje 

wahsen ukull 'ölla hatte bijje 
u'adu rische ja nähi hatte bijje 

ta'anni uamna^ bigurhi sauäb. 

Sie kommt heran krähend wie ein Hahn, der über mich kommt, 
imd Hsen ^ — - jedes Elend brachte er über mich, 

und Feind ist Rische,* o Yollkommener, er kam über mich, 
durchbohrte mich und Hess eindringen in meine Wunde Unglück. 

17. Im Irrsinn. 

.Tabu tülin tscha'üd ilhör maijäl 

sahetani utäri-ddahr maijäl 
wäni mitl magnün in täh maijäl 

utäh usär maurüdu saräb. 

Schlanker,^ wie das Holz der Pappel schwank, 

du vergassest mich, — und in Wirklichkeit ist die Zeit 

schw'ankend, 

und ich bin wie ein Irrsinniger, wenn er verirrt ist schwankend, 
verirrt ist und sein Tränkplatz wni-de die Kimmung, 



^ agl sind goldene Haken im Haar über den Schläfen. - Hmed 

sagte amna', womit schwerlich etwas anzufangen. ■' wohl der Vater der 

Geliebten. * vielleicht die Mutter der Geliebten '■ die Geliebte. 



— 88 — 

18. Bitte lim Wendung dos Geschicks. 

'Atäba 'attabatni wana sbe 
ugassat hör bistäni wana sbe 

walla 'ad ja dünja wunusbi 
üläd ilfäinin bhum dirra. 

'Atäba ^ machte mir Unruhe, als ich Knabe war, 

und schnitt die Pappeln meines Gartens ab, als ich Knabe war. 

Bei Gott, von nun ab, o Welt, pflanze doch,^ 
die bösen Kinder haben Nachkommenschaft."' 



Beim Zeltfeuer. 

Wenn die Beduinen abends im Gastteil des Zelts um das 
Kaffeefeuer sitzen, ist eine aus einem Buch vorgelesene Erzäh- 
lung (luLSsa) mit eingestreuten Gesängen die in manclien Gegenden 
beliebteste Form der Unterhaltimg der Gesellschaft. Aber auch 
Gi-up])en von 'Atäba -Versen, unter Umständen mit Beifügung 
der dazu gehörigen kleinen Geschichte, Rätsel, deren Lösung 
meist nur dem möglich ist, der sie schon kemit, und ,,Gesänge" 
(kasäid) verschiedensten Inhalts werden vorgetragen. Proben 
der letzten drei Gattungen seien hier mitgeteilt. 



1. 'Atäba - Lieder. 

Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Bednineu Hnu-d. 
1 . \o m 'A t ä b a d i c h t e n. 

*Indi bjüt min eggöhar 'adalhen 
asgüni-lfih'm battäsa 'adalhen 

'atäba giddi gabl abüj 'addalhen 
'aleha schhüd men gälu bala. 



' Name einer früheren Geliebten, die ihm die Jugend verdarb. * jetzt 
wird l)e.sseres (Tesehick erhofi't. * es giebt immer böse Menschen, vor denen 
man des Schutzes bedarf. 



— 81» — 

'Atäba tifVii;- csclisehnjlb min oschschabb 
mitPma tifrig essukkar min eschschabb, 

n'äfa hurran 'ala-ssöda mnesolischib 
umacliäHlju bhä lasehg eddinui. 

Ich habe Yerse von Edelstein ilinon^ entsiircohond. 

man gab mir zu trinken Einsiclit aus. der Schab' ihnen ent- 
sprechend, 
'Atäba hat mein Grossvater vor meinem Täter zurechtgestellt, 

darüber gibt es Zeugen, die sagten: freilich! 

'Atäba scheidet den Greis vom jungen Mann, 

Avie du scheidest den Zucker vom Alaun, 
und Heil einem Freien, der auf die Jieute sicli stürzt, 

und auf seinen Klauen sind Blutflecken !' 



2. Der Wettstreit der Dichter. 

Eines Tages fragte Mohammad. Hohn 'Äbids, ein Beduine, 
der wegen seiner F<ähigkeit 'Atäba zu singen sehr berühmt war: 
,.Giebt es wohl jemand in der ^^'elt, der sich auf 'Atäba versteht 
wie ich?" Man antwortete ihm: „Ja. Ibrahim, Sohn GebCdis in 
Swedijje." Er ging nach Aleppo und von da nach Antiochia, und 
von da nach Swedijje. Da traf er ihn, grüsste ihn zuerst und 
fragte nach dem Hause Ibrahims. Jener antwortete : „Du bist am 
Ziele, ich bin Ibrahim.''' Da sagte zu ihm Mohammad: „Ich will 
dir jetzt einen A'ers 'Atäba sagen; wenn du ihn verstehst, ist es 
gut, wenn nicht, so will ich dreizehn Tage bei dir bleiben, und 
wir werden sehen, wer der Sieger ist." 

Mohammad sagte : 

Assaläm jibrähim 

asimtak bichalil alla ibrähim 
ugurhi mä taijabatu inarählm 

wnlä tis'ln häge min eddua. 

* den Versen. - ein «••utor 'Atälmdif^htcr ist wie nin Riml>tier, dii>s im 
Sprunge seine Beute fasst. 



— 90 — 

HeilV o Ibrahim, ' 

ich nannte dich Geliebter Gottes, Ibrahim, 

nnd meine AVimde heilen keine Salben, 
ancli nicht neunzig* Arten Medicin.^' 

Ibrahim antwortete: 

Saläma jibn 'Abid 

utuslah lak guäri usitt 'äbid 
nhät ilbet illi bih ta'bid 

faläli rer käretsch ja 'atäba. 

Heil, o Sohn 'Äbids, 

und es passen dir Mägde und sechs Sklaven,^ 
aber bei dem Hause, in dem du anbetest,^ 

ich habe nur dein Geschäft, o 'Atäba.* 

Darauf zog sich Mohiimmad sofort zui'ück, weil Ibrahim den 
Sinn verstanden hatte-. 



3. Der Aater und der Sohn. 

Ein alter Mann fragte seinen Sohn: „Hast du etwa eine Ge- 
liebte?" Dieser antwortete: „Wer eine Geliebte hat, wird der es 
einem andern sagen?" Der Vater sagte: „Nein, aber dein Yater 
muss davon Kunde haben." Da sagte der Sohn: „Siehe da, sie 
sammelt Getreide." Der Yater ging nun zu ihr, und als sie von 
dem Weizen, den sie gesammelt hatte, etwas in ihren Busen that, 
sah er ihre Brüste. Da kehrte er zu seinem Sohn zurück und 
sagte : 

Razäl ilbarr lajammi tahischschün 

labu ga'din min e.ssindil tahischschün 
wa'alauinni min eibirr thischschün 
umaskani hadar zidsch ettiäb. 



' d. h. er ist stets mit 'Atäbadichtung besoliät'tigt uud kauu durch nichts 
davon abgehalten werden. - als einem treffliehen Dichter. ' das Heilig- 
tum zu Mekka. ^ auch Ibrahim befasst sich ohne Unterlass mit 'Atäba- 
dichtung. Hier zeigt er, dass er verstanden hat, was Mohammad meint, und 
dass er ebenso eine 'Atäba auf den Namen Mohammads improvisieren kann, 
wie Mohammad eine 'AtäbiX auf den Namen IbraliTm improvisierte. 



— »M — 

Die (jazelle des Gefildes ^ mögt ilir zu meiner Seite saiiiiiiclii, 
für den mit den Zöpfen^ mögt von dem SandaP ihr sammeln, 

und ich wünschte, ich wäre von dem Getreide, das ihr^ sammelt, 
und meine Wohnung nahe dem Brustteil der Gewänder. 

Der Sohn antwortete : 

'Ala natr libresam 'attasanna 

rawäih fi gejäbu 'attasanna 
wejä schäjib tahher medäsak we'atsanna 

uschüf litschabertak söm usala. 

Auf das gestickte Seidentuch machte or^ niesen, 
Gerüche in seinen^ Taschen machten niesen.'' 

Greis, reinige dein Schuhwerk imd niese,' 

und sei bedacht für dein Alter auf Fasten und Beten! 



4. Der Beduine und die Levantinerin. 

Es war einmal unter den Beduinen ein berühmter Mann, der 
'Atäba sagen konnte, namens Saläma, Sohn des Badr, und in der 
Stadt Aleppo wohnte ein Franke, der eine Tochter hatte, welche 
'Atäba dichtete. Saläma hörte von ihr und begab sich zum 
Hause ihres Vaters. Als sie ihn sah, sagte sie: ,^Ist das Saläma, 
Sohn von Badr, der mit der 'Atäba tändelt?" Er antwortete; 
„Gieb, was du hast!" 



Sie sagte 



Ja men timschi umaschiak lölahanna 
udahab fög e.ssüäbir lölahanna 

träram e.s.sajir ugirgi uhanna 
usana tadabberu higl ilrua. 



' das Mädchen. - wohlriechendes Sandelholz. ^ hier ist das Mädcheu 
angeredet. ■• das Mädchen. " des Mädchens. " so bezeichnet der Sohn 
die Neigung des Vaters. " er soll sich reini^^en, iils Vor])ereitnn<>- zum 

Gebet. 



92 — 

( ) du, der du gehst, uud dein Gang ist schwankend, 

und Gokl ist oherhalb der Schläfen schwankend, 
('S wurde verpHichtet der Goldschmied, Georg und Johann, 
und in einem Jahre sollt ihr liefern den Knöchelring der Ver- 
führung.^ 
Salänia antwortete: 

Abat illel 'ala chullän niächün 

usäibni haua-zzenät niächün 
nlä tchalllni achuschsch ibdin machün 

unasrah bischschuech inti uana. 

Ich verbringe die JS^acht über den Geliebten, bin nicht treulos, 
und trifft mich die Liebe der Schönen, ich bin nicht treulos, 

aber lass mich nicht eintreten in eine Religion, die treulos, 
dass Avir austreiben die Schweine ^ du mid ich.^ 

Sie entgegnete: 

Wana latscha"ib elbustär bin'äl 

ugalbi min humum addahr min'all 
usaläma boUil ilbuhtän lan'al 
ruh abük min guwwa-tträb. 

Und ich will versehen den Schuh mit Hufeisen,* 

lind mein Herz ist von den Trübsalen der Zeit geplagt. 

Und Saläma, lass die Verleumdung, ich verfluche 
den Geist deines Vaters drinnen im Staube. 



5. Iliiri oder Menschen. 

Eines Tages sahen zwei junge Männer zwei schöne Mädchen 
in gleicher Kleidung. Da sagte der eine von ihnen zum andern : 
„Diese sind Huri (Schwarzäugige) des Paradieses." Der andere 
aber sagte: „I*»[ein, sie sind Menschen." 



' d. h. st'iue 'Atäba gleicht einem mühsam vou anderen gefertigten 
Sehmuck. - eigentlich ^Greislein". ' er lieht sie, aber Christ will er 

nicht werden, sie kann ihm doch nicht zumuten, mit ihr Schweine auszutreiben. 
* um Fusstritte zu geben. 



— 93 — 

Uer erste sagte: 

Ja let iinim ilma'äsi me'allmijje 
tasir ibhim imäin ume'allmijje 
umiri'udwän wusul irölem lijje 
tum min elhauar räliu dohäb. 

O dass doeli die Mutter der Gottlosigkeiten Lehrerin Aväre, 
dass ich bei ihnen ^ Prediger und Lehrer würde, 

und von Ruchvän ^ gelangte die iS^achricht zu mir, 
zwei von den Paradiesesmädchen gingen davon. 

Der zweite sagte: 

Bila magtü**' hatschiek wan-idiuma 

ubkär mnahel 'ämir waradanna 
hamad wintschän tögbal warridänna 

ana urudwän nügaf 'attaläb. 

Ohne deine Rede zu unterbrechen — bring docli herbei,'* — 
Jungfrauen vom Geschlechte 'Ämirs gingen zum Wasser, 

Hamad, und wenn du es annimmst, bring herbei. — 
ich und Rudwän bleiben stehen auf der Forderung, 

Der erste sagte: 

Isma' tagullak ja gärün 

ja (lufrin 'ala mtün etteref jigrün 

äni win käu trld minni-schhüd jagrün 
alazzimha bach"t buchsch iddiäb. 

Höre, dass ich dir sage, o Gärün, 

o Flechten,* die sich auf dem Nacken des Schönen vereinigeji ! ^ 
wenn du willst von mir Zeugen, die lesen, 

will ich sie herbeinötigen, beim Glück, nämlich Buchsch, den 

Sohn Diäbs. 

' (leu Mädchen. ^ dem Wächter des Paradieses. ^ Beweise. ■• Hiued 
sagte jeduffin, gab aber die Bedeutung .,Zöpfe" au. * dies sagt er zum 
Lobe Gäruns. 



— 94 — 

Der zweite erwiderte : 

Buchsch magbiil ulau jischhad 'ala-lrlr 
ujislam min hatschi wähim ^ala rir 

uhät ilmim wissaddatt *^ala-lrli- 
mä sehäfin dsehes iibläd erraha. 

Bnehscli ist "enehm. auch wenn er zeuffen M'ürde' über die 

anderen, 
aber er bleibe beAvahrt'vor dem Gerede eines, der irrt über 

andere, 
und beim Leben des Mim ^ und des „Wahrhaften über die 

anderen". - 
er sah nicht Kes und das Land von Raha.^ 



Der erste sagte : 

Ja let üram ihna'äsi musihnina 

tasTr 'bhin im am umusilmina 
halfi bidln gidd ihliusilmlna 

umirrudwaW mä'däja" hadä. 

dass die Mutter der Gottlosigkeiten zu uns überträte, 
dass ich bei ihnen Prediger und Moslem würde, 

ich schwöre bei der Religion des Ahnherrn der Moslems. 
von Rudwän ging niemand verloren.** 



1 Muhammecl. - Beiname des Abu Bekr. ' Buchsch kann deshalb 
über die Mädchen nichts aussagen. Vielleicht ist das Land von Raha ihr 
Wohnort. * für muslime laua. ^, für muslemäna = niuslim. 

« er nimmt damit seine frühere Behauptung zurück. Nacli seiner ersteaRede 
hätte er gottlos werden wollen, um den Mädchen nahen zu können, die wahr- 
.scheinlich Christinneu sind. Jetzt wünscht er ihren Übertritt zum Islam 7a\ 
dem o'leichen Zweck. 



— 95 — 



2. Rätsel. 

ii) In Merg 'Ajün. Mitgeteilt vou einem Uaueni iu (iededi. 
Der dreieinige Gott. 

Ana lalbis tob illiez'^n wahedd 

'alehum lasbur liidümi wahedd 
bis'alak 'an tläte Ihum ism waliad 

kün esrP^ firadd iggauäba. 

Min ard essin baijin niabsamhen 
mitl riäd höbbi baijin niabsamhen 

tis'alni *^an teläte be'ism^hen 
iläh irarsch wahdu fissamäba. 

Ich will anlegen das Kleid der Klage und trauern, 
um sie färbe ich meine Glewänder und traure, 

ich frage dich nach dreien, sie haben Einen Namen, 
sei eilig in EiViderung der Antwort! 

Lösung. 

Tom Lande China her zeigte sich ihr Lächeln,^ 

wie die Gärten meines Freundes 2 zeigte sich ilir Lächeln, 

du fragst mich nach dreien — mit ihrem Namen (sind sie) 
der Gott des Throns, er allein im Himmel. 

1>) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduinen Hmed. 
t. Die Erde. 

Arid irkab delül schdädin mä 'allha 

ukull izhäbin eddunja *^aliha 
tvvä'ideni bjümin mä 'allha 

uffaf wasTr sTrät essräb. 



1 das Lächeln der drei erschien im Aufgang der von Gott gescliafteuen 
Sonne vom fernen Osten her. ^ so lieblich. 



— 9(5 — 

L'li will i'oitou auf einer Reitkamelstute, ein Sattel ist nicht 

auf ihr, 

und alle RiMsekost der Welt ist auf ihr, 
sie verheisst mir: eines Tag-es (bin ich) nicht auf ihr, 

ich Avarte und wandere Wanderungen nach der Kimmung. 

2. Die AVolk en.i 

^\jüni ja luamad hammal walaggan 
'ala-rrähan schamäl abtan wala gan 

walähin min dana hauwa wala ginn 
walähin min ilhäimät ilbissama. 

Meine Augen, o Haniad, Hüssen und beharrten (dabei) 
über die, welche nordwärts gingen, verweilten und nicht 

kamen, — 
sie sind nicht vom Greschlechte Eva's, auch nicht Dämonen, 
sie sind aucli nicht von den UniherHatternden, die am 

Himmel. 

4. Drei ungeborne Wesen. 

Schabet 'gbäl abüja mä schebähin 

ugiddi gabl abüja mä schebähin 
asTlak 'an taläte wisch abähin 

'äschin wala räd'üi halib ilwälida. 

Ich stieg auf JJerge, die mein A'ater nicht erstiegen, 

auch mein Clrossvater vor meinem Yater hat sie nicht erstiegen, 

ich frage dich über drei, was ist ihr Vater? 

sie leben und saugen nicht die Milch der Clebärerin.^ 

5. Die drei Religionen. 

Talät bedät min eggöhar 'adalhen 
sadag men gäl wiggöhar 'adalhen 

uhät ismäh wilwagna 'adalhen 
taläta l)rü*h jell tifham 'atäb. 



^ nach Hmed wäre die Lösuiig: Wasser, Feuer, Erde. - gemeint sind: 
dir Widder Ismael's, das Kamel von Säleh, das Pferd von Ma'müu, welche 
v(in (xott wunderbar oreschafteu wurden. 



— 97 — 

Drei Eier von Juwelen sind ihnen gleich, 

wahr redete, wer sagte: der Juwel ist ihnen gleich, 

und beim Leben seines^ Namens, die Wange ist ihnen gleich, ^ 
drei in einem Geist, o der du verstehst 'Atäba. 

Dazu erzählte Hmed: Diese 'Atäba legte Ilärün arraschid 
einem Juden vor. Dieser sagte : „Wenn du mir Zeit giebst, 
werde ich vielleicht sagen können, was sie bedeutet/' Nach einer 
Weile kam er zum Chalifen und sagte: „Jetzt verstehe ich deine 
'Atäba." Härün erwiderte: „Wer sind die drei in einem Geiste?" 
Der Jude antwortete: „Zwei Arten von Moslems^ und die Christen,* 
welche an einen Gott glauben." Die Antwort gefiel dem Chalifen, 
und er entliess den Juden mit Geschenken. 

6. Der Dreschschlitten. 

Hatlna-rascheri blel unhär 

walä wuredna moijet radir 'snü' winhär 

bsiimu tachch ras iFüd winharr 
uma'külu min igganni schgära. 

Wir trieben die Zelm^ bei Nacht und bei Tag, 

und nicht gingen wir zum Wasser von Teich. Tränkti'og und 

Flüssen, 
mit seinem Zahn" zermalmte' er den Kopf des Stocks,* und er 

fiel herab, 
und seine Speise ist vom Paradiese ein Baum." 

7. Der Mühlstein. 

Asilak 'an seh! elmuntage* ^^ 
mälu lahm walälu dila' 



1 Gottes. '■' d. h. .sie siud schöu. '' Suiniiten und Schiiten. * ge- 
wiss nannte der Jude hier seine Glaubensgenossen, nicht die Christen, welche 
Hmed wohl nur aus Höflichkeit dafür einsetzte. ^ die Metallscheibeu an 

den Walzen des Dreschschlittens. In der Gegend von Aleppo hat man nicht 
das Dreschbrett Nordpalästiuas , sondern wie in Aegypten den eigentlichen 
Dreschschlitten. " die Schneide der Scheiben. '' vielleicht zu lesen: 

tahh. * die Ähre. * der Weizen. Anspielung an den Jujubenbaum, 

sidrat elmuntaha, nahe dem Paradiese, vgl. Koran Sur. 53 und G. Weil, 
Biblische Legenden der Muselmänner 67.241. ^^ muntage' für mudtage' 
von daga'. 

D.alinan, Volksleben. 7 



— 98 — 

ulälu süf minnu jintafa' 

uilu ihn itm eddaba' 
ida näm — b'elf 'am 

wida gäm — gümit saba^ 

Ich frage dich nach etwas, was liegt, 

es hat nicht Fleisch und es hat nicht Rippe. 

und es hat nicht Wolle, davon IS'utzen zu haben, 
es hat ein Maul wie das Maul der Hyäne, 

Avenn es schläft, — so sind's tausend Jahre, 

und wenn es sich erhebt, — ist's das Aufstehn eines Löwen. 

8. Fischfang. 

Göm güna uglnähum 

uguM"wa-ddär kahaschnähum 
taila'na-ddär mnuttäga 

wilharamijje kemeschnähum. 

Leute kamen zu uns und wir kamen zu ihnen, 
und drinnen im Hause ' haben wir sie gehascht, 

wir hoben das Haus herauf von der Luke^ aus, 
und die Diebe haben wir gefangen. 

9. Die Schaf zocke (fäsüga). 

Beddi is'alak 'an bint maschrüba dima 

lähi biFard walähi bissama 
subhän rabb irarsch chäliffla-rama 

ilha tamän igren chilga mbaijena. 

Ich will dich fragen nach einem Mädchen, dessen Trank Blut, 
sie ist nicht auf der Erde und sie ist nicht im Himmel. 

Preis dem Gott des Thrones, der für sie schuf Blindheit, =* 
sie hat acht Püsse, ihre Gestalt ist deutlich. 



* die Wohnung der Fische im Wasser. - von der Öffnung aus, durch 
welche man in die Wohnung der Fische eingedrungen war. * sie gilt als 
augenlos. Hätte sie Augen, so wäre sie noch gefährlicher. 



— 99 — 

10. Seltsame Verwandtschaft. 

Ja saläni ^ala chäli 

wäni 'ammak 
sallim 'alek wälidi 

wahu giddak. 

O Gruss meinem Mutterbruder, 

ich bin dein Yaterbruder; 
es grüsst dich mein Yater, 

und er ist dein Grossvater. 

Ein Witwer und sein Sohn heiraten, und zwar der Sohn eine 
Witwe, der Vater ihre Tochter. Beiden Paaren wird ein Sohn 
geboren. Das Söhnchen des Vaters ist Vaterbruder des Söhnchens 
seines Sohnes , das letztere aber ist Mutterbruder des ersteren. 
Zugleich ist der Vater des ersteren Grossvater des letzteren. 

b) Aus Jerusalem. Mitgeteilt von Dauiel Abraham in Jerusalem. 
Drei und doch sechs. 

Talat ruzlän 'asalen wärdln 

sitti sädrät usitt wärdin 
sitti täl'ät usitt wärdin 

usitti kalekuäs mehnijjäba. 

Drei Gazellen ^ gehen nach Sälen zum Wasser, 

sechs 2 kommen vom Wasser und sechs gehen zum AVasser, 

sechs * steigen herauf und sechs gehen zum Wasser, 
und sechs* sind wie die Bogen gekrümmt. 

c) In der Belka. Mitgeteilt von der Beduineufrau Fudcla am Berge Nebo 
bei der Mosesquelle. 

Die Kleidung der Frau des Häuptlings. 

Bissama gaisüm achdar 

umin tahtu fanägili 
min tahten ja meta 

tfassil bilgajätmi. 



1 drei Mädchen. * ihre sechs Arme. ' ihre sechs Füsse. * ihre 
sechs Augenbrauen. 

7* 



— 100 — 

Im Himmel ist gvüner Stabwurz, 
und darunter sind Tassen/ 

unter ihnen, o Meta, ^ 

näht sie daran die Borten. 



3. Gesänge. 

a) In der Belka. Mitgeteilt vou Farah Täbri in Essalt (beclniuisch). 
Wie schön ist die Geliebte! 

Aschraft ana 'almergäb tawllin wa'äli 

ja dmü' 'eni 'alridir saijälünu 
umin ferägkum ja schög wadnet häli 

wabät schabih illi däjimätu snünu 
ja huegbu chatt elgalam biddauäti 

walgudle riscli etter lau chacldabünu 
chaschmu dabäb essef hindi jaläli 

habb elbarad uahla ladmet snünu 
waehdüdu tuffäli schämi mwarrad 

wa'jünu *ejün elfahd la az^alünu 
unhudu rummän ezzeni mu'allag 

we^mgu *^ung errim la gaffalünu 
wedu/änu gudbän fudda zeläli 

wasäbi'u geläm eddahab lin barünu. 

Ich schaute aus auf hoher und erhabener Warte, 

Thränen meines Auges, auf die Wange ^ machten sie sie 

fliessen, 
und wegen eurer Trennung, o Geliebter, ermüdete ich mich selbst, 
und ich verbringe die Nacht gleich dem, dessen Zähne ihm 

schmerzen. 
O seine Augenbrauen sind wie die Linie des Griffels mit Tinte, 
und das Stirnhaar Federn des Vogels, wenn sie sie mit Henna 

färbten, 
seine Nase der Griff des Schwertes, eines indischen, das glänzt. 
wie Hagelkörner vmd schöner ist die Aufreihung seiner Zähne, 

^ die Brüste, wenn die Deutung richtig. * diese Frau ist auch ge- 

nannt in einem Totenklagelied aus der Belka, s. dasselbe. ^ ridir eigent- 
lich „Bach", der Teil der Wange, auf den zunächst die Thränen fliessen. 



— 101 — 

Hmcl seine Wangen wie Apfel, damascenische, rosenfarbige, 
nnd seine Augen Augen des Luchs, wenn sie ihn erzürnten, 

und seine Brüste schöne Granatäpfel, aufgehängt, 

und sein Hals der Hals der Antilope, wenn sie sie scheuchten, 

und seine Arme Stäbe von reinem Silber, 

und seine Finger goldne Griffel, wenn sie sie spitzten. 

Mitgeteilt von einem Bauerubnrscheu iu Essalt (beduinisch). 
Acht Königskinder auf der Jagd. 

Ganasna ^ejäl alimlük temäni 

gatalna min uhüsch elbarr mehä 
bina men scliaua ubina men ischtaua 

ubina men jeschwi lewald iPamlr schüä 
illa warallän min elbarr mugbil 

bischamsTn färis min elgrüm waräh 
ugäl man'ül abüku lä ja *^arab arrada 

min häda-ljöm mä tschüfün hajä 
sammet bismalla u'allt zahrha 

umen samma bismalla mä chäb ragäh 
jehüschün ilchaclra 'ala-rram^l täigdabün^ha 

ja häfir ilchaclra kamä ilmedrä 
sammet bismilla wactlagt %anänlia 

atäri-smalla ja mä ahläh 
hlimt helmin ja amära warä'ani 

wala rä"^ani ba'd ilhelüm siwäh 
hlimt ana irallän bissef häzni 

gata' chinesri hatta libhäni schedäh 
nädünli-lgädi ibder ibn fäjid 

tefäsir hilmi beliktäb ma'äh 
sä'^a winha mrauwaha bilgäcli bder ibn fäjid 

jagurr tiäb ittelasän waräh 
kin hatt ktäb erram^l beni ubenah 

kin beka ubekka ilgä'adln ihdäh 
wagäl man'ül abüku lä ja 'arab irrada 

man minkum ilu räib jegim ""azäli. 



^ die nächsten vier Zeilen sind — nach dem veränderten Reim zu 
schliessen — eine Einschaltung aus einem anderen Gedicht. 



— 102 — 

Wir gingen auf die Jagd, Kinder von Königen acht, 

wir töteten von den Tieren der Wildnis eine Wildkuli, 
einige unter uns rösteten (das Fleisch) und einige unter uns 

rösteten sich selbst,^ 
und einige unter uns rösteten für den Sohn des Fürsten einen 

Braten — 
doch siehe da, der 'Allan "^ naht von der Wildnis 

mit fünfzig Reitern von den Starken liinter ihm, 
und er sagte: „Verflucht ist euer Vater, o ihr schlechten Beduinen! 

von heute ab sollt ihr kein Leben sehen!" 
^Ich sagte: in Gottes Namen! und bestieg ihren* Rücken — 
und wer sagt: in Gottes I^amen! dessen Hoffnung schlägt nicht 

fehl. 
Sie umzingeln die Blaugraue (Stute) auf dem Sand, sie festzu- 
halten, 
o der Huf der Blaugrauen ist wie die Wurfschaufel ! 
ich sagte : in Gottes Namen ! und Hess schiessen ihren Zügel, 
und siehe da, der Name Gottes o wie süss!^ 

^Ich träumte einen Traum, o ihr Fürsten, und er erschreckte 

mich, 

und nie erschreckten mich irgendwelche Träume ausser ihm, 
ich träumte, der 'Allan mit dem Schwert schlüge mich, 

hieb ab meinen kleinen Finger, auch den Daumen verwundete er. 
Rufet mir den Richter Bder, den Sohn Fäjid's, 

Deutungen meines Traums sind im Buche bei ihm. 
Nach einer Weile , siehe da kommen sie mit dem Richter Bder, 

dem Sohn Fäjids, 

er schleppt Kleider von Atlas hinter sich her, 
er legte das Wahrsagebuch '^ zwischen mich und ihn, 

er wehrte und machte weinen alle, die bei ihm sassen, 
und sagte: „Verflucht ist euer Vater, o ihr schlechten Beduinen! 

wem unter euch einer abwesend ist, erhebe für ihn Toten- 
klage!" 

^ verbrauiiten sich die Fiuger beim Kosten auf dem Feuer. - Name 
eines feindlichen Schech. ^ so redet einer der acht. * der Stute. ^ er 
allein entkam, die anderen sieben wurden erschlagen. " von hier ab redet 
der Vater eines oder mehrerer der Erschlagenen. '^ eigentlich „Sandbuch", 
weil hilufia' aus Sand gewahrsafft wird. 



— 103 — 

Mitgeteilt von einem Beduinen auf dem Gebel Oscha . 
l. Wie krank vom Rör. 

Ja räkib bilcliadra — mnirüscli'^b tibri 
lan dannagat te/a — ranilr utibne 

schibren beii iktuflia — waessanäm 
wana tah^t bilbir — halli gadabni 

'öddu [arih elrör — b'aiiwal wusämi. 

O der du auf der Blaugrauen ^ reitest, — vom Kraute frisst sie, 
wenn sie sich bückte zu weiden — Stoppehi und Stroh, 

zwei Spannen sind zwischen ihren Schultern — und dem Höcker.'-^ 
Ich aber sank hinvmter in den Brunnen,^ — der mich hinabzog, 

wie wenn einer vom Rör darniedergestreckt ist — im Anfang 

der Regenzeit.* 

2. Umschau unter den Männern. 

Ja höddin 'ala diäb ja ümmät scha'ar il'aschgar 

ja dwek mügid när ennadära 
jehki hakäja mälkum alla jedünni 

sälih abu amseha lahazz ilmegälis me'anni 
wahmüd abu nimr 'agid essikära 

ahmäd abu nimr jalli situ ma'küll tärschin lafenni 
ahmüd abu nimr gäl biFadära. 

trauert über Diäb, ihr Mädchen mit dem roten Haar! 

O Dwek, der anzündet das Warnungsfeuer, ^ 
der Geschichten erzählt, euern Besitz möge Gott verzehren! 
Sälih, Vater Amscha^'s, macht erstaunt die Ratsversammlungen, 

überwältigt. 
Ahmüd, Vater Nimr's, das Haupt der Trunkenen,'' 

und Ahmüd, Vater Nimr's, dessen Ruf bei jedem Vorüber- 
gehenden, der einkehrt, 
Ahmüd, Vater Nimrs, ging umher unter den Jungfrauen. 

* Kamelstute. ' es ist ein gro.sses, .starkes Thier. ^ der Gedanke an 
das Mädchen versenkt ihren Liebhaber in Fieberglut wie in einen Brunnen. 
* um diese Zeit macht das Wasser des Jordanthals (Rürj fieberkrank. " zur 
Ankündigung nahender Feinde. * die sich besinnungslos in den Kampf 

stürzen (Berserker]. 



— 104 — 

b) Im 'Aglön. Mitgeteilt vou einem Bauern in Elhösu (beduiniscli). 
Verweigerung des erbetenen Pferdes. 



Sultan aus der Familie der *Abädile in Mekka bat Muhaninied 
Garmele um e 
fola-endem Gedicht: ^ 



ibn Garmele um einen Hengst. Dieser antwortete darauf mit 



Ja räkib min 'önd"na fög liaglnig 

dauwag mauwäg ba'Tdin m'ascliscliä 
mä föga-lla-nnatü' wilkür wuchrüg 

sefäifin min fög mitna 'msauwä 
asra* mnilriliät birabbt elmög 

milfäk sultänin zabünin mchallä 
jarabdali jelli 'ala-lchel fälüg 

zebn-alhsän eljertaha ser 'elbäh 
jadker lana jarabdali titull (?) belrög 

lauwin tärilana-ttaman tsohän be'näh 
wusch *äd lau dazzäz (?) sefin userüg 

minschän nab'atlak gauädin sibertä 
waddi 'aleli ^bsä'^tin walralab*^ 'üg 

la hall birkän assibäja mtärä 
wiruddhum radd aggiwäzi 'an elmög 

radd elbagar eljantaschar söb misnä 
schabbah^'t gömi gudr güg um ägüg 

walli temanna harb^na schirib min mä. 

der du von uns reitest auf einem Schreier, ^ 

der schwindlig macht, feurig ist, AVeites abends erreicht, 

nichts ist auf ihm ausser die Sattelpolster und der Sattel und 

Satteltaschen, 
Quasten sind oberhalb seines Kreuzes angebracht, 

schneller als die Galeonen ^ in der Tiefe der Wogen, 

dein Absteigeort ist bei Sultan , einem Verteidiger von Ver- 

lassenen, 

* so nach Sociu, Diwan aus Centralarabieu T, 62f. Die hier mitgeteilte 
Rezension des Gedichtes entspricht Zeile 1. 2. 3. 5. 13. 6. 8. 11 der ersten 
Rezension Socin's. doch mit mancherlei Abweichungen. Zwischen Zeile 1 und 
2 findet sich Zeile 2 der zweiten Rezension Socin's ebenfalls mit Abweichungen. 
^ liäghüg ein Kamelliengst, der laut schreit. ' es sollte wohl rili'onät 
heissen. 



— 105 — 

der 'Abdali. der sich immer yax Pferde befindet (?), 

Verteidiger des Hengstes, bei dem schlafF wnrde die Straffheit 

des I^ackens.^ 
Er erinnere uns, o der 'Abdali, damit ich übergebe (?) das Ross, 

wenn uns genehm war der Preis, hätten wir es verkauft, 
und was wäre es, wenn du schenktest^ ein Schwert und eine 

Schabracke, 
damit wir dir senden einen Rermer, einen hochbeinigen (?)? 
Icli hoffe (?) auf ilin zai einer Zeit, während der Lanzenschmuck 

rückwärts gewandt ist,-* 

wenn hereinbricht über die Macht der Reiterscharen Ansturm, 

und er macht sie umkcliron . wie das AVikl umkehrt von den 



Wog 



en 



4 



wie die Ochsen umkehren, die sich zerstreuen zur Seite der 

Schöpfstelle, ^ 
ich machte gleich meine Schar der Macht von Gog und 

Magog, 

und wer den Krieg mit uns wünschte, bekam Wasser zu trinken/' 

c) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Bedniueu Hniecl. 

1. Die Frucht des Winters. 

Ein Dieb hat im Winter in der Wildnis ein Feuer gcnuicht 
und ladet einen Vorüberreitenden ein, sich daran zu wärmen, um 
Gelegenheit zu haben, sein Pferd zu rauben. Dieser lehnt aber 
ab, und giebt ihm zu verstehen, dass er lieber kaufen als stehlen 
soll'^ 



Der Dieb sagte : 



Ennar fakhit eschschite 
welmä jesaddidsch jistali. 



^ er verteidigt sein eigenes Pferd, wenn es ermattet ist. - dies muss 
der Simi seiu. dazzäz ist aber gewiss uurichtig, vielleicht sollte es das sä' 
heisseu. * bei der Bückwärtsl^eweguug der Kriegssehar. * weuu jemand 
zur Quelle kommt. So auch im zweiten Texte Socin's, im ersten 'ala-lmög 
,zu den Wellen", d. h. zum Wasser. * wenn man sie wegjagt. ^ das 

Avir ihm einschenkten. " die Entstehung der beiden Verse lässt sich frei- 

lich einfacher erkliiren als Antwort zweier auf die Frage, was die Frucht 
des Winters sei. 



— 106 — 

Das Feuer ist die Frucht des Wiuters, 

uud wer es uiclit glaubt, trete darau um sich zu wärmen ! 

Der Reisende antwortete : 

Fäkhit eschsehite gihl ettali 
wehnä jesaddidsch jischteri. 

Die Frucht des AYinters ist das Fell des Lamms, 
mid wer es nicht glaubt, der kaufe ! 

2. Das Mädchen und der Wolf. 

Ein unverheiratetes verwaistes Beduinenmädchen hatte einen 
Geliebten von einem anderen Stamm, namens Dlb (Wolf). Eines 
Tages kam er zu einem Berge nahe ihrem Zeltlager und begann 
wie ein Wolf zu heulen , damit nur sie verstünde , dass er da 
wäre. Als sie es gehört hatte, sagte sie : 

Wesch 'auwäk ja (llb min dün iradäjib 

midri 'atasch midri gu'än ja dib 
will tschannak gu'än ibschir b^ischäk 

win tschunt 'atschän maijit nliüdi düälib. 

Was machte dich heulen, o „Wolf"', ausser den Wölfen? 

ich weiss nicht, ob du durstig oder hungrig, o „Wolf": 
wenn du hungrig bist, künde ich an dein Abendessen, 

und wenn du durstig bist, — das Wasser meiner Brüste. 

die wie Schöpfräder sind. 

Ihr jüngerer Bruder hörte das und sagte: 

Diri bälitsch min iddlb lä ischilletsch 'bnäbu 

ja schulet eddib tsauwi 'adärlb 
winti mitl ilbekär ilmegälib 

ikuttünitsch ^ila-ssüg wajesümik assauwäm jilgi-schsclniädll». 

llüte dich vor dem AV^olf, dass er dich nicht beisse mit seinem 

Hauzahn, 
o der Biss des Wolfs, er schafft Schäden! 
und du bist dann gleich den importierten jungen Kamelen, 
man bringt dich auf den Markt, und der Abschätzer scliätzt 

dicli, er findet die wunden Stellen. 



107 — 



Sie antwortete ihrem Bruder: 



Uhät nugrin ta'abba min sahäba 
mä tadalla bi dalu w'aräglb ^ 

umin rer dibi mä 'auwäli dib 

wana asilt iä'sidden chällt iradärib. 



^OO' 



Bei der Hölung-, die gefüllt wurde von einer Wolke, ^ 

nicht wurde in mich herabgelassen ein Schöpfeimer und Eimer- 
hölzer, 
und ausser meinem „Wolf" hat mir geheult kein Wolf, 

und ich bin von edler Herkunft von beiden Grossvätern, un- 
behaftet mit Schäden. 



3. Der geizige Abu MJllu und der gastfreundliche 

Chatib. 

Ein Aleppiner, namens Abu 'Öllu (noch lebend), kaufte auf 
dem Lande Yieli und nahm auf dem Rückweg einen Beduinen 
mit, ihm den Weg zu zeigen. In Aleppo verschwand er aber 
imd liess den Beduinen allein, während sein Schwestersohn Chatib 
ihn gastfreundlich aufnahm. Nach der Rückkehr dichtete der 
Beduine folgendes Lied: 

Ja räkiban fög hörrin warderäni 

jitgaffal min kübr iramäjim 
illi tschänat bsidd hetäni 

ösda' dalülak jsir 'an abu 'öllu 
nieswät bug'a mehjaläni 

win räbat eschschams isakkir elbäb 
wajüsi martu lä tgülin hen äni 

win ridt elkaram igbil 'ala chalib ihn kämil 
chatib hörrun 'ala-zzina mä jidäni 

ulü deläl msäherät ellejäli 
ulu fingän jirwi kull 'atschäni 

ulü 'abdun jesih ezzäd ja gu'äni. 



^ von 'arga da« Holzkreiiz am Schöpfeimer, woran das Seil befestigt 
ist. Die Endung ib ist wegen des Reimes angesetzt. * an ein Wunder 

zur Zeit Muhammeds ist vielleicht angespielt, s. G. Weil, Leben Mohammed's 
nach Mohammed Ibn Ishak II 265 f. 



— lOS — 

der du auf einem Racekamel, einem hellbraunen, reitest, 

das erschrickt vor den vielen Turbanen, 
die waren an der Seite der Mauern, 

lass dein Reitkamel zurückkehren links von Abu 'Ollu, 
dem Hundeschwanz, ^ dem Betrüger! 

Wenn die Sonne untergegangen ist, schliesst er die Thüre 
und gebietet seiner Frau: Sage nicht, hier bin ich! 

Und wenn du Freigebigkeit wünschest, begieb dich zu Chatib, 

dem Sohn Kämils! 
Chatib ist sittenrein, zu Sittenlosigkeit^ naht er nicht, 

er hat Kaffeekannen, die wach erhalten in den Nächten, 
er hat eine Tasse, den Durst zu löschen jedem Durstigen, 

und er hat einen Sklaven, der ruft: Die Speise, o Hungriger! 

4. Die Aushebung. 

Als Gamll Pascha unter den Beduinen Soldaten aushob, 
machte ein Beduine folgendes Gedicht: 

Mä bih scliech jegül ilfeläha baläha 

uschijjäbna-lhin amsu mahädib 
ja lief 'ala-ssubjän tidzaijan Ihäha 

witmlh min fög errüs humr ischscherärib 
ummahät^ha tanliab waräha 

mitl elhirän elmetschäsib. 

Da ist kein Schech, der sagte: der Ackerbau ist unnötig,^ 

und unsre Greise jetzt sind sie gekrümmt.* 
weh! den Jünglingen wird ihr Bart rasiert, 

und es schwanken auf ihren Köpfen die Roten •* mit den Troddeln, 
ihre Mütter seufzen hinter ihnen her 

wie die Kamelfüllen, die erbeuteten. 



1 eigentlich: dem Hinterteil eines Gefleckten, nämlich Hundes. '^ zina 
eigentlich = Ehebruch, hier nur als Beispiel grosser Schändlichkeit geuamit. 
* sodass die jungen Leute hätten entfliehen können. * sie stehen nicht 

aufrecht wie starke Männer gegenüber der Forderung des Paschas. ^ der 
von den Soldaten getragene Fes. 



1 09 — 



In dörflicher Abendgesellschaft. 

Der Orientale liebt die Geselligkeit. Da es in den Dörfern 
keine Kaffeehänser g'iobt, ist das Haus des Schulzen oder die Her- 
berge der Ort, wo abends die Männer, bei Christen auch Frauen, 
sich zusammenfinden. Den Honoratioren wird Kaffee geboten. 
Durch Erzählungen von eigenen Erlebnissen unterhalten sie die 
GJesellschaft. Besonders wenn ungewöhnliche Graste gegenwärtig 
sind, geben die sangeskundigen jungen Männer ihre Lieder zum 
besten. Es fehlt dann auch nicht an scherzhaften Pantomimen 
und Gesellschaftsspielen. Die hier mitgeteilten Lieder könnten 
natürlich auch bei Hochzeiten vorgetragen werden. 



1. Gesänge. 

a) In der Belka. Mitgeteilt von einem jungen Bauern in Mädaba. 

Wo ist der Geliebte? 

Schaddet "^ala 'eschrln läinhin sarinni 

medauwir 'al-illi jitrub elgalb gurbäh 
cliamse 'ala dirct gdüdi jömin lafinni 

kunna matwijjät errukub min tül mamschäh 
uchamse 'ala-lmasköb rähin te'enni 

lejanschidan 'an wasf elhabib watanäjäli 
uchamse 'ala-stambül rähin hinni 

jedauwerün istambül ukull geräjäh 
uchamse 'alaiji ja 'aschIri rega'inni 

umä gäbin li 'an dikr elwalif maträh 
uhinni 'ala darb eschschrüt agbalinni 

umä dakran li *an 'aschiri wela schi min niehkäh 
^ ladugg telrräf sötu jeranni 

uausif *ala zen elwarag min haläjäh. 



— 110 — 

Ich sattelte auf zwanzigen/ als sie nachts aufbrachen, 

dass wir suchten den, dessen Nähe das Herz erfreut. 
Fünf, als zu der Gegend meiner Ahnen ^ sie anlangten, 

waren gebogen die Knie von der Länge der Reise, 
und fünf, nach Russland gingen sie besonders, 

zu fragen nach der Beschreibung des Geliebten und seinem 

Preise, 
und fünf, nach Konstantinopel gingen sie, 

zu durchsuchen Konstantinopel und all seine Dörfer, 
und fünf, zu mir, o mein Freund, kehrten sie wieder, 

und sie brachten mir nicht von der Erwähnung des Vertrauten 

an ihn Erinnerung, 
und jene — auf dem Drahtwege kamen sie heran, 

und nicht erwähnten sie von meinem Freund irgend etwas von 

seiner Rede. 
Ich will senden ein Telegramm, dessen Stimme erklingt, 

und auf dem schönsten Papier beschreiben seine lieblichen Züge. 

b) In Galiläa. Au Rev. W. Christie, Aleppo, mitgeteilt vou eiuem Bauern 
in Endür in der Höhle der Zauberin. 

Preis der Schönheit. 

Ana as'alak billa-rrdi-räl 

ja schln mä tiglln 'an galbi .sada 
'ift elbagar wilchel eda gimäli 

tumm iddrähim 'ankum lam biaghada 
ridti-sshüt igäki amwäli 

min ilmisräh lam jilgih rada 
atlub min alla enti tsiri haläli 

wasih ba'la-ssöt ana-lmis'ada 
wagabblik wente tezidi diläli 

elwigh jadi kabadrin lamma bada 
wahott ilik 'ala-lmefregen %läli 

sana'it abu hanna dahab wamnaggada 
eschscha'r 'alkitfeten kalahbäli 

jischbeh Tarjäsch elhlg figinh eddiga 
hauägbu chott ilgalam behjäli 

dakk ettaraija föghin mifammeda 



Kamele oder Pferde. ^ Arabien. 



— 111 — 

waren söda lam raschilia rajäli 

wechzäm birerniii fih zmarrada 
usnäii lülu laclmliin jihläli 

wutgül ^anhin habb abrada 
ja 'iiigha 'ing* ezziba-rinfäli 

lin schäf gannäs eddalia bitsaijeda 
ketüf ismak kefüf chilgit b<äri 

widdagg lizi-ag föghin mitfarrada 
'ala-ssidi' kätib he waraim wadali 

razlänha tui-'ii waedan ilgu"ada 
essurra bagg izzbäd behjab 

ehnisk wilkäfür minha fahfaha 
welbatn taijät ilharlr bischläli 

an'^am min eddibäg au gotn ennadafa 
sigän 'imdän erraham misbäli 

hebb ittarab min fög ga'abu jir'ada 
ugdäm min guddäm chilget bäri 

min zann schäifhin 'ala-lbeda bada 
min schai'gatin lararbetin le'aschmäli 

lagiblatin elimhaijscha le'^and mhammeda 
hädi ausäf ezzen mäbu ziläli 

ja säm^'in ilgol salbi ^imhammeda. 



Ich frage dich bei Grott, dem Allerhöchsten, 

Garstiger, willst du nicht von meinem Herzen Avegnehmen 

den Rost? 
Ich verzichtete auf die Rinder und die Pferde, auch Kamele, 

selbst das Geld vor euch verleugnete ich nicht. 
"Wolltest du den Besitz, kam zu dir mein Eigentum 

von dem Weideplatz, nicht fand man es morgen. 
Ich bitte von Gott, dass du werdest mein Besitz, 

mid ich rufe mit lauter Stimme : ich bin der glücklichste ! 
Ich küsse dich, und du mehrst meine Liebkosung. 

Das Gesicht ist hell wie ein Vollmond, wenn er anfängt, 
und ich setze dir auf den Scheitel^ meinen Neumond, 

ein "Werk von Abu Hanna, von Gold und zwar baarem. 

* beim Kusse. 



— 112 — 

Das Ilaai- auf den beiden Schultern ist wie die Seile, 

es gleicht den Federn des Unwetters in der Nacht der 

Finsternis, '^ 
seine Augenbrauen die Linie der Feder in Künsten, 

die Tätowierung des Siebengestirns ist darüber mit Absicht an- 
gebracht, 
und das Auge schwarz, nicht bedeckte es Schielen, 

inid ein Nasenring in dem Nasenflügel — darin ist Smaragd, 
und Zähne wie Perlen, ihre Aufreihung ist mir süss, 

und du sagst von ihnen: Hagelkörner. 
ihr Hals — der Hals der Antilope, die aufgeschreckt wurde 

wenn sie den Jäger des Morgens sah, welcher jagt, 
die Schultern sind feist, die Hände ein Werk des Schöpfers, 

und die blaue Tätowierung ist auf ihnen zerstreut. 
Auf die Brust schreibt er He und Mim und Däl,^ 

ihre Gazellen weiden und auch die jungen Kamele.^ 
Der Nabel ist eine Büchse mit Zibet in Künsten, 

der Moschus und der Kam})fer strömt von ihm aus, 
und der Leib wie Falten von Seide in Strähnen, 

weicher als Seidenstoff oder gekardete Baumwolle, 
die Schenkel, die Stützen des Mutterleibs, sind mir Gefangenschaft, 

die Liebe zur Heiterkeit oberhalb seiner Fersen erschreckt,* 
und Füsse vorn, ein Werk des Schöpfers, 

wer wohl sieht (wie) sie auf der Wüste — einen, 
vom Osten bis zum Westen zum Norden, 

bis zum Süden, welcher sammelt bei Muhammed.^ 
Dies ist die Beschreibung des Schönen, nicht ist darin ein Fehl — 

ihr, die ihr die Stimme hört, benedeiet Muhammed! 

c) In Merg 'Ajun. Mitgeteilt vom Dichter, dem Bauern Sa d Subhijje iu Balät. 
Das verlorene Messer. 

Jöm ilkatafna-rinbät 

dä'at minni-rawäsijje 
däfa* helwäni miten 

lilladi jeriddha lijje 

1 d. h. der finstersten Nacht. - Hamad, deu Namen ihres Geliebten. 
^ junge Männer freuen sich ihrer. ' ist au ihm deutlich zu sehen. « weil 
er da begraben. 



— ii;; — 

däfo' helwäiii unten 

iiädi 'aleha ja hsen 
daija'tha jöm ilitnen 

kiiddesch sa'bat 'alaiji 
'alaiji ktlr sa'bäni 

.saddikni-ntamas kalbi 
schtarötlia mn-iddikkäni 

uschafritha niitl elharbi 
i Itammu 'alai ja-ggiräni 

ukälüli schii halkurbe 
kultilhum da' ras mäli 

wihnaksab wilcharg'ijj c 
(laija'na schelfet 'antar 

nizlii dmü'i 'aleha 
tamiiitha bsük etteggär 

ubei'üt ukullsehiii fiha 
in a'tüni milk iggazzär 

niä künt birlian fiha 
u'awäsiti-nsäbha aschkar 

'ala-lfrenkn miglijje 
niiglijje nfiha chatmi 

'ala schöfitlia bithassai- 
lan hamaltha firütme 

tirni 'an dau ilfanär 
tiswa kfar hüna nbatme 

uklim gizzTn wisehschömar 
ahia min minschijjet sür 

tichluk min knll eratmär 
eschschäm uknllscliin fiha 

mä bedäkischha bilmismär 
ssultan halli jekün maschhür 

'ala sehölitha bithassar 
tiswa 'akka usähil sür 

nsaida ubeläd sürijje 
usaida nbeläd eFbkä* 

uzahle nme'allakätha 
mitl ilballür ibtilma' 

mafi 'atikwinitha 



Dal man, Volksleben. 



— 114 — 

halli muscli säme' jisma' 

ujitnassat %awasfitha 
dachlalla schü fi hascliselia^r 

mitl essirg muclwijje 
ana ja näs "^awäslti raliha 

ukän insäbha fudda ulülu 
nusflia tamanii bmilk niha 

uhek enniisf biha rub'a mä bkülu 
bjiswa milk äbil welubteha 

ugebel haurän wilmaugüd haulu 
mä zuimi waznu bissahllia 

u'ädu listambül tabba'ülu. 

Am Tag-, da wir die Trauben pflückten. 

ging mir das Messer verloren. 
Ich bezahle zweihundert (Piaster) Belohnung 

dem, der es mir wiederbringt, 
ich bezahle zweihundert als Belohnung. 

rufe es aus, o Hsen! ^ 
Ich verlor es am Montag, 

wie schwer war es für mich, 
mir ist es sehr unangenehm, 

glaube mir, mein Herz versank! 
Ich kaufte es im Kaufladen, 

und seine Klinge ist wie eine Speerspitze. 
Die Nachbarn sammelten sich um mich 

und sagten zu mir: was ist der Kummer? 
Ich sagte zu ihnen: Verloren ging mein Ka])ital, 

und die Zinsen und das Taschengeld, 
wir verloren den Speer des '^Antar,^ 

meine Thränen rannen nieder seinetwegen, 
sein Wert ist der Bazar der Kaufleute, 

und Berüt und alles was darin ist. 
Wenn sie mir anboten den Besitz des „Schlächters",^ 

habe ich es nicht dafür verpfänden mögen. 
Und mein Messer hat einen hellbraunen Griff, 

auf europäische Art poliert, 



1 der Feldhüter wird mit der Verlustanzeige beauftragt. Vgl. S. 54 f. 
ein beriUimter Held der Sage. ■* s oben S. 15. 



— 115 — 

poliert, und darauf ist mein Siegel, 

seinen Anblick vermisse ich schmerzlicli. 
Wenn ich es im Dunkeln trug, 

ersetzt es das Licht der Laterne. 
Es ist wert Kafr Hüna ^ und Butme 

und den Bezirk von Gizzin und den Schömar,- 
hübscher als der öffentliche Garten von Tyrus, 

der von allen Früchten hervorbringt. 
Damaskus und alles, was darin ist, 

nicht vertauscht man es um den ^N^agel:^ 
der Sultan, der berülimt ist, 

vermisst schmerzlich seinen Anblick. 
Es ist wert Akko und die Küste von Tvrus 

und Sidon imd das Land Syrien, 
und Sidon und das Land Coelesyrien 

mid Zahle* und sein Me'allaka.^ 
Wie der Kristall glänzt es, 

nichts giebt es über seine Gestalt: 
wer es nicht gehört hat, der höre, 

und horche schweigend auf seine Beschreibung! 
Um Gottes willen, was ist in diesem Gedicht 

wie die Lampen die leuchtenden? 
Ich, Leute, mein Messer war schön 

und sein Griff Silber und Perlen, 
seine Hälfte — ihr Wert ist der Besitz von Niha,^ 

und so ist die Hälfte davon, das Yiertel davon sage 

ich nicht, 
es ist wert AbiP und die Bteha;^ 

und das Gebirge Haurän und was sich rings um es 

befindet, 
ich denke nicht, ist sein Gewicht in Wahrheit, 

und sogar nach Konstantinopel haben sie es^ gebracht. 



1 östlich von Sidon. - in derselben Gegend. ' des Messers. * in 
Coelesyrien. * nahe bei Zahle. " östlich von Sidon. '^ in Merg 'Ajöu. 
* östlich vom Einfluss des Jordan in den See von Tiberias. * seineu Ruf. 



— J16 — 

2. Matala\i 

a) In der Belka. Mitgeteilt von Farah Täbri in Essalt als matlQ' elm'anna. 

Thue Busse! 

Ja nafs tübi wirga'i lilla karib 

mä had ja nafs täb wa'äd nadim 
fighennam 'allakat när eradäb 

alla jehdina lidrüb enna'im. 

fighennam 'allakat när el^adäb 

hek agäna achbär min köl elketäb 

alla jusä'edna 'ala jöm elhesäb 

nafsin haiiat lischscharr maskanha eggahim. 

nafsin hauat lischscharr masküha el'ada 
warumr mädi mitl mä jamdi rada 
I welmöt käs bidür mä bjebki hada 

mä bjibka rer wugh alla elkarim. 

mnä bjibka rer wughu liFabad 

wibn ädäm kull ejämu 'adad 
wennafs mödua widä'a figgasad 

rubb ettalab bitrüh achaff min ennasim. 

Seele, thue Busse und kehre zurück zu Gott bald, 
niemand that Busse und es gereute ilni wieder, 

in der Hölle wurde entzündet das Feuer der Pein, 
Gott leite uns zu den Wegen der Seligkeit! 

In der Hölle wurde angezündet das Feuer der Pein, 
so kamen uns Nachrichten aus der Rede des Buches, 

Gott möge uns helfen am Tage der Abrechnung! 

Eine Seele, die geneigt wurde zum Bösen, deren Wolinung ist 

die Glut. 

1 s. (las Vorwort nncl Melodie 15. 



— 117 — 

Eine Seele, die geneigt wurde zum Bösen, haben ergriffen die 

Feinde, 

und das Leben ist vergänglich, wie vergehen wird das Morgen, 
und der Tod ist ein Kelch, der herumgeht, niemanden auslässt, 

nichts bleibt ausser dem Antlitz Gottes des Erhabenen. 

Ihid nichts bleibt ausser seinem Antlitz auf ewig, 

und das Menschenkind — alle seine Tage sind gezählt, 

und die Seele ist anvertraut als Pfand im Leibe, 

nach der Zurückforderung geht sie davon leichter als ein Hauch, 



li) In Merg 'Ajün. Mitgeteilt vom Dichter, dem Bauern Sa'd Subhijje in Balät. 
1. Trennungsweh. 

Ja ter ilak 'önna hsäb lanah^sbu 
hägi-rauälim fl hämäk jit'addabu 

ja rabb ja rahmän ridd hbäbna 
mitl mä raddet jüsif 'a'abüh. 

ja rabb ja rahmän ridd hbäbna 
min aglehön nusbur gamP^ tiäbna 

nidrun 'alaiji wdn lefu riäbna. 
lazaijenik ja dar hen jikrabu. 

Lazaijenik ja dar lau höbbik iga 
min ag^lkun lar'a-lkauäkib uddiga 

lamma kafaitu w'inkata' habl erraäa 
ja dill kalb illi mfärik sähbu. 

Ja dill kalb illi mfärik chilltu ^ 

lamin Ijirauälim jischki 'illtu 
ach min habl ilhaua umin lialltu 

lamman kafaitu 'äd kalbi kata'u. 

Vogel, du hast mit uns Rechnung, lass ims abrechnen, 

es ist genug, dass die Leute durch Leidenschaft für dich ge- 
peinigt werden! 

Heri'. o Barmherziger, bringe zurück unsrc Geliebten, 
wie du zurückbi'a(;htest Jos(>f zu seinem Vatei'! 



— 118 — 

O Herr, o Barmherziger, bringe zurück imsre Geliebten, 
um ihretwillen färben wir (schwarz) alle unsre Kleider, 

ein Gelübde ist auf mir, — wenn unsre Abwesenden umkehren, 
will ich dich schmücken, o Haus, wann sie nahe kommen. 

,Ieh wollte dich schmücken, o Haus, wenn dein Geliebter käme, 
um euretwillen will ich beobachten die Sterne und die 

Finsternis. "^ 

Als ihr verschwandet und zerrissen wurde das Seil der Hoffimng, 
o weh über das Herz, von dem sein Freund sich trennte! 

O w^eh über das Herz, das sich von seinen Freunden trennte I 
Wem unter den Leuten soll er klagen sein Leid? 

Ach — wegen des Seils der Liebe und wegen seines Auflösens, 
als ihr verschwandet, mein Herz wiederum zerschnitt es.^ 

2. Liebesschmerz.^ 

K.äsim saganni mitl nahli bikafir 
wahtär amri mä bakäli gnäh atir 

lar'a ngüm illel säjih fl hauäk 

wint mitl illi schirib chamr usikir. 

lar'a ngüm illel säjih fl hauäk 

wakül 'asa-lla iggurh jibra min dauäk 

jabu hala hallet zahri fl haläk 

baddak tkulli-schbäk mänak miftikir. 

baddak tkulli-schbäk mänak ma'tani 
mä künt a'rif schü sabab halmel'ani 

hlimt fl nömi manäm aura'ani 
willi bis' ad filmanäm biftekir. 

willi bis'^ad filmanäm bjinthis 
ulau kischa* hälo laka alfen kis 

wilmanäm kaddäb läzim mä jechis 
win chazet iblis bihün il'aslr. 



^ auch bei Nacht harrt er der Wiederkehr der Geliebten. - die 

scheidende Geliebte zerschnitt das Seil der Liebe durch ihr Scheiden, und 
der Liebende musste dasselbe thun. * Melodie 15. 



— 119 — 

will chazet iblis bithüii irumüv 

minnak jefid eiinür ja wagh-elbedür 

sultän hfikim 'äwarak zahr izzehür 
iikullhum habbu irkäbak ja wazir. 

kiillhum liabbu-rkäbak ja krän 

häkim chresän ja helu-llisän 
kallim irarbän turk uturkmän 

säjik elmizän koddäm erasTr. 

Käsim' legte mich gefangen wie eine Biene im Bienenhaus, 
nnd icli war erstaunt über meinen Fall, mir blieb kein Flügel 

zu fliegen, 
ich will beobachten die Sterne der Nacht, wandernd in deiner 

Liebe, 
und du 2 bist wie der, welcher Wein trank und sich berauschte. 

Ich will beobachten die Steine der Nacht, wandernd in deiner 

Liebe, 
lind ich sage: mit Gottes Hilfe heilt die Wunde von deiner 

Arznei, 
o Süsser! du löstest auf meinen Rücken durch deine Süssigkeit, 
deine Pflicht ist's, mir zu sagen: wie geht's? — aber du denkst 

nicht daran. 

Deine Pflicht ists mir zu sagen: wie geht's? — aber du kümmerst 

dich nicht darum, 

ich wusste nicht, was die Ursache dieser bösen Handlung, 
ich träumte in meinem Schlaf einen Traum, der mich beunruhigte, 

wer glücklich wird im Traum, wird arm. 

Wer glücklich wird im Traum, hat Unglück, 

nnd wenn er sich finden sähe zweitausend Beutel;'^ 

der Traum ist lügnerisch, notwendig beti'ügt er, 

wenn du den Satan vertreibst,* wird leicht das Schwere. 



' Mannsiiame. Gemeint ist die Geliebte, - der Dichter redet zu sich 
selbst. •' der „Beutel" zu •'')00 Piaster. * d. h. wenn du nichts Böses 

denkst. 



— i 20 — 

"Wenn du den Satan vertreibst, werden leicht die (selilimmen) 

Haclien, — 

von dir fliesst das Licht, o Antlitz der Yollmonde, 
ein Herrscher, gebietend über die Blätter der Blüte der Blumen, 

und sie alle küssen deine Knie, o Wazir! 

Sie alle küssen deine Knie, o Unvergleichlicher, 

ein stummer Gebieter,^ du mit süsser Zunge, 
du redest zu Beduinen, Türken und Turkomanen, 

lenkst den Orion vor dem 'Asn.^ 



3. Ga'idijjat.' 

In Merg 'Ajün. Mitgeteilt vom Dichter, dem Baueni Sa'd Subliijje in Balät. 
1. Preis der Geliebten. 

Mjjäl ilbälu hedjän — ufikru fädi musch ma'gük 
mitl 'fläni bint 'flau — rabbak mä chalak machluk 

mitr 'flani bint 'flau — rabbak mä chalak insän 
lä birgäl ulä bniswän — ulä zünni 'äd bichluk 

ulä zünni bichluk zaija — subhän rabb iFa'tlha 
lä mizän ulä traija — ulä-lkamar bisäwlha 

iilä tkülu heschdänijja — ulä ana marrür flha 

tisAva-ddinja bmä fiha — uächir hesna musch melhük. 

uächir hesna mälusch hadd — wiFasch^är btüsufha 
lilrarrär bithott ilhadd — unür ischschems btiksii'hü 

ilha kämi ^üd innadd — lauman tükaf Avakfitha 

bitkül maschrüli biljadd — udakk ennll 'arük 'aiük. 

udakk ennil sclikäl ischkäl — baddna nüsif wasfitha 
uscha\ira lamma bitgaddal — bilhak taijet rikbitlia 

wetilfiha liarir 'äl — hedijje b^varka gäbatha 

benefsi darabt m'addal — in »chüfha-rachras bjintuk. 



1 der nicht zu reden braucht. - ein Sternbild. ^ s. Vorwort und 
Melodie 16. 



— 121 — 

rasa gälis luitl ilkäs — min föka jelik ittarbüscli 

in schäfha-lchudr abuFabbäs — min liösna bjirdi medliüsch 

'aleli ilma'dan sitte gnäs — 'addäir 'argät winküsch 
ilha hkiik tehkum 'annäs — u'arälam amra matlfik. 

Avidaina /ruf ilfudda — agias min büz ilkandd 
mnirölle tischfi-lmarcla — ulau känu fi hal 'tkil 

ubzünni 'alaije törda — ubidüni eröschre tawll 

nijjähi-lfllia bihza — min däru eschschems tiseliruk. 

Kasid. 

Amma-ggabin ja näs min ma'dan scharif 

bjibhir 'akül ennäzerln min elhala 
bihökk lihnitlha bilkasid jinwasif 

mitl bedr lezuhiii gala 
nälat makäm iFözz wilkadd cdlatif 

uchassha-rralimän fi bürg il'ula 
ana schiftha wilkalb sär multahif 

sehibli ilchuschüf ilwäridln min elchala. 

Ilha hagib chott Mdäni — arfa"^ min hart' iltingäii 

mahnijjin 'bsük 'agäni — uahsan min niitk erin.sän 

mitl eddurr titkallam — umä bjichfa 'aleha Isän 

lä tkühi hesc'lidi umi'ani — 'aschams edduha bitfük. 

KasId. 

Amnia-rajün 'ajün ilfali^d lau kän hädik 

jilbak lahum tahkik garr irüd 
lied'bhum likirs olohadd lähik 

sätiät ilmük bid usüd 
ilhuni hagib maskül fök iYa'm läjik 

kama zalii-aii tamatfa' fl nida ubrüd. 

AVilmunchar anwal numra — bitscluif mbaijhi süra 
bitchammiu zehre hamra — malzüka fi ballüra 

lamman tirchi lilrurra — ukull 'gdili bmäsüra 

win schäfha-ralTl marra — bjischfiT ulau käu 'ahjilfuk. 



122 

wilbüz chätim 'albikär — bjitla^ wiisa'^-bnusrijje 

iirikha ahla min essukkar — umitl ilkatr mczibdijjc 

iilau kän ilbahr m'aukar — utaffat bazka giz'ijjo 

bjikbb asfa min i^anhar — uakall mnidkika blink. 

Kasld. 

AVo.sfet nbfidha blsäni mä btindiiik 

umin isnänba aschrakat kma schnmüs 
umin damiri kesm ilha muschterik 

*aschräk ilhabb kam sädat neins 
hilU-ddama'^ ja 'eni berak 

hatta jekärin sa'dna ba'd ennahüs 
wenschid biha ja fikr wa'ti ganharak 

ili rascha sä'id bimakäm iggulüs. 

Aidiha ma'dan 'akik — martüta bmoijet fudda 
bichasra iggauhar bibk — hirz fndda 'ala-bnüda 

mitl ilballüra tibruk — umin 'en ilhäsid mabrüda 

in marrat 'aPinsän tehkik — in kän säjim uafsu Idti-ak. 

GlückUch der, dessen Gemüt ruhig ist, 

dessen Gedanke müssig, nicht verwirrt! 
Wie N. N., Tochter von N. N., 

schuf dein Herr kein Geschöpf, 
Avie N. N., Tochter von :S". N., 

schuf dein Herr keinen Menschen, 
weder bei Männern noch bei Frauen, 

und ich glaube nicht, er wird noch scliaft'en. 

Ich glaube nicht, er schafft ihres Gleichen, 

Preis dem Herrn, der sie gab! 
Weder Orion noch das Siebengestirn, 

noch der Mond kommt ihr gleich. 
Und sagt nicht, das sei parteiisch, 

ich habe mich nicht in ihr getäuscht, 
sie ist wert die Welt mit dem, was darin, 

und das Ende ihrer Schönheit wird nicht erreicht. 



— 1 23 — 

Und das Ende ihrer Schönheit hat keine Grenze, 

und die Gedichte beschreiben sie, 
dem Morgenstern setzt sie die Grenze, 

und das Licht der Sonne, sie verdunkelt sie, 
sie hat die Statur des Aloestengels, 

wenn sie aufreclit steht, 
du sagst, gefestigt mit der Hand, 

und die blaue Tätowierung ist wie Fasei- auf Faser. 

Und die blaue Tätowierung Art auf Art, 

wir wollen beschreiben ihre Beschreibung, 
imd ihr Haar, wenn sie es flicht, 

erreicht die Biegung ihres Knies, 
und ihr Kopftuch von ausgezeichneter Seide, 

als Geschenk in Papier brachte sie es, 
bei mir selbst machte ich Rechnung: 

wenn der Stumme sie sieht, kann er reden. 

Ihr Kopf ist grade wie der Kelch, 

auf ihn passt der Tarbüsch,^ 
Avomi Chadr, Vater von 'Abbäs,^ sie sah, 

wurde er von ihrer Schönheit verwirrt. 
Auf ihm ist das Metall in sechs Arten, 

über der Rundung sind Biegungen und Figuren. =^ 
Sie hat Rechte, zu befehlen über die Leute, 

und über die Welt ist ihr Gebot absolut. 

Lud ihr Ohr wie Untersätze* von Silber, 

aufrechter als der Brenner der Lampe, 
vom Leiden heilt sie die Kranken, 

auch wenn sie wären in schlimmem Zustand. 
Uiul ich meine, sie hat Gefallen an mir, 

und lang dauern wird der Verkehr. 
Glücklich der, der sie erlangt, 

von seinem Hause geht die Sonne auf. 

* obwohl die Frau in Merg 'AjQn keinen Fes wirklich trägt. - Name 
eine.s Mannes, der wahrscheinlich als für Fraueuschönheit unempfindlich be- 
kannt war. -^ ihr Schmuck ist gemeint. * die arabischen metallenen 
Untersätze für die Kaffeetassen, unsern Eierbechern ähnlich. 



_- 124 — 

Kasid. 

Weiter die Stirn, o Leute, ist von edlem Metall. 

sie macht zittern denYerstand der Beschauer wegen der Anmut — 
es sollte, wer ihr gleicht, im Liede beschrieben werden — 

wie ein Yollmond, der die Dunkelheit aufhellt, 
sie nahm ein den Platz des Edlen und das Mass des Liebens- 
würdigen, 
und der Barmherzige gab ihr einen besonderen Ort auf der 

Burg der Höhe, 
ich sah sie, und das Herz wurde sehr ängstlicli, 

gleich den Gazellen jungen , die zum Wasser kommen aus der 

Wildnis. 

Sie hat Augenbrauen wie Linien von Griffeln. 

dünner als der Rand der Tasse, 
gebogen auf dem Markt von Persien: 

und besser als das Spreclion der Menschen 
wie die Perlen redet sie,^ 

und keine Sprache ist ihr verborgen. 
Sagt nicht, das sei Parteilichkeit und Absicht, 

die Sonne des Morgens übertrifft sie. 

KasId. 

Weiter — die Augen sind die Augen des Luchs, wenn er 

scharf blickt, 

es passt zu ihnen in Wahrheit das Spiel auf der Cither.- 
ihre Wimpern reichen zur Scheibe ^ der Wange, 

rein (sind sie) im Augenwinkel, weiss und schwarz, 
sie haben eine geglättete Braue, über dem Auge passend, 

wie eine Blume, die sich erquickt hat in Thau und Küiile. 

T'nd die !Nase von erster Sorte, 

du siehst sie deutlich wie ein Bild, 
du vermutest eine rote Blume, 

eingeklebt hinter Krystallglas ; 

1 ihre Worte gleichen Perlen. - das Spiel der Augen ist geläufig wie 
Citherspiel. ' die obere Fläche der Wange. 



— 1 25 — 

wenn sie herabhängen lässt die Stirnlocke 

und jede Flechte (ist wie) auf einer Spule, 
weini der Kranke sie einmal sieht, 

wird er gesund, auch wenn er im Sterben liegt 

Und der Mund — ein Ring nach dem Zirkel, 

er kommt auf die Weite eines halben Metallik,^ 
und ihr S])eiehel süsser als der Zucker, 

und wie der Zuckerfluss mit Butter, 
und wenn das Meer trüber Satz wäre, 

und sie auswürfe ein wenig Speichel, 
würde es reiner als der Juwel, 

und in weniger als einer Minute klärte es sicli. 

Kasld. 

Die Beschreibung ihrer Brüste wird von meiner Zunge nicht be- 
griffen, 

und von ihren Zähnen gehen uns Sonnen auf, 
und von meinem Bewusstsein ein Teil ist mit ihr verbunden, 

mit den Schlingen der Liebe w'ie viel Seelen hat sie gefangen! 
Lass strömen die Thränen, o mein Auge, in Teichen, 

bis dass unser Glück sich füge an die Unglücksfälle. 
Recitiere von ihr, o Gedanke, und gieb deinen Juwel, 

dann habe ich eine Bestechung, die emporsteigt bei den An- 
wesenden. 

Ihre Anne sind wie Metall von Achat, 

getaucht in Silberwasser, 
y.n ihrer Hüfte passt der Juwel, 

ein silbernes Amulet nach der Mode, 
wie das Ki'vstallghis glänzt sie, 

und vom Auge des Neidischen ist sie gehasst.^ 
AVenn sie an den Leuten vorübergeht, in Wahrheit, 

wenn einer gefastet hat, wird sein Hunger gestillt. 

' <lic kltMiistf .Münzt'. ^ sie ist also vor dorn bösen Blick sicher. 



— 126 — 

Mitgeteilt von einem Bauern in Balät. 

O unglücklicher Vater von Töchtern! 

Maskin jäbaij ilbanät — kaddesch kadda ihänat 
bass itfattih 'eneha — bitsir ^trabbi zbünät. 

bass itfattih 'eneha — bitsir tümi bideha 

umä bi'äwid fik lelia — tilhakak bikölit hat. 

tilhakak jalla gibli — tob ischschit küm dahhibli 
tök'ud bitsir tehsibli — rada büflk bilmijjät. 

rada büflk bilmijje — küm gibli-ssaräfijje 

essultän a'ta-lharrijje — lischschabäb ulilbanät. 

a'ta-lharrijje-ssultän — lerrigäl ulenniswän 

tfaddal jalla 'addiwän — beni ubenak flh da'wät. 

kultilla walik ja binti — ba'd raä hallik inti 
kälatli beddi-lwurti — ilhäküra wezzetünät, 

sä'atha igäna-lhamm — ukulna kuUii beddu jesir 
häda kuUu beddu jetimm — ukef il'amal wettedbir 

kälatli jabaiji himm — küm gibli schälet harlr 
heki rabbi 'alek hakam — u'ätäk telät ^bnaijät. 

kultilla walik ja 'eni — challlli beti mastür 

kasdik hatta tchallini — ahmil ilkis welmanschür 

kälatli mä bi'nini — küm gibli toben maksür 

lechalk alla säwini — mällsch sab'a tmän badlät. 

käl jahl alla nsufüni — nsufu beni üben elbint 

esch mä hket lä tlümüni — schü baddi a'mal kassart 

mäfi kiswe walä müni — beddi kaj'ödha bezzult 

umln halli minkum höni — jedaijinni tauflha msabbät. 

raddet ilbint ukälet — isma'u hakiät ilwälid 
jabaiji challik säkit — häg te'älig utnähid 

lau kälu-lmojje räbet — mä mnökta'sch iFanäjid 
ja reta immi mätet — kabl mä gäbu-ddäjät. 



— 1 27 — 

fazzefc immlia bilkadib — ukälatla inkibri 'anni 
laula raä jekünli naslb — labaijik schü wassaliii 

lamln beddi ruh 'ätib — hek rabbi ta'amni 

jislamu li ischschauärib — jidrub ilmäl wilchaziiät. 

kälet ma'lüm ja immi — inti gaiizik abkälik 
fijji mänik mehtamnii — nielitammi briggälik 

limnii min wara limmi — min errizkät schü challäUk 
rada bitslri rummi — ubitkümi 'arakkäzät. 

kälat minni mä 'alekisch — - inti challiki bhähk 

^asche^ krüsch mä nattagtisch — 'alesch kasch'äni häHk 
ana kaddesch beddi 'isch — tislamh lehjet chälik 
ba'dik fi-lbeda wirrisch — wa'am titlaT bibid'ät. 

() Armer, du Vater "V'on Töchtern, 

wie viel hat er durchgemacht der Nöte! 
Kaum hat sie ilir Auge aufgethan, 

beginnt sie Liebhaber aufzuziehen. 

Kaum hat sie ilir Auge aufgethan, 

beginnt sie mit den Händen zu winken. 
und nicht wirst du ihrer Herr, 

sie folgt dir mit dem Rufe: gieb! 

Sie folgt dir: „Vorwärts, bring mir 

ein Tob ^ Kattun, auf, bezahle mir!" 
Sie setzt sich, fängt an mir vorzurechnen: 

„Morgen geb" ich dir 's wieder mit Hunderten." 

„Morgen geb" ich dirs wieder mit hundert, 

auf, bring mir einen Überwurf! 

Der Sultan gab die Freiheit 

den jungen Männern und den Mädchen." 

„Es gab die Freiheit der Sultan 

den Männern und den Frauen, 
gefälligst vorwärts zum Gerichtshof, 

zwischen mir und dir sind Streitsachen." ■ 

^ ein 'Vöh ist 32 Ellen. 



— 128 — 

loh sagte zu ihr: „8ei verständig, meine Tochter, 

noch nicht ist die Zeit deiner Mündigkeit." 

Sie sagte zu mir: „Ich will das Erbe haben, 

den Hausgarten ^ und die Ölbäume!" 

Zu dieser Zeit traf uns Verlegenheit, 

und wir sagten: „Alles wird werden, 
alles dies wird sich erfüllen, 

und Avie viel ist der Arbeit und der Disposition!" 
Sie sagte zu mir: „O mein Väterchen, mach schnell, 

auf, bringe mir einen Seidenshawl! 
So hat es Gott über dich bestimmt, 

und er gab dir drei Töchter." 

Ich sagte zu ihr: „Lass das, o mein Auge, 

lass mir mein Haus verhüllt !- 
deine Absicht ist, dass du mich lassest 

tragen den Bettelsack und den Bettelbrief."'' 
Sie sagte zu mir: „Das geht mich nichts an, 

auf, gieb mir zwei Tob gebleichte Baumwolle, 
den anderen Geschöpfen Gottes mache mich gleich, 

ich habe nicht sieben, acht Anzüge!" 

Er sagte: „0 Geschöpfe Gottes, sprecht Eecht mir, 

sprecht Recht zwischen mir und der Tochter, 
was ich auch gesagt habe, tadelt mich nicht! 

Was will ich thun? ich bin ohnmächtig, 
ich habe weder Kleider noch Vorrat, 

ich werde sie sitzen lassen bloss, 
und wer, der von euch hier ist, 

leiht mii*, dass ich ihr heimzahle Schimpfworte." 

Da antwortete die Tochter und sagte: 

„Hört die Reden des Erzeugers! 
mein Väterchen, sei doch still, 
»enug streitst du und widerstrebst du. 

* häküra eigentlich „das am Hause liegende Feld". - eutblöss'e 

nicht seine Schäden, d. h. mache nicht meine Armut offenkundig! * eine 
.schriftliche PJmpfehlung des Bischofs. 



— 1 29 — 

AVoiin sie sagton: das Wasser geriimt, 

wir cUirclibreclieii nicht die Sitten. 

O wäre doch meine Mutter gestorben, 

ehe man brachte die Hebammen!'' 

Da spi-ang auf ihre 3Iutter mit der Rute 

und sagte zu ihr: „Werde von mir weg begraben ! 
Wenn mir nicht ein Schicksal wäre, 

was hätte mich zu deinem Yater gebracht? 
Zu wem soll ich gehen tadeln? 

so hat mein Herr mir es zugeteilt. 
Möge mir unversehrt bleiben der Schnurrbart, 

er schlage den Besitz uiul die Schätze !'"^ 

Sie sagte: „Freilich, o Mutter, 

dein Gatte wird von dir bevorzugt, 
für mich sorgst du nicht, 

du sorgst für deinen Mann. 
Sammle nachher,'^ sammle 

v(m dem Besitz, den er dir Hess ! 
Morgen wirst du zum Gerippe 

und erhebst dich auf Krücken." 

Sie sagte : „Meinetwegen bekümmere dich nicht, 

kümmere dich nur um dich selbst! 

Zehn Piaster hast du (noch) nicht verdient. 

weshalb siehst du stolz auf dicJi selbst? 

Wie lang werde ich leben? 

es möge mir bewahrt l)leil)en der Bart deines 

Onkels!^ 

du bist noch im Ei und den Federn 

und kommst schon ]i('rv(n' mit Neuerungen!" 

* (1. h. (Tott taste nur mich «elbst nicht an. - nach dem Tode des 

Mannes. ■' ihr Hrnder ist der Mutter lieber als die Tochter. 



Dalman, Volksleben. 



— 130 



Im Kaffeehaus. 

Die Unterhaltung-, welche in städtischen KafFeehäusern ge- 
boten wird, ist besonders im Winter und in der Zeit des Monats 
Ramadan eine mannigfache. Europäisches Theaterspiel, arabi- 
sches Schattentheater, Musik und Gesang, tanzende Mädchen, 
Wettkämpfer mit Schwert und Schild werden vorgeführt. Bei 
den niederen Yolksklassen ist aber auch beliebt das Yorlesen 
von abenteuerlichen Erzählungen und Gesangsvortrag von roman- 
tischen Dichtimgen mit Zwischenspiel auf der Bauerngeige (rabäbi). 
Yon diesen Gesängen wird hier als Probe ein Lied mitgeteilt, 
das in einem Kaffeehaus in Aleppo aufgezeichnet wurde, aber 
auch in der Gegend von Sidon wohlbekannt ist. 

In Aleppo. Mitgeteilt von Heläl iu Aleppo. 
Die Beduinen schöne.^ 
T. 
Kama gäl ilmudna min gedd 

dema'^-ren lagadd sakaba 
agülu wafijja när ilwagd 

ugalbi zäd laha lahaba 
ja säme' göli winnaschd 

linazmi-zzrär wentariba 

schuf iddahr 'alaija-rtadd 

bhöbb izzen wangahiba 

künt 'bschurli jöm elhadd 

willa-lchschef mniraraba 
wagt' schiftu heli-nhadd 



sägäni käsät irataba 
er ^ala wighu uradd 
ugäl li zül ^^n iddaraba 
It hauwil bismilla nitradd 
äni bigedümak murtahiba. 



1 Melodie 17. 



— 131 — 

lamma iiazarni uäni sadd 

ugäl li ruh min eddaraLa 
gultii lezzen ^alescll innek^'d 

ila-sclischa"är ma' erudal)a 
liwit ilgöl wäni bilmah^d 

ugöli ahla mniradaba 
lamma same' ilgol irtadd 

taraijar lömi Avangalaba 
gäl dachll abäk Avaggidd 

dachil 'amämak welgoral»a 
"^alaija chilgak lä jischtadd 

gehilt ilgadrak warrutaba 
läkin liät 'bhösni *^add 

bboggi keläman ja'giba 
gult 'arräs chöd ^bjadd 

wäni bhöbbak munsaliba. 

Als es^ sagte der im Ernst Abgezehrte, 

liess Thränon das Auge in Wahrheit fiiessen. 
ich sage es, während in mir ist das Feuer des Gegen- 
wärtigseins 2 

und mein Herz um ihretwillen mehrte Flamme. 
der du meine Stimme hörst und den Vortrag 

meiner kleinen Yerse, erfreue dich (daran)! 
Sieh, die Zeit setzte sich gegen mich 

in der Liebe des Schönen und wandte sieli ab, 
ich war bei meiner Arbeit am Sonntag, 

und siehe da das Gazellenjunge von Arabien'^ — 
als ich es sah, war meine Kraft gebrochen. 

Es tränkte mich mit Bechern des Unglücks, 
zog* über sein Gesicht und kehrte um 

und sagte zu mir: Weiche vom Wege! 
Ich sagte: Lass dich nieder in Gottes Namen, lass uns zu 

Mittag essen, 

ich. wenn du anlangst, sage: Willkommen! 



^ das Folgende. - des Mildchens. ' ein Beduiuenniädcheu. * das 
Kopftuch. 



— 132 — 

Als er mich anblickte und icli war gegenüber, 

sagte er zu mir: geh aus dem Wege! 
Ich sagte zum Schönen: Weshalb die Härte 

gegen die Dichter samt den Gesitteten? 
icli liebte zu dichten, als ich noch in der Wiege war, 

imd mein Dichten ist süsser als süsses Wasser.^ 
Als er die Rede hörte, bekehrte er sicli. 

verändert war sein Wesen und vertausclit. 
Er sagte : Um deines Vaters willen und des Grossvaters, 

um deiner Yettern willen und der A^erwandten, 
dein Gemüt verhärte sich nicht gegen mich, 

ich kannte nicht deine Hoheit und den Hang — 
aber von meiner Schönheit bringe Aufzälilung, 

meinetwegen Worte, die gefallen! 
Ich sagte: Gern, nimm mit der Hand, 

und in deiner Liebe bin ich ein geraubter. 

II. 

Lahu gämi asmar min'add 

ida mä-rrPh bilui lä'iba 
wascha'ru jatül hibäl ilmadd 

jafüg 'allel ida radiba 
uräsu käs ufögu radd 

hsäni rarig bilgasaba 
gbinu zähin *^alfirgad 

hläl irascher ida-ntasaba 
hauägib kama nun el'ag'^d 

galla rabbin laha kataba 
lihäzu tazil gelüb ITusud 

ja mä 'agül lahu salaba 
wachischmu kama-ssef ilhadd 

gudbän eschschäm ida-nsahaba 
chudüdu tfüg geneuet ward 

wagatfun täb wahum i-ntaba 
tümmu haläli fihi schah'^d 

'alTlu täb ida schariba 
snünu tilma' lama' bradd 

wMtst 'agig munsekiba, 



1 eisrentlic-li weiclies Trinkwasser ohne Beigeschiuack. 



— 1 33 — 

'öugu 'öng- i-azal schnid 

min elgannäs ida liaraba 
bjeddu när scha'ä' jegudd 

gnäs ignäs min eddahaba 
sidru lamma hall ilben^d 

nazart ilhöl ma' iragaba 
haijar bfili zog- ennah«d 

gauähir zidtu bihom raraba 
'aleh hoiTäs 'aleh g-ind 

schibh illet ida radiba 
ubatnu min schäscLät ilhind 

a'täna muhvi biFöIaba 
surrit misk wabiha mufrad 

atu tiggäi- min olrarba 
gauwäjim medmügo kerömd 

rchäm ichäs wahom michaba 
big-edümu tisma' minbo'd 

ranin hegül alg-a'aba 
äni mä scliift mitlu Ijadd 

wakull ennäs lahu talaba 
lä bihläl udirit negd 

uarcl ischscliam ma' eschsehalial)a. 
'ala min leffu bleut bard 
bilä hossäd walä 'ataba 
ke'inni dachalt ^enän ilchuld 
wahazt behürin bila hasaba 
häda mä ranna as'ad 

wakull magälin lahu sababa. 

Er hat Gestalt, als braun gezählt. 

wenn der Wind mit ihr spielt/ 
und sein Haar ist lang wie lange Seile, 

es übertrifft (an Schwärze) die Nacht, wenn sie zernio-,'^ 
und sem Haupt ist ein Kelch, und darauf ein Deckel. 

mein Pferd ertrinkt im Schilfrohr, 
seine Stirn geschmückt mehr als der Firkad,' 
_^ '^^^' zehntägige Neumond, wenn er' aufsteigt. 

I und ihr. Gestalt .nthnllt. ^ d. h. sehr finster. « der Polarstern 

im kleinen Bären. 



— 134 — 

Augenbrauen wie das Nun der Verbindung, ^ 

erhaben ist der Herr, der es ihm geschrieben. 
Sein Zwinkern schreckt die Herzen der ]jöwen, 

ü wie manchen Verstand hat er sich geraubt ! 
Und seine l^ase ist wie das scharfe Schwert, 

(wie) die Ruten von Damaskus, ^ wenn sie gezogen sind. 
Seine Wangen übertreffen einen Rosengarten, 

ihr Pflücken ist gut, während sie frisch sind. 
Sein Mund ist süss mir, darin ist Honigwabe, 

eines Leiden wird geheilt, wenn man trinkt. 
Seine Zähne glänzen in Glanz mit Widerstrahlung 

inmitten von Achat, von gegossenem, 
sein Hals ist der Hals einer flüchtigen Grazelle, 

wenn sie vor dem Jäger flieht. 
An seiner Hand ist Feuer, ein Strahl, der durchbohrt, 

Arten auf Arten von Gold.'^ 
Seine Brust — als er löste die Schlinge,* 

erblickte ich die Umgebung mit Verwunderung, 
es machte meinen Sinn verlegen das Paar der Brüste, 

Juwelen (waren es), — ich vermehrte durch sie das Verlangen, 
über ihm sind Wächter, über ihm Soldaten,^ 

wie die Löwin, wenn sie zornig ist. 
Und sein Leib ist (wie) von indischem Mussselin; 

man gab uns eingewickelt in den Schachtehi 
einen Beutel von Moschus, und er ist bei ihm einzig, 

es kamen Kaufleute (danach) aus dem Westen.'^ 
Beine, gerundet wie die Säulen, 

marmorn, zart, und sie sind auserwählt, 
wenn er naht, hörst du von fern 

das Klirren der Ringe der Fersen. 
Ich habe keinen gleich ihm gesehen, 

und alle Menschen begehren sein, — 
nicht in Haläl und der Gegend von Negd '' 

und dem Land von Damask samt der Blassülänzenden.'^ 



^ d. h. .sie sind in der Mitte verbuudeii. was als schön gilt. - danias- 
cenische biegsame Klingen. ^ goldne Ringe * des Gewandes. ■'"'jjdas 

Mädchen giebt ihre Reize nicht jedem preis. * so begehrt ist ihre Schön- 
heit. ' in Centralarabien. * Beiname von Aleppn. 



— 135 — 

Über wen seine Umhüllung kommt in kalter Xacht 

ohne Neider und ohne Unannehmlichkeit, 
(das ist), wie wenn ich eingegangen wäre in die Gärten der 

Ewigkeit 

mid ich bekäme Schwarzäugige^ ohne Zahl. 
Das ist es, was sang As'ad,^ 

und jegliche Rede hat Grrund. 



Auf der Karawanenstrasse. 

1. Beim Aufladen der Kamele. 

Das Kamel trägt je ehie Last auf beiden Seiten. Zwei 
Männer sind zum Aufladen nötig. ]N'achdem die eine Last hoch- 
gehoben ist, muss der eine sie stützen, bis auch die ihr Gegen- 
gewicht bildende zweite Last gehoben und festgeschnürt ist. 

a) Im 'Aglun. Mitgeteilt von einem Bauern in p]lhösn. 

Ein träger Kameltreiber. 

Göz 'mrachchlt b'^mehzam 
lä ja'kuni wala jilzam. 

Gatte derer, welche den Gürtel hängen lässt,^ 
nicht ladet er auf, er hält auch nicht wider. "^ 

b) Im Haurän. Mitgeteilt von einem Bauern in Jucliil. 

Du mit dem Kleinen! 

Jumm ezzraijir 'addli-schscharbüschi 
wil'en söde wilhanak mangüschi. 

Du mit dem Kleinen, ordne die (Quaste, 

und das Auge ist schwarz und das Kinn tätowiert. 

* lUe Jungtrauen des Paradieses. - das braucht nicht der Name des 
Dichters zu sein. ^ einer koketten Frau. * wer weder aufladet noch 

Aviderhält, ist be<jufni und trüge. 



~ 136 - 

c) Am See Hüle. Mitgeteilt von einem jnugen Manu in Ixededi 
als von den Beduinen am See Hüle gesungen. 

Liebe maelit stark. 

irilbil daniniha laschseliel 

Avinhad ja galil ilhel 
ja bnaija jalli filbet 

scliüflni inkanni dellet 
'en 'ajünik la-iitechet 

latärehlik ahl übet. 

Die Kamele — sie brachten sie zum Transport. 

so erhebe <lich, dn Kraftloser! 
Mädchen, o dn im Hanse. 

siehe mich, ob ich «-ering bin ! 
Um deiner Angen Avillen. wenn ich Mut fasste, 

will ich dir wegwerfen die Lente im Haus.^ 



2. Beim Treiben von Kamelen. 

Die Tjastkamele werden dnrch Seile, die von Kamel zu Kamel 
laufen, etwa zu je fünfen oder sieben zusammengebunden, .lede 
solche Reihe von Kamelen (ktär) hat ihren Führer oder Treiber, 
der oft nebenhergeht, aber auch gelegentlich auf dem ersten 
der Kamele reitet. Der Gesang des Treibers, der hida,^ ist ein 
wichtiges Mittel, die Thiere in munterem Gang zu erhalten. 



a) In der Belka. Mitgeteilt von einer Beduinenfrau auf dem Gipfel 
des Gebel O.scha' als von Frauen gesungen. 

I. In der Gegend der Geliebten. 

Ja ret izzem^l jerdi 

wiljöm mä rahalna 
dire jataha schögi 

timbit rabf imtenna. 



' d. h. wenn sie ihn erwählte, wäre er stai-k genug, gegen ihre Familie 
aufzutreten. - s. das Yorwoi't. 



möchten die Lastkaiiiele verluren gclieii 
und heut wären wir nicht fortgereist! 

Eine Gegend, die mein Lieb ^ betritt, 

lässt Avachsen frisches Gras zum zweite Mal.- 

2. Wo wohnt der Geliebte? 

Wen helak ja schögi 

nazzälit-irargübi 
labbasln muzäwi 

schellä'in ilglübi. 

Wo sind deine Leute, o mein Lieb, 

die Bewohner der Thalwindung, 
welche mit Seide genähte Mäntel anlegen, 

welche zerreissen die Herzen?'' 

b) Im 'Aglün. Mitgeteilt von Bauern in Elliösn. 

1. Auf der Pilgerstrasse. 

La tchammni drob 'atschscha dreb eschschämi 
dreb mitschschi suwwän uraml ilhämi. 

Vermute nicht den Weg nach Akka. den Weg nach Damaskus, 
der Weg nach Mekka ist Feuerstein und heisser Sand. 

2. Säcke von der Hand der Mädchen. 

Egtäbhin sufsäf mnilräbäti 
we'dülhin nun san'at ilbenäti. 

Ihre Sattelgestelle sind Weide aus den Gebüschen, 
und ihre Säcke \on der Arbeit der Mädchen. 

;{. Unglücklich der Söhnelose. 

Ja 'en lä tibtschi 'al'illi mäti 
ibtschi 'al'illi challaf ilbenäti. 

U Auge, weine nicht über den, der starb, 

weine über den, der zurückliess die Töchtei!^ 



' der Lleliebte. - wenn auch in der Sommerhit/.e längst alles ver- 

dorrt ist. ' der Oelie])te selbst ist gemeint. * keine Söhne. Männer 

müssen da sein. 



— 138 — 

4. Der Treiber muss sich plagen. 

Ja niä serena winnida minscherri ^ 
"^agicl *^ala faräsiiihin 'ag'äg ilberri 

ja mä serena wilcliawäga n.äjim 
nmlaflif rigleh biramäjim. 

wie oft zogen wir naclits, während der Thaii noch ausgestreut ist, 
wie ein Klumpen ist auf ihren Füssen "^ der Staub der Wüste. 

wie oft zogen wir nachts, während der Herr (noch) schläft 
und er umwickelt seine Beine mit Binden.^ 

5. Kein Cfi'und zur Klage. 

Ja bint hl tibki walä titwalwali 
gemäl baijik bilgatär il'auwali. 

() Mädchen, weine nicht und klage nicht, 

die Kamele deines Yaters sind in der erten Reihe.* 

6. Das J^iel wird erreicht. 

Labudd mä nutwTk jelba'lde 
taij ilharir innä'im iggedide. 

Notwendig werden wir dich aufwickeln, du der weit ist,-* 
wie man aufwickelt die feine Seide, die neue. 

7. Zuruf an das Kamel. 

•labu-lchalächll ugöz ennahle 
ja zämil \aijän fög errahle. 

O du mit den Beinringen'' und dem Paar von Schellen, 
o der du trägst den Matten über der Ladung! 

8. Ein kluger Käufer muss man sein. 

Lesch mä gallab^t gabl in tischteri 
imdamledsch eddur'än helw ilmibsami. 



1 diese Zeile ergäuzt nach Wetzstein. ZDMG XXII 96. ^ .^^f den 

Fns.sen der Kamele, weil es feucht ist. ^ die Schlafdecke ist gemeint, 
nuter welcher der Städter schläft. * der Karawane. Sie gelten als die 

stärksten Tiere. * d. h. den weiten Weg. " über dem Knie des Kamels 
sind Ringe angebracht und diese mit Schellen versehen. 



— 139 — 

'Warum hast du nicht untersucht, ehe du kaufst? — 
voll an den Vorderbeinen, hübsch im Mund.' 



3. Auf den Kameltreiber. 

In Aleppo. Auf Hochaeitszügeu gesungen. Mitgeteilt von einem Vorsäuger 
bei solelieu Zügen in Aleppo. 

Der Kameltreiber in der Stadt. 

Ja gammäl ragarr imsik 

lälak maVa ulälak bet 
mälak ma'wa illa-lchän 

wana 'alchän indellet 
dallüni husn ilbanät 

waUejün essüd süd 
walhauägib mgurnat. 

O Kameltreiber, halte das Zugseil, 

du hast nicht Obdach, du hast nicht Haus, 

du hast kein Obdach ausser dem Chan!"^ 

und ich — zum Chan zeigt man mir den Weg, 

es zeigten (ihn) mir die Schönen der Mädchen, 
deren schwarze Augen schwarz 

und deren Augenbrauen verbunden.^ 



4. Beim Scheren der Kamele. 

Die Kamele werden vor Beginn des Sommers geschoren und 
getheert, natürlich nicht auf der Reise, sondern im Bauernhof 
oder im Zeltlager der Beduinen. Wenn dabei gesungen wird, 
geschieht es, um die Thiere gefügig zu erhalten, da sie die 
Prozedur des Scherens nicht lieben. 

Im 'Agiün. Mitgeteilt von einem Bauern in Elhösn. 

l. Warnung vor dem Kameltreiber. 

Ja memti lä töchdi-ggammäli 

Jörnen 'andik uarb'a bischschämi. 



* so soll ein Kamel sein. Die Becluiuen reden bei Kameleu von schöuem 
und hässlichem Gesicht. - Karawanserei. ■'' nicht über der Nase geteilt. 



— 140 — 

O mein Mütterchen/ lieirate nicht den Kameltreiber, 
zwei Tage ist er hei dir. nnd vier in Damaskus. 

2. Frommer Wunsch füi' die Kamele. 

Ja rabh sellimhin mnettehdidi 
wog'^al gauäjimhin mnilhadldi. 

O Herr, beschütze sie vor Übermüdung ^ 
und mache ihr(^ Cirlieder wie von Eisen! 

3. Tadel der Ausgelassenen. 

Mä tistahi bintak ja bahlüli 
timschi bzinnär elraua mahlüli. 

Mcht schämt sich deine Tochter, o Bummkopf. 

sie o-eht und hat den Gürtel der Yerführuno- "elöst. 



Zur See. 

Die syrische Küste hat nur in Berüt einen für grössere 
Schiffe brauchbaren Hafen. Doch fehlt es in allen })alästinischen 
Seestädten nicht an kleineren Fahrzeugen und Booten, welche 
dem Handelsverkehr und dem Fischfang dienen. Auch auf dem 
See von Ti])erias beginnt die Fischerei wieder aufzublühen.'^ 
Gesang lieben die Seeleute besonders beim taktmässigen Ein- 
ziehen des Ankerseils und bc^im Rudei-n. Ihre Lieder sind meist 
ägyptischen Ursprungs. 



1 die Kiiuler werden von den Eltern ,.jä baiji", „ja memti", „Väterchen'-. 
„Mütterchen'- genannt. - infolge von Überlastung entsteht bei den 

Kamelen Schmerz in Brust und Vorderbeinen. * dreizehn Boote zählte ich 
in Tiberias. 



— 141 — 

1. Bei der Abfahrt. 

]n Sidon. Mitgeteilt von eiuem moslemischen Scliitter. 
Gelübde und Wünsche. 

Hizz ilhelill ja saijid 

ahmad ja bedawi 
win vuhtillak ja saijid 

tazürak kull sene 
ja däcliil ilchammära 

uskini 'ambara 
'addini ja m'addäwi 

larauAvali baladi 
iijä dächil iggämi*^ 

sallTli 'annal)i. 

Schüttle den Halbinond, o Herr, 

Ahmad, o Beduine/ 
und wenn ich zu dir gehe, o Herr, 

will ich dich besuchen jedes Jahr! 
() der in das Trinkhans geht, 

tränke mich mit 'Ambar! ^ — 
Lass mich passieren, du Fährmann,^ 

ich will nach meiner Heimat gehn. 
Und du, der du in di(^ Moschee gehst, 

benedeie füi' mich den Propheten ! 

2. Beim Ankerlichten. 

In Sidon. Mitgeteilt von moslemischen Schilfern. 
1. Lisa! 

Ja lisa ja lisa 

jämäni jämäni 
ja lüka ja lüka 

ja armal felüka 
ja müra ja müra 

hä wallähi. 



^ in der Heimat ist otfenbar das Grab eines Heiligen, namens Ahmed 
der Beduine, beliebter Wallfahrtsort. Die dort aufgesteckte Fahne mit dem 
Halbmond soll sich bewegen zum Zeichen, dass der Heilige die Erliörung der 
ihm vorgetragenen Bitte zusagt. ^ 'amltar ist ein aromatischer Liqueur. 
* der vom Schiff zur Küste führt. 



— 142 — 

O Lisa, Lisa,^ 

o wie schön, o wie schön I 
O Lüka. o Lüka,2 

o Witwer^ im Boot! 
Mür-Scliaf, o Mür-Schaf,^ 

ja wohll bei Gott! ^ 

2. Die Zerstreuung durch den Sturm. 

Kunna teläte u'^eschrin 

'alwakäjil mbarrsln 
bahr illebasch hatt^ flna 

chadna-lchalas windarena. 

Wir waren dreiundzwanzig, ^ 

an den Ankerplätzen liegend: 
aber das stürmische Meer setzte sich gegen uns, 

wir ergriffen die Rettung und zerstreuten uns. 

'A. Unter schlechtem Kapitän. 

Ilgün'' ilgün ja dächil ilgün ' 

ilgün ilgün ja mä juäse 
ilgün ilgün ja mä claija*^ kull merkib 

uresu (raijisu) abu salämi 
rabbi baläni beraijis 

zellu jueltin 'alaiji 
mä jäkid illa-rruzz bezzet 

wissamne räli walla 'alena. 

Die Bai. die Bai, o der du in die Bai kommst, 
die Bai, die Bai. o wie viel kann sie ausrichten 1 

die Bai. die Bai, wie oft hat sie zu Grunde gerichtet ein solches 

Schiff, 
dessen Kapitän Abu Salami! 



* Mädcheuuame. ^ Mannsname (Lukas). ^ d. h. einsamer. * mür 

ist die beste Schafrasse im Libanon. Die Geliebte, also hier Lisa, wird damit 

verglichen. * der Vergleich ist zutreffend. " Boote. ' ägyptische 
Aussprache. 



— i4:{ — 

Mein Hori' hat mich geplagt mit eiiieiii Kapitän. 

der stets über mich Übles redet, 
er isst m\r den Reis mit Ol. 

und die .Butter ist zu teuer. Gott möge uns helfen! 

4. Bei altersschwachen Segeln. 

Ja dimjät mantisch'' ba'lde 

'alli kulü'u gedide 
klii'ana min eschschems harra 

mä nsäfir illa bilhaside 
ja dimjät rabbi a^täki 

annil guwwa-hdäki 
aschachschata jalli säkinki 

läbudd lu 'an zijära. 

O Damiette, du bist nicht fern 

für den, dessen Segel neu,^ 
unsere Segel sind von der Sonne abgenützt, 

wir fahren nur in der Erntezeit.'-^ 
Damiette, mein Herr gab dir 

den Ml im Innern, zu deiner Seite. 
Aschachschata,^ o er, der dich bewohnt, 

notwendig muss er haben einen Besuch I 



3. Beim Rudern. 

Bei Tripolis. Auf einer stiiruiischeu Kootfahit zum Dampfer gehört. 

Der Yorruderer stimmt an, die anderen wiederholen: 

He alla he alla 
he llsa he lisa. 

Gott, o Gott! 
o Lisa, o Lisa !* 



' man kann dann l)ei jedem Wetter fahren. ^ im Frühsommer giel>t 
es keine Stürme. * ein moslemischer Heiliger, dessen Grab in Damiette. 

* die Geliebte ist gemeint. S. oben S. 142. 



U4 — 



Auf Raubzug und Kriegspfad. 

Raub und Fehde sind noch immer ein wichtiges Gewerbe 
der Beduinen, und zwar nicht nur der eigentUchen AYüsten- 
bewohner. Auch bei den in bestimmten Bezirken wolinhaft, wenn 
auch nicht sesshaft gewordenen Stämmen des üstjordanlandes 
fehlt es nicht an kriegerischen Yerwickehmgen. Kriegerische 
Lieder werden von allen Bedmnen gern gesungen, und nicht am 
wenigsten bei Hochzeiten. Aber auch in den Städten und 
Dörfern lieben besonders die Moslems kriegerisches Gepränge, 
»dnie welches eine grössere Hochzeitsfeier nicht zu denken ist. 
Ijicder kriegerischen Inhalts werden deshalb auch unter den 
Hochzeitsliedern mitgeteilt werden. Die liier gesammelt dar- 
gebotenen Kriegslieder Avurden in drei Gruppen geteilt: 1. Marsch- 
lieder (hadi); 2. Gesänge (kasld); 3, 'Atäba -Verse. Die erst- 
genannten werden auf dem Marsch^ zuweilen im Wechselgesang 
ausgeführt, die Lieder der beiden letzten Gruppen sind nur für 
den Einzelvortrag bestimmt. Die „Gesänge" gehören dem Lager- 
erlebeu an, die 'Atäba-Yerse lassen sich auch auf dem Marsch 
anstimmen. Am Schluss habe ich noch ein Tarwid beigefügt, 
das auch als Hirtenlied dienen kann. 



1. Marschlieder (hadi).^ 

a) Bei Jerusalem. Sohriftlich mitgeteilt von Bsehära Kaiiaau iu Betgäla. 

Die Tapferkeit entscheidet. 

La tahsibu katratkum tarlib schagä'tna 
bissef min wostekum nöcdiud gamä'tna. 

Meint nicht, eure Menge besiege unsre Tapferkeit, 
mit dem Schwert nehmen wir aus eurer Mitte unsre Leute. 



1 zumeist Ritt zu Pferde oder Kamel. - s. Vorwort und Melodie 1<X 



— 145 — 

li) In der Belka. Mitgeteilt von einem Beduinen bei 'Amman. 

I. Ein Racheschwur.^ 

In der Nähe von Ilesbän wurde kurze Zeit vor der Anvvesen- 
lieit des Herausgebers Fajiz, Häuptling der 'Adwänbeduinen, nachts 
in seinem Zelt von einem Schürbeduinen aus der Gegend von 
Elkerak erschossen. Ein Klagelied über seinen Tod s. unter 
den Liedern zur Totenklage. Sultan, sein Bruder, welcher ihm 
in der Häuptlingswürde folgte, wurde verdächtigt der Mörder zu 
sein, er reinigte sich aber vom Yoi'dacht diu'ch A^erfolgung der 
Blutrache an den Scliürbeduinen. 

Jegül sultän 'alaiji min ras '^hsäni 
jahram 'alekum essulh jalbedwäni 

niä zäl fäjiz belbila rergäni 
rerin tglbu-lgöd laredwäni. 

Es sagt Sultän: icli schwöre es vom Haupt meines Pferdes, 
versagt sei euch der Friede, o ihr Beduinen, 

so lange Fäjiz in die A'erwesung versunken bleibt, 
es sei denn, ihr bringt das Geschenk"^ den 'Adwän. 

2. Xäclitlicher Aufbruch. 

Sa'ad urab^i särln liblele 

udkur nabijjak ja wugih el'eni 
hömr'' gezämi mberschamln ilcheli. 

Sa'ad und seine Genossen brechen auf in der Xacht, 

und gedenke deines Propheten, o Angesehener für das Auge ! ■^ 
Rotgestiefelt sind sie, mit Quastengehängen an den Pferden. 

Mitgeteilt von Farah Täbri iu Essalt. 
1. Verhöhnung des Feindes. 

Ja schibli mä ginnak 'elüm 

radd emiaga min elmib'^ara 
ja 'aijilu kinnu farch büm 

'alMschsch® mälu misgara 



^ als Hochzeitslied wurde dies Lied mir mitgeteilt. - wohl in Pferden 
bestehend, als Busszahluug für den Mord. ^ Sa'ad soll nicht ohne den 

Schutz des Propheten mit seiner schmucken Schar ausziehen. 

Dalman, Volksleben. 10 



— 146 — 

jahlelu libset eihedüm 

wata'arridii 'ind elmava 
min fög safra hl geliüm 

*^alliai'b mälu magdara. 

Schibli, kamen dir nicht Nachrichten, 

die Fehdenansage ^ vom Dunghaufen? 
seine Kinder sind wie Brut von Eulen, 

auf dem Nest hat er keine Falken I^ 
wie schlecht steht ihm das Anlegen der Gewänder ^ 

und seine Parade vor der Frau* 
auf einer gelben Stute, die kühn — 

für den Krieg hat er keinen Mut! 

2. Zu Pferde! 

Jalla talabtak ja karim 

ja 'äliman birjüb'^ha 
lan schauwah saijäh enniba 

hei essibäja zhür^ha. 

O Gott, ich suchte dich, o Gütiger, 

o Wissender ihres Verborgenen ! ^ 
Wenn das Zeichen giebt der Rufer des Hügels, 

ihr Leute der Rosse, steigt auf! 

3. Gott befohlen! 

Begiret alla ja sanad 

ja rab' kassäb elmadlh 
zabn el^hsän lan balad 

lan tall enneba rä'ih jeslh 
hinna härabna eschschamaren 

'aibin \ala-ttaijib jerf . 



^ eigentlich: Zurückgabe der Schuldlosigkeit, wenn man sich am anderen 
vergreift, d. h. die Aufhebung des friedlichen Verhältnisses zweier Stämme, 
welche beiden Teilen volle Aktionsfreiheit zurückgiebt. ^ fähig zu jagen. 
' für den Kampf. * der Kämpfer hält zu Ross vor der von ihm verehrten 
Frau, zückt das Schwert und ruft: „für deine Augen!" — ehe er in den 
Kampf zieht. ^ des Geschicks der Menschen. 



— 147 — 

Gott befohlen, o Rückhalt/ 

o ihr Genossen des Gewinners des Lobpreises, 
des Freundes des Hengstes, wenn er stehen bleibt ! ^ 

Wenn die Berghöhe erscheint, ruft sein Reiter: 
wir haben bekämpft die beiden Schammarstämme,^ 

Schande ist es für den Wackern, furchtsam zu sein! 

4. Mein Pferdchen. 

Ja rabbi challi mherti 

tikbar wana chaijälha 
elma^'aga schillet harir 

risch enne'äm zelälha. 

ja memti raddi mherti 

risch enne'äm gelälha 
uaschrllha gücha hamra 

wal'idde mscharbascha-lha. 

mein Herr, lass doch mein Pferdchen 

gross werden, und ich bin sein Reiter, 
die Schweissdecke ist ein Strähn von Seide, 

Straussenfedern seine Schabracke. 

mein Mütterchen, gieb Mittagsessen meinem Pferdchen, 

Straussenfedern sind sein Packsattel, 
und kaufe ihm rotes Tuch, 

und der Sattel ist ihm mit Quasten besetzt. 

5. Keine Unterwerfung! 

Mamdühi walla mä nerüh 

ulä ndeschchir tär^na 
le'en min garnu jelüh 

dabh erasäkir kär^na 
mamdühi walla mä ntf 

unhüsch 'and djär^na. 



' ein Häuptling- ist gemeint. ^ aus Mattigkeit. Wenn das Pferd müde 
wurde, stellt sich der Reiter vor dasselbe. * im nördlichen Syrien. 

10* 



148 



Mamdüh, bei Gott, wir gehen nicht fort. 

und wir lassen nicht von nnsrer Rache. 
Für das Auge dessen, dessen Schläfehaar wallt, ^ 

ist die Schlachtung der Soldaten ^ unser Beruf. 
Mamdüh, bei Gott, wir unterwerfen uns nicht 

und kämpfen hitzig bei unsern Häusern. 



Mitgeteilt von Xasr Eljas iu (iaza als iu Essalt gehört. 
A n ^i u h a ni m e d S a ' I d . 

Ja schech^'na da'na nesir 
wilkätebu rabbak jesir 
'enäk ja mhammad sa'id 
rüs elhagnja mdahdalät. 

Abäk ja mhammad sa'id 

jalli trid 'ejälna 
wilcheli mä tdkul 'adas 

tökul scha'ir 'mdardasa. 

Zuruf der Stammesgenossen: 

O unser Häuptling, lass uns ausziehn. 

und was dein Herr geschrieben hat, muss geschehen. 
Pass auf, Muhammed Sa^id, 

die Köpfe der Hagäja -^ rollen. 

Zuruf der Feinde : 

(Verflucht sei) dein Vater, o Muhammed Sa'id, 

der du begehrst unsre Kinder! 
Und die Pferde fressen nicht Linsen, 

sie fressen gedroschene Gerste.* 



* des Mädchens. * es muss sich um einen Kampf gegen Regienmgs- 
truppeu handeln. ' ein Beduinenstamm bei Elkerak, früher der Belka ge- 
fährlich. * d. h. wir werden nicht sanft mit dir umgehen. 



A\) 



Mitgeteilt vou eiuem Beduineu auf dem Gipfel des Gebel Oscha" 
unter der heiligeu Terebinthe. 

I. Habt Acht! 

Ja ischgertak ja jüscha' 

ja schgerat illiaiiijje 
'all jehizz errurali 

'enäku ja saltijje. 

dein Baum, o OschaV 

luftiger Baum! 
'Ali^ schüttelt den Speer, 

habt Acht, iiir Leute von Essalt! 

2. Warnung. 

Ja wehakum min schech^na 
laun ehtazam füg efaba. 

wehe euch voti unserem Häu[)tling, 

"wenn er sicli gegürtet hat über den Mantel!'' 

3. Heirate einen Krieger! 
La töchdi abu miftäh 

luilli 'ala-lbasta galas 
chudin abu rumhin tawll 

lialli 'ala-ssurba ratas. 

Ximm nicht den mit dem Schlüssel,* 

der auf dem Teppicli sitzt, 
nimm den mit dem langen S])eer, 

der sicli auf den Haufen ' stürzt ! 

4. Für Turkijje ein Ilaubzug, 
Ja nägti gämat tehinn 

ben limschetta wuttamad 
turkijjatan tibra 'arbüd 

min aamhätin b'ümm iFamad. 



* das Gral) des Propheten Hosea wird uahe diesem Baume gezeigt. 
- 'Ali ist ein 'Adwänhäuptling, Essalt befreundet. Er wird wohl hier mit 
der mächtigen Terebinthe auf dem Bergesgipfel verglichen. ^ für den 
Kriegszug. * den Hausbewohner. ^ der Feinde. 



— 150 — 

O mein Kamel ^ — es stand seufzend 
zwischen Meschetta und Tamad,- 

Turkijje ^ wünscht ein Brot * 
vom Weizen in Ümm eramad.^ 

(•') Im 'Aglün. Mitgeteilt von einem Bauern bei Hauära fAglön). 
Vorbereitung zum Kriegszug. 
Jalhauetät' schiddu 'ala-ddummri 
wothanu zädikum wichbezu (?) schuramri, 

O ihr Hauetät,'' sattelt die Mageren,'' 

und mahlt eure Wegekost und backt (?) Fenchel!^ 

dl Im Hauran. Mitgeteilt von Beduinen bei Zeräkijje. 
1. W^eshalb Krieg? 
Jalli trögga harb^na 

wusch tistafid 
mä "^and^na küd ilmhammas 

welbizr birgäb elhadid. 

Der du auf den Krieg mit uns deine Hoifnung setzest, 

was für Nutzen wirst du haben ? 
Wir haben nichts als das Pulver 

und das Blei in den eisernen Läufen." 

2. Zuruf an den Häuptling. 
Ja schech^'na schechin tegll 
lä tirhal wen gäk ennedir 
bi' ilfaras wusch teri-lbe'Ir 
wehna chalaf lilli rede. 

miser Häuptling, unser mächtiger Häuptling, 

geh nicht davon, und wenn zu dir kommt der Feind, 

verkaufe die Stute und kaufe das Kamel,^" 
uiid wir sind Ersatz für die, welche fielen. 



' auf dem Turkijje als Kriegsjuugfrau sitzt, vgl. S. 189 Anm. 1. - in der 
östl. Belka im Gebiet der Schürbeduinen. ^ Frau von Zattäm, Häuptling 

der Scha'läu. * ' a r b ö d Laib von auf der Asche gebackenem Brot. * dort 
haben die Schür ihren Weizenvorrat. * ein Beduinenstamm in der Gegend 
von Elkerak. ' Kamele. « Brod mit Fenchel. ^ wörtlich: das Ge- 

röstete und den Samen in den eisernen Hälsen. '^ d. h. ersetze den Abgang! 



— 151 — 

Mitgeteilt vom ^laultiertreiber 'Ali aus Chijäm (Merg 'AjOn). 

Kriegs sang der llauränbauern. 

Ja drüz bfu chelkum 
bilrasb mahu brida. 

Drusen, verkauft eure Pferde/ _ 
zwangsweise, nicht freiwillig! 

ej Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduiueu Hmed. 
1. Beim Aufbruch zum Kampf. 

'Alli rafaditsch ja jüm 

nalin® debäjih lilgüm 
'äfi ummi-lhannetli räsi 

'and ilköna tär n^'äsi 
ja schabäb enliu schäibkom 

täli *^omru jerüli *gsäba 
li'ejün ilbint ennassäba. 

Mache hoch deine Sattelkissen,'^ o Mutter! 

wir sind die Schlächter der Feinde. 
Heil meiner Mutter, die mir meinen Kopf mit Henna färbte! 

zur J Zeit des Kampfes flieht mein Schlummer. 
O junge Männer, wo ist euer xVlfcer? 

der Rest seines Lebens geht in Stücke '* 
für die Augen des Mädchens des berückenden.* 

2. To d esd ro liung. 

Hadür 'anhum hadür 

säru min ahl ilgubür 
ü'äu igaschschün bifrähum 

bilmüs nzaijin lehähum 
wazzena mä trüh ma'ähum 

säru min ahl ilijubür. 



' indem ihi- sie im Krieg verliert. — Übrigens wurden die Hauränbauevn 
von den Drusen des Haurängebirges geschlagen. Es kam also nicht zum 
-Pferde verkauf. - auf dem Kamel, um mit in den Kampf zu ziehen. 

' ist voll Unruhe. * zu Ehren der Geliebten. Hier wird gern ein Schuss 
abgefeuert, der der (geliebten gilt. 



— 152 — 

Warnung vor ihnen, AVarnung! ^ 

sie wurden von den Leuten der Grräber. 

Sie kamen, die Stoppeln fegend mit ihren Pelzen, - 
mit dem Messer wollen wir ihren Bart rasieren,^ 

dass die Schöne nicht mehr mit ihnen geht — 
sie wurden von den Leuten der Gräber. 

3. Auf dem Raubzug (razze).* 
Ja mä 'ögzu wa'aju 

ja mä batal 'addä^ha 
wessurb getna tehtedi 

mä sannadat guhhälha 
ja welkum jahl ennalir 

ja nümkum mü hani 
bätschir nirkab homr issabäja 

wisabbeh ilfadschir rani. 

wie unfähig und erschöpft sind sie, 

wie nichtig wurde ihr Yermittler,^ 
und der Trupp kam zu uns, Kriegssang singend, 

nicht halfen ihre Unerfahrenen. 
O wehe über euch, ihr Leute vom Fluss, 

o euer Schlaf ist nicht heilsam, 
morgen früh reiten wir die braunen Pferde, die gefangenen. *" 

und es wird der Arme reich. 

Mitgeteilt vou einem Hochzeitssänger in Aleppo. 

Wir lieben den Krieg. 
Sa'^Id abu sa'^dijja 

nahna lifrüch unhöbb elhrübijja 
winkän räd 'alwädi jinzal 

la därbu figgambijja . 

Sa'ld, Yater von Sa'dijje, 

wir sind die Jungen und wir lieben den Krieg, 
und wenn er herabsteigen will zum Thal, 

will ich ihn schlas-en mit dem Seiteng-ewehr. 



^ es ist besser, sich ihnen nicht anzuschliesseu. - Pelzjacken mit 

langen Ärmeln trugen sie. ' d. h. sie im Kampf übel zurichten. * das 
Lied soll von den 'Anaze herrühren. ° die Gegner hatten um Frieden ge- 
beten. " nachts werden den Feinden die Pferde s'eraubt -werden. 



153 



2. Gesänge (kasaid). 

a) In der Belka. Mitgeteilt von einem Beduinen auf dem Gebel Öscha,'. 
(t g 1 ü c Iv t e ]v e 1 1 II 11 ,!!,• . 

Meddena 'ala scliiiiibul inrid ol^tniii' 

etilen min lön eddiäb iradäja 
ya^adit cliainvijje utelit atlik eddöd 

iinii'g'a'^ nesirr min ibkär etnaja 
tarn 'alen;i Inilli mescli.älTliakiim süd 

jiteliassosüna mitl erisclija-lliadäja 
nachet cliainvijje efrad 'anni bizzöd 

etäri cliauwijje imga'gsinu-nnescliäja 
raddet 'alehum ^viFarab külllia ug'üd 

wa'aüa'^t cbaiiwijje min esbäb ihiiaiiäja 
raddet 'alehmii wiFarab küllba geTid 

la'enlia men teguss ilwasäja. 

AVir gingen nacli 8ebimbiil. und unsre Abtsiclit war die Habgier. 

zAvei von der Art der reissenden Wölfe. 
Ich liess meinen Genossen sitzen und ging binunter, machte los 

die Kamele, 
und wir kehrten um, waren frölilieb wegen der sechsjährigen 

Kamele. 
Da überfielen uns die, deren Mäntel schwarz, 

sie eignen sie sich an wie Dinge, die Geschenke sind. 
Ich rief zu Hilfe, meinen Genossen, er hatte sich noch mehr von 

mir entfernt, 
aber siehe mein Genosse — die Knaben hatten ihn gefesselt! 
Da wandte ich mich wider sie — und die Beduinen sassen alle 

dabei — 
und icli brachte meinen Genossen herauf von den Ursachen des 

Todes, - 
ich wandte midi wider sie — und die Beduinen sassen alle 

dabei — 
um ihretwillen.^ welcbc die (Jebote - festhält. 



' der Beduine tliut »seine Heldentliaten zu Ehren seiner Geliebten. Ehe 
er in den Kampf reitet, paradiert er vor seinem Mädchen und ruft: „Für 
deine Auofen!" V"-!. S. ]4r.. ■' die Gebote des Islam. 



— 154 — 

b) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduinen Hmed. 
Aus dem Krieg der Muäli gegen die Hadidijje. 

Mhammed, der Emir der Muäli -Beduinen, kämpfte vier 
Tage erfolgreich gegen die Hadidijje und erbeutete viele Zelte. 
Gegen jedes gewöhnliche Geschoss war er gefeit, fand aber 
schliesslich doch seinen Tod durch einen Schuss mit einem Ring. 
►Sein treuer Sklave Mergän rächte seinen Tod, indem er die 
Feinde beim Essen überfiel und sieben tötete. Das erste Lied 
scheint von den Hadidijje zu stammen, das zweite von den Muäli. 

I. 

Ja mhammad ilcharfän gök ilhadidijjin 
hömrun tedäfag wedduchchän dabäba 

challet göschschak welbanät ilmezäjln 
ubetin tschebir imsahhib ^tnäbu 

utscham gähil minkum dschetalna 
wahramnäh schüfet schabäbu. 

Muhammed, Sohn Charfäns, zu dir kamen die Hadidijje, 
sie überschwemmen mit braunen Pferden, und der Pulverrauch 

war wie Nebel. 

Du verliessest deine Hütte und die schmucken Töchter 
und ein grosses Zelt, das weit spannt die Seile, 

und wie viele Unerfahrene von euch töteten wir, 
imd raubten ihm den Anblick seiner jungen Leute. 

II. 

Umergän jelli tischbah elgalb wattin 

uschüf sidak mlaggah bettinijje 
welhedschtum rarbi-lcharäig raraijdm 

chadet ettär wizzöd hädal 'alaije. 

O Mergän, der du gleichst dem Herzen und dem Thon,^ 
und siehe deinen Herrn niedergestreckt im Engpass. — 

Und ich folgte ihnen — westlich von Charäig lagerten sie — 
ich nahm Rache und mehr als dies, das las; mir ob. 



* er ist weichen Sinnes. 



155 



3. 'Ataba -Verse. 

a) Mitgeteilt von Daniel Abraham in Jerusalem. 
1. Nach dem Tode des p]mlr Salmäii. 

Za%ik ter ilhamäin usäh «almän 
amir umin bani harfüscli sallmaii 

ja dillik ja b'albak min ba'd salmän 
raddet midän lachjül iredäba. 

Es schrie die Taube und rief: Salmän, 

ein Emir, und von den Söhnen Harfüschs^ rettete er uns! 
weh dir, o B'albek, nach dem Hintritte von Sahnän, 

wurdest du wieder ein Rennplatz für die Rosse der Feinde. 

2. Wäre ich auf arabischem Ross! 

Alauinni bzahr negdijje una negdaj 

usefi jikta*" alchüde uanagdaj 
uantun min dana ga'far wanegdaj 

uhärün erraschid ilkum garäba. 

Wenn ich auf dem Rücken einer Negdstute wäre und selbst aus 

dem Negd,^ 
würde mein Schwert zerhauen den Helm und ich würde sieg-en, 
wärt ihr auch von den Nachkommen des Ga'far^ und aus dem 

Negd, 
und Härün erraschid euch ein Verwandter. 

Ij) Mitgeteilt vom Baueruknaben Rattäs in Balät (Merg 'Ajöul. 
I. Auf, gegen den Feind! 

Sah ilbek ja rgäli 'alehön 

tahsch ilchel jinbini 'alehön 
jachu fuläni läklni 'alehön 

lanimhi ismhön kabl ilriäba. 



^ ein wilder l)rn.senstamn). - Landschaft in Centralaraljien, Heimat 

berühmter Pferde. ■' ein berühmten- Krieger zur Zeit Mnhammeds. 



— 156 — 

Er lief der Bey: ' o meine Mäimer, gegen sie! 

das Getrappel der Pferde benachrichtigt mich von ihnen. 
Bruder von N. N.,^ stosse zu mir gegen sie, 

wir wollen auslöschen ihren Xamen vor Sonnenuntergang ! 

2. j!^acli dem Rachezug. 

*Ala bir safa halli lefena 

schelfatin iragam tilma' bidena 

chdena-ttär jabn ummi chdena 
katalna-mir sultän ifartäba. 

Die W'ir nach ßlr Safa kamen, 

die persische Lanze glänzte in unsern Händen, 
wir nahmen Rache, o Sohn meiner Mutter, wir nahmen, 

wir töteten einen Emir, den Herrscher der Beduinen. 

c) Mitgeteilt vom Beduinen Hmed bei Aleppo. 
1. Schlimmes Geschick der Freunde. 

Gidir gelbi hin ezza'an mcddu 

urikbu hin garan wifräd meddu 
wa'alehim bilmerhafät alhödub meddu 

willi jaga*^ minhum mälu haja. 

Ausgerissen ward mein Herz, als die Gesellschaften sich entfernten, 
und sie ritten zusammen, aber einzeln haben sie sich entfernt,'' 

und gegen sie mit krummen Schneiden haben sie gekämpft, 
und wer von ihnen fällt, hat kein Leben. 

2. Erbitterte Rache. 

Chadena btär ilgeschsch warräh 
be'^arkätin tscheb iüüfl warrü^h 

rakacl dächül 'albärüd warrPh 
urada mhemid uslaijim gsäba. 



' Anführer. - hier ist gemeint das Losungswort (iuticha), mit welcher 
ein Häuptling ins Feld zieht. Er nennt sich dabei gern nach seiner Schwester, 
z. B. ,ich bin Nüras Bruder^ s. Wetzstein, ZDMG XXII 98. » sie zer- 

streuten sich dann. 



Wir nahmen Rache für die Hütte und das was vculoron war 
durch Kämpfe, die 7A\n\ Greisen machen die Kinder und den 

Geist. 

Es lief Dachül ^ »Po^^ii ^^^ Pulver und den Windh- 
und es wurde 3[hemld und Slaijim ^ zu Stücken. 



4. Tarwide.^ 

Mitgeteilt von einem Bedninen auf dem (Tipfei des Gel)el Oscha' 
Verdacht des Kamelraubs. 

Läli welälak 

ja radennidsch elherän 
läli wehälak 

häda haläl eschschög 
mahn halälak 

deschschir haläl elgöm 
widbah halälak. 

Nicht mein und nicht dein, 

o du, der sich bücken lässt die Kamelfüllen,"' 
nicht mein und nicht dein! 

Das ist der Besitz des Geliebten,** 
es ist nicht dein Besitz. 

Lass den Besitz der Leute,, 
und schlachte deinen Besitz ! 



' der Emir Muhammed von der Sippe DächOl, s. o. S. 154. - der Wind 
trieb ihm den Pulverdampf ins Gesicht. * zwei starke Männer von den 

Hadidijje. * s. das Vorwort. ^ beim Weiden. " die Kamele gehören 
der Sippe des vom Sänger geliebten Mädchens. 



158 — 



Auf der Pilgerfahrt. 

1. Auf dem Zuge zum Mosisgrabe. 

Im Frühjahr um die Osterzeit unternehmen die Moslems von 
Jerusalem und der Umgegend unter offizieller Mitwirkung des 
Gouverneurs von Jerusalem und der moslemischen geistlichen 
AVürdenträger eine Wallfahrt nach dem Grabe Mosers, welches 
sich nach moslemischer Tradition in der Wüste Juda südlich von 
Jericho befindet. Dieser Zug mit wehenden Fahnen und rauschen- 
der Musik ist das beste Beispiel moslemischer Festfreude, welches 
Jerusalem bietet. Das hier mitgeteilte Wallfahrtslied ist von 
Vorsänger und Chor im Wechselgesang auszuführen. Eine aus- 
sätzige Frau in Jerusalem diktierte es. 

Zu Mose und Abraham, 

Ja zuwar müsa 

züru bittehlil 
zurna-nnebi müsa 

'okbäl ilchalil. 

ja zuwär müsa 

züru bila'läm 
zurna-nnebi müsa 

'aleli issaläm. 

ja zuwär müsa 

züru bidderake 
ja scha'rak ja müsa 

säbil 'alwarake. 

Besucher Mose's, 

besucht mit Preis Gottes!^ 
Wir besuchten den Propheten Mose, 

dann auch den Geliebten. ^ 



^ mit dem Rufe von: lä ilali illalla „es ist kein Gott ausser Gott". 
Abraham in Hebron. 



— 159 — 

ü Besucher Mose 's, 

besucht mit den Fahnen! 

Wir besuchten den Propheten Mose, 
ihm sei der Gruss! 

Ihr Besucher Mose 's, 

besucht mit der Standarte ! ^ 
Dein Haar, o Mose, 

fällt herab auf das Blatt. - 



2. Für die Wallfahrt nach Mekka/^ 

In Aleppo. Mitgeteilt von einem Hochzeitssänger in Aleppo. Wechselgesang. 
]. Auf, nach Mekka! 

Güm erhal jämir eschschäm 

hon mä baga magäm 
mä magäm illa bmakke 

makke 'aleha-ssaläm 
ja saläm iktub saläm 

'alimzallal bilramäm. 

Auf, ziehe aus, o Emir von Damaskus, 
hier ist kein Ehrenplatz geblieben. 

Es giebt keinen Ehrenplatz ausser in Mekka,* 
Mekka, ihm sei Gruss ! 

O Gruss, schreibe Gruss 

dem in den Wolken Yerhüllten ! ^ 

2. Zum Thore des Heils. 

Ja liana bmüna 

bir zamzam malän 
näichu gmäli 

'ind bäb essaläm. 



* das Fahnentuch heisst 'alam, die Fahnenstange derake. - es ist 
wohl das Gesetzbuch gemeint. ' bei Hochzeitszügen in Aleppo gesungen. 
* für den Moslem ist nur noch in Mekka ein ehrenvoller Platz, in Damaskus 
sind schon zu viele Christen. "^ Muhammed. 



— IGO — 

O Wohlsein in Müna/ 

den Brunnen Zomzam- ist voll, 

lasst niederknien meine Kamele 
beim Thore dos Heils!' 

3. An den Fühvoi- der AVallfahrtskavawane. 

J<ä scliömali 'enak 'alena 
höms uliama gämat 'alöna 

ja scliömali hat el'aläjif 

ja schumali 'aschschäm räjih 

ja schömali haddir rulmänak 
ja schdmali nahna snhjänak 

ja sehümali widbah ehurianak. 

O Schömali,* habe acht auf uns, 

Höms und Hamat erhoben sich gegen uns, 

o Schömali, gieb den Sold, 

o Schömali, nach Damaskus gehe ich, 

ü Schömali, mache bereit deine Burschen, 
o Schömali, wir sind deine Knaben. 

Schömali, schlachte deine Schafe! 



Zur christlichen Festzeit. 

Der wichtigste Teil der häuslichen Feier der hohen Kirchen- 
feste besteht in gegenseitigen Beglückwünschungsbesuchen, bei 
denen Süssigkeiten geboten werden. Zu Ostern wird auch gern 
ein Nachmittag im Freien unter grünen Bäumen verbracht und 
dabei allerlei Kurzweil getrieben. Für Kinder giebt es ancli 
Gesänge, deren zwei hier mitgeteilt werden. 



' ein heiliger Ort bei Mekka. - im Heiligtum zu Mekka. ^ Name 
des Thors, durch das die Pilger iu das Heiligtum eiutreteu. * ein mächtiger 
Beduine, welcher die Pilgerkarawane von Aleppo nach Damaskus begleitet. 



— 161 — 

1. Um Ostern. 

In Aleppo. Mitgeteilt von christlielien Kiiuljeii. 

Auwal nhacl — mäscli mäscli 

täni ahad — täli mäsch 
tälit ahad — tenfassil erokmäscli 

räbi' ahad — tanchaijot erokmäsch 
chämis ahad — scha'anini 

sädis ahad — nislak heda wenilla' 'albesritlni 
aga-Fld 'aijedna 

zirna 'ala kabr saijidna 
saijidna mauläna 

bidammu ischtaräiia 
wiljahüd hazäna 

wannasära farhäna 
takket 'enak jäjhüda. 

Am ersten Sonntag — nichts, nichts, 

am zweiten Sonntag — wieder nichts, 
am dritten Sonntag — schneiden wir den Stoff zu, 

am vierten Sonntag — nähen wir den Stoff. 
am fünften Sonntag — Palmzweige, ^ 

am sechsten Sonntag — kochen wir Eier und 

gehen in die Gärten.^ 
Es kam das Fest, wir feierten es. 

wir besuchten das Grab unsers Herrn; 
unser Herr ist unser Patron, 

durch sein Blut hat er uns erkauft, 
und die Juden sind traurig, 

aber die Christen fröhlich, 
es platzte dein Auge, o Jude! 



* Die Kinder nehmen wirkliche Palmzweige, wo es deren giebt, öfters 
aber andere Zweige, umwinden sie mit allen Arten von Frühlingsblumen und 
stecken auch Kringel daran. Mit diesen Zweigen gehen sie zaiui Gottesdienst. 
Nach demselben werden sie zerpflückt und die Kringeln gegessen. - andere 
Version: ennini, kindlicher Ausdruck für „Essen". 

Daliiiaii , Volkslcbnn. 11 



— 162 



2. Am Barbaratage. 

Während besondere häusliche Weihnachtssitten bei den Chri- 
sten nicht zu beobachten sind, werden am Barbaratage (3. De- 
zember) in Aleppo den Kindern Teller mit gekochten Weizen- 
körnern und Zuckerwerk geschenkt, worin ein Kranz von kleinen 
Kerzen gesteckt ist. Die Kinder singen in den Strassen, 

In Aleppo. Mitgeteilt von einem Schulknalten. 
heilige Barbara! 

Kaddise barbära 

■^and errabb muchtära 
abüki halkäfir 

'äbid elhegära 
gab ennär ta jehrukha 

särit ennär bachchüra 
I gab ilmä ta jerrukha 

.särit ilma merüna 
gab illiabl ta jechnukha 

sär elhabl bachnüka 
gab essef ta jikta'ha 

sär essef zimnära. 

Heilige Barbara. 

bei dem Herrn Auserwählte, 
dein Yater, dieser Ungläubige, 

der Anbeter der Steine, 
brachte das Feuer, dass er sie verbrenne, 

da wurde das Feuer zu Weihrauch, 
er brachte das Wasser, dass er sie ertränke, 

da wurde das Wasser zu Salböl/ 
er brachte das Seil, dass er sie erwürge, 

da wurde das Seil zum Taufband,^ 
er brachte das Schwert, dass er sie zerliaue, 

da wurde das Schwert zum Gürtel. 



' ])ei der Taufe benutzt. - bei der Taufe dem Kind über die Brust 

geleo-t. 



Zweiter Teil 



Bei den Abschnitten des Lebens 



11* 



In der Kinderzeit. 

1. Schlummerlieder. 

Diese Lieder könnten auch „Wiegenlieder" heissen; denn 
auch bei den Bauern, die ausnahmslos ohne Bettstelle schlafen, 
pflegt doch die Wiege für das jüngste Kind nicht zu fehlen. 
Gelegentlich wird sie freilich durch eine von der Decke herab- 
hängende sehr primitive Schaukel ersetzt. 

a) Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Zmikna in Jerusalem. 
1. O Taube des Thals! 

Ja liamämt ilwädi 

häti-nnöm lirulädi 
halililu ja hamämt ilbustän 

häti-nnöm lanna^sän 
halililu ja hamämi 

ufedili rischik 'aleh 
häda lahabibi ibrähim 

halbäscha niin'im 'aleh 
labbasu haggüch iFachdar 

halhelu läjik 'aleh. 

Taube des Thals, 

gieb den Schlaf meinem Kindchen! 
lialill ihm,^ o Taube des Gartens, 

gieb den Schlaf dem Schläfrigen! 
Halili ihm, o Taube, 

und mache mir breit deine Federn über ihm! 

* halili ist Kosewort für kleine Kinder. 



— 166 — 

das ist für meinen Liebling Ibrähim, 

der Pascha erweist ihm Gunst, 
er kleidete ihn in das grüne Tuch, 

das Hübsche steht ihm wohl. 

2. Butter und Honig im Kruge. 

Samn u'asal figgarra 

hei alla-ddaräwTschi 
hei alla tähu lilhische. 

Butter und Honig ist im Kruge, 

Leute Gottes sind die Derwische, 
die Leute Gottes gingen hinab zum Wald. 

3. Kein Räuber kommt. 

Ja maria nämi nämi 

lä jTgi liki-lharämi 
jöchud elhalaga min dätiik 

ujehermik nöm illejäli. 

Maria, schlaf, schlaf, 

sonst kommt zu dir der Dieb, 

nimmt den Ring von deinen Ohren, 
und raubt dir den Schlaf der Nächte. 

Vij Im 'Aglun. Mitgeteilt von einer Frau in Elbösu. 
1. Nie fern! 

Ja habibi ja habib 
retak *anni mä terlb. 

O mein Liebling, o Liebling, 

möchtest du von mir nie fern sein! 

2. Die Beduinen kommen. 

Ja habib ilgalb 

lä tnäm 'addarb 
jidbahük il'arab 

jahsibünak kelb. 



— 167 — 

Liebling des Herzens, 

schlaf niclit anf dem Wege ! 
Es töten dich (sonst) die Beduinen, 

rechnen dich als Hund. 

o. Gottes Schirm und Schutz. 

J<ä alla ujä däjim 

tehfaz ^ibdak ennäjim 
tehfazu wutgiru 

wutchalli näjim bisriru. 

Grott, o Beständiger, 

du mögest beschützen deinen Knecht, der schläft, 
ihn beschützen und ihn schirmen, 

und ihn schlafen lassen in seiner Wiege! 

4. Gottes Auge schläft nicht. 

Ja 'en sellm nämat 

wa'en alla mä nämat 
walä 'ömr schidde 

'ala machlüg hl dämat 
jalla jenäm selim 

jalla jhöbb ennöm 
jalla tiglh-rauäfi 

ma' ladld ennöm. 

U Auge Sellms, es schlief, 

und das Gottes schlief nicht, 
und nimmer war ein Unglück 

über einem Gescliöpfe dauernd. 
O Gott, es schlafe Selim, 

o Gott, er möge lieben den Schlaf! 
Gott, möge ihm kommen Gesundheit 

mit der Süssigkeit des Schlafs! 

5. Traum von Elias. 

'En selim tehöbb ennöm winne'äsi 
tidchul 'ala-lgaddls mär eljäsi. 



— 168 — 

Das Auge Selims liebt den Schlaf und den Schlummer, 
möge es eingehen zum heiligen Mär Elias !^ 

c) In Merg 'Ajün. Mitgeteilt von Frauen in Gededi. 
1. Ein Scherz. 

Näm ja 'eni näm 

la'idhahlak ter ilhamäm 
ja hamämät lä tsaddeku 

bidhak 'ala ibni hatta jenäm. 

Schlaf, mein Auge, schlaf, 

ich will für dich schlachten den Yogel Taube! 
ihr Tauben, glaubt es nicht, 

ich mache Spass mit meinem Sohn, damit er schlafe. 

2. Nehmt mich mit! 

Ja räihin ^asch schäm 

chodüni fimhämilkum 
mäni hadidan ulä büläd lätkülkum 

winkän zädi uzuwwädi bitkölkum 
rühu tarik essalämi 

jibka chätri ma'kum. 

O die ihr nach Damaskus geht, 

nehmt mich in eure Lasten, 
ich bin nicht Eisen und nicht Stahl, nicht beschwere ich euch. 

"Wenn aber meine Zehrung und mein Proviant euch beschwert, 
geht den Weg des Friedens, 

es bleibt mein Gedanke bei euch. 

Mitgeteilt von Sitt Mirjam iu Aleppo. 
I. Wer dich nicht liebt wie ich. 

Willi mä tkillak ja kamar 

lä tscliüf lä unta ulä dakar 
illa-ragüz ubintha 

'amja schhaijiht ennazar. 

' im Traum. 



— 169 — 

willi mä thöbbak kaddi 

jirdab ^aleha rabbi 
jehabbit 'aleha iggäme* 
wilmedani wilkübbe. 

Welche nicht zu dir sagt: o Mond! 

die sehe weder Weibliches noch Männliches, 
sondern nur die alte Frau und ihre Tochter, 

die blinde und schwachsichtige.^ 

Welche dich nicht liebt gleich mir, 

über die zürne Gott, 
er lasse über sie einstürzen die Moschee, 
und das Minaret samt der Kuppel. 



2. Zukunftswünsche. 

Ja hablb ümmu wabüh 

rethum mä ja'damüh 
ja'damu schkäk ilharlr 

ifasselu wilabbesüh. 

ja hablb ilhöbbten 

ret le'ummak kinnten 
wähde ta'gin utichbiz 

uwähde temalle-ggarr^ten. 

Liebling, seine Mutter und sein Vater — 
möchten sie seiner nicht beraubt werden, 

mögen sie beraubt werden von Stücken von Seide, 
die sie zuschneiden und ihm anziehen. 

Liebling zweifacher Liebe, 

erhielte doch deine Mutter zwei Schwiegertöchter, 
eine knetet und bäckt Brod, 

und die andere füllt die zwei Wasserkrüge. 



* kein angenehmerer Verkehr soll ihr werden. 



— 170 — 

3. Guten Morgen! 

Sabhak bilcher 

ja razäl rrer 
immak wabük süd 

wint ja badr mnen. 

sabäh ilcher kulhi 

lirerak mä bkiillu 
xSabäh ilcher däjim 

jesabbili illi kän näjim. 

jesabbhak bilcher 

jis'id sabahtak 
sabbah ilbltär 

jehdi muhertak. 

Guten Morgen, 

o hellfarbige Gazelle! 
Deine Mutter und dein Yater ist schwarz, 

und du, o Vollmond, woher bist du? 

Guten Morgen ganz und gar, 

keinem ausser dir sage ich das. 
Guten Morgen beständig, 

möge er zu teil werden dem, der geschlafen hat! 

Man gebe dir einen guten Morgen, 
mache glücklich deinen Morgengruss ! 

Früh erhob sich der Hufschmied, 
er beschuht dein Fohlen. 

e) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Becluineu Hmed. 
Im kleinen Taubenschlag. 

Näm hö lilla 

ja üledi näm 
bignen ilhamäm. 

Schlafe, o bei Gott! 

o mein Kindchen, schlafe 
im kleinen Taubenschlag ! 



— 171 — 



2. Um das Schreien zu stillen. 

a) Bei Jerusalem. Mitgeteilt vou Zmikua in Jerusalem. 
An den Gre liebten. 

Habibi jabu sälif 

wen ilmuälif 
dakk irubar mitchälif 

*ala-lmazjüne. 

Mein Greliebter, o dn mit der Schläfelocke, ^ 

wo ist der Vertraute? 
Die Tätowierung der Nadeln ist mannigfach 

auf der Zierlichen. 



b) Im 'Aglun. Mitgeteilt von einer Frau iu Elhösu. 
(Beduiuisch). 

Von der Schwiegermutter. 

Ümraak ja walad ümmak 

ümmak lä tigi laije 
win igat ümmak 'ala-lbet 

lagabbe' scha^arak b'Idaije. 



Deine Mutter, o Knabe, ^ deine Mutter, 
deine Mutter komme nicht zu mir, 

und wenn deine Mutter zum Zelte kommt, 
reisse ich dein Haar aus mit meinen Händen. 



^ der Geliebte, uicht das Kind ist gemeint. '^ so nennt eine Beduinen- 
frau hier ihren Mann. Sie will die Schwiegermutter nicht im Zelt sehen. — 
Seltsamerweise benützen die Frauen in Elhösn diesen Vers, um ein weinen- 
des Kind zu beruhigen, wohl im Gedanken an abzuwehrende Feinde des 
Kindes. 



172 



3. Am Beschneidungsfest. 

Die Beschneidung der 2 bis 6 Jahr alten Knaben ist immer 
ein Anlass zu festlichen Yeranstaltungen , die oft einer Hochzeit 
nicht nachstehen und sich durch mehrere Tage hindurchziehen. 
In Städten und Dörfern bildet ein dem Beschneidungsakt voran- 
gehender Festzug, an welchem der Knabe zu Pferde teilnimmt, 
den Gipfelpunkt der Feier. Zu Gesang ist im Hause wie beim 
Zuge viel Gelegenheit, 

Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Zmikna in Jerusalem. Ein Frauenlied. 
Mahnung an den Beschneider. 

Tahheru ja mtahher 

unäwilu Fimmu 
ja dmü' ilrälie 

nizlat 'ala kimmu. 

tahheru ja mtahher 

tah^t faj ettin 
dam'atu-lrälie 

nizlat 'almendil. 

tahheru ja mtahher 

tah^t faj ettüt 
dam'atu-lmlie 

nizlat 'alkabbüt. 

tahheru ja mtahher 

brahmet wäledek 
maddi muäsak 

chaffif Idek 
lan öga'et müsa 

lad'i 'alek. 

Beschneide ihn, o Beschneider, 

und reiche ihn seiner Mutter! 
O die Thränen, die kostbaren, 

flössen auf seinen Ärmel. 



— 173 — 

Beschneide ihn, o Beschneider, 

unter dem Schatten des Feigenbaums! 

Seine Thränen, die kostbaren, 
flössen auf das Tuch. 

Beschneide ihn, o Beschneider, 

unter dem Schatten des Maulbeerbaums! 
Seine Thränen, die kostbaren, 

flössen auf die Jacke. 

Besclmeide ilm, o Beschneider, 

bei der Barmherzigkeit deiner Eltern, 

mache schneidig deine Messer, 
mache leicht deine Hände, 

und wenn du Müsa Schmerz bereitest, 
verwünsche ich dich! 



4. Kinderreime. 

Diese Reime werden von den Kindern einzeln oder im Chore 
mehr gesprochen als gesungen, besonders wenn sie auf der Strasse 
Aufzüge machen. 

a) Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Zmikua in Jerusalem. 
1. In der Höhle des Schakals. 

Ana kä'id 'ala kal'a hauijje 

wagatni-lchel min scherka urain rarba swijje 
auwal tehti katal't mijje 

täni tehti hälu 'alaije 
hattüni figuchm ilwäwijje 

igat ilwäwijje karhaschat dnaije 
waga-lhardön jitmergal 'alaije 

kultillu ja hardön lauin ma'i 'asäje 
kän mä cJialletak titmergal 'alaije. 

Ich sitze auf luftiger Burg, 

da nahten mir die Reiter vom Osten und vom Westen zugleich, 
beim ersten Herunterkommen tötete ich hundert, 

beim zweiten Herunterkommen überlisteten sie mich, 



— 174 — 

steckten mich in die Höhle des Schakalweibchens, 

da kam das Schakalweibchen und knapperte an meinem Ohr, 

es kam die Eidechse mich zu übermannen, 

ich sagte zu ihr: „O Eidechse! hätte ich einen Stock, 

hätte ich dich nicht mich übermannen lassen." 

2. An die Eidechse. 
Salli salätak 

ja hardün 
immak mätat 

fittäbün. 

Sprich dein Gebet, 

o Eidechse! ^ 
Deine Mutter starb 

im Backofen.'^ 

b) In Aleppo. Mitgeteilt von arabischen Knaben in Aleppo.' 
1. Hagg- Muhammed. 
Die Knaben bilden einen Zug-, der Anfülirer singt eine Zeile, 
die anderen antworten mit jöö jo ! Der Rhythmus M'ird stark 
pointiert und durch Händeklatschen verstärkt. 

Ja hägg mhammad — jöö j6 

a'tini hsänak — jöö j6 
tatiiff watlr — jöö jo 

talhak iskänder — jöö jo 
iskander mä mät — jöö jo 

challaf banät — jöö jö 
banätu süd — jöö jo 
mitl ilkrüd — jöö jö. 



* Anspielung an die Stellung, welche die grosse palästinische Eidechse 
auf der Höhe von Steinen mit hocherhobenem Kopf einzunehmen pflegt. 
Wenn sie nach Süden schaut, nennen die Kinder sie einen Moslem, wenn 
nach Osten, einen Christen, ^ täbün ist die Backeinrichtung der Bauern 
im gi-össten Teile Palästinas westlich und östlich des Jordans. Sie besteht 
in einer kleinen Thonwölbung, welche von oben erhitzt wird, während die 
Brotkuchen darunter liegen. Davon zu unterscheiden ist der nordpalästinische 
tannür (s. S. 11), einem Gerät sehr verschiedener Gestalt, in welchem das 
Feuer sich befindet, während die Brotkucheu an seine Wände geklebt werden. 
* auch bei Sidon bekannt. 



— 1 75 — 

O Hagg Miihammed,^ — joo jo! 

gieb mir dein Pferd, — joo jo! 
dass ich aufspringe und fliege, — joo jo ! 

dass ich erreiche Alexander. — joo jo! 
Ist Alexander nicht gestorben? — joo jo! 

Er hinterliess zwei Töchter. — joo jo ! 
Seine Töchter sind schwarz — joo jo! 

wie der böse Dämon, — joo jo! 

2. Unser Onkel 'Ab da IIa. 
Ischti uzidi 

betna hadidi 
'ammna 'abdalla 
kassar iggarra. 

Regne und ströme, 

unser Haus ist von Eisen I 

Unser Onkel 'Abdalla 

zer1)rach den Wasserkrug. ^ 

3. Der eitle Bischof. 

Bischof ta la'andi 

jabu tschachtscliüch ilwardi 
aga hü^ wabnaiju 

rabat hsänu 'albäb 
dakk ilbäb fatahtillu 

ahlan usahlan kultillu 
tümbak täza faraktillu 

kahwe täza raletillu 
kalli lösch *enak hamra 

kultillu min dau ilkamra 
böschar daknu 

kahal 'enu 
chammanna schi bilbaklu 

tule' 'agüz igginne 
giniui ja ulädi ginnu. 



' ein Pferdevonuieter iu Aleppo, der den Titel Hagg „Pilger" führt, 
weil er oder einer seiner Vorfahren in Mekka war. * das Umstosseu des 
Wasserkrugs im Hause bedeutet l)iikligen Res-en. 



— 176 — 

Bischof,^ komm zu mir, 

du mit der roten Pumphose I^ 
Er nahte mit seinem Söhnchen, 

band sein Pferd an die Thür, 
klopfte an die Thür, ich öffnete ihm. 

Willkommen I sagte ich zu ihm, 
frischen Tumbak^ rieb ich ihm, 

frischen Kaffee kochte ich ihm. 
Er sagte zu mir: „Warum ist dein Auge rot?" 

Ich sagte zu ihm: „Yom Licht des Monds." 
Er strich seinen Bart, 

er schminkte sein Auge, 
wir dachten: es passt ihm etwas. 

Da kam er hervor wie ein alter Dämon — 
treibt Unsinn, o meine Kinder, treibt Unsinn! 

4. Zehn Flaschen, zehn Gläser. 
'Ascher kanäni "ascher kadäh 
ktuf ilmischmusch 'attüffäh 
min auwal masa labukra 

kabsit 'aleha-zza'rüra wiräbüra. 

Zehn Flaschen, zehn Gläser, 

pflücke die Aprikosen nebst den Äpfeln! 
vom Anfang des Abends bis morgen 

pressten darauf die Weissdornfrüchte und der Regenguss. 

5. Ein voller Krug. 
Chäbie maläni 

'akdit irribäni 
'adüha bet ilbäscha 

sillam elharamijje 
kirsi egginnijje 

dik emtambar 
taht il'ambar 

gäge töza 
nakrit göza. 



1 Name eines früher iu Aleppo lebenden Deutscheu. ^ t s c h a c h t s c h ö c h 
eine jetzt aus der Mode gekommene Art der Pumphose ohne Schleppe. * per- 
sischer Tabak für die Wasserpfeife. * so wurde in Aleppo erklärt. 



— 1 /7 — 

Ein voller Krug, 

der Knoten des Bands, 
sein Feind ist das Haus des Pascha.^ 

Die Leiter der Diebe 
ist der Stuhl der Dämonen; 

ein Hahn mit gesträubten Federn 
ist unter dem Getreidebehälter; 

eine schwanzlose Henne 
hat eine Xuss aufgepickt. 

6. Niemand gebe einen Laut! 

Ena ena 

ja man dakk ilhagar lena 
chäl chäl ihn essultän 

jinzil bichefijje 
jitla' bichefijje 

lä jehassis lä insijje 
lä ginnijje 

lä hada jesauwit 
lä hada jeranni 

dlru ras chelkön 
'ammschu ras chelkön 

sähib ilbet ilu rabbe. 

Wo ist, wo ist er, 

o der, welcher den Stein auf uns warf? 
Der Onkel des Onkels des Sohns des Sultans, 

er geht daher im Geheimen, 
er geht dahin im Geheimen, 

er lässt es nicht merken weder Menschen noch Geister. 
Niemand gebe einen Laut, 

niemand singe, 
dreht den Kopf eurer Pferde, 

bedeckt die Augen am Kopf eurer Pferde, 
der Herr des Hauses hat Asthma!'-^ 



^ der Pascha leidet nicht volle Krüge iiud zugeknöpfte Bäuder. - An- 
spielung an die Redensart: lä tudretu lä tis'alu sähib übet ilu rabbe, d.h. 
nia)i darf in diesem Hause nicht mucksen. 

Dal man, Volksleben. 12 



— 17S — 

7. 'Abdalla. fülle den Krug! 
'Abdalla "^abbi-ggaiTa 

mä bakdir 
nakki-rruzz 

mä batiiss 
küm ukta' illahme 

kassab 'aleh zahme 
küm it'aschsclia 
ja alla. 

scliabak schabak lülii 

elbiima meftülu 
biFab aiia wa'uehti 

uchti bitsallini 
ben ilbesätini 

teffäliet ilhamra 
tukta' ubtit'amlni 

halaft ana mä badüka 
sukkar *ambar föka. 

'ammäl astanna chäli 

chäli ben iFaskar 
bjischrab sclieräb jiskar 

'ala liaschTsoh irachdar 
haschlsch achdar bissandal 

liaschlsch aclidar bittäka 
saraktu siräka 

schäl irasä a'^täni 
schilt iFasä a'tetu 

*^ala räsu darabtu 
'almakbara waddetu. 

'Abdalla, fülle den Krug! 

„Ich kann nicht." 
Reinige den Reis! 

„Ich sehe nicht." 
Auf. schneide das Fleisch! 

„Der Fleischer hat Zulauf." 
Auf, iss zu Abend! 

„Vorwärts." 



— 179 — 

Er flocht, er flocht Perlen, 

die Perlenschnur ist sein Geflecht. 
Ich spiele mit meiner Schwester. 

meine Schwester unterhält mich 
zwischen den Gärten: 

den roten Apfel 
zerschneidet sie und speist mich. 

Ich schwor, ich koste ihn nicht, 
(auch wenn) Ambarzucker ^ darauf (wäre). 

Ich warte auf meineji Onkel, 

mein Onkel ist unter den 'soldaten, 
er trinkt einen Trank, wird berauscht' 

auf dem grünen Gras, 
das grüne Gras auf dem Boot, 2 
das grüne Gras in der Luke, 
ich nahm es als Diebstahl, 

er nahm den Stock weg, versetzte mir eins 
ich nahm den Stock weg, versetzte ihm eins 

schlug ihn auf seinen Kopf, 
schleppte ihn auf den Totenacker. 

8. Kinni ninni, 
^^inni ninni bittürki 
rabb issama jihfazki. 

ahmed bäscha kuddämu 
schü ilu bukget hammämu 

ilbukge gelänijje 
utäsät miglijje 

ubirke uschädirwän 
usabäja schkäl alwän. 

«chäfitni wähde felläha 

darbitni bitiff"äha 
kasret kalb eddüiäb 

wünn wünn 'addüläb 



andlrhtrt:;'^''-r^'T"''''^' °'''- "^^^- ^•-t.^«^--'^ter Zucker. ^ ob 

.andal hier so zu übersetzen, i.t zweifelhaft. Es fehlt wohl eine Zeile. 



— 180 — 

sabi zraijir fiddüläb 

daija* fardit täsümtii 
rakad la'immu liefjän 

kalla isch tabaclitili 
kälithi kisch^k beliftu 

kalla ischi kuddämii 
kälitlii kutt bidänu. 

Niiuii ninni! ^ auf türkiscb, 

der Gott des Himmels behüte dich!'- 

Pascha Ahmed — vor sich 

was hat er? sein Badebimdel,' 
das Bündel ist aus persischer Seide, 

und die Schalen* sind poliert, 
und ein Bassin und ein Mundstück ^ 

und Mädchen von verschiedenen Arten. 

Es sah mich eine Bauersfrau, 

schlug mich mit einem Apfel, 
zerbrach die Radnabe," 

jammre, jammre über das Rad! 
Ein kleiner Knabe war am Rade, 

er verlor einen seiner Schuhe, 
lief zu seiner Mutter barfuss, 

sagte zu ihr: Was hast du mir gekocht? 
Sie sagte zu ihm: Kischk'' mit weissen Rüben. 

Er sagte zu ihr: Was giebt's vorher? 
Sie sagte zu ihm: einen Kater mit seinen Ohren, 



* türkisches Schlummerwort für kleiue Kinder wie : eia popeia. - diese 
zwei Zeilen sind ursprünglich Fragment eines Schlummerliedes. ^ Hand- 
tücher, Seife etc., in ein Tuch gepackt, werden von einem Sklaven ins Bad 
dem Herrn vorangetragen. * metallne Schalen, mit denen das heisse Wasser 
über den Körper gegossen wird, werden gleichfalls mitgenommen. * am 
Springbruilnen in der Mitte des Badebassins. " es ist wohl ein Spulrad 
gemeint. ' getrocknete Dickmilch. 



— ISl — 

9. Georg auf der Stute. 

Girgi räkil) "^ala farasu 

bikulla düri 
ja mahrame min kasab 

wisehschäl randüri 
dar ilkamar döra 

'ala stüh ilhöra 
iranii bitrabbini 

nä'üret ilfudda 
tukta' ubtit'amini 

ta'tlni masarlha 
mä bikaddüni cbargijje. 

haijalla ja uläd ischschäm 

itla'u 'almädni 
ikscha'u isch f iha 

mä fllia 
fiha 'abed alla 

bärik 'ala-lkursi 
be'idu kadali mursi. 

ja 'ammi 'adll 

taht ilkanätir 
sillamu liadid 

sillamu madid. 

Georg reitet auf seiner Stute, 

er sagt zu ihr: Drehe dich um! 
Taschentuch von Brokat 

und der feine Schal! 
es machte der Mond eine Drehung 

über den Dächern der Gasse ! ^ 
Meine Mutter zieht mich auf 

wie einen silbernen Krug,''^ 
schneidet ab und speist mich, 

sie giebt mir ihr Geld, 
es reicht mir nicht als Taschengeld. 



• etwa um nach ihm zu sehen. ^ so somsam. 



— 182 — 

Drauf los ! ihr Kinder von Damaskus ! 

steigt auf das ]\Iinaret, 
schauet, was dort ist, 

was darin ist ! 
Darin ist ein Verehrer Gottes, 

er sitzt auf dem Stuhl, 
in seiner Hand ein aegyptisches Glas. 

O mein Onkel 'Adil 

unter den Arkaden, 
seine Leiter ist von Eisen, 

seine Leiter ist lang. 



4. Spiellieder. 

In Aleppo. Mitgeteilt von Knabeu iu Aleppo. 

1. Meine Tante ist alt. 

Zwei Knaben fassen sich an den Händen, hehen sie bei der 
zweiten Zeile des folgenden Verschens in die Höhe und reissen 
sie bei der dritten auseinander. 

Chälti 'agüzi 

alla a'täki 

taijar ratäki. 

Meine Tante ist alt, 

Gott gab dir (erst), 
liess (dann) fliegen deine Bedeckung. 

2. Wie süss ist der Schlaf Alexanders! 

Ein Knabe stellt sich gebückt auf, die anderen springen der 
Reihe nach über ihn. 

Ja mahla nöm iskanderijje 

ja 'wainät ilruzala 
mä katalni illa ihn 'ammi 

schallah essefen wittabangät minni 



^ rnursi wohl des Reims wegen für masri. 



— 183 — 

taht atwäk elmadina 

churägät hazina 
auwalna 'azuramezi 

tannena 'aziimmezi 
tallitna 'azummezi 

aiuvalna 'alfirkahkah 
ilch. 

wie süss ist der Schlaf Alexanders, 

die Äuglein der Gazellen ! — 
Niemand schlug mich ausser meinem Vetter, 

er nalim mir die zwei Schwerter und die Pistolen 
unter den Fenstern der Stadt, — 

Geschwüre sind traurig. 
Das erste Mal machten wir es mit geschlossenen Füssen,^ 

das zweite Mal machten wir es mit geschlossenen Füssen, 
das dritte Mal machten wir es mit geschlossenen Füssen. 

Zuerst machten wir es mit Hüpfen auf einem Bein,^ 
u. s. w. 

3. Wir sprangen! 
Summena 'asummena 

summena häbudena 
bäbudena heliwän 

lieliwän tschiktschikän 
tschiktschikän elbakara 

bakara urigleha 
chet ahmar ben rigleha 

taht ettell fök ettell 
schll hcdümak lä tischteil 

auwalna ^xüarbüsch 
ilch." 

Wir sprangen nach „wir sprangen", 

wir sprangen b.äbudena 
bäbudena heliwän 

heliwän tschiktschikän -^ 



^ beim Niederkommen vom Sprung sollen die Füsse geschlossen sein. 
- nach dem Sprung soll auf einem Bein gehüpft werden, farkah ist eigent- 
lich: hinken. ^ in Aleppo von Kindern und Erwachseneu nicht verstanden 
und nur als sonderbare Worte gesprochen. 



— 1S4 — 

tschiktschikcän die Kuh. 

eine Kuh und ihre Beine, 
ein roter Faden ist zwischen ihren Beinen, 

unter dem Hügel auf dem Hügel, 
nimm auf deine Kleider, werde nicht steif! ^ 

Das erste Mal machten wir es über den Fes,'^ 
u. s. w. 



Bei der Heirat. 

1. Nach Abschluss der Verlobung. 

Wenn die Vertreter der Familie des Bräutigams im Hause 
der Braut den Heiratskontrakt abgeschlossen haben, treten in 
Merg *Ajün zwei von ihnen auf und singen in langgezogenen 
Tönen (ohne Wechselgesang) eine Tarwlde.^ 

In Merg 'Ajiin. Mitgeteilt vom Bauern Sa'd in Balät. 

l'reis sei Gott! 

Ja mä sabarna udukna sabr 'ala imfisria 
ulham^d Ulla 'alit gabr ilchauätir. 

ja sitt mit ba-rultär 

la'ejün il'arls cJiass nass. 

wie lang haben wir gewartet und gekostet Bitteres (das kam) 

über unsere Seelen, 
und Preis sei Gott für die Heilung der Gemüter! 

sechshundertfachen Lärm * 

für die Augen des Bräutigams ganz besonders und speziell! 



^ d. h. verstauche dich nicht beim Sprin<^'en ! - der Fes wird auf den 
Kücken des Knaben gelegt, über den mau springt. ^ s. Vorwort und 

Melodie 9. * die Bedeutung von bärubär war in Merg 'AjOn unbekannt. 
Aber es hängt doch wohl mit barbar „lärmen" zusammen und bezieht sich 
auf die Schüsse, welche zu Ehren des Bräutigams zahllos abgefeuert werden 
sollen. — Dieser Schluss wird rasch gesprochen, nicht gesungen. 



— 185 — 

Bei der Begrüssuiig der von der Verlobung heimkehrenden 
Familienglieder. 

In Merg 'Ajün. Mitgeteilt von Habib Subhijje aus Balät. 

Willkommen! 

Ahla usahla uscharraftu matärihna 

wachdarrat irard min dös ila dös. 

ä-ä-ä. 

Seid willkommen, ihr ehrtet unsre Orte, 

mid es grünte die Erde von Tritt auf Tritt, 
a - a - a ! ^ 



2. Beim Ankleiden der Braut. 

Im Hause ihrer Eltern wird die Braut von weiblichen 
Familienangehörigen des Bräutigams in die von ihm gesandten 
Gewänder gekleidet, nachdem sie vorher gebadet wurde. Dabei 
singen die Frauen Zalärltverse.^ Ist die Ankleidung beendet, so 
treten Mädchen auf und singen Geläwijje.^ Daran schliesst sich 
der Präsentiertanz der Braut (s. unter „Zu Tanz und Reigen"). 
Der Tag der Ankleidung (talblse) ist bei Christen der vorletzte, 
bei Moslems der letzte Tag der Hochzeit. Feierlichkeiten mit 
Tanz und Musik haben in den Häusern der Braut wie des Bräu- 
tigams schon vorher mehrere Tage hindurch stattgefunden. Die 
Heimführung der Braut ist nicht der Beginn der Hochzeit, son- 
dern ihr Schluss. 

In Merg 'Ajün. Mitgeteilt von Bauersfrauen in Balät. 
1. Du willst uns (Zalrüta). 

Awiha — ja 'arüs ridnäki uridtina 

äwiha — mä marr jöman tküli mä tridina 

äwlha — tridi bjütan lana tridi 'alälina 
tridi samn me'attak fi chauäblna. 
lululululesch. 



* langgezogener Ton, an dessen Schluss Schüsse abgegeben werden. 
- S.Vorwort und Melodie 1^. * s. Vorwort. 



— I S6 — 

Awiha, o Braut, wir wollten dich und du wolltest uns, 

äwilia, kein Tag verstrich, an dem du gesagt hättest, du willst 

uns nicht, 
äwlha, willst du unsre Häuser, willst du unsre Söller, 
willst du die alte Butter^ in unsern Krügen? 
lululululesch ! 

2. Ich bin die Fremde (Gelwe).- 

Ana-lraribe schiddu mchaddäti 
ana-lraribe mä wadda't rifkäti 

ana-lraribe mä wadda't le\mimi 

min ba'd'''na zra^u wardan warihänan. 

Ich bin die Fremde,^ macht bereit meine Kissen,* 

ich bin die Fremde, ich habe nicht Abschied genommen von 

meinen Genossinnen, 
ich bin die Fremde, ich habe nicht Abschied genommen von 

meiner Mutter, 
hinter uns her pflanzet Rosen und Myrten.^ 



3. Beim Ankleiden des Bräutigams. 

Zu gleicher Zeit wie die Braut wird der Bräutigam im Hause 
seiner Eltern gebadet und angekleidet in Gegenwart seiner Freunde. 
Die Frauen seiner Verwandtschaft singen. 

In Merg 'Ajün. Mitgeteilt von einer Frau iu Balät. 
Gottes Name über ihn! 

Awiha — 'aris^na sammu 'aleh 

äwlha — gibu-lward rischsclni ^aleh 

äwlha — zaijinu cliasru bissikklne 
tajigi abüh jichla' 'aleh. 
lululululesch. 



• nur gute Kocbbutter hält sich lang. Gemeint ist wohl alles edle 
Gut des Hauses. - s. Seite 185. ^ die Braut, obwohl noch im Hause 

ihrer Eltern, wird betrachtet wie den Ihrigen fremd. * auf dem Pferde 
für die- Abreise. ° ihr könnt euch nun vergnügen, da ich fort bin. 



— 187 — 

Awllia, unser Bräutigam, nennt Gottes Namen über ihn,^ 
äwiha, bringt das Rosenwasser und sprengt über ihn, 

äwlha, schmückt seine Hüfte mit dem 3Iesser, 
dass sein Yater komme und ihn beschenke. 

• hiluhilulesch ! 



4. Bei der Abholung der Braut. 

Famihengheder und Frevmde des Bräutigams begeben sich 
nach dem Hause der Braut. Nachdem sie ihnen übergeben 
worden ist, setzen sie sie bei ländhelien und beduinischen Hoch- 
zeiten auf ein Pferd oder Kamel , um sie nach dem Hause des 
Bräutigams zu geleiten. 

a) In Merg 'Ajün. Mitgeteilt von einer Bauersfrau in Balät. 
An den Vater der Braut (Frauengesang). '*^ 

Awlha — baij il'arüs alla ja'tik 

äwlha — ret sa'äde tegik 
äwiha — ugauwiz iFa'zabijje 

unigi kulPna nehannik. 
lululululesch. 

Awiha, Vater der Braut, Gott lohne es dir, 
äwiha, möchte doch Glück dir kommen, 

äwiha, dass du verheiratest die Ledige,^ 

und wir alle kommen dich zu beglückwünschen, 
lululululesch. 

lil Im 'Agiun. Mitgeteilt von einem Bauern in Hauära. 
An die Braut (Männergesang). 

Rauwahi ja moliha 

nhüf irischdäd 
wiggadäil grunful 

wilhäschi zabäd. 



^ d. h. sagt bismilla „im Namen Gottes" über ihn zur Abwehrung 
des bösen Blicks. * von weiblichen Verwandten des Bräutigams gesungen. 
' die noch unverheiratete Schwester der Braut. 



188 



Gelie, Treffliche, 

wir rüsten den Kamelsattel, 
und die Flechten (duften von) Gewürznelken 

und das glatte Haar (von) Zibet.^ 



5. Beim Brautzuge. 

Unter Gewehrschüssen und Gesang bewegt sich der Brautzug 
bei Christen erst zur Kirche, dann zum Hause des Bräutigams. 
Bei Moslems ist der Brautzug indes zuweilen nur Sache der 
Frauen und geht dann stiller vor sich. 

a) Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Zmikua in Jerusalem. 
Schreite rasch, o Stute! 

Siri ja mhert ilfelläh 

ja muhra mhammali teffäh 
siri ja mhert eggindi 

ja muhra mhammali wardi. 

Schreite rasch, o junge Stute des Bauern, 

o Stute, beladen mit Äpfeln ! ^ 
Schreite rasch, o junge Stute des Soldaten, 

o Stute, beladen mit Hosen! 

b) In der Belka. Mitgeteilt von einem Bauei-uburschen in Mädaba. 
(Beduiiiisch). 

1. Die Schlaclitenjungfrau.^ 

Gemal hamdi ja "^ammi 

wa'endu monga' eddammi 
gemal hamdi ja dähi 

u'andu dasrü" crremähi. 



^ aus gestosseuen Gewürznelken und Zibet mit Kochbutter wird die 
Pomade der Braut gemacht. - die Farbe der Wangen wird gern mit 

Äpfeln verglichen. ^ das Lied ist nicht ursprünglich Hochzeitslied, sondern 
Kriegslied. 



— 189 — 

Das Kamel Hamdi's,^ o mein Onkel, 
bei ihm ist Lache des Bluts! 

Das Kamel Hamdi's, o Trefflicher, 
hei ihm ist Stossen der Speere. 



2. H a m d a n s R o s s. 

Ja \v<ädi min wara wädi 

minhii chaijäl egguwädi 
hamdän chaijäl egguwädi. 

ja zheri min wara zheri 

minhu chaijäl il"mheri 
hamdän chaijäl il"mheri. 

ja nbaije min wara nbaije 
jninliu chaijäl erabaije 
hamdän chaijäl eFabaije. 

Thal hinter Thal, 

wer ist der Reiter des Renners? 
Hamdän ist der Reiter des Renners. 

Bergrücken hinter Bergrücken, 

wer ist der Reiter der jungen Stute? 
Hamdän ist der Reiter der Stute. 

Höhe hinter Höhe, 

wer ist der Reiter des 'Abaijepferds ? ^ 
Hamdän ist der Reiter des 'Abaijepferds. 



* es ist gedacht au das mit besonderer Satteluug ('otfa) versehene 
Kamel, auf welchem eiu Mädchen als 'ammärijje, von Kriegern umgeben, 
in den Kampf zieht. Gelingt es dem Feinde, diesem Kamel die Füsse ab- 
zuhauen, so hat der Stamm für immer die Ehre verloren, eine 'ammärijje in 
den Krieg führen zu dürfen. - 'Abaije ist Name einer der fünf Familien, 
von welchen die Araber alle edlen Pferde ableiten. 



19ü 



6. Bei der Ankunft der Braut am Hause des Bräutigams. 
A. Männergesänge. 

a) In der Belka. :\Iitgeteilt vou Farah Täbri in Essalt als Matlüa' elkarräde-^ 

Wir brachten die Braut. 

Refrain. 

Gibna-Farüs ugina 
jabu-raris läkina. 

Lied. 

Gibna-Farüs bihargi 

udurna filbalad furgi 
utanakkahia darage darage 

ulebet el'aris lafena. 

erarüs nalina gibnäha 

ufilbalad farragnäha 
ulirarls sallamnäha 

mä 'ad ja'tab 'alena. 

ja cliilli kabl elrrüb 

challlna nesir besur'a 
wararüs sukkar bitdül) 

alla jahrus hattara. 

'agibinha schufna maktüb 

birälam ahsan bad'a 
bmanzarha juschfa-lmakrüb 

scham^s wadauat 'alena. 

da'na nekül bjüt gdäd 

uta'äl ninschid lirarüs 
hl helwe wibnat aguäd 

mä 'um"rha bitscliüf nehüs. 
ja sähbi imläli-lkäs 

wachamr essäfi iskina. 



1 s. das Vorwoi-t. 



— 191 — 

Refrain. 

Wir brachten die Braut und kamen, 
o Yater des Bräutigams, wir gingen entgegen. 

Lied. 

Wir brachten die Braut mit Lärmen. 

und zogen im Orte umher zur Schau 
und gingen einher Schritt vor Schritt, 

und zum Hause des Bräutigams gelangten wir. 

Die Braut haben wir gebracht, 

und im Ort haben wir ihr (alles) gezeigt, 

und dem Bräutigam haben wir sie übergeben, 
forthin wird er uns keine Vorwürfe machen, 

O mein Freund, vor Sonnenuntergang 

lass uns eilen geschwind, 
die Braut ist ja Zucker, sie schmilzt, 

Gott möge behüten diesen schlanken Wuchs ! 

Auf ihrer Stirn sahen wir geschrieben: 

in der Welt die beste Schöpfung, 
bei ihrem Anblick wird der Elende heil, 

eine Sonne (ist sie) und sie hat uns beschienen. 

Lass uns dichten neue Yerse 

und komm, lass uns vortragen der Braut! 
sie ist lieblich und Tochter von Edlen, 

ihr Lebenlang sieht sie kein LTnglück. 
mein Freund, fülle mir den Becher, 

und den klaren W^ein gieb uns zu trinken ! 

b) In Merg 'Ajun. Mitgeteilt vom Bauern Sa d in Balät. 
Wir brachten dich. 

Gibnäki ugina ja challle 
gibnäki 'ala-ddrüb ettawile 

gibnäha uhattena tamanha 

^ila rkäb il'öda wilmubredlna. 



— 192 — 

Wir brachten dich und kamen, o Liebling, 
wir brachten dich auf den langen Wegen ! 

Wir brachten sie und zahlten ihren Preis ^ 
zu Trotz den Feinden und den Hassenden. 

b) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Bediüiieu Hmed. 
An die Mutter des Bräutigams. 

Ja ümm iFaris halhili unämi 
gattschi 'arüs kabedr inne'ämi 

gibnäha min edschschible uglna 
alzagna 'ala gussitha 'agina. 

Mutter des Bräutigams, juble und schlafe,^ 
zu dir kommt eine Braut wie Bedr von Ne'äm.^ 

Wir brachten sie vom Süden und sind gekommen, 
geklebt haben wir Teig auf ihr Stirnhaar.* 

B. Frauengesänge. 

In Merg 'Ajun. Mitgeteilt von Bauersfrauen in Balät. 
1. Bringet die Braut! 

Awiha — wisch hararüs illi räihin jegibüha 
äwiha — taht kal'at halab kä'idin jehannüha 

äwiha — hätu schnäbir wiglüha 

hädi bint amir il'arab 'albirg cliudüha. 
lululululesch. 

Awiha, wer ist diese Braut, welche bringen werden, die jetzt 

gehen, 
äwlha, die unter der Festung von Aleppo wohnen, wünschen 

ihr Glück, 
äwiha, gebt Schleiertücher und singt ihr Gelwe, 

das ist die Tochter des Beduinenfürsten — zur Burg bringt sie! 

lululululesch ! 

* den Brautpreis, durch den das Mädchen gewonnen wurde. - sie 

bekommt an der Schwiegertochter eine Gehilfin, sodass sie fortab ruhen 
kann. * eine sagenhafte Schönheit. * die Braut erhält in manchen 

Gegenden Palästinas vor dem Eintritt in das Haus etwas Teig, wovon sie 
erst an ihre Stirn, dann an die Oberschwelle der Hausthür klebt. Hmed 
kannte diese Sitte nicht. Das Lied wird also nicht bei Aleppo entstanden sein. 



— 193 — 

2. AVillkommen! 

Awiha — ahlan wesahlan birarüs illafatna 

äwiha — ja sitt hanna kunti ba'lde wasirti nahibitna 
watabaschschavat fikdümik kull 'äilitna. 
luhilululesch. 

Awiha, willkommen der Braut, die zu uns kam, 

äwlha, o Frau^Hanna, du warst fern und wurdest unsre Beute, 
und frohe Botschaft erhielt durch dein Kommen unsre ganze Familie. 

luhilululesch ! 



7. Beim Zuge des Bräutigams. 

Bei den Moslems verlässt der Bräutigam sein Haus am x^bend 
der Heimführung der Braut und kehrt erst mitten in der Nacht 
in festlichem Zuge dahin zurück. Die Christen veranstalten 
feierliche Züge der Braut und des Bräutigams (beide gesondert) 
zur Kirche, von avo sie sich dann gemeinsam ins Haus des Bräu- 
tigams begeben. Ohne kriegerisches Gepränge sind diese Züge 
nicht zu denken. In Aleppo ziehen zuweilen an hundert Krieger 
mit Schwert und Schild, einige auch mit Helm und Harnisch, dem 
Bräutigam voran. 

a) In Merg 'Ajün. Mitgeteilt vom Baueru Sa'cl iu Balät. 

„Hadi" ^ der Männer. 

1. Bräutigam und Braut. 

'Arlsna dau ilkamar 

wäschschams haddu wäkifi 
'arüsetu nur essabäh 

bilhösn kälu näjefi. 

Unser Bräutigam ist das Licht des Mondes, 

wenn die Sonne neben ihm steht, 
seine Braut ist das Licht den Morgens, 

in Schönheit, sagten sie, übertrifft sie (alle). 



^ s. das Vorwort, auch S. 144, und Melodie 10. 
Dalman, Volksleben. 13 



194 



2. Rüstung- für den Kriegszug. 

Ja 'abed wallif alfaras 
ikrib uschidd ^lizäm^ha 

jilbak lelia birscham daliab 
tob illiarir glälha. 

Ja säjir siili schelfeti 

bilkir teschüf fe'äPha 
bitar bajetir mulireti 

'almidd käsii ne'^älha. 

O Sklave, maclie die Stute bereit, 

schnüre und zieh fest ihren Gurt, 
es passt für sie goldnes Gehänge, 

das seidne Kleid ist ihr Saumsattel. 

O Goldschmied, schmiede mir mein Lanzenmesser. 

morgen siehst du seine Thaten! 
Hufschmied, beschlage meine junge Stute, 

nach dem Midd ^ bemassen sie seine Hufen. 



Andere AYechselgesänge. 

a) In Merg 'Ajün. Mitgeteilt von einem jungen Mann in (Tededi. 

1. Der Waffenschmuck. 

Jähläli släh eschschabb 
gift ubalta usikkini. 

Wie sehr gefallen mir die Waffen des jmigen Manns, 
Doppelflinte und Streitaxt und Messer! 

2. Es lebe der Sultan! 

Sultänna ^abdu-lhamId 
finnasr alla aijedu. 

Unser Herrscher ist 'Abdu-lhamid 
im Siege, o Gott, stärke ihn! 



^ der Midd ist ein grosses Getreidemass. So grosse Hufeisen sind nötig. 



— 195 — 

b) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Becluiueu Hmed. 
Tritt, Tritt! 

Dös dös 

menliu chätirtschira 
eFarls chätirtschim 

'ala saua dös dös. 
geee. 

Tritt! Tritt! 

Wer ist in eurem Sinn? 
Der Bräutigam ist in eurem Sinn. 

Zusammen: ^ Tritt, Tritt! 
geee! 

c) In Aleppo. Mitgeteilt vou eiuem Vorsänger bei den mitternächtlic-hen 

Hochzeitszügen.^ 

1. Die Benedeiung des Propheten. 

Ssala "^ala-nnabi uwaläli 

liatta jirfar alla Iah 
rafFär iddenüb alhi 

mhammad ja rasül alla. 

mhammad zen dikru zen 

mhammad gurrat iFenen 
mhammad ehätahu rabbu 

känu tuen säru tuen. 

Die Benedeiung gelte dem Propheten und seinen Verwandten, 

auf dass Gott ihm ^ verzeihe ! 
Yerzeiher der Sünden ist Gott, 

Muhammed ist Gesandter Gottes! 



' Hmed sagte: alla sä war. In Aleppo, avo dieser Ruf auf Hochzeiten 
häufig zu hören war, sagte man: alla sau wa, alaj saua, oder: allasewer, 
war aber über die Bedeutung ganz im Unklaren. Die im Text gegebene 
Lesart und Deutung ist wohl die ursprüngliche. Dann bezieht es sich auf 
den Tritt der im Zuge Marschierenden oder auf Schüsse, die sie abgeben 
sollen. ^ die Lieder werden, wenn nichts Anderes bemerkt ist, von Vor- 

sänger und Chor im Wechselgesang gesungen. ' dem Bräutigam. 

13* 



— 196 — 

Muhammed ist schön, sein Andenken ist schön, 
Muhammed ist Erqiiicknng der Augen, '^ 

Muhammed, zu dem sein Gott redete, 
sie waren zwei, sie wurden zwei.^ 



2. Der Junggeselle. 

Walla-lVzab ja dillu 
mälu hada jirsillu 

säbüntu fi kimmu 
udäir "^ala-gglräni. 

künt a'^zab däir mabsüt 

galli 'agli idgauwaz 
wachzi 'ank ischschetäni. 

sär rasibe achadna-zzen 
b^elf m*^atteg dlnäri 

btugtul ibni ubitgullu 
abük irarsa-lgernäni. 

ja ""escht ilmegauwiz 
bigarris ubibauwis 

'alfirsch willihfäni 
ja 'escht irr)zbäni 

söda kama-lguträni. 

Bei Gott, der Junggeselle — wie elend! 

er hat niemand, der für ihn wäscht, 
seine Seife ist in seinem Ärmel, ^ 

und er geht umher zu den Nachbarn. 

Ich war Junggesell, ging umlier zufrieden, 

da sagte mein Verstand: verheirate dich, 
und mache an dir zu Schanden den Satan! 



^ d. h. unser Liebling. ^ wohl bei der uächtlichen Himmelfahrt des 

Muhammed. Dieser war erst mit Michael, dann mit Gott allein. * er 

träoft verstohlen die Seife zur Waschfrau. 



— 197 — 

Es geschah ein Unglück, wir nahmen die Schöne 

für tausend alte Denare^ 
Sie schlägt meinen Sohn und sagt zu ihm: 

Dein Vater,^ der Kuppler, der Hahnrei. 

das Leben des Verheirateten, 

er kneift und küsst ab 
auf Polstern und Decken! 

O das Leben des Junggesellen, 
schwarz wie der Theer ! 



3. Warnung an das Beduinenmädchen. 

Ja bint schech il'arab 

lä titla'i 'aggebal 
lä jächdik rä'i 

gassäs süf eggamal 
darräb muglä^i. 

Tochter des Beduinenhäuptlings, 
steige nicht auf den Berg! 

sonst nimmt dich ein Hirte, 

der die Wolle von Kamelen schert, 

der mit der Schleuder wirft. ^ 

4. Kampf um die versagte Greliebte. 

(Beduiuisch). 

Ja dhäm wuslat hadd^ha — öö 
u'ummi 'agüz umä tgib — öö 

la'jün mezjünt ifandkum — öö 
lama'^-lmegidi chaddha — öö. 

rabbetkum wintu zrär — öö 

la'isch 'bdärkum — öö 
urab'i darrlbt ennär — öö 

eljöm däsu-lVdäkum — öö. 



^ Goldclenare im Wert von 90 — 96 Piaster. - zu ergänzen : verflucht 
sei er! ^ die Schleuder ist noch immer ein wichtiger Ausrüstuugsgegenstand 
des Hirten, besondei's um abirrende Schafe zurückzubringen. 



— 198 — 

ja räkib ilhamia-lhagin ■ — öö 

tikbar wann chaijälha — 55 
lau tschüfni ubschilfati — öö 

tahsur *ala melätha — öö. 

Dhäm,^ es hat mm ein Ende clamit,^ oh!^ 
mid meine Mutter ist alt und gebiert nicht,* oh! 

Für die Augen der Prächtigen,^ die bei euch ist, oh! 
(wie) der Glanz des Megidi ist ihre Wange, oh! 

Ich zog euch auf, als ihr klein wart,*" oh! 

damit ich leben möge in eurem Jlaus, oh! 
und meine Gesellschaft versteht Feuer zu schlagen,'' oh! 

heut demütigten sie eure Feinde, oh ! 

O der du reitest auf dem Braunen, dem Reitkamel, oh ! 

möge es gross sein und ich sein Reiter, oh! 
wenn du mich sähest mit meinem Lanzenmesser, oh ! 

drücktest du dich nach seinen Seiten,** oh! 

5. Die Braunen und die Weissen." 

Refrain. 

Sma'u gölen m'anna 
'assumr wilbid ranna. 

Lied. 
Essumra. 

'Audi mnessumrän tläti 

bjiswu mnilchaznät tläti 
albidän schwoijet nhäti 

'aggabäni zitthum "^anna. 



* Dham ist der Häuptling eines Stammes der Muäli, welcher ein Mäd- 
chen seines Stammes ihrem Verlobten voi^enthält. - mit der zwischen 
beiden schwebenden Sache. * der bei diesem Liede vom Chor zu singende 
Refrain. * wohl sprichwörtlich für: nichts Neues ist mehr zu erwarten. 
* um die Geliebte will er nun kämpfen. ^ er hat dem Stamm der Ge- 
liebten stets Freundschaft erwiesen in Hoftnung auf die Gewimmug des 
Mädchens. ' auf dem Gewehr mit Steinschloss. — Seine Genossen sind 
wertvolle Freunde. * um seinen Hieben auszuweichen. ^ der Chor 
wiederholt nur den Refrain nach jedem Verse. 



— 199 — 

Elbeda. 

'Andi mnilbedäii sitti 

ubjiswu mnilchaznät sitti 

siimränak süf me'ötti 

'almezäbil kibbhum 'anna. 

erabjad rabat maiigüschi 
jiswälii machzan grüschi 

sumränak kedischet gannüschi 
min targ elgamschi gerbanna. 

Essumra. 

irasniai- kibbe mischwijje 

ida hattüh bissenijje 
bid.änak seherget lebenijje 

je'aref 'aleh iddibbanna, 

hägi t^xijit hägi trauwisch 

mitl irasiiiar mä bithauwisch 

bidänäk figl 'nifauwiseh 

'ahnezäbil kübbhum 'aniia. 

Elbeda. 

IFabjad rizz 'blialib 

kullama barad aklu jtib 

sumränak 'armüsch izbib 
je'af'cf 'aleh eddibbauna. 

Essumra. 

Ja duiiju-ssamra tarräga 
meschvvitha filbet 'ajäga 

amma-lbeda serräga 

mnittäffa raff'at mengebia. 



In kunt gädi utugdi 
mä ben iFitnen turdi 

ig alli-ssumvän fai-di 
wig'alli-lbidän sunne. 



200 



Refrain. 

Hört zwei Reden M'amia,^ 

über die Braunen und die Weissen ein Lied!^ 

Lied. 
Die Braune. 

Bei mir sind von den Braunen drei, 

sie sind wert der Schätze drei: 
die Weissen sind ein wenig Abfall, 

auf den Friedhof wirf sie von uns ! 

Die Weisse. 

Bei mir sind der Weissen sechs, 

und sie sind wert der Schätze sechs; 

deine Braunen sind wurmfrässige Wolle, 
auf die Misthaufen wirf sie von uns! 

Der Weisse band um ein Tuch mit Figuren 
es kostet ihn ein Magazin von Piastern; 

deine Braunen sind der Gaul eines Zigeuners, 
vom Schlag der Peitsche räudig. 

Die Braune. 

Der Braune ist geröstete Kibbe,^ 
Avenn sie es auf das Blech * thun : 

deine Weissen sind ein Schluck Sauermilchbrei, 
auf dem die Fliegen schwirren. 

Genug schreist du, genug lärmst du, 

gleich dem Braunen sammelst du nichts; 

deine Weissen sind hohle Rettiche, 
auf die Misthaufen wirf sie von uns! 



^ über diese Dichtuiigsait s. das Vorwort. ^ die Mädchen dieser Farben, 
d. li. Dunkelf iirliige und Hellfarbige. * aus im Mörser zerstossenem Schaf- 
fleisch mit Graupe und Zwiebeln. ♦ hier wird die runde Metallscheibe ge- 
meint sein, auf welche die Speisen zum Essen gestellt werden. Sonst lieisst 
auch das Blech, auf welchem die Kibbe gebacken wird, sanijje. 



201 



Die Weisse. 
Der Weisse ist Reis mit Milch, 

wenn es kalt wurde, ist es gut zu essen; 
deine Braunen sind Stiele von Rosinen, 

es schwirren darauf die Fliegen. 

Die Braune. 
Bruder, die Braune weiss einlierzu treten, 

ihr Gang im Hause ist Geschicktheit; 
aber die Weisse Aveiss zu stehlen, 

von der Luke aus erreichte sie unsre Sichel. 



Wenn du Richter bist und richtest, 
zwischen beiden schaffe Zufriedenheit, 

mache mir die Braunen zum Gottesgebot, 

und mache mir die Weissen zum Religionsbrauch ! ^ 

6. Der Aufstand in Aleppo. 

Als Refrain dient der oben S. 198 mitgeteilte, da auch dies 
Lied zur Liedgattung m'^anna gehört. 

Auwal mä nibdä wingül 

ja saläti 'arrasül 
gäna-lchabar mnistambül 

jetlebu gur'a minna. 

nahna gur'a mä na^ti 

lau sär ischschamatli jitli 
il 'andu walad lä ja'iih 

kullna nahna mnitkanna. 

udrub tablak ja tabbäl 

lä tisma*^ ligll ugäl 
isjüfna mitl ilheläl 

tilma' brüs dischmanna. 

'addena 'aFimzauwag 

gälu mnigi mä mnit'auwag 
bäb il'ahmar kelb mtauwag 

fl häritna ja'auwi 'anna. 



^ d. h. bezeichne beide als ffleichwertiff. 



— 202 — 

'addena 'albaijäda 

chammanu gäji 'aräda 

tärlhura schwaijit "gräda 

mä minhum wähid gäwanna. 

'addena' 'alaggellüm 

gälu nehna mä mingüm 

sThu li'abii hallüm 

jitrud iddischmcän 'anna. 

'addena 'alkalläsi 

schabäb mitl almäsi 
wilbägi schwaijt iknäsi 

mä minhum wähid 'auaiina. 

'addena 'alilme'ädi 

kullha siibjän ubitnädi 

dabahna nuss ilVädi 
wiFagid inhezam miniia. 

lamma igäna lifzä'i 

schabäb mitl issbä'i 
hmmin sähu fi-Igla i 

kull wähed minna itkanna. 

ustaffu 'aschschech gäkiri 

wilfirsän bagat triri 
limmin sär gabb iddchiri 

min elgal'a bagat idchinna. 

inkasrat ilchel rähat gible 

kullna bgina bhable 
tärlhum bjiswu zible 

jen'al Ihähum tbahdahia. 

igetna schal'at 'asäkir 
itchabbena fi-lmanätir 

darabna-schschöra min bäkir 
'alalhazlmi ufollihanna. 



— 203 — 

Zuerst am Anfang sagen wir: 

meine Benedeiung des Gesandten! ^ 

Es kam zu uns Botschaft aus Stambul, 
man fordert Aushebung'^ von uns. 

Wir geben keine Aushebung, 

wenn sich auch Lärm erhöbe,^ 
wer einen Sohn hat, giebt ihn nicht, 

wir alle geben uns Beinamen."^ 

Schlag deine Trommel, o Trommler, 

höre nicht auf Rede und AVort, 
unsre Schwerter wie der Halbmond 

glänzen über den Häuptern unsrer Fenide. 

Wir zogen nach dem Mzauwak,^ 

sie sagten: „wir kommen, wir zögern niclit," 
das „Rote Thor"' ist ein Hund mit Halsband, 

der in unserm Quartier uns anbellt. 

Wir zogen nach der Baijäcla,'' 

sie glaubten, es käme ein Schauzug,'' 

in Wahrheit sind sie ein wenig Abfall, 
keiner von ihnen kann uns anschreien. 

AVir zogen zum Gellüm,'^ 

sie sagten: „Wir wollen nicht anfstehn, 
ruft den Abu Hallüm," 

er wird die Feinde von uns vertreiben." 



^ Muhammecl. ' eigentl. Auslosung. ^ schamatli jitli halb- 

türkische Redensart. * il. h. jeder nennt sich mit .seinem Beinamen — als 
Kriegsruf. Das entspricht sicherlich der 'aza der Beduinen, wobei mau 
durch Nennung des Nameus , unter dem mau bekannt ist , den Gegner 
schrecken, sich selbst ermutigen will. S. Sociu, Diwan aus Centralarabien I 68 
und Wetzstein, ZDMG XXII 98. ^ Quartiere im Südosten von Aleppo. Der 
Zug der Aufständischen geht von Stadtteil zu Stadtteil, um zur Teilnahme 
aufzufordern. Die Bewohner derselben verhalten sich verschieden, wie in 
diesem und den folgenden Versen geschildert wird. " Stadtteil östlich von 
der Festung. '' wie zur Beschneidungsfeier. * Stadtteil im Südwesten. 
•' vielleicht der Anführer der jungen Leute des Quartiers oder sonst ein 
tapferer Mann. 



— 204 — 

Wir zogen nach der Kaläsi,^ 

junge Männer wie der Diamant, 
der Rest ein wenig Kehricht, 

keiner von ihnen half uns. 

AVir zogen zu der Me'jldi,^ 

sie alle sind junge Burschen und sie 
werden zusammengerufen, 
wir tüteten die Hälfte der Feinde, 

und der Anführer floh vor uns. 

Als die Helfer'^ zu uns kamen, 

junge Männer Avie die Löwen, 
als sie den Ruf „Aufbruch"* erhohen, 

gab jeder von uns sich einen Beinamen.^ 

Sie stellten sich in Linie bei Scliech Gäklra, 
und die Reiter fingen an zu gallopieren; 

als der Schlag der Zündpfanne erfolgte, 
entstand von der Festung Rauch. '^ 

Geschlagen wurden die Reiter,*^ gingen südwärts, 

wir alle wurden verwirrt, 
in Wirklichkeit sind sie Mist wert, 

verflucht seien ihre Barte ! wir wurden beschimpft. 

Es kam zu uns ein Trupp Soldaten, 

wir verbargen uns in den Wächterhütten, ^ 

wir macliten am Morgen den Plan 
zu entfliehen, und es gelang uns. 



* im Nordwesten von Aleppo. - im Osten (V). * Beduinen. * Boten 
des Häuptlings bieten mit dem Rufe: „Aufbruch!" den Stamm zum Kampfe 
au£ ^ s. S. 203 Anm. 4. •* östlich. ^ von der Festung aus schössen die 
Truppen der Regierung — wohl mit Kanonen. ^ die zu Hilfe gekommenen 
Beduinen. » vor der Stadt in den Gärten. 



— 20 ö — 

7. Ein Lebehoch!^ 
Ja ahl ilhamijje — höö 

wa'azäim alla elgauwijje — höö 
liman harräje-lbeda-lmibnijje — höö 

winkän harräje räjet fulän — liöö 
baijad alla waghii — höö. 

Leute des wohlbewachten Quartiers. — hoo ! ^ 

(denen beistehe) die Festigkeit Gottes die starke, — hoo ! 

wessen ist dies weisse Banner das festgebante? — hoo! 
Wenn es das Banner des N. IS^.^ ist, — hoo! 

mache weiss, o Gott, sein Gesicht!* — hoo! 

8. An die Schöne. 
Ja mliha rälbini 

in ralabtini chodini 
w^in ralabtik lachdinnik 

win ralabtini chodini 
'am'^lmi tög iiiclda 

bisderik lölhini 
'am^llni rumbäz kwaijis 

u'ala gismik ilbesini 
u'amlini halag dahab 

fi udneki 'alglni. 

O Schöne, mache einen Wettstreit mit mir! 

wenn du mich besiegst, nimm mich. 
wenn ich dich besiege, nehme ich dich ! 

Wenn du mich besiegst, nimm mich, 
mache mich zu einer silbernen Halskette, 

auf deiner Brust schüttle mich, 



1 von den Arabern räje genannt. Dies ist eigentlich das einem Häupt- 
ling vorangetragene Banner. Mau braucht aber räje beda, räj e so da , weisses 
Banner", , schwarzes Banner" für den guten oder den schlechten Ruf jemandes. 
Jemandem „eine weisse Fahne machen" heisst „ihm ein Lebehoch ausbringen". 
Auf Hochzeitszügeu geschieht dies in Aleppo, wenn man am Hause eines 
reichen Mannes oder einer Militärwache vorbeikommt. * der Gesang des 
Vorsängers wird von den für den Zug gemieteten Waffenträgern mit laug- 
gedehntem hoo! erwidert, wobei sie mit den Schwertern an die Schilde 
schlagen. Nach Wetzstein, ZDMG XXII 111, wäre es eigentlich hüh und 
stände für: hä nahen hädirin „da sind wir!" ' hier wird der Name des 
Hausbesitzers, bez. des Sultans genannt. * d. h. gieb ihm Ansehen und Ruhm! 



— 206 — 

mache mich zu einem hübschen Kleide, 

und auf deinen Leib lege mich an, 
und mache mich zu einem o-oldnen Ohrring', 

an deine Ohren hänge mich! 

9. An die S c h av i e g e r t o c h t e r. 
Ja ntls isma'u-lfenni 

'alhamäi wilkenni 
ja kinnti ja mart ibni 

mä fiki schl ja'gibni 
rer cht<ätik wilhamra 

wilsänik haljirlibni. 

O Leute, hört den Abschnitt 

über die Schwiegermutter und die Schwiegertochter! 
meine Schwiegertochter, o Frau meines Sohns, 

nichts giebt es an dir, was mir gefällt, 
ausser deiner Augenbrauenschwärze und dem Iloten ^ 

und deiner Zunge, die mich besiegt. 

10. An den jungen Mann. 
Kuli mä 'addet mliha 

wdrr ja schech eschschabäb 
kull mä 'addet 'agüzi 
dugg rasa bilgubgäb. 

So oft eine Schöne vorübergeht, 

gieb.^ o Schech der jungen Männer! 

So oft eine Alte vorübergeht, 

klopfe auf ihren Kopf mit dem Holzpantoffel! 

8. Im Hochzeitshause. 

Die Brauteltern sowohl als die Bräutigamseltern veranstalten 
mehrere Tage lang vor der Heimführung in ihren Häusern Fest- 
lichkeiten. Bei der Braut sammeln sich die weiblichen Gäste, 
beim Bräutigam die Männer. Diese Festlichkeiten mit Gesang 
und Tanz bilden die eigentliche „Hochzeit", welche meist in der 
Nacht der Heimführung der Braut im Hause des Bräutigams ab- 
geschlossen Avird. 

' die Schminke. - ein Geschenlc. 



" 207 — 

A. Gesänge der Männer. 
Auf den Bräutigam. 

In Aleppo. Mitgeteilt vom Dichter, Hablb Subhijje in Aleppo. 
Segenswunsch ('Atäba). 

Tule" remin gedid ktir wabrak 
'alcimak ja wallfi-ljöm schärek 

ujä 'arls ret 'irsak mbärak 

itammini faralitak rabb issamäba. 

Aufzogen viele neue Wolken und Blitz, 

warum , o mein Teurer, gehst du heut auf? ^ 

() Bräutigam, sei deine Hochzeit gesegnet, 

vollkommen mache deine Freude der Herr des Himmels! 

Auf die Männer des Bräutigams. ^ 

In Alerg 'Ajün. Mitgeteilt vom Bauern Sa'd in Balät. 

J . Wi r j u n g e n M ä n n e r (Tarwide) . 

Nahna schabäb umerg 'ajün marbäna 
käsin schiribna sakena-ssamm le'^adäna. 
ja sitt mit bärubär 

la'^ajün iFarls cliass nass. 

^^'ir sind junge Männer, und Merg 'Ajün ist unsre Heimat, 
der ;Becher, den wir tranken — wir gaben das Gift unsern 

Feinden. 
sechshundertfachen Lärm 

für die Augen des Bräutigams besonders und speziell! 

2. Der Schildträger (Tarwide). 

Ja hämil ettirs umrachchi schräribu 
mä jehniil ettirs illa kull sandid. 
ja sitt mit ilcli. 

du, der den Schild trägt und herabhängen lässt seine Quasten,^ 
keiner trägt den Schild, ausgenommen jeder Held. 
O sechshundertfachen Lärm u. s. w. 



' wie eine Sonne. - s. Vorwort und Melodie 9. '' vom Fes. 



— 208 — 

Auf den Vater des Bräutigams. 

a) In der Belka. Mitgeteilt von eiuem Beduinen bei "Amman. 

Feiere in Ruhe! 

Irbut hsänak bilgasal ja schätir 

ja rabbi tegbur 'ögeb kasr elchätir. 

Binde dein Pferd in die Stoppebi,^ o Geschickter! 
mein Herr, heile wieder den Bruch des Gemüts ! ^ 



b) In Merg 'Ajün. Mitgeteilt vom Bauern Sa'd in Balät. 

1. Gott vergelte dir! (Tarwide). 

Jichlif ^alek jalli künt 'äzimna 
jiktir lacherak g'alak dom farhän — jöö. 
ja sitt mit bärubär ilch. 

Er (Gott) vergelte dir, der du uns geladen hast, 

er mache viel dein Gut, mache dich stets fröhlich! Joo! 
sechshundertfachen Lärm u. s, w. 

2. Er lebe hoch! (Schöbäsch).^ 

Eddär lesat lana 

eddär lilli banäha 
eddär le'abu sa'^d 

illi bisefu hamäha. 
höö. 

Das Haus gehört nicht uns, 

das Haus gehört dem, der es gebaut hat, 
das Haus gehört dem Yater von Sa'd, 

der es mit seinem Schwert verteidigt hat! 
Hoo! 



^ weil jetzt Friede ist. - die Hochzeit, der das Verschen galt, folgte 
unmittelbar auf einen Todesfall in der Familie. * ein solcher Gesang kann 
jeder zu ehrenden Person gewidmet werden. Die Männer treten dazu zu- 
sammen, einer singt den Vers, alle anderen rufen am Schlüsse „hoo!" 



— 209 — 

An die Gäste. 

In Aleppo. Mitgeteilt vom Dichter, Hablb Subhijje in Aleppo. 

Willkomme ngruss ('Atäba). 

Hala bhalbet wilkä'id bihalbet 

schabäb mzaijena-lmak'ad bihalbet 

ja rabbi tdüm halfarha bihalbet 
idüm lilkull mä tinsa hadäba. 

"Willkommen in diesem Haus und wer sitzt in diesem Haus, 
junge Männer, die das Empfangszimmer schmücken in diesem 

Haus! 

Gott, lass dauern die Freude in diesem Haus, 
sie daure allen, vergiss nicht einen ! 



B. Jubeltriller der Frauen (Zalarit).^ 

In Merg 'Ajün. Mitgeteilt von einer Bauersfrau in Balat. 

Auf den Bräutigam, 

Gottes Name über dir! 

Awiha — wa'ism alla 'alek 
äwlha — wa'en alla 'alek 

äwiha — wa'en elhäsde barra 
walä ta'bur 'alek. 
lululululesch. 

Awiha, und der Name Gottes sei über dir, 
äwiha, und Gottes Auge sei über dir, 

äwiha, und das neidische Auge sei draussen 
und komme nicht herein über dich ! 
lululululesch ! 



^ S.Vorwort uud Melodie 18. 
Dal man, Volksleben. 14 



— 210 — 

Auf die Männer des Bräutigams. 

In Merg 'Ajun. Mitgeteilt von Bauersfrauen in Balät. 
]. Der Bräutigam und sein Gefolge. 

Äwiha — schabäb iFarls ja mijje usittmi 
äwllia — jalli tdüsu 'ala busut salätlni 

äwlha — nizil irarls uberüt tä'atlu 
mitl mä jetä'et traija lalmejäzini. 
lululululesch. 

Awiha, ihr Männer des Bräutigams, ihr hundert und sechzig, 
äwlha, ihr, die ihr tretet auf Teppiclie von Sultanen, 

äwiha, hinabging der Bräutigam, und Berüt gehorchte ihm, 
wie das Siebengestirn gehorcht dem Orion, 
lululululesch ! 

2. Das hochzeitliche Kleid, 

Awiha — schabäb il'aris ja mijje 'ala mijje 

äwiha — timschu benämüs mä timschu bherrijje 

äwlha — getkun chelä"" mniggüch min berüt matwijje 
tilbasüha bilfarah ja nur 'enaije. 
lululululesch. 

Awiha, ihr Männer des Bräutigams, o hundert über hundert! 
äwiha, ihr geht einher nach dem Gresetz, ihr geht nicht in 

Freiheit, 
äwiha , ihr bekamt Geschenke ^ von Tuch aus Berüt zusammen- 
gefaltet, 
mögt ihr sie anlegen in Freuden, o Licht meiner Augen! 

lululululesch ! 

3. In Waffen. 

' Awiha — üläd baladna inläh mläli 
äwiha — näzlln *^assälia läbsin ^släh 
äwiha — sa'alt ümm il'arls schü baddik 
kälat 'asäfir maklijje bzet tafäh. 
lululululesch. 



* Geschenke von Kleidungsstücken werden in Merg 'Ajün zuweilen mit 
der Einladung an die Hochzeitsgäste gesandt und von ihnen mit Gegen- 
geschenken erwidert. 



— 211 — 

Awiha, die Kinder unsers Ortes sind schön, sind schön, 

äwlha, sie gehen hinab zum freien Platz, haben angelegt Waffen, 

äwiha, ich fragte die Mutter des Bräutigams: was willst du? ^ 
sie sagte: Vögel gebraten in Tafäh-Öl.^ 
lululululesch ! 



Auf die Familie des Bräutigams. 
1. Das Gastmahl ist bereitet. 

Awlha — tabachna rizzna 

äwlha — ked il'a'dä mä hazzna 

äwlha — inkän abu sa*^d özz^na 
jikfina scharr ilbehdali, 
lululululesch. 

Awiha, wir haben unsern Reis gekocht, 

äwlha, die Ränke der Feinde haben uns nicht gestört; 
äwiha, wenn Abu Sa'd unser Ruhm ist, 

schützt er uns gegen die Bosheit der Beleidigung, 
lululululesch ! 

2. Ein edles Greschlecht, 

Äwiha — nahna min dar subhijje gaddan ugidde 
äwiha — nahna-Pasäil kämlin ilkadde 

äwiha — nahna-lli bjinschadd minna bjit'assal 
bikaijil dahab iratik bilmidde. 
lululululesch. 

Awiha, wir sind vom Hause Subhijje's, des ehrenwerti^n und 

Grossvaters, 
äwiha, wir sind die Edeln, vollkommen von Mass, 
äwiha, wir sind es — wer vereinsamt ist, wird von uns in die 

Familie aufgenommen,^ 
er misst altes Gold mit dem Scheffel, 
lululululesch ! 

1 für den Bräutigam. ■^ die beste Sorte Oliveuöl. Sie will ihn aufs 

beste speisen. ^ so gross ist ihr Edelsinn. 

14* 



— 212 — 

Auf die Braut. 
Die Hände des Bräutigams decken dich!^ 

Awiha — ja 'arüs kümi lanzür fiki 

äwiha — niinhottik fl ^aläli ahsan min 'aläliki 

äwiha — wimnifza' ^ala haua-lrarbi jirmiki 
daijät il'arls trattiki. 

lululululesch. 

Awiha, o Braut, steh auf, wir wollen Besuche machen mit dir, 

äwiha, wir setzen dich in Söller besser als die deinen, 
äwiha, wir fürchten wiegen des Westwindes, dass er dich herab- 
werfe, 
die Hände des Bräutigams bedecken dich, 
lululululesch ! 

2. Kein Prachtgewand von Nöten. 

Awiha — schili-rizär wirmih 

äwiha — wahraki baj ilhaijaku willi sa'älik fih 
äwiha — wilwugh dauret kamar hägi thilli fih 

wissidr midän lilchaijäl jil'ab fih. 
lululululesch. 

Awiha, zieh aus den Izär^ und wirf ihn w^eg, 

äwiha, und verbrenne den Yater, der ihn webte, und den, der 

dir dabei geholfen hat, 
äwiha, das Gesicht wie der Umfang des Mondes ist genug, da- 
mit zu erscheinen, 
und die Brust ein Rennplatz für den Reiter, darauf zu spielen. 

lululululesch ! 

3. Eine Nachtigall zwitschert. 

Awiha — 'asfür 'addälie bülbül jitarrillu 

äwiha — willi bjächud banät likbär ja rabbi sahhellu 

äwiha — tale^ ach el'arüs lararis kallu 

schöfa min ettül tiswa 'askar essultän kullu. 
lululululesch. 



^ Melodie 18. * izar ist ein seidner Überwurf. Die Braut trägt 
einen besonders schönen, etwa blau mit Goldfäden durchwirkt. 



— 213 — 

Awiha, ein Vogel auf dem Weinstock — eine iS'achtigall zwitschert 

ihm, 
äwlha, wer nehmen will die Töchter der Grossen, o mein Herr, 

mache es ihm leicht! 
äwiha, es kam der Bruder der Braut zum Bräutigam, sagte ihm: 
ein Blick auf den Schlanken ^ ist wert alle Soldaten des Sultans, 
lululululesch! 

4. "Wie schön ist die Braut! 

Awiha — ja 'arüs ja kämet ümm ®hsen 

äwiha — wilkohl filmükahle wilrenig biFenen 

äwiha — bilmischjat 'ala kantara jehtezz naba' el'en 

äwiha — ida marakat 'ala kabr il'a'zab maijit ilu sinten 

tehje *azämu jeküm jimschi "^ala tinten. 
lululululesch. 

Awiha, o Braut, o Statur der Mutter von Hsen, 

äwiha, die Augenschminke (bleibt) im Schminkfläschchen, mid 

die Koketterie (ist) in den Augen, 
äwiha, beim Gang auf dem Bogen ^ erzittert der Born des Quells, 
äwiha, wenn sie am Grab des Junggesellen vorübergeht, der 

tot ist zwei Jahre, 
wird sein Gebein lebendig, er steht auf und geht auf zweien. 

lululululesch ! 

5. Der Untergang der Junggesellen. 

Awiha — ja 'en rarräsch bassik turdi rizlän 

äwiha — bidän wahumrän ufikri 'öndhum ta'bän 

äwiha — lad'i 'ala 'en rarräsch mä tnäm 
illi "^ön^d kass issauälif helkat il'özbän. 
lululululesch. 

Awiha, o Quelle Rarräsch,'* nur zu dir kommen Gazellen zu 

trinken, 
äwiha, weisse und rote, und mein Gedanke wird bei ihnen 
müde ; * 

* dir Braut. - der über die Quelle gewölbt ist, * au die Braut 

ist gedacht. * so zahlreich sind die jungen Männer, welche sich um sie 
scharen. 



— 214 — 

äwiha, ich verwünsche die Quelle Rarräsch, sie schlafe nicht, 
welche bei dem Abschneiden des Schläfehaars den Junggesellen 

den Untergang brachte.^ 
lululululesch ! 

6. Wie ein goldener Ring. 

Awiha — ja feride staua-rrummän besadrik 

äwlha — sär lik sine kinnti ma 'araft schü isniik 

äwiha — ismik chzäni eddahab bi'ölbet essäir 
kasbän ja muschtari chasrän ja bäja'. 
lululululesch. 

Awiha, Feride, gereift sind die Granatäpfel auf deiner Brust, 
äwiha, vor einem Jahr, meine Schwiegertochter, wusste ich 

nicht deinen Namen, 
äwiha, dein Name ist ein goldner Nasenring in der Schachtel 

des Goldschmieds, 
Gewinner bist du, o Käufer, Verlierer, o Verkäufer! 

lululululesch! 

C. Tarwid der Frauen. 

In der Belka. Mitgeteilt von Farah Täbri in Essalt. 
Lobpreis der Braut.- 

Ja rweditna ja sabha 

ja rweditna ja hi 
sitin labaijik sma*na 

sitin labaijik ja hi. 

jamm erejün essüd ja sabha 

jamm erejün essüd ja hl 
sitin lachaijik sma'na 

sitin lachaijik ja hi. 

jamm escha'ar eFaschkar ja sabha 
jamm escha'ar el'aschkar ja hi 

lä schazäki-lben 'ala ahlik 
lä schazäki-lben ja hi. 



1 ihre Schönheit hat den Unbeweibten alle Vernunft geraubt. * ge- 

sungen beim Ankleiden der Braut, ehe sie das Haus ihrer Eltern verlässt. 



— 215 — 

rann chilchäl ummik ja sabha 

rann chilchäl nmmik ja hi 
sitin la'ammik sma'na 

sitin la'amniik ja hl. 

rann chilchälik ja sabha 

rann chilchälik ja hi 
sitin lachälik sma'na 

sltin lachälik ja hl. 

jamm essuära ja sabha 

jamm essnära ja hi 
'ejünik 'ejim elhuwära ja hädi 

'ejünik "ejün elhnwära ja hi. 

jamm ilheda-Fahmar ja sabha 

jamm ilheda-rahmar ja hi 
wnghik kilbedr ja amine 

wnghik kilbedr ja hl. 

jamm ilchannäka ja sabha 

jamm ilchannäka ja hi 
larlian ennäka watikkik 

larhan ennäka ja hi. 

O du unser Liedchen, o Sabha, 

o du unser Liedchen, o sie! 
Yom E,uf deines Vaters hörten wir, 

vom Ruf deines Vaters, o sie ! 

Du mit den schwarzen Augen, o Sabha, 

du mit den schwarzen Augen, o sie ! 
vom Ruf deines Bruders hörten wir, 

vom Ruf deines Bruders, o sie! 

Du mit dem blonden Haar, o Sabha, 

du mit dem blonden Haar, o sie ! 
nicht zerschmettere dich das Unglück an deiner Familie, 

nicht zerschmettere dich das Unglück, o sie! 



— 216 — 

Es klang- die Fussspange deiner Mutter, o Sabha, 
es klang die Fussspang-e deiner Mutter, o sie! 

vom Ruf deines Yaterbruders hörten wir, 
vom Ruf deines Yaterbruders, o sie ! 

Es klang deine Fussspange, o Sabha, 

es klang deine Fussspange, o sie! 
vom Ruf deines Mutterbruders hörten wir, 

vom Ruf deines Mutterbruders, o sie! 

Du mit dem Armring, o Sabha, 

du mit dem Armring, o sie! 
deine Augen sind die Augen des Kamelfüllens, o diese, 

deine Augen sind die Augen des Kamelfüllens, o sie! 

Du mit dem roten Schuhwerk, o Sabha, 

du mit dem roten Schuhwerk, o sie! 
dein Gesicht ist wie der Vollmond, o Treue, 

dein Gesicht ist wie der Yollmond, o sie ! 

Du mit der Halskette, o Sabha, 

du mit der Halskette, o sie ! 
ich will die Kamelstute verpfänden und dich lösen, 

ich will die Kamelstute verpfänden, o sie! 



D. Beduinischer Frauengesang. 

In der Belka. Mitgeteilt vou einem Bauernburscbeu iu Mädaba. 
Kampf um die Geraubte. 

Ja dib ja tärid elhef 

midrik habüb eschschemäli 

'elmi behum jömin meddün 
wajansefün eddalüli 

min 'en 'alja wabu zet 
jahel eFugsür erauäli. 



— 217 — 

Dib, der du den Südwestwind vertreibst, 
du verstehst das Blasen des Nordwinds! 

Ich weiss von ihnen ^ am Tage, da sie aufbrachen 
niederzuschlagen das Reitkamel 

wegen 'Alja und Abu Zet,^ 

o ihr Leute von den hohen Schlössern! 



Mtauwahat.^ 

Mitgeteilt von Farah Täbri iu Essalt. 

In den Nächten der Hochzeit lassen die Beduinenfrauen diese 
Gesänge ertönen. Auch auf dem nächtlichen Zuge der Frauen 
zur Feier werden sie gesungen. 

1. Furchtlos zieh' ich. 

Wesri billel — mäni chäjif 
wagrün ezzen essafäjif. 

In der Nacht zieh ich aus, — ich fürchte mich nicht, 
die Haarflechten des Schönen sind ja wie Gurtbänder. 

2. Noch einen Kuss! 

Jalmeradda' — jalmeradda' 

salabt errüh jalmeradda*^ 
challini awadda' — challini awadda' 

a'tini höbba challini awadda'. 

Du Tätowierter, — du Tätowierter, 

du raubtest den Geist, du Tätowierter! 
Lass mich Abschied nehmen, — lass mich Abschied nehmen, 

gieb mir den Kuss, lass mich Abschied nehmen ! 



* von Dlb und seineu Leuten. ^ 'Abu Zet von den Beni Hiläl hatte 
'Alja geraubt und geheiratet. Dlb soll ein Stanimesgenosse von ihm gewesen 
sein. * nach Wetzstein, ZDMG XXII 102, zu übersetzen: „die Weithiu- 
geworfenen", weil sie in hoher Tonlage gesungen, weithin gehört werden. 



— 218 — 

3. Die Augen der Geliebten. 

Bilmerära — bilmerära 

ibruk ja huwär ilmerära 
'ejün elwallf — 'ejün ePära 

'ejünak» ja tarüsch 'ejün eFära. 

Dich wälzend — dich wälzend 

lass dich nieder, o Kamelfüllen des Wälzens!^ 
Die Augen des Yertrauten — sind wie die Augen des Agha,^ 

deine Augen, o Tarüsch, sind die Augen des Agha. 

4. Der Liebhaber. 

Fazz rifäl — fazz riföl 

zarif ettül fazz rifäl 
wagif ugäl — wagif ugäl 

'ejünak ja tarüsch ja 'ejün elrazäl. 

bissirwäl — bissirwäl 

zarif ettül bissirwäl 
fazz ugäl — fazz ugäl 

'öngik ja tarüsch ja 'öng elrazäl. 

Er sprang auf ohne Gürtel, — er sprang auf ohne Gürtel, 
der schöne Schlanke sprang auf ohne Gürtel. 

Er blieb stehen und sagte — er blieb stehen und sagte: 
Deine Augen, o Tarüsch, o Augen der Gazelle! 

Ohne Oberkleid, — ohne Oberkleid, 

der schöne Schlanke ohne Oberkleid, 
er sprang auf vmd sagte, — er sprang auf und sagte: 

dein Hals, o Tarüsch, o Hals der Gazelle! 



• das liebt sich zu wälzeu. - eines voraehmen Türken. 



219 — 



Zur Unterhaltung der Gäste. 

1. Vortrag von Mauäwil. 

In der Gegend von Aloppo war bei den Bauern das Mamväl 
die bei hochzeitliehen Gesangsvorträgen ausschliesslich angewandte 
Dichtungsform. Saiigeskundige junge Burschen wechselten im 
Vortrag solcher Lieder ab und schalteten sie zwischen die Vor- 
führung von Tänzen ein. Doch wird dort auch bei anderen Ge- 
legenheiten, z. B. vom Weber bei seiner Arbeit, vielfach Mauwäl 
gesungen. In manchen anderen Gegenden ist das Mauwäl da- 
gegen ganz ungebräuchlich. 

a) In Aleppo. Mitgeteilt von Heläl in Aleppo. 
l. schöner Vollmond! 

Mahläk ja bedr malila manzar lelak 

küm zaijin ilchadd wesch kullak 'ala lelak 

sahrän billel wa'add ennigm fl lelak 
mälik kull ilbedür waläkin ant mälikni 

usbur "ala-lwa'ad hatta jinkada lelak. 

Wie schön bist du, o Vollmond, wie schön ist der Anblick deiner 

Nacht,2 
auf, schmücke die Wange, und was soll ich dir sagen über 

deine Nacht 7^ 
Icli bin wach in der Nacht und zähle die Sterne in deiner 

Nacht,3 
Eroberer aller Vollmonde (bin ich), aber du erobertest mich, 
ich warte auf das Versprechen, bis zu Ende geht deine Nacht.* 



» s. das Vorwort nnd Melodie 8. - das schwarze Haar, 

deiner Schönheit. * deine Sprödigkeit. 



220 



2. Tägliches Weinen. 

Dahri ramäni bilau'ät ezzemän merär 
hatta sakäni bikäsät essabr umrär 

min ba'd mä kint 'ala-lhabäjib amurr merär 
kata' ma'äj eddahr ja näs bilmarra 

mata jegtame' schamlana wan'üd bilmarra 
win kintu tibku 'alaije bischschahr marra 

bekjat 'ejüni 'ala fräk*kön kull jöra merär. 

Mein Geschick warf mich in Liebesschmerzen Male, 

es tränkte mich sogar mit den Bechern der Wermut und Galle ; 

nachdem ich vorübergegangen war an den Geliebten Male, 
schnitt mit mir ab das Geschick, o Leute, auf ein Mal. 

Wann versammeln wir uns wieder und kommen zusammen auf 

ein Mal? 
Und wenn ihr weinet über mich im Monat einmal, 

weinen meine Augen über eure Trennung jeden Tag Male. 



Mitgeteilt von Ahmed AmTri in Aleppo. 
O mein Yersprechen! 

As®l eschtibäki 'ejüni kunt chäli 

kad murr 'eschi-lladi fiFas^l kän chäli 

weggism minni buli auwäh 'ala liäli 
ähen 'ala lau'ati filhubb ja wa'di 

zädat gerähi umurr-essabr ahläli. 

Der Ursprung meiner Verstrickung sind meine Augen, ich war frei, 

fürwahr, bitter ist mein Leben, das ursprünglich war frei, 
und der Leib wurde mir vorzehrt, ach über meinen Zustand! 
Zweimal ach über mein Elend in der Liebe, o mein Ver- 
sprechen ! 
es mehrten sich meine Wunden, und die Bitterkeit der AVermut 

war mir süsser.^ 

* als die Liebe. 



— 221 — 

b) Bei Aleppo. Mitgeteilt von Bauernburschen in Teil eggibiii. 
1. Liebesthränen löschen Höllenfeuer. 

Lafdilak errü^h mä zälat tara 'eni 
jalli min aglak saiiäki garat min 'eni 
in kän jebaddal chiälak ent muglati u'eni 

uliiät men achlag egganne wagäm ennär 

mäzül 'an 'eschr^tak ulau rabbi haragni bnär 
in häsabak bilgabr umass gismak när 

latfi ghennam min fed dame' 'eni. 

Ich will die Seele als Lösegeld für dich geben, so lange sehen 

kann mein Auge, 
o du, um dessentwillen Bäche flössen aus meinem Auge, 
wenn auch deine Gestalt sich ändert, bist du mein Augapfel 

und mein Auge. 
Bei dem, der das Paradies erschuf und erstehen Hess das Feuer, 
ich will vom Verkehr mit dir nicht lassen, wenn auch mein 

Herr mich verbrennt im Feuer. 
Wenn er dich richtet im Grabe und deinen Leib berührt Feuer, 
will ich auslöschen die Hölle mit dem Überströmen der Thränen 

meines Auges. 

2. Klage über die Trennung. 

Ja 'abrati döm zidi bilbuka 'eni 
'afräg ilhabäib gismi moddana 'eni 
gülü lilli clia" eren ja *eni 

ubschara' ahl ilhaua ja hasreti nädet 
mitli falä nähat elchansa' unädet 
lamma hakam rabbena li'erfageti nädet 

ja hasrati räb wilfi 'an nazar 'eni. 

meine Thräne ! stets lasse mehren das Weinen mein Auge, 
wegen der Trennung der Geliebten macht meinen Leib elend 

mein Auge. 
Saget zu dem, der das Licht des Auges : ^ o mein Auge ! 



^ der Geliebten. 



— 222 



Und im Gericht der Liebenden, o weh mir! rief ich, 
gleich mir nicht klagte die Chansa,^ mid ich rief, 
als unser Herr richtete, meinen Genossen rief ich zu: 

Weh mir! entfernt ist mein Vertrauter vom Blick meines Auges! 



.3. Trennungsschmerz. 

Abät illel hifkär withassar 'afurgähum 
eresch mä ladda li min jöm furgähum 
rabbi bgäh ennabi tsabberni 'afurgähum. 

mä zalla lI häl ja chuUän gismi sili 
beket hatta dumü'i "^albajäli sili 
lau jigbal ilben 'ödri kän hammi sili 

läkin äh wa'auwäh mä as^ab jöm furgähum. 

Ich verbringe die Nacht in Gedanken und seufze über ihre 

Trennung, 
das Leben war mir nicht angenehm seit dem Tag ihrer Trennung, 
mein Gott, um der Ehre des Propheten willen, mach mich ge- 
duldig über ihre Trennung! 
Kein Wohlbefinden blieb mir, o Freunde, mein Leib schwand, 
ich weinte, bis meine Thränen über meine Wangen rollten; 
wenn das Geschick annähme meine Entschuldigung, ^ wäre 

mein Elend vergessen, 
aber ach und weh! wie schwer ist der Tag ihrer Trennung! 



4. Entfremdung der Geliebten. 

Ja chullati min rurämi dabbarüli wahag 
wennär bigelbi tzid illahib uwahag 
wizzen lamma ra'äni sadd 'anni uhagg 

mä lägin 'ala chätru isallim 'ala wilfäh 
nisi zamän ilmada ilkunt ana /wilfäh 
mä zünn mitli ahad jisbur "^ala wilfäh 

dachl ennabi ja näs lä tzidu galbi wahag. 



Name einer Dichterin. - und sieh wenden wollte. 



— 223 — 

O meine Freunde, wegen meiner Sehnsucht bereiteten sie mir 

Breimen, 
und das Feuer in meinem Herzen vermehrt die Glut und 

Brennen, 
und der Schöne, als er mich sah, wandte sich von mir und 

ging davon, 
nicht kam es ihm in den Sinn zu grüssen seinen Yertrauten, 
er hat vergessen die frühere Zeit, da ich war sein Vertrauter, 
ich glaube nicht, dass wie ich jemand wartet auf seinen Ver- 
trauten, 
um des Propheten willen, o Leute, mehret nicht meinem Herzen 

Brennen ! 

5. Die Greliebte ein Schloss. 

Kökab gamälak 'akull elmahäsin gafal 
uda'et galb iljehubbak lilhadld ugifl 
subhän rabb ilchalag 'almebäsim gifl 

tehki kama-ddurr jenagget min schefafak ritäb 
ridwän min gannatu bä^ik ritäb 
elchadd gummit ward wuttül sageret ritäb 

wa'ejün schibh ilfah^d eda-lhauägib gifl. 

Der Stern seiner Schönheit hat alles Gute verschlossen,^ 

und ich flehte, das Herz dessen, der dich liebt, sei für das 

Eisen ein Schloss. ^ 
Preis dem Herrn, der dir schuf auf den Lippen ein Schloss, 
du redest wie die Perlen, es tropft von deinen Lippen Saft, 
Ridwän^ aus seinem Garten verkaufte dir Saft, 
die Wange ist ein Rosenstrauss und der Wuchs wie ein Baum 

mit Saft, 
und Äugen gleich dem Luchs, auch die Augenbrauen ein Schloss.* 

6. Tod leichter als Trennung. 

Ja men biwognäk därät ilhösn ugmäl 
haijart bimhäs^nak ahl il'örf ugmäl 
zurni falä tachtaschi zar' ilkaram ugmäl 



* umfasst es. * sodass er sie nie verliert. ^ der Hüter des Paradieses. 
* d. h. über der Nase verbunden. 



— 224 — 

innak min ahl ilfadl schämich ugadrak "^äli 
ubtib waslak tabaddal kull ism h'ali 
in gultilli müt algi-lmöt haijin 'alaij 

walä furgatak s<ä' ujä rä'i-lhösn ugmäl. 

du, auf dessen zwei Wangen die Zeichen der Schönheit und 

Anmut, 
du verwirrtest mit deinen schönen Eigenschaften die Leute des 

Verstands und der Anmut, 
besuche mich und fürchte dich nicht, du Same der Freigebig- 
keit und Anmut! 
Du bist von den Ausgezeichneten, erhaben,, und dein Wert ist 

hoch, 
und durch die Güte der Vereinigung mit dir wird jeder ]^ame 

verwandelt in 'Ali,^ 
wenn du zu mir sagst: stirb! finde ich den Tod leichter 

für mich 
als die Trennung von dir auf eine Stunde, o Besitzer der Schön- 
heit und Anmut! 

7. Der Gre liebten zu Ehren. 

'Eni thöbbak tüäl ilmeda kurmälak 
weg'al li jömi sane witül kurmälak 
wint ilchabet issirr mäbü'^h kurmälak 

magdir afärig abad ja ruh min söbak 
winkän ahl ilhaua mashüb'^hum söbak 
emat tib'at chabar tägi ana söbak 

wabP^ rühi 'ala schänak ukurmälak. 

Mein Auge liebt dich in Länge der Zeit — dir zu Ehren, 

und ich mache mir meinen Tag zu einem Jahr und er wird 

lang - — dir zu Ehren, 
und du, der du verbargst das Geheimnis, nicht thue ich es kund 

dir zu Ehren, 
Ich kann mich nimmer trennen, o Seele, von deiner Seite, 
und wenn die Liebenden gezogen werden zu deiner Seite, 
wann schickst du Botschaft, ^ dass ich komme zu deiner Seite 
und verkaufe meine Seele deinetwegeii und dir zu Ehren? 

' Hoher. - durch die Liebeudeu. 



— 225 — 

8. Starke Liebe. 

Ja nab'at iPäs 'eni lam ra'at 'adla 
'anha mä birtani mä tlämha *adla 
inkän gädi-lhaua jihkum benna 'adla 

bikjat 'ajüni dama gad sab räsi haua 
'adla kama-i-rlm tlä'ib linslm ilhaua 
nahn illadln ja chalg fätanna banät ilhaua 

albid lau sausalni sultänhum "^adla. 

O Myrtenquelle, mein Auge sah niemals (jemand wie) 'Adla, 
ohne sie bin ich nicht /Alfrieden, so lange sie ist 'Adla. 
Wenn der Richter der Liebe entscheidet zwischen uns mit 

Grerechtigkeit, — 
es weinten meine Augen Blut, fürwahr mein Kopf traf auf Ijiebe. ^ 
'Adla — wie die Antilope spielt sie mit dem Hauche des 

Windes, 
wir sind es, welche, o Leute, erregten die Töchter der Liebe, — 
die Weissen,^ wenn sie Wunder thäten, ihr ]Ierrscher wäre 'Adla.^ 



9. Krank aus Liebe. 

Jali'l irärifa hätüli galani udwäj 
laschrah elkum gussati hal ta'rifün idwäi 
ja tärischi hätli tob ilhöl"m bidvväi 

ugra-ttahijje limen kän hämi hemäh 
la'ahmi za'ünin lahum bhämjät ilhama 
zihün gihün weddegla 'äsi hama 

naliar ilifra mä abra lä ^illati udwäi. 



() ihr Leute des Wissens, gebt mir Feder und Tintenfass, 

ich will euch erklären meine Geschichte, vielleicht versteht ihr 

meine Krankheit. 
mein Bote, gieb mir das Kleid der Geduld in meiner 

Krankheit 

1 die Echtheit seiner Liebe muss der Richter anerkeuneu. - die Mäd- 
chen mit weisser Hautfarbe. ' sie würde sie immer noch übertreffen. 
Dal in an, Volksleben. 15 



— 226 — 

und richte aus den Gruss an den, welcher war Yerteidiger semes 

Gebietes.^ 
Ich will die Angehörigen ihnen beschützen^ mit den Bollwerken 

von Hama ; 
Zlhün, Gihün^ und Tigris, der Orontes von Hama, 
der Strom Eufrat heilte nicht mein Elend und meine Krankheit. 

10. Berückende Schönheit. 

Bedr idduga mä hakälak taFatin esch biha 
bibhäk larga 'ala häm essuha wäschbeha 
läschüf ruh ittewiddak lä'idschi weschbeha 

mä rer sahm illauähiz biggauägi chäl 
bletani biröschg ana salim uchäl 
subhän rabb iFa'täk bkull wagna chäl 

esch husn a'täk uesch tülin \idl weschbeha. 

Der Vollmond der Finsternis sagte dir nicht den Aufgang, was es 

u.m ihn ist,^ 
bei deinem Glänze will ich auf den Gipfel der Suha ^ steigen 

und ihr gleichen, 
zu sehen die Seele, die dich begehrt, passend und gleichend,'* 
Ausser dem Pfeil der Augen ist auf den Wangen ein Mal, 

du prüftest mich durch Leidenschaft, ich war unverletzt und 

unschuldig ■ — 
Preis sei Gott, der dir auf jeder Wange ein Mal gab, 
was für Schönheit gab er dir, und welchen Wuchs, Ebenmass 

und Gestalt! 

11. Heil der entfernten Geliebten! 

Haiji-lmanäzil uhaiji-ggälisin 'bha 
min lief nälu min af ölja sana wibha 
nälu lifed ilmadäme*^ 'amm^ha wibha 



^ die Geliebte, welche den Liebhaber abwehrte , vgl. Hohesl. 8, 9 f. 
" der Liebende will die Verteidigung der Reize der Geliebten übernehmen. 
* Flussuamen, zihüu mir unbekannt, glliün mündet in den Golf von 
Iskanderün. * die Geliebte strahlt heller als der Vollmond. ^ der Reiter 
im Sternbild des grossen Bären. * der Geliebten. 



— 227 — 

ja säig innüg kam säbak amr bilräb 
sallim umürak limin anscha usüd ilräb 
badr idduga nüni muschrig- walau räb 

mahrüsatan biralif wiblämha wibhäh. 

Wünsche Glück den Wohnstätten und denen, die darin weilen.^ 
weil sie aus der Höhe erlangten Herrlichkeit und Glanz, 
sie erlangten Überfluss der Thränen, ihren Onkel und ihren 

Vater. 2 
O du, der die Kamelstuten treibt,^ wie viel Dinge trafen dich 

durch den, der sich entfernte! 
übergieb deine Sachen dem, der schuf die Löwen des Dickichts. 
Der Vollmond der Finsternis, sein Licht geht auf, wenn es auch 

untergeht, 
geschützt durch das Alif und sein Läm und sein Hä.'* 

12. Die Geliebte auf Reisen. 

Färagt bädr falä raitlu jalüh 'bdär 
algalb amsa hazin masbüran ^Ddär 
höbbi msäfir walähu 'almuglm *bdär 

eggism 'indi urühi 'öndahum tibri 
wisjüf ahl illiaua bimfäseli tibri 
mäzünn gurhi jetib u'illati tübra 

intu-lmugimln unahn kull jom ibdär. 

Ich trennte mich vom Vollmond, dem gleich nichts erscheint im 

Hause, 
das Herz wurde traurig, gefärbt in Schwarz. 
Mein Freund reist und er ist nicht bei dem, der wohnt im 

Hause, 
der Leib ist bei mir, aber meine Seele wandert bei ihnen, 
und die Schwerter der Liebenden zerschneiden meine Gelenke, 
ich denke nicht, meine Wunde wird heilen und meine Krank- 
heit sich bessern, 
ihr seid die Wohnenden, und wir sind jeden Tag hi einem 

(andern) Haus.^ 

' der Geliebten. ^ d. h. das ganze Geschlecht der Thränen des Lieb- 
habers. ' der Sänger meint sich selbst. * alläh „Gott". '" verglichen 
mit dem in Gedanken wandernden Liebhaber ist die Geliebte die fest- 
wohnende. 

15* 



— 228 



13. Die spröde Greliebte. 

Ja zen kidr ilmasäjib neschschafat dammi 
ubhür ahl ilhaiia mä rauwajet dammi 
lau kunt scliäjil wizr au mubtali b dammi 

mä kän atatni gamf ilmasäib ters 

ant illadi aschmatta bijja-reda kull nadl uters 
walla lau kän liölak alfen darräb gurde utirs 

lä budd 'au wusälak habibi ulau 'üh aua dammi. 

»Schöner, die Menge der Nöte dörrte aus mein Blut, 

und Meere der Liebenden löschten nicht den Durst meinem 

Blut. 
"Wenn ich ein Verbrechen trüge oder beunruhigt wäre durch 
Blutthat, 
hätten mich nicht getroffen alle die Nöte zuwider. 

Du bists, der schadenfroh machte über mich die Feinde, alle 

Elenden und Widersacher: 
bei Gott, wenn um dich wären zweitausend, die hauen mit 
Scliwert und Schild, 
ist docli die Vereinigung mit dir unumgänglich, mein Geliebter, 

auch wenn ich lassen müsste mein Blut. 



14. Treue Liebe trotz Abweisung. 

Ja men *ala dau iggebin me*^allegin ^träk ^ 

wehramtani schöftak ja zarif teräk 
durt el'arab wifagam ma"a rümha witräk 

mä Iget mitlak ribi min eschschatt lischschäma 
ja mä sabäna binagsch ilchadd wischschäma 
wahiät men zaijan ilchadden bischschäma 

win ruht^ lilrer 'eni tinzerak uträk. 

O du, an dessen Licht der Stirn hängen türkische Münzen, 
du verbotst mir deinen Anblick, o Schöner, dass ich dich sehe. 
Ich wanderte bei den Arabern und Persern samt ihren Griechen 

und Türken, 



229 

keinen fand ich gleich dir aufwachsen von der Küste bis Damaskus. 
wie sie ^ mich gefangen führten durch die Tätowierung der 

Wange und das Mal! 
Bei dem, der verschönte die Wangen mit dem Mal, 
und wenn du zu einem andern gingest, würde mein Auge auf 

dich blicken und dich sehen. 



15. Autwort aus dem Grabe. 

Win kän högri helilak wint räjid erid 
lahmil dalälak 'ala maijit rurämak arid 
kam nöb tanfur gejüsch illiarb limä tarid 

utsudd 'anni utisgini-lmarär ibsana 
lahmil asähum blele umädüg essana 
win kunt maijit ull bilgabr mijje usana 

lasma' lisötak umin taht ittauäbig arüdd. 



Wenn meine Trennung dir lieb ist und du (sie) willst, wolle ! 
Ich will tragen deine Liebkosung, Sterbender deiner Leiden- 
schaft will ich sein. 
Wie oft stürzen sich Kriegsscharen auf das, was sie begehren, - 
aber du wendest dich von mir und lässt mich das Bittere trinken 

im Schlaf, 
ich will tragen die Unruhe um sie bei IS^acht und nicht kosten 

den Schlaf. 
Wenn ich tot bin und im Grabe gelegen habe hundert und 

ein Jahr, 
will ich hören auf deine Stimme, und von unter den Steinplatten 

antworten. 

^ die Geliebte. ^ so sollte die Geliebte handeln. 



— 230 — 

2. Wechselgesänge. 

a) In Jerusalem. Mitgeteilt von Daniel Abraham in Jerusalem. 

1 . Her zu mir! 

Refrain. 

Halalalaija halalalalaija wa'eni jälibnaija 
nimmän sadrik dibil min killat ilmaija. 

Lied. 

Ubitkül säbtini ubitkül säbtini 

marru 'alaija iFa'da iibissef sabüni 
lau katt^'üni schükaf wilwäh sabüni 
mäbfüt mehabbetak ja nur 'enaija. 

wana latla' 'aggebal wuschrif 'älalwädi 
wabkül ja farhati nasam haüa belädi 
rabbi zacbchit matar tajihmil ilwädi 
taa'mil zahri gisr wawasselik laija. 

minhön larazzi minhön larazzi 

hott ilkadam 'alkadam wilchas'r jinhazzi 
ba%^'ni schuft ilkamr min sad'rha fazzi 
lätkaddibu jahäh schiftu be'enaija. 

minhön labäb idder minhön labäb idder 
Avissirr ilh bsn^na schü wossalu lilrer 
inkän mäfi warak laktub 'agnäh itter 
winkän mäfi hib'r nühu ja 'enaija. 

ja chäl chüdni ma'ak 'aschschäm tatfärrag 
wenzal 'ässük il'a.ser waschtrilha mdarrag 
kaschfat 'an sadr'ha ukälat tä' itfarrag 
dukkänt ittägir fäthat Avubdä'a frangijja. 

ubitkül min mitli ubitkül min mitli 
fustän 'ala-lmöda ja habibi hätli 
talabt minha ilwusal raddat wakälätli 
schart ilmehabbe rida mahisch rasbijja. 



— 231 — 

ja rimt ilfar'änat wutkül niäridu 
winkatt'^'üni schikaf annadil märidii 
mä berid rer ilfata iibärüditu bidu 
jistäd dik ilhägal min wos't bern'jja. 

Refrain. 

Her zu mir, her zu mir, o mein Auge, o Mädchen, 

die Granatäpfel deiner Brust wurden welk vom Mangel an 

Wasser. 

Lied. 

Und sie sagt: sie trafen mich (mit dem bösen Blick), und sie 

sagt: sie trafen mich, 
es begegneten mir die Feinde^ und mit dem Schwert nahmen 

sie mich gefangen. 
Wenn sie mich hieben in Stücke und Tafeln von Seife, 
lasse ich deine Liebe nicht, o Licht meiner Augen! 

Ich will auf den Berg steigen und überschauen das Thal 

und sagen: mein Glück! es wehte der Wind meiner Heimat! 
Mein Herr, ein Regenschauer, dass er das Thal davontrage, 
dass ich meinen Rücken mache zur Brücke und bringe dich 

zu mir! 

Yon hier bis Gaza, von hier bis Gaza 

setze Fuss vor Fuss, und die Hüfte schüttle sich ! - 

Mit meinem Auge sah ich den Mond, aus ihrem Busen brach 

er hervor, 
macht mich nicht zum Lügner, ihr Verwandten, ich sah es mit 

meinen Augen. 

Yon hier zum Thor des Klosters, von hier zum Thor des Klosters, 
und das Geheimnis, das zwischen uns, was bringt es zu den 

Anderen ? 
Wenn es kein Papier giebt, schreibe ich auf den Flügel des 

Vogels, 
und wenn es keine Tinte giebt, klagt, o meine Augen! 



' Neider oder jSJeliinibiililrr. - im Tiinz. 



232 

Onkel, nimm mich mit dir nach Damaskus, dass icli mich 

umsehe, 
und ich gehe auf den Markt der Vesperzeit und kaufe für sie 

ein Kästchen — 
da enthüllte sie ihren Busen und sagte: Komm, sieh dir an, 
der Laden des Kaufmanns ist offen, und die Waren sind 

fränkisch. ^ 

Und sie sagt: Wer ist wie ich? und sie sagt: Wer ist wie ich? 
ein Kleid nach der Mode, o mein Geliebter, gieb mir! 
Ich bat sie um die Zusammenkunft, sie antwortete und sagte 

zu mir: 
der Handel der Liebe ist freiwillig, nicht ist er Zwang. 

Antilope, die wie Pharao handelte^ und sagt: ich mag ihn 

nicht, 
und wenn sie mich in Stücke rissen, den Schurken, ich mag 

ihn nicht! 
Keinen mag ich ausser dem Burschen mit dem Gewehr in der 

Hand, 
der jagt den Hahn des Rebhuhns aus der Mitte der Wildnis. 

2. O seine Zier!'' 
Refrain. 

Ja zenu zSnu zeiui 

asmar wimkähhel 'enu 
dechilik dechll alla 

dillini betik fenu 
betu bräs ilkära 

mä hadan ja'rif fenü. 

Lied. 

Habibi lamma marak — kalbi min guwwa htarak 
gibüli msaüwir warak — jesauwirni bwast hodenu. 

habibi lamma marak — sefu 'agambu barak 
sa'altu tischrab 'ärak — ramazni btar^f 'enu. 



* europäisch d. h. niedlich. - sie war widerspenstig. •' Melodie 24 u. 25. 



— 233 — 

habibi lamma ega — hasäbtu badr idduga 
ja kalbi bala raga — dillini betik fgnu. 

habibi lamma tbassam — seta'^schar schakfi tkassam 
gibüli dihn ilbalsam — tindahhin grühät 'enu. 

ja habibi jä'jüni — ramzatak selabüni 

'aschänak tabatu gnüni — 'akli mä ba'rif fenu. 

habibi lamma 'adda - — kalbi min giiwwa fadda 
härüli kalam fudda — taAvossef gamal 'enu. 

habibi ismu bschara — 'allamtii kar 'ngära 
lamma schiftu bilhara — rannäli 'ala zenu. 

habibi ismu faris — 'allamtu filmudäris 

kultillu-nkamiak daris — rannlli beten zenu. 

habibi ismu schükri — sa'a mäirüh min likri 
ja immi lä tiftlkri — mä bächod illa 'enu. 



Refrain. 

seine Ziev, seine Zier, seine Zier! 

Braun, und er schminkt sein Auge. 
Ich flehe dich an, um Gottes willen, 

zeige mir, wo dein Haus ist! 
Sein Haus ist auf der Höhe der Burff, 

niemand weiss, wo. 

Lied. 

Als mein Geliebter vorüberging, 

wurde mein Herz drinnen verbrannt. 
Bringt mir einen Maler auf Papier, 

dass er mich male inmitten seines Schosses. 

Als mein Geliebter vorüberging, 

glänzte sein Schwert an seiner Seite, 
ich fragte ihn: Trinkst du Arak? 

da gab er mir Zeichen mit dem Zwinkern 

seiner Augen. 



— 234 — 

Als mein Geliebter kam, 

hielt ich ihn für den Vollmond im Dunkeln. 
mein Herz, ohne Bitten 

zeige mir, wo dein Haus ist ! 

Als mein Geliebter lächelte, 

wurde ich in sechzehn Stücke geteilt. 
Bringt mir Salbe von Balsam, 

dass wir salben die Wunden seines Auges. ^ 

O Geliebter, o meine Augen, 

deine Blicke raubten mich, 
um deinetwillen bewies man Wahnsinn,"^ 

ich weiss nicht, wo mein Verstand ist. 

Als mein Geliebter daher kam, 

wurde mein Herz drinnen entleert. 
Bringt mir eine Silberfeder, 

zu beschreiben die Schönheit seines Auges. 

Mein Geliebter heisst Bschära, 

ich lehrte ihn das Gewerbe der Tischlerei, 
als ich ihn im Quartier sah, 

sang er mir auf „zenu". 

Mein Geliebter heisst Ftäris, 

ich lehrte ihn in den Schulen, 
ich sagte zu ihm: Wenn du ein Gelehrter bist, 

singe mir zwei Verse auf „zenu". 

Mein Geliebter heisst Schukri, 

keine Stunde kommt er mir aus dem Sinn. 
meine Mutter, denke nicht, 

ich nehme irgendeinen ausser ihm ! ^ 

* die vom Auge geschlagenen Wunden. - bei mir. ^ eigentlich 

„sein Auge". 



— 235 — 

3. Alljiba. 
Refrain. 

Albiba-lbiba-lbiba. 

chaddik ruzz ^blialiba 
nijjäl min akal minnu 

lamma jimrarl jetiba. 

Lied. 

Schuf labiba 'alisstü^h — scha'ra-raschkar 'am bilü'^h 
wälla lächudha warü^h — wahrek nef^s chatiba. 

schuf labiba filkasr — helwa faridat irasr 
maddet idi 'alalchasr — fakkat hzama beida. 



schuf hibiba bhodn imma — tedachrag wana blimma 
mahla-lböse min tumma — ba'd eschscham^s mä, triba. 



Refrain. 

Labiba, Labiba, Labiba! 

deine Wange ist Reis mit Milch. 
Glücklich, wer davon isst, - 

wenn er krank war, wird er gesund. 

Lied. 
Sieh Labiba auf den Dächern, 

ihr blondes Haar glänzt, 
bei Gott, ich nehme sie und gehe 

und verbrenne die Seele ihres Yerlobten. 

Sieh Labiba im Schlosse, 

süss, einzig im Zeitalter, 
ich streckte meine Hand nach der Hüfte, 

da löste sie ihren Gürtel mit ihrer Hand. 

Sieh Labiba im Sclioss ihrer Mutter, 

sie rollt (herab) und ich lese sie auf. 
Wie süss ist dei' Kuss von ihrem Munde, 

nachdem die Sonne untergegangen. 



— 236 — 

4. Kein Schlaf meinen Augen. 
Refrain. 

Bätat 'ejdni sauähir 

lamma-lhobba gafüni 
ehod min demu'i ja lel schauähid 

ja nöm salih gefüni. 

Lied. 

Lilbahr inzilt tatsaijed — igu-lhabajib sädüni 
lä bsunnära ula bischbäk — illa biramz irajüni. 

Ja täli'in 'alkasri lafök — ja näzelln sellimüli 
'ala razäl we'ajünu süd — jahl ilraräm irhamüni. 

Ja bid sabehkon bilcher — ja sumri jis'ad masakum 
läzall sabbeh umassi — mä däm habibti ma'akum. 

Refrain. 

Es verbrachten meine Augen die Nacht wachend, 
als die Geliebten mich verlassen hatten. 

Nimm von meinen Thränen, o Nacht, Zeugen, 

o Schlaf, schliesse Frieden zwischen meinen Lidern! 

Lied. 

Zum Meer stieg ich nieder zu fischen, 

da kamen die Greliebten und fischten mich, 
nicht mit Angel, und nicht mit Netz, 

sondern mit dem Zwinkern der Augen. 

Ihr die ihr steigt zum Schlosse oben, 

ihr die ihr hinabgeht, grüsset mir 
eine Gazelle, deren Augen schwarz, 

ihr Leute der Leidenschaft, habt mit mir Erbarmen! 

O Weisse, euer Morgen sei heilvoll, 

o Braune, glücklich euer Abend, 
ich höre nicht auf, Morgen- und Abendgrüsse zu spenden, 
so lange meine Geliebte bei euch ist. 



5. Spröde! ^ 
Refrain. 

Bardu bardu bardu 

asmar sabani kaddu 
mata jüfini wa'^du 

wakabbil schämet chaddu. 

Lied. 

Ja liabibi ja asmar — fattah mantür il'ahmar 

wana lashab ilchangar — wagrah chülli bichaddu. 

ja habibi ja artin — fattah ward ilbesätin 

wana lashab issekin — wagrah chülli bichaddu. 

ja habibi ja näjim — fattah ward igganäjiii 
ili tlat ijäm sajim — "^ala bösa min chaddu. 

ja habibi schü bitrid — beni ubenak müsch^ be'id 
hätu 'arak sübbu nbid — wilmazza schämet chaddu. 

ja habibi firatme — mitl ilkamar winnigme 

wana lahgumli hagme — wächod bcisa min chaddu, 

Refrain. 

Kalter, Kalter, Kalter! 

ein Brauner, es führte mich gefangen seine Gestalt; 
wenn er mir sein Versprechen erfüllt, 

will ich küssen das Mal seiner Wange. 

Lied. 
Mein Geliebter, o brauner, 

öffne den roten Levkoj, 
und ich will den Dolch ziehen 

und meinen Freund verwunden an seiner Wange. "^ 

Mein Geliebter, o Artin, 

öffne die Rose der Gärten, 
und ich will das Messer ziehen 

und meinen Freund verwunden an seiner Wange. 



* Melodie 23, - durch einen Kuss. 



— 238 — 

Mein Geliebter, o schlafender, 

öffne die Rose der Gärtlein, 
mir sind drei Tage Fasten 

nach einem Knss von seiner Wange. 

Mein Geliebter, was willst du? 

zwischen mir und dir ist nicht Aveit. 
Gebet Arak, giesset Wein, 

und die Zukost ist das Mal seiner Wange. 

Mein Geliebter im Dunkeln 

ist wie der Mond und der Stern, 
und ich mache einen Überfall 

und nehme einen Kuss von seiner Wange. 

6. So sagten sie. 

Refrain, 

Haigälu haigälu 

b'ardak ja gammälu. 

Lied. 

Haigälu ja sidi — ja rub' ilmegldi 

hotti Idak beidi — mä had däjir bälu. 

haigälu turkijje — mä tifham 'arabijje 
fi wast ilmanschijje — ilkädir jehmi hälu. 

haigälu ja bint ilbek — filbalad mäflsch mitlik 
gözik mä biswa bischlik — cliodini badälu. 

haigälu ja 'eni — ja 'enab zeni 

tä' ahottik bhodeni — mä had däjir bälu. 

ja läbsi-lbinni — binni 'ala binni 
gözik räli 'aginni — chodlni badälu. 

ja läbsi-zzeti — zeti 'ala zeti 

ta'äli "^abeti — mä had däjir bälu. 

ja läbsi-rasmar — asmar 'ala asmar 
gözik räh 'aFaskar — chodini badälu. 



— 239 — 

Refrain. 

So sagten sie, so sagten sie: 

bei deiner Ehre, o Kameltreiber! 

Lied. 

So sagten sie: o mein Herr! 

o Viertel eines Megidi!^ 
Lege deine Hand in meine Hand, 

niemand giebt darauf acht. 

So sagten sie: Eine Türkin, 

sie verstellt nicht arabisch. — 
Inmitten des öffentlichen Gartens 

beschützt, wer es kann, sich selbst." 

So sagten sie: o Tochter des Bey, 

im Ort giebt es nicht deinesgleichen, 
dein Gatte ist keinen Bischlik^ wert, 

nimm mich statt seiner! 

So sagten sie : o mein Auge, 

o Schönheitstraube,* 
komm, ich lege dich in meinen Schoss, 

niemand giebt darauf acht. 

Du der das Kaffeefarbne anlegt, 

kaffeefarben über kaffeefarben,*^ 
dein Gatte ging ins Paradies, 

nimm mich statt seiner! 

Der du das Olivengrüne anlegst, 

olivengrün über olivengrün, 
komm nach meinem Hause, 

niemand giebt darauf acht. 



^ das Mädcheu glänzt wie eine Silbermünze. - sie wird sich schon 

zu kümmern wissen. * 3 Piaster, etwa 45 Pfennig. * „zeui" ist Be- 

zeichnung einer Traubenart mit besonders grossen länglichen Beeren. "^ alle 
Gewänder haben dieselbe Farbe. 



— 240 — 

Der du das Braune anlegst, 

braun über braun, 
dein Gatte ging zu den Soldaten, 

nimm mich statt seiner! 

7. O Feuer meines Herzens.^ 

Refrain. 

Ja när kalbi wilhaua ramäni 

limmu-raschlra wigmalu-lchulläni. 

Lied. 

Ja weli weli jäbu zrär ilmuclimala 

wiTaklu minni ja rfäki ehtalla 
wahtarna nilbas gücli willa muchmala 

wasbaht ana benhon hairäni. 

ja weli weli jäbu zrär ilbidi 

widdakk el'azrak 'annehüd ilbidi 

wahtarna nihwa-ssumri willa-lbldi 
wasbaht ana benhon hairäni. 

Refrain. 

Feuer meines Herzens ! die Liebe traf mich, 

sammelt den Stamm und ruft zusammen die Freunde! 

Lied. 

() weh mir, weh mir, du mit den Sammetknöpfen!''^ 
der Verstand, o meine Genossen, wurde mir gestört, 

wir waren in Verlegenheit, sollen wir Tuch anlegen oder Sammt, 
und ich wurde zwischen ihnen verwirrt. 

weh mir, weh mir, du mit den weissen Knöpfen, 
mit der blauen Tätowierung auf dem weissen Busen, 

wir waren im Zweifel, sollten wir die Braunen lieben oder die 

Weissen, 
und ich wurde zwischen ihnen verwirrt. 



' das Lied stammt aus Nazaret. - es ist an den Busen bedacht. 



— 241 — 

9. Die Geliebte ging vorüber, 

Habibi marr umä sallara — wascha'ru 'aliktäf sillam 
limmin haketii ma-tkallam — täidäwi 'ellatan fijja. 

habibi marr niitmessi — • 'azamto kalli mit'aschschi 
min 'andu daua-rruschschi — täidäwi 'ellatan fijja. 

liabibi bilranam sareh — waseha'ru 'aliktäf dareh 
ja mahla lelat embitreh — ana uhablbi chaläwijja. 

Mein Geliebter ging vorüber und grüsste nicht, 

sein Haar ist auf den Schultern (wie) eine Leiter, 
als ich zu ihm sprach, redete er nicht, 

Medizin zu geben für das Leiden in mir. 

Mein Geliebter ging vorüber spät abends, 

ich lud ihn ein, er sagte, er habe gegessen. 
Wer hat Medizin für die Schlagwunde, 

dass er Medizin gebe für das Leiden in mir? 

Mein Geliebter geht mit den Schafen auf die Weide, 

und sein Haar schlägt auf die Schultern. 
AVie schön war gestern die Nacht, 

ich und mein Geliebter waren allein. 

10. Deine Schönheit verwundete. 

Hubbi gamälak garahni — 

lemman zähar nur gebinak 
ja badri ginhänak fatanni 

ja laü'ati min 'ejünak. 

lä tahsibüna ftarakna 

min elbu'ad ida taüwal 
falbu'äd gaddad ma'äna 

aktar ziade mnirauwal. 

Mein Geliebter, deine Schönheit verwundete mich, 

als erschien das Licht deiner Stirn, 
o Vollmond, deine Schwingen bethörten mich. 

o mein Leiden von deinen Augen! 

Dal man, Volksleben. 16 



242 



Meinet nicht, wir seien getrennt 

wegen der Entfernung, wenn sie lang dauert, 
die Entfernung erneuerte ja bei uns (die Liebe) 

weit mehr als am Anfang. 



b) In der Belka. Mitgeteilt von Farah Tabri in Essalt. 
1. Hoffnungslose Liebe eines Mädchens. 

I. 

Gamälak mitl wughak mitl sabri 

gamilun fi gamllin fi gamili 
usclia'rak mitl tarfak mitl hazzi 

kehilun fi kehilin fi kehlli 
uchasrak welchanäsir mitl gismi 

nehllun fi nehilin fl nehili. 

Deine Schönheit ist gleich deinem Antlitz gleich meinem Harren 

schön in Schönem in Schönem,^ 
und dein Haar ist gleich deinem Auge gleich meinem Lose 

geschwärzt in Geschwärztem in Geschwärztem, ^ 
und deine Hüfte und die kleinen Finger gleich meinem Kihper 

mager in Magerem in Magerem. 

H. 

Hajäti wattasabbur wattasulli 

mahälun fi maliähn fi mahäli 
usudrak waridär waliusn chaddin 

hilälun fl hilälin fi hiläli 
fatarrak walmeräschif wattenäja 

laälun fi laälin fi laäli 
Avascha'rak tumma chälak tumma hazzi 

lejälun fi lejälin fi lejäli. 



/ 

' 1 alles dreies ist gleich schön. ^ ihr Haar und Auge sind schwarz 

wie Augenschmiuke, aber ebenso sein Los. 



— 243 — 

Mein Leben und das Harren und das Trösten 

ist eitel im Eiteln im Eiteln, 
und deine Schläfe und der Bartflaum und die Schönheit 

der A^'ange 

ist Halbmond im Halbmond im Halbmond, 
und dein Mund und die Lippen und die Yorderzähne 

sind Perlen in Perlen in Perlen, 
und dein Haar, auch dein Haarmal, auch mein Los 

ist wie Xächte in Mchten in Nächten.! 

2. Auf Mäni. 

Mäni ja jamma mäni — 

seläsil fudda udahbäni 
schüli filward kullu 

genena betikfäni. 

schuft ilmäni 'almlna 

darabitni biljäsmma 
dachlak ja rabbi 'ena 

umm eFakd clmurgäni. 

schuf ilmäni btitfaija 

taht 'aräjisch bikfaija 
läzim mäkül labaija 

bintak chaschschet bustäni. 

. schuft ilhehve 'addirke 
darabitni figgärinke 
'ammäl til'ab fiddebke 
uma'äha gimlet nis^Yäni. 

schuft ilhehve fi mhalla 

mitl ilbedr btithalla 
ja kalbi ruh ukulla 

lesch ta 'alaije za'läni. 

schuftha taht iFarlsche 

btäkul gibn ukarische 
jehrik abu liaTesche 

scliü bitkahkir 'azbäni. 



^ d. h. schwarz. 



16=^ 



— 244 — 

schuft ilhelwa b'arJ eddär 

titräwa belibs ezzunnär 
lagibla fustän bizrär 

ugibla kamisin bedwäni, 

schuft ilmäni 'almlna 

uschalfetni biljäsmlna 
jamma schuft 'agblna 

shel utraija umisäni. 

schuft ilhelwa %ind iren 

salbitli 'akli lilhiii 
yurritha fök iggbin 

bmisk u'ambar sabhäni. 

schuft ilhelwe benahr ilkelb 

salbet gismi ma* ilkalb 
fidahri rera mä bhibb 

ulau hattüni bikfäni. 

Mein AVunsch, o Mutter, mein Wunsch 
sind silberne Ketten und goldene, 

nimm weg alle Rosen, 
ein Gärtchen genügt mir. 

Ich sah die Ersehnte am Hafen, 

sie schlug mich mit Jasmin, 
ich bitte dich, o mein Herr, habe acht auf sie, 

die mit der Halskette von Korallen! 

Sieh die Ersehnte im Schatten 

unter den Weinstöcken von Bikfaija,^ 

ich muss ihrem Vater sagen: 

deine Tochter betrat meinen Garten, 

Ich sah die Süsse bei Dirke, ^ 
sie schlug mich mit dem Flieder, 

sie tanzte grade Debke,'^ 

und bei ihr war eine Schar Frauen, 



' Dort bei Berut. - eiue Ürtlichkeit im Libanou. * Stampf reigeu. 



— 245 — 

Ich sah die Süsse in ihrer AVohnung-, 
wie der Yollmond schmückte sie sich, 

o mein Herz, gehe und sage zu ihr: 
weshalb bist du mir denn böse? 

Ich sah sie unter der Weinlaube, 

sie ass Käse und Karische — ^ 
verflucht sei dieses elende Leben, 

wie vielen Junggesellen macht sie es schwer! 

Ich sah die Süsse in der Vorhalle, 

sie kokettiert mit dem Anlegen des Gürtels, 
ich will ihr ein Kleid bringen mit Knüpfen, 

ihr bringen ein Beduinenhemd. 

Ich sah die Ersehnte am Hafen, 

und sie schlug mich mit dem Jasmin, 

o Mutter, ich sah auf ihrer Stirn, 

den Hundsstern und das Siebengestirn und 

den Orion. 

Ich sah die Süsse bei der Quelle, 

sie raubte mir meinen Verstand sofort, 

ihr Stirnhaar über der Stirne 

ist mit Moschus und Ambar gebadet. 

Ich sah die Süsse am Hundsfluss,'-^ 

sie raubte meinen Leib samt der Seele, 

so lang- ich lebe, liebe ich keine andere, 

und wenn sie mich in Leichengewänder hüllten. 



3. Auf Ilaläba.'» 
Refrain. 



Hala bilwaride jammi halaba 
tä'i wahdik walä tgibi hadäba. 



^ eine Art Käse. - nördlich von Berüt, berühmt durch iigyptische 

und babylonische Inschriften auf den Felsen an seiner Mündung ins Meer. 
' s. das Vorwort. 



— 246 — 

Lied, 
fajälilla minha nisii bäni 

gitna minliu atmar ilme'äni 

wa^a'täfin ka'ermähin lidäni 
min il'alhäz kad sannat hiräba 

hala bilwäride janimi heläba 

galat 'an schams mehaijäha-nnikäba. 

lalia fura'nn rada asl a'tilcäli 

lida tälat 'alaija bilii-llejäli 

watarrun fitanäjähu-lla'äli 
liaka käs ettaka jazhu hebäba 

hala bilwäride jammi lieläba 

mahätin lau badat lilbedr räba. 

tabaddat kökaban mäsat kadiban 
ranat zabjan tarannat 'andaliban 
zahat rauclan zakat muskan watiban 

fa^abda wasfelia il'agb il'agäba 
hala bilwäride jammi heläba 
wakamm biröschk kad sunnat lieräba. 

schuft ezzen wävid 'aschscheri'a 

ubidu mahrama beda raffa 

wana 'aschän hubbi lilbedfa 
lasir schä'ir wahmilli rabäba 

hala bilwäride jammi lialäba 

ja ward eschschäm ja msalli-lhabäba. 

Refrain. 
Willkommen der zum Wasser Gehenden, o Mutter, willkommen ihr, 
komme allein und bringe niemand mit! 

Lied. 

Und bei Gott! sie gleicht einem Weidenzweig, 
wir erhielten von ihm Früchte der Andeutungen 
und Wendungen wie Spiesse für einen Kommenden, 

von den Blicken w^urden scharf Speere, — 
willkommen der zum Wasser Gehenden, o Mutter, willkommen ihr, 
sie zog von der Sonne ihres Gesichtes den Schleiei-. 



— 247 — 

Sie hat Eigenschaften, die wnrden Ursach meines Leidens, 
deshalb wurden mir lang durch sie die Nächte, 
und ein Mund mit seinen Yorderzähnen wie die Perlen, 
er redete wie ein Kelch mit Wein, der glänzt von Liebe — 
willkommen der zum Wasser Gehenden, o Mutter, will- 
kommen ihr, 
eine Schönheit, wenn sie sich dem Vollmond zeigte, ginge 

er unter. 

Sie erschien wie ein Stern, schleppte hinter sich her wie eine 

ßute, 
blickte wie eine Gazelle, sang wie eine Nachtigall, 
blühte wie ein Anger, wuchs wie Moschus und Muskat, 
und es war ihre Beschreibung das Wunder der Wimder, — 
willkommen der zum Wasser Gehenden, o Mutter, will- 
kommen ihr 
und wie viele Lanzen wurden geschärft durch Leidenschaft! 

Ich sah den Schönen gehen zur Tränkstelle, 

in seiner Hand war ein weisses feines Taschentuch, 
und ich wegen meiner Liebe zur Ausserordentlichen 

will ein Sänger werden und eine Geige tragen ^ — 

Willkommen der zum W^asser Gehenden, o Mutter, will- 
kommen ihr, 
o Rose von Damaskus, o Trösterin der Freunde! 

C-) In Merg 'Ajün. Mitgeteilt von Habib 8ubhijje in Aleppo. 
Wohin ging mein Freund? 
-Refrain. 
Ja wel weli — wen hubbi rähi 
sakkar 'alaija — uclaija'-lmiftähi. 

Lied. 
Scliuftu bdüna — uläbis elmakrüna 

chaschsch ilkurüma — ukasehkasch elmustähi. 

schuftu bchalli — wilhabib bchalli 
kaddani wakalli — wen hubbi lähi. 



^ um auf der Geige den Gesang zu befj^leiten. 



— 248 — 

Refrain. 
O wehe, wehe mir! 

wohin ging- mein Freund? 
er schloss hinter mir zu 

und verlor den Schlüssel. 

Lied. 

Ich sah ihn in Düna, 

er hatte angelegt die Kopfbinde, 
er ging hinein in die Weingärten 

und leerte den Traubenplatz. ^ 

Ich sah ihn in eineiu Thälchen 

und den Geliebten in einem Thälchen, 
er nahte und sagte zu mir: 

Wohin ging mein Geliebter? 

Mitgeteilt von eiuem griechischeu Priester in Abu Kaiuha.^ 
Die Geliebte des Richters. 

Dakdak elkäcli iftahülu 

ufurschülu täjenäm 
ufurschülu güch iFahmar 

wilbenafsag winne^äm. 

kultillu kädi esch mrädak 

kal scherad minni razäl 
kultillu wesch hauk razälak 

käl abjacl wilu chzäm. 

kultillu wesch jir'a razälak 

käl min ras innafal 
kultillu wesch jischrab razälak 

käl moij min ezzeläl. 

Es klopfte der Richter, öffnet ihm, 
und bettet ihm, dass er schlafe! 

bettet ihm das rote Tuch 

und Teilchen und Straussenfedern ! 



^ der Platz für das Trocknen von Tranigen. - als auf der Weinkelter 
gesungen. 



— 249 — 

Ich sagte zu ihm: Richter, was ist dein Wunsch? 

er sagte: Es entlief mir eine Gazelle. 
Ich sagte zu ihm: Wie ist die Art deiner Gazelle? 

er sagte: Weiss, und sie hat einen Nasenring. 

Ich sagte zu ihm: Was frisst deine Gazelle? 

er sagte: Yom Kopf des Klee. 
Ich sagte zu ihm: Was trinkt deine Gazelle? 

er sagte: Wasser vom Klaren. 



d) In Berut. Mitgeteilt von einem juugeu Berutenser auf dem Dampfer 
zwischen BerOt und Alexaudria. 

Die Spröde und die Willfährige. 

Refrain. 

Ja nachlät biraläli 
ja balahhum daua 
ja nur iren. 

Lied. 

Schuf ilhelwa filbustän 

'am titmäjal karosn ilbän 
maddet Idi 'arumm<än 

kniet hämud mü-staua 
ja nur il^en. 

in kän kasdak binhüdi 

winte muslim wala jhüdi 
lanaijemak 'azenüdi 

jalli bi'allmak schür 1 ilhaua 
ja nur il'en. 

Refrain. 

O ihr Palmen auf den Söllern, 
o ihre Datteln sind Medizin, 
o Licht des Auges! 



250 — 



Lied. 



Sieh die Süsse im Garten, 

sie schwankt wie der Zweig der Weide, 
ich streckte meine Hand nach den Granatäpfehi, 

da sagte sie: Sauer (sind sie), nicht reif, 
o Licht des Auges! 

Wenn deine Absicht geht auf meinen Busen, 
und du ein Moslem bist und kein Jude, 

will ich dich liegen lassen auf meinen Armen, 
die dich lehren das Geschäft der Liebe, 
o Licht des Auges! 



e) In Aleppo. Mitgeteilt von Ahmed Amiri. 

Ihr Braunen, erbarmt euch!^ 

Essumr Ulla hinnu 'alena 

nahna-schtabakna esch täle' bidena. 

elbid jekülu nahna-lkauäkib 
nahna ka'detna be'a'la-lmerätib 

rühi ja samra. zef^t elmeräkib 
jalli jihwäki jendam 'alena. 

wessumr jekülu alla akbar 

kull elhaläwe nizlet ^ila-Fasmar 

rühi ja becla scliörabet efaskar 
jalli jehwäki jendam 'alena. 

elbii] jekülu nahna-lbedüra 
nahna ka'detna beVla-lkusüra 

rühi ja samra trab elfächüra 
jalli jehwaki jendam 'alena. 

Ihr Braunen, um Gottes willen erbarmet euch über uns! 
wir wurden verstrickt; ^ was können wir thun? 



' Melodie 26. - in eure Liebe. 



— 251 — 

Die Weissen sagen: Wir sind die Planeten, 
unser Rang ist auf den höchsten Stufen. 

Geh fort, o Braune, du Pech der Schiffe ! 
o wer dich Hebt, hat Reue unsertwegen. 

und die Braunen sagen: Gott ist gross, 

alle Lieblichkeit kam nieder auf den Braunen. 

Geh fort, o Weisse, du Soldatensuppe ! 
o wer dich liebt, hat Reue unsertwegen. 

Die AVeissen sagen: Wir sind die Yollmonde, 
unser Sitz ist auf den höchsten Schlössern! 

Geh fort, o Braune, du Töpfererde! 

wer dich liebt, hat Reue unsertwegen. 



3. Gesänge. 

In der Belka. ^Mitgeteilt von Farali Täbri iu Essalt. 

Die entfernte Geliebte.^ 

(Beduiniscli.) 

Aschraft ana 'almergäb tawil u'ali 

ja dmü' 'eni 'alridir saijälünu 
bifrägkum ja sehög u'adnet häli 

wabät schibh illi däimätu snünu 
ja räkiban min fög hurrin schamäli 

mä judrik almisch' ab 'ali mtünu 
hurrin ze'ä'in jegfal min ilchaijäli 

jetlr lauinn berrasan jalkedünu 
bedisatin wassif sähibi-lli zahä li 

'asrin 'ala-scho"är an jüsefünu 
egrün matwijjät taij ilhebali 

elgudle risch ilhlg lau chaddabüiui 
igbinha bitgül gurs ilheläli 

wilchadd jibrig läm'ätin mtünu 
ja huegbu chatt ilgalam biddauäti 

wa'jünha 'ejün ilfahd lau az'alünu 



* Bruchstücke desselben Liedes s. S. 100. 



— 252 — 

ilchuschm debäb essef hindi jaläli 

habb ilbai-ad ja sah ladmet snünu 
ibraitmii terjäg judkar dauäli 

tubri garls eddäbb lanhuni schagünu 
ja 'imgha ja zed 'img ilrazäli 

'ogb iggefäl bissed lan tarradünu 
winhüdha tuffäh ja dem häli 

iifingcän sini bizzarf ga^adünu 
isderha mrassa' bilma'ädin uräli 

bläd iragam weschschäm mä tammanünu 
umrafFa'a mäzüiin gäbat 'aj<äli 

tgül 'üd izzäu lau hazhazünu 
danat munjati jömin denü iggemäli 

iTilii radat ja zed billa a'limünu 
täliet demü'i jöm gälün schähi 

gämet tmasseli demü'ha birdünu 
ja 'älemln übet irtün lehäli 

äjä muslemln ilmaijit lä tarhamünu 
' hätu tuaibu winscherünu gubäli 

lan miitt ana ja zed fögi-hderünu. 

Ausschau hielt ich auf hoher und erhabener Warte — 

o Thränen meines Auges auf die Wangen ^ fliessend, 
durch eure Trennung, o Geliebter, habe ich mich abgemattet 

und verbringe die IS^acht gleich einem, dessen Zähne schmerzen. 
O der du auf edlem Tiere nordwärts reitest, 

nicht erreicht der Pfad seine hohe Wohnung, 
ein edler Renner, der entkommt den Reitern, 

der fliegt, wenn sie ihn mit dem Zügel schlagen. 
Mit gefeilter Rede will ich beschreiben meinen Freund, der mir 

blühte, 

schwierig ists den Dichtern, ihn zu beschreiben. 
Flechten (hat er), gewickelt wie gewickelte Seile, 

das Stirnhaar wie die Federn des Strausses, wenn sie sie färbten, 
ihre Stirn — du würdest sagen: die Scheibe des Halbmonds. 

und die Wange blitzt, es glänzen ihre Flächen, 



1 s. S. 100 Anm. 2. 



seine Augenbraue wie die Linie des Griffels mit Tinte, 

imd ihre Augen wie die Augen des Luchs, wenn sie ihn erzürnten, 
die Nase — der Griff des Schwertes, eines indischen, das glänzt, 

wie Hagelkörner, o Freund, ist die Aufreihung seiner Zähne, 
seine Lippen sind Nektar, mir als Medizin genannt, 

die heilt den von Insekten Gestochenen, w-eiui sie ihn elend 

machten, 
o ihr Hals, o Zaid, ist der Hals der Gazelle, 

nach der Flucht, wenn sie auf der Jagd sie verfolgten, 
und ihre Brüste wie Äpfel, o meine Vergewaltigung, 

und wie eine Porzellantasse, die man hi den Untersatz ge- 
setzt hat, 
ihre Brust ist mit Metallen besetzt und kostbar, 

Persien und Syrien entsprachen nicht ihrem Wert, 
und zart ist sie, ich glaube nicht, sie gebar Kinder, 

du würdest sagen: wie der Aloestengel, wenn sie ihn schüttelten. 
Es nahte mein Wunsch, als die Schönen nahten, 

meine Seele wurde — , o Zaid, bei Gott thut es ihm kund! 
Meine Thränen flössen nieder, als sie sagten, sie gingen weg, 

sie stand da und wischte ihre Thränen mit ihren Armein. 
Ihr, die ihr kennt das „Haus",^ erhebt Totenklage über mich, 

Moslems, mit dem Sterbenden habt ihr kein Erbarmen? 
bringt ihr Gewand und breitet es vor mir aus, 

wenn ich sterbe, o Zaid, lasst es auf mich fallen! 



das Heiligtum in Mekka. 



- 254 



Zu Tanz und Reigen. 



Tanz- und Reigenlieder werden an dieser Stelle mitgeteilt, 
weil eine Hochzeit nicht ohne Tanz und Reigen zu denken ist. 
Beides fehlt aber auch nicht bei anderen festlichen Yeranstaltungen, 
wie bei Beschneidung und Taufe, und in Abendgesellschaften, be- 
sonders wenn Gäste anwesend sind. Meine beduinischen Freunde 
bei Aleppo hatten winters jeden Abend Reigentanz in ihrer Höhle, 
um sich der Kälte zu erwehren. 



1. Zum Paradiertanz der Braut. 

Wenn die Braut im Hause ihrer Eltern in ihre Hochzeits- 
gewänder gekleidet ist, oder nach der Ankunft im Hause des 
Bräutigams, wenn sie dort in ihren verschiedenen Anzügen sich 
präsentiert, führt sie mit Kerzen in beiden Händen eine Art von 
Tanz aus mit langsamer Bewegung nach allen Seiten hin, sodass 
sie gleichsam einen Stern beschreibt. Man sagt davon: titgalla „sie 
paradiert". Die Frauen singen dabei unter Begleitung der Topf- 
trommel Gelwe- Lieder.^ Eine Vorsängerin stimmt an, der Chor 
wiederholt versweise. Das Ganze ist übrigens eine mehr städtische 
Sitte, die nur hie und da auf den Dörfern Eingang gefunden hat. 
Zwei Formen eines dabei vielgesungenen Liedes werden hier mit- 
geteilt. 

Mitgeteilt aus Nazaret von Elisabet Bender in Safecl. 
Schreite einher, o Braut!^ 

Tchattari-smalla ja zena 

ja wardi guwwa-gginena 
kibsch ilkurunful ja 'arüse 

wilfill jechaijem 'alena. 



1 vgl oben S. 180. '- s. Melodie 11 und 12. 



255 — 

kümi witla'i 'asserlrek 

ter ilhamäm jenärllek 
issaijida wahda itgirek 

bint iFarab ja schelabijja. 

kümi-tla'i 'ala-ssälii 

schüfi 'arlsek schümälu 
ja rabbi jkattirlu rasmälu 

ta jebahbelilek ilchärgijja. 

marrat 'alaija bihalak masri 
kull issamak filbahv jasri 

kitalle'ek 'ala kasi'i 

wanaijimik binnamüsijja. 

lamma agü tajächdüki 

birarabijje hattüki 
mit lira dafa'u li'abüki 

ä jji 'arüs ja scheLabijja. 

kümi witlä'i la'^indi 

jamm ilfustän alimar wardi 
bilijät abüki halaffendi 

ä ja "^arüs ja megallijja. 

libsat ilkubkäb tatmaschsclia 

tatmaschscha tannha tit'aschscha 

bilijät abüji mä bit'asclischa 
illa bisui'bet lanäni. 

tcbattari challiki-kbäli 

ja hilwe ascliralti bäli 
ulmaksab üinti rasmäli 

ä ja 'ams ja 'enaija. 

kümi wilbisi 'akd illülu 
schabb izzaiif jislamli tülo 

tchattari alla alla alla 
bint iFakbär maschalla. 



— 256 - 

bint ilakbär titgalla 

'ala schama'ten madwijja 
kümi witla'i kasrek iräli 

bihjät abüki halräli. 

bihjät abüji ma batla' 

illa bitmän gauäri 
tinten minschän ilmücla 

tiiiten minschän iFüda 
tinten jehillu izräri 

tinten linnanuisijja. 

Schreite einher in Gottes Namen, du Schöne, 

du Rose im Blumengarten! 
die Nelkenblüte, o Braut, 

und der Jasmin überschatten uns. 

Steh auf, steige auf deinen Thron, 

die Tauben girren dir zu, 
die Herrin selbst bedient dich, 

du Arabermädchen, du schöne! 

Steh auf, gehe in den Salon, 

sieh, was deinem Bräutigam fehlt! 
o mein Herr, er vermehre sein Vermögen, 

dass er dir reichlich gebe das Taschengeld. 

Sie ging an mir vorüber mit ägyptischem Ohrgehäng, 

alle Fische des Meers rühren sich, 
ich werde dich auf mein Schloss bringen 

und dich schlafen legen im Himmelbett!^ 

Als sie kamen, dich zu holen, 

setzten sie dich in den Wagen, 
bezahlten hundert Lira^ deinem Vater, 

o du Braut, du schöne! 



^ Rede des Bräutigams. ^ hundert Lira (türkisch) = etwa 2300 Mark, 
eiu hohes Brautgeld, das auf ein sehr schönes Mädchen schliesseu lässt. 



— 257 — 

Steh auf und komm herauf zu mir, 

du mit dem rosem-oten Kleid, 
beim Leben deines Vaters, des EfFendi,^ 

o du Braut, du paradierende! 

Sie legte an die Stelzschuhe, ^ um zu schreiten, 
um einherzuschreiten, bis sie zu Nacht isst — 

„Beim Leben meines Vaters, ich esse nicht 
ohne einen Haufen Gesänge."^ 

„Stolziere, bleib vor mir stehen, 

Süsse, du hast beunruhigt meinen Sinn, 

und der Gewinn — du bist mein Besitz, 
o du Braut, o meine Augen !^" 

Steh auf und lege an die Perlenschnur, 

der schöne Jüngling, Er (Gott) erhalte mir seine 

Stattlichkeit ! 

stolziere, o Gott, Gott, o Gott,^ 

du Tochter von Vornehmen, ei der tausend."' 

Die Tochter von Vornehmen paradiert 

mit zwei angezündeten Kerzen — 
steh auf, steige auf dein hohes Schloss, 

beim Leben deines Vaters des teuren! 

„Beim Leben meines Vaters, ich gehe nicht hinauf 

ohne acht Dienerinnen, 
zwei wegen der Mode, 

zwei wegen des Zimmers, 
zwei meine Knöpfe zu lösen, 

zwei für das Himmelbett."'' 



' etwa: der angesehene Mann. - die Braut führt diesen Tanz auf 

hölzernen Stelzschuhen aus, die mit Perlmutter schön verziert sind. * Rede 
der Braut. * Rede des Bräutigams. * die Nennung des Gottesnamens soll 
vor dem bösen Blick schützen. * eigentlich ^wie Gott will", was aber als 
Ausruf des Erstaunens im Gebrauch ist. ' Rede der Braut. — In Jerusalem 
lautete der Schluss: tinten jimschu kuddämi — tinten jimschu waräje — 
t inten jifreschu-lfersche — tinten jehillu-zräri, „Zwei gehen vor mir, — zwei 
gehen hinter mir, — zwei betten das Lager, — zwei lösen meine Knöpfe." 
Dalman, Volksleben. 17 



— 258 — 

Mitgeteilt vou Farali Täbri iu Essalt. 
Schreite einher, o Braut! 

Kümi-tchattari ja zena 
ja zahra b'ard eggenena 

"^erk elkrunful ja razäle 
wilward chaijam 'alena. 

kümi-lbesi ^ak^d illüki 
schabb ilhelu jislam tühi 

saba' benät jerannülu 
halhelu rumh erredena. 

kümi-tla'i 'aha serlrik 
ibn iFakäbir 'aschirik 

alla jechallilak hallHk 

ja mdallale ja schelabijja. 

tadalleli alla alla 

biiit eFakäbir mäschalla 
ja scha'rik el'aswad medalla 

saba' gedäil tisblna. 

kümi-lbesi "^ak^d izmurrud 
weretr fäjih finnhüd 

weFäs iklil ezznüd 
bilijät 'arlsak aurina. 

haija tedallali 'ala-lbenät 
ja warde 'ala-lwagnät 

billa külu ja zenät 

häda amirijje wahürijja. 

haija itla'i kasr eUäli 

wahjät abük elräli 
wahjät abüja mä bitla' 

illa barba' äauäri. 



— 259 — 

tinten jinsebu esserir 

tinten jifreschu harlr 
teläte jekaddmu-schschräbät 

teläte jimschu kuddämi. 

haija bina niFab haija 
ja 'erk mad'af minhanijja 

wahjät husnik 'enaija 
mä laket mitlik schelabijje. 

jikfi deläl ja ward eddcär 
ja läbise eralmäs kontär 

min fök chaddik gillinär 
ja räjati tirfaki fina. 

haija-lbesi-ttakm elabjad 
wilhausir nähil umugrad 

welhägib aswad wahind 
sef elhenäd jefikk flna. 

haija-lbesi-swärin "^akik 
wilchadd fllön eschschekik 

wahjät rek weschschekik 
mä mitlik filnizläna. 

haija il'abi lo'b elruzlän 

ja ward azhar fl nlsän 
ja zäida 'ala-nniswän 

filhusn ma' söd erajüna. 

haija-ktubi \ala giblnik 

alla wennabi je'lnik 
ja när kalbi tikwinik 

kilbedr täH' ^alena. 

Auf, schreite einher, du Schöne, 

du Blume im Gartenlande, 
der Nelkenstock, o Gazelle, 

und die Rose beschatten uns. 

IV 



— 260 — 

Auf, lege an die Perlenschnur, 

der hübsche junge Mann — möge seine Gestalt 

unversehrt bleiben! 
sieben Mädchen singen ihm, 

dem hübschen, dem Speer der Lanze. 

Auf, steige hinauf zu deinem Thron, 

ein Sohn von Yornehmen ist dein Genosse, 

Gott lasse dir leben deinen Gatten, 
Verzärtelte, du Schöne ! 

Kokettiere, o Gott, Gott! 

du Tochter von Yornehmen ei der Tausend ! 
o dein schwarzes Haar hängt hernieder, 

sieben Flechten nehmen uns gefangen. 

Auf, lege an die Smaragdketten, 

und das Parfüm duftet auf dem Busen, 

und Myrthe ist der Kranz der Arme, 

beim Leben deines Bräutigams, lass es uns sehen! 

Yorwärts! Kokettiere vor den Mädchen, 

o Hose auf den "Wangen ! 
Bei Gott, saget, ihr Schönen: 

das ist eine Fürstin und eine Paradiesesjungfrau. 

Yorwärts! steige hinauf zum hohen Schloss, 
beim Leben deines Yaters des teuern! — 

Beim Leben meines Yaters ich steige nicht hinauf 
ausser mit vier Mägden. 

Zwei errichten das Lager, 

zwei breiten Seide, 
drei bieten Limonaden an, 

drei gehen vor mir, 

Yorwärts, lasst uns zum Spiele gehen, vorwärts, 

o Maiblumenstock, du gebogener, 
bei deiner Schönheit, meine beiden Augen — 

ich fand keine Schöne gleich dir. 



— 261 — 

Genug mit der Koketterie, o Rose des Hauses, 
die du den Diamant anlegst in Zentnern, 

über deiner Wange ist Granatenblüte, 
mein Ziel, sei freundlich gegen uns! 

Yorwärts, lege an das weisse Gewand, 

und der kleine Finger ist mager und geglättet, 
und die Augenbraue ist schwarz und nach indischer Art, 
das Schwert der Inder ^ durchbohrt uns. 

Vorwärts, lege an das Armband mit Achat, 
und die Wange hat die Farbe der Anemone,^ 

und bei deinem Ziele und deinem Bruder, 
nicht giebt es gleich dir unter den Gazellen. 

Vorwärts, spiele das Spiel der Gazellen, 

o Rose, die blühte im April, 
die du übertriffst die Frauen 

in Schönheit durch die Schwärze der Augen. 

Vorwärts, schreibe auf deine Stirn; 

Gott und der Prophet helfe dir! 
o das Feuer meines Herzens möge dich brennen, 

wie der Vollmond gehst du über uns auf! 

Als Abschluss mögen hier stehen zwei hochzeitliche Freuclentriller, 
mitgeteilt von Farah Täbri in Essalt. 

1. Bei der Übergabe der Braut an den Bräutigam. 

Ahä — ja 'arüs srir elward rabbäki 
ähä — tanjät chasrik willülu tanäjäki 

ähä — lamma trühi biggnene tuk^idi bihnäjäki 
billa tidkarna unahna mä ninsäki. 

Ahä, Braut, eine Rosenwiege hat dich aufgezogen, 
ähä, Windung ist deine Hüfte und Perlen deine Zähne, 

ähä, wenn du in den Blumengarten gehst, sitzest in deinem 

Glück, 
bei Gott, gedenke unser, und wir vergessen dich nicht. 



' ihr Blick. "^ der Purpurauemone. 



— 262 — 

2. Bei der Übergabe des Bräutigams an die Braut. 

Ahä — lelet essa^l ja "^aris tihnälak 

ähä — gibna "^arüsak bedran 'ala schänak 

ähä — bläd kasra une^män nädat alla ahnllak 
wugha essa'^d wittaufik igälak. 

Ahä, die Nacht des Glücks möge dir wohl bekommen! 

ähä, wir brachten deine Braut einem Yollmonde gleich deinet- 
wegen, 
ähä, das Land von Kasra und Ne'^män rief: Gott lass es dir wohl 

bekommen ! 
ihr Gesicht — das Glück und das Gelingen bringt es dir. 



2. Zum Tanz der Frauen. 

Unter „Tanz" (raks) versteht man in Palästina jede rythmische 
Bewegung von Händen und Füssen mit oder ohne Wechsel des 
Platzes. Häufig tanzt nur eine Person. Wenn zwei tanzen, be- 
wegen sie sich einander gegenüber oder aneinander vorbei, ohne 
sich anzufassen. Tanzende Frauen schwingen dabei Tücher in 
den Händen. Der Takt wird von der Pauke (tabl) oder der 
Topftrommel (dirbekki) oder auch durch Händeklatschen der Zu- 
schauer angegeben, zuweilen wird aber auch dabei gesungen. 
Übrigens ist der Tanz weniger zur Belustigung der Tänzer ge- 
meint als zur Unterhaltung der Gesellschaft. 

a) Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Zmikna iu Jerusalem. 

Die Zuschauerinnen des Tanzes bilden zwei Parteien. Jede 
singt jede Zeile der Gesänge zweimal, so dass dieselbe viermal 
wiederholt wird. Dabei wird im Takt in die Hände geklatscht. 

l. Auf, zum Tanz! 

Kümi urkesi jamm ilmsiha 
ngibi beda meliha. 

kümi uruksi jamm iggadäil 
ngibe 'annik besäil. 



— 263 — 

Auf, tanze, du mit den Schläfelöckchen, 
Ngibe ist ein gutes Ei! 

Auf, tanze, du mit den Flechten, 
Ngibe, dich bitte ich. 



2. Wie ein Palmbaum. 

Tähat innachle tidrug mätmil 
irmu 'annachle menädll ilharir. 

dahrik ja hanne ja retu mä jmil 
gözik 'aräsik ja ret 'omru tawil. 

Es kam herab die Palme, schreitend, nicht wankend, 
werft auf die Palme Tücher von Seide !^ 

Dein Geschick, o Hanna, o möchte es nicht wanken, 

dein Gatte über deinem Haupt, o wäre sein Leben lang! 



3. Bei der Abreise des Hausherrn. 

'Ala-lmina 'ala-lmina 

jabu sa'id effendma 
chela gitna darb eddarb 

uchela gitna sä'ida 
islamli abu mirjäm 

jachtar wana kä'ida. 

Zum Hafen, zum Hafen! 

Vater Sa'ld's, EfFendi, 
Pferde kamen zu uns den Weg des Wegs, 

Pferde kamen zu uns glücklich; 
bleibe mir unversehrt, Yater Mirjam's, 

er reist, und ich bleibe zu Hause. 



' als Geschenk wegen ihres schönen Tanzens. 



— 264 — 

4. Bei der Heimkehr des Hausherrn. 

Sulemän gäi min darb ilchallli 
tahtu muhra tchabbet "^alhariri 

jabu *ali jalbahr elkebiri 
löla-lbahr mä sirna mräkib 

walä 'ödna-ntägir bilhariri. 

Sulemän kommt vom Wege von Hebron, 

unter ihm eine junge Stute, die tritt auf Seide, 

o Yater *^Ali's, o grosses Meer, 

Aväre das Meer nicht, wären wir nicht Schiffe, 

und nicht mehr handelten wir mit Seide, 

5. Nach beigelegtem Zwist. 

Jabaij 'ali ja hanünt ilwädi 

jabaij 'ali ja rummänt ilradda 
ja semkat ilbahr til'ab fl zarad fudda 

in härabük gemä'a unakalu-lburda 
küllhom *^abidak u'int essid tatirda 

usulh benätna lä 'äschat elburda, 

Vater 'Ali's, o Blume des Thals, 

o Vater ^Ali's, o saftiger Granatapfel, 
o Fisch des Meers, der spielt mit silberner Kette, 

wenn viele mit dir kämpfen und sie bewahren den Hass, 
sie alle sind deine Sklaven und du bist der Herr, dass du zu- 
frieden seist, 

und Friede ist zwischen uns, nicht blieb leben der Hass. 



Die Tänzerin singt die erste Hälfte der Zeile, der Chor 
antwortet mit der zweiten Hälfte. Während des ganzen Ge- 
sanges Händeklatschen. 

1. Das Brautkleid. 

Kata*^ ettägir tob abu rische 

*andak ja girgis täbat irische. 



— 265 



kata' ettägir 

'andak ja haniia 
kata' ettägir 

'andak ja biitrus 



tob abu halaka 
niktub ihvaraka, 

tob eiTummäni 
nufrusch winnämi. 



Es schnitt der Kaufmann 
bei dir, o Grirg-is, 

Es schnitt der Kaufmann 
bei dir, o Hanna, 

Es schnitt der Kaufmann 
bei dir, o Butrus, 



ein Kleid vom Gefiederten,^ 

ist gut das Leben, 
ein Kleid vom Beringten,^ 

schreiben wir den Schein, - 
ein Kleid vom Granatfarbnen.^ 

wollen wir betten und schlafen. 



2. Eine Braut gefunden. 
Zalleti däir "^aggüäd tanäsibhum 

ja mä ramäni-lhaua 
zalleti däir 'aggüäd 

ja mä ramäni-lhaua 



guwwa masatibhum 
taläklhum 



kaijif kaijif ja chaiji 

chatabnälak heläni 

kaijif kaijif ja chaiji 

chatabnälak märijja 



guwwa 'alalihum. 

mälak zäUän 

tulk errihän 
mälak marbün 

tulk illemün. 



Beständig habe ich gesucht nach Freigebigen, 

dass ich ihnen gleich werde, 
o wie hat der Wind mich umhergeworfen 

auf ihren Terassen!'^ 
Beständig habe ich gesucht nach Freigebigen, 

dass ich sie finde, 
o wie hat der Wind mich umhergeworfen 

in ihren Söllern! 

Sei fröhlich, sei fröhlich, mein Bruder, 

was bist du verdriesslich? 
wir haben dir verlobt Helene, den Spross der Myrte! 
Sei fröhlich, sei fröhlich, mein Bruder, 

was bist du träge? 
wir haben dir verlobt Maria, den Spross der Citrone! 

* Bezeichnungen von bestimmten Stoffen bezw. Mustern. ^ Heirats- 

kontrakt. ' mastaba ist die gemauerte Erhöhung im Baueruhause, 

welche dem Aufenthalt der Familie dient. 



— 266 — 



3. Das Brautgeld. 



In käni biddak 

hott^ mit chlri 
in käni biddak 

hott^ mit chiri 
in käni biddak 

hott** mit chiri 
in käni biddak 

liott*^ mit chiri 



min banät chäli 

'ala diäli 
min banät ^ammi 

'ala kimmi 
titla' essillam 

kabl titkallam 
titla' ettabaka 

'ala-lwaraka. 



Wenn du wünschest 



lege hundert Dukaten ^ 
Wenn du wünschest 



lege hundert Dukaten 
Wenn du wünschest, 

erlege hundert Dukaten, 
Wenn du wünschest, 

leg-e hundert Dukaten 



von den Töchtern meines Mutter- 
bruders, 

auf meine Säume! 
von den Töchtern meines Vater- 
bruders, 

auf meinen Ärmel! 
steige hinauf die Leiter, 

ehe du redest! 
steige hinauf zum Stockwerk, 

auf den Heiratsschein! 



4. Kichererbschen! 



Jahmemsa 

jahmemsa 
jahmemsa 

jahmemsa 
jahmemsa 

jahmemsa 
jahmemsa 

jahmemsa 



ja fart rummäni 
hämid uliffäni 
menhu-Fana ahöbbu 
cliaiji ana ahöbbu 
sarret lu ilkahwe 
fimahrami schahwe 
sarret lu erriha 
fimahrame mliha. 



O Kichererbschen, 
Kichererbschen, 

o Kichererbschen, 
o Kichererbschen, 



Granatapfelkörner, 

sauer und säuerlich, 
wer ist der, den ich liebe? 

meinen Bruder, ihn liebe icli. 



^ chiri ein kleines Goldstück im Wert von oO Piastern. 



— 267 — 

o Kichererbsclien, ich band ihm ein den Kaffee, 

Kichererbschen, in ein begehrenswertes Taschentuch, 

o Kichererbschen, ich band ihm ein den Wohlgeruch, 
o Kichererbschen, in ein schönes Taschentuch. 

b) In Merg 'Ajün. Mitgeteilt von einen Bauern in Gededi als aus Ägypten 

stammend. 

Woher soll ich sie bringen? 

Umnen agiba umnen ja 'eni 

ilhelu abu dakka 
libis fustänu schalah fustänu 

kullu 'aschänu winnabi min hakka 

libsat ezzeti kal'at ezzeti 

zädat ilrangäti winnabi min hakka. 

umnen agiba umnen ja 'eni 

ilhelu abu dakka. 

W^oher denn soll ich sie bringen, woher, mein Auge, 

den Schönen, den tätowierten?^ 
Er legte an sein Kleid, legte ab sein Kleid, 

alles um seinetwillen, bei dem Propheten, das ist 

wahr ! 
Sie legte an das Olivenfarbne, zog aus das Olivenfarbne, 
vermehrte die Koketterie bei dem Propheten, das ist 

wahr ! 
Woher denn soll ich sie bringen, woher, mein Auge, 
den Schönen, den tätowierten? 



3. Zum Stampfreigen der Frauen. 

Den „Stampfreigen'' (debke ^) führen Frauen oder Männer, 
seltener beide gemeinsam, aus, indem sie eine Kette bilden, 
welche sich mit Schritten vor und seitwärts imd stets wieder- 



^ die Braut ist gemeint. Weibliches und männliches Geschlecht 
wechseln. * nicht debke, wie Wetzstein in „Die syrische Dreschtafel" 

Zeitschr. f. Ethnol. V 292 schreibt. Er erklärt dies nach dem Zusanuuen- 
haken der kleinen Finger der Tanzenden als „Hängetanz". Der Reigen heisst 
vielmehr deb ke nach dem ihm eigenen starken Aufsetzen des Fusses (dabaka). 



— 268 — 

holtem Aufstampfen eines Fusses im Kreise bewegt. Die erste 
Person der Kette bewegt sich freier und führt einen eigentHchen 
Tanz auf. Wenn nicht Pauke und Rohrflöte oder nur die letztere 
vorhanden sind, wird dazu gesungen. Eine Liedkundige stimmt 
an, die anderen singen nach, oder wiederholen bei Refrainliedern 
den Refrain. Diese Reigenart ist in ganz Syrien bei Bauern und 
Beduinen in häufigem Gebrauch, nur im Ostjordanland luinder 
üblich. 

a) Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Zmikna in Jerusalem. 

Auf „Ja Hwedeli."^ 

Ja hwedeli schadd urahal 

uhatt 'aschatt ilbahr 
jallan tehiddak ja schah^r 

ahramtini schüfet heli. 

Hwedeli ! er sattelte und zog davon 
und Hess sich nieder am Meeresstrand! 

vorwärts, dass ich dich zerstöre, o Monat, 

du versagtest mir den Anblick meiner Familie I^ 

b) In Merg 'Ajun. Mitgeteilt von einem Bauern iu Gededi. 
O Leute, tadelt mich nicht! 

Ja dakkäk ilbönna ja 'eni 'adakk ilbönna 

ja näs lä tlümüni rarlb u'am bistanna 

ja näs ulä tlümüni 

razäl uschärid 'anna libsit fustän ilmüda 

schelhat fustän ilmüda il'arüs guwwät il'üda 

ifaris barra jistanna. 

O der du den Kaffee stössest,*^ 

o mein Auge, wegen des Stossens des Kaffees/ 
o Leute, tadelt mich nicht, 

fremd bin ich und warte, 
o Leute, tadelt mich nicht! 

* vgl. oben S. 'M und das Vorwort. ^ so sagt die Weggezogene in der 
Fremde. * die Braut, welche des Bräutigams harrt, redet zu ihrem Vater 
oder Bruder. * ihretwegen muss mau Kaffee bereiten. 



— 269 — 

Eine Gazelle, sie lief mis fort, 

legte an das modische Kleid, 
legte ab das modische Kleid, 

die Braut ist drinnen im Zimmer, 
der Bräutigam wartet draussen. 

c) In Galiläa. Mitgeteilt von F. Korban in Tiberias uach dem Diktat eines 

Gefangenen. 

Klage eines Mädchens. "^ 

Refrain. 

Häm dam' ireii fök ilchadd häm 
tälat ilrebe walä-rsalli saläm. 

Lied. 

Tälat ilrebe walä-rsalli hada 

chded abu kdele schibh katr ennida 

schöfti lizzen ana bigli-ssada 

min humum elrebe min miti 'am. 

sabhak bilcher sidi ja sabi 

ja kamar ticli 'alena watistabi 
wa'inte 'and abük wana 'and abi 

mnen atülak ja walifi bilmanäm. 

sabhak bilcher jabu mbannga 

ja kamar tidi 'alena bidduga 
wa'adni-lmahbüb uwa'du mä iga 

jenäm kirr ilmoij wa'eni mä tnäm. 

sabhak bilcher sidi ja melih 

ja kamar tidi 'alena min sahlh 
limmin mä schuftak kalbi mä jisterih 

jenäm kirr ilmoij wa'eni mä tnäm. 

Refrain. 

Es fioss die Thränc des Auges über die Wange, sie floss, 

lang dauerte die Abwesenheit, und nicht sandte er mir Gruss. 

1 Melodie U\ 



— 270 — 

Lied. 

Lang dauerte die Abwesenheit, und niemanden sandte er mir, 
die Wange des mit der Stirnlocke ist wie der Tropfen des Thaus. 

Wenn ich auf den Schönen blicke, wird mir der Rost poliert 
von den Sorgen um die Abwesenheit seit tausend Jahren. 

Glücklich sei dein Morgen, mein Herr, o Jüngling, 

o Mond, der über uns leuchtet und verführt! 
Du bist bei deinem Yater und ich bei meinem Yater, 

wie soll ich dich erreichen, o mein Vertrauter, im Traum? 

Glücklich sei dein Morgen, mein Herr, du im braunen Gewand, 

o Mond, der über uns leuchtet im Dunkeln! 
Es versprach mir der Geliebte, aber das Yersprechen traf nicht ein, 

der Frosch des Wassers schläft, aber mein Auge schläft nicht. 

Glücklich sei dein Morgen, mein Herr, o Schöner, 

o Mond, der über uns leuchtet in Wahrheit! 
wenn ich dich nicht sehe, kann mein Herz nicht ruhen, 

der Frosch des Wassers schläft, aber mein Auge schläft nicht. 



4. Zum Schreitreigen der Frauen. 

Beim „Schreitreigen" (darag oder sahsil) bilden die Frauen 
zwei Reihen, welche dann mit Fussstampfen gegeneinander an- 
rücken. Jede Reihe singt jede Zeile des Liedes zweimal. Nur 
in der Ges^end von Jerusalem schien diese Reigenart üblich 



zu sem. 



Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Zmikua in Jerusalem. 
1. O Gleiten! 

Ja sahsäli — ja lammäli 
ja sahsäli — iFarab geifäli. 

ja llki ja liki — ja habb isseliki 
haggücha-lmellha — lachaiji teliki. 



— 271 — 

ijä llka ja lika — ja Svent essandüka 
sabha-lmeliha — lachaiji tellki. 

Gleiten, o Sammeln, 

o Gleiten! die Beduinen fürchten sich. 

O Passen, o Passen! o gequollenes Korn!^ 

dies hübsche Tuch steht meinem Bruder. 

O Passen, o Passen! o Schrein in der Kiste! 

die hübsche Sabha passt zu meinem Bruder! 

2. Spiele, o Spielende! 

irabi ja lä'ibe wirtifa ja mizän 

malbüsak ja chaije ja harir min ischschäm 

irabi ja lä'^ibe wirtifa ja 'aijük 

malbüsak ja chaije ja harir imnissük. 

irabi ja lä'ibe wirtifa ja kamar 

naijemün ilmgauwaz 'aharir ukasab 
ja harir ja kasab mallisin 'al haijetu 

naijemün ifazäjib taht igren elbakar 
ja bakar ja hamir latta'in 'al haijetu. 

Spiele, o Spielende, und steige zum Zenit, o Orion, ^ 
dein Gewand, o mein Bruder, ist Seide von Damaskus! 

Spiele, Spielende, und steige zum Zenit, o Widder, 
dein Gewand, o mein Bruder, ist Seide vom Markt! 

Spiele, Spielende, und steige zum Zenit, o Mond, 
lasst schlafen den Verheirateten auf Seide und Brokat, 

Seide und Brokat, streichelt seinen Bart! 

lasst schlafen die Junggesellen unter den Füssen der Rinder, 

o Rinder, o Esel, lasst Mist fallen auf seinen Bart! 



^ dieser Vers wurde aus Essalt als Kiuderlied mitgeteilt. - sellka 

ist gekochter gequollener Weizen, aus dem dann Graupe (burrul) gemacht 
wird. Hier soll es wohl nur heisseu: wie treftlich! ' d. h. bis der Orion 

kulminiert. 



— 272 



5. Zum Tanz der Männer. 

Der „Tanz" (raks) der Männer gleicht dem der Frauen, nur 
dass sie statt eines Tuches meist ein Schwert oder einen Stab 
in der Hand schwingen. Zuweilen wird von zwei Tänzern eine 
Art von Scheinkampf ausgeführt. Zur Begleitung wird meist die 
Pauke oder Topftrommel geschlagen^ oder in die Hände ge- 
klatscht. Sonst kann auch Klarinette oder Rohrflöte benützt 
werden, oder endlich Gesang; eintreten. 



In Merg 'Ajun. Gehört im Hanse des Scliech Faris Subhijje zu Balat. 
Ü Mutter so!2 

Einer der Anwesenden singt den eigentlichen Text, alle 
übrigen singen den Refrain. Der Tänzer macht Bewegungen, 
welche dem Inhalt des Gesangs entsprechen. 



Hek maschk za'rüra 

hek maschi-lrandüra 
hek ja'zim ladjüfu 

hek jidbah charüfu 
hek maschi-ssabäja 

hek maschi-ragäjiz 
hek maschi libhüra 

hek sabh binnhüra 



ja jumma hek 

ja jumma hek 
ja jumma hek 

ja jumma hek 
ja jumma hek 

ja jumma hek 
ja jumma hek 

ja jumma hek. 



So pflückt man Weissdorn, 

so geht die Kokette, 
so ladet er seine Gäste, 

so schlachtet er sein Schaf, 
so gehen die Mädchen, 

so gehen die alten Frauen, 
so gehen die Meere, 

so schwimmt man in den Flüssen, 



o Mutter so! 

o Mutter so! 
o Mutter so! 

o Mutter so! 
o Mutter so! 

o Mutter so! 
Mutter so! 

o Muttor so! 



Melodie 28 n. 29. 



Melodie 13. 



— 273 



6. Zum Stampfreigen der Männer. 

Der „Stampfreigen" (debke) der Männer ist von dem der 
Frauen nicht unterschieden.^ Doch sei erwähnt, dass es eine 
Anzahl verschiedener Arten des Stampfreigens giebt, die sich 
durch die Anordnung der Schritte und etwaige Einschaltung von 
Sprüngen unterscheiden. In bezug auf die Weise des begleitenden 
Gesangs gilt das S. 268 Gesagte. 

a) Bei Jerusalem. Mitgeteilt von einem Aussätzigen in Jerusalem. 
Wenn einer eine Reise thut, so kann er was erzählen. 

Refrain. 

Bidür ilfelak bidür 
widdinja düläb eddür. 

Lied. 

Ruhna schamäl ingellib zet 

nithauwag la'ejäl ilbet 
fi halchatra ja märet 

farragetna ^alibhür. 

Gina *ala der razäl 

rabra mä tislah minzäl 
jekilu-lmoije bilmikjäl 

ja'mahi-lmoije biddör. 

Elina scho"är etnena 

gäbu-lrada-traddena 
kulna ja 'ammi-skina 

kalli mä gänäsch eddör. 

kalli hauwid 'ala-ren 

'aleha sakkäje-tnen 
abu sofijje wibn '""hsen 

jimlülak min ras eddör. 



» s. S. 267 und Melodie 30. 
Da) man, Volksleben. ' 18 



— 274 — 

Refrain. 

Es kreist die Milchstrasse, sie kreist, 
und die Welt ist ein drehendes Rad. 

Lied. 

Wir gingen nordwärts Oel zu transportieren, 
einzukaufen für die Leute im Haus, 

auf der Reise, wie viel habe ich gesehen, 
»ie zeigte uns die Meere. 

Wir gingen nach Der Razäl, 

staubig (ist's), taugt nicht zum Wohnen, 

sie messen das Wasser mit dem Mass, 
machen das Wasser die Reihe herum. '^ 

Wir waren Dichter, wir zwei, 

sie brachten das Mittagessen, wir speisten, 

wir sagten: O mein Onkel, gieb uns zu trinken! 
er sagte zu mir: Mcht traf uns die Reihe. 

Er sagte zu mir: Gehe hinab zur Quelle, 

dort sind zwei Wasserträger, 
der Yater Sofie 's und der Sohn von Hsen, 

sie werden dir schöpfen vom Anfang der Reihe. ^ 

Mitgeteilt von Daniel Abraham iu Jerusalem und von Farah Täbri in Essalt. 

Auf Megana.^ 

Elmegana-lmegana ^almegana * 
ja zarif ettül ja 'ejüni ana. 

schuft ana lerrim "^albasta jebf 
ben ilhägib wilrurra nabt errabf 

ja habibi innani "^endak wakf 
hottni beebak 'ewäd elmahrama. 



* man darf nicht nach Belieben Wasser von der Quelle holen , sondern 
nur in einem geregelten Turnus. - d. h. von dem, der zuerst daran ist. 

^ s. das Vorwort und Melodie 14 a. * statt dessen kann auch gesungen 
werden: hnaijina hnaijina hnaijina, dessen Sinn vielleicht: „unser 
Sehnen" (v. hanin). — Man sagt megana uud megäna. 



— 275 — 

elmegana-lmegana ^almegana 
min 'arak chaddik tasauwil wothana. 

schuftha fiddär ta'gin biragln 

wilchauätim bischschamäl ubiljamm 

küm jabn iramm tahlif lak jamin 
mä jechuschsch iddär rer inte uana. 

elmegana-lmegana 'almegana 
lesch nömak laddaha retu hana. 

kämat min ennöm tindah sjä farag 
libset ilfustän u'almüda darag 

jistäliil elmahbüb 'öllijje bdarag 
bsukkara umiftäli wilbauwäb ana. 

elmegana-lmegana "^almegana 
hägi tlühi birdänik zahri-nhana. 

schüfha fiddär liijje we'immlia 

'ölbet erattär rlhet tümmha 
ja sa'adet min hauälia ulammha 

zäd fi^amr tamanta^scliar sana. 

elmegana-lmegana 'almegana 
kif häl maridkum beriäbena. 

schüfha fiddär tindah ja latif 
läni magnüne walä ^ikli chafif 

min jehebb alla u'af amni rrif 
min chubz ilmahbüb jikfäni sana. 

elmegana-lmegana 'almegana 

ifrah ja mahbüb kad nilna-lmana. 

libset ilmandil urachjetlu bnüd 
da'set 'ala 'eni udäset liPchdüd 

ja rabb ja rahmän ja asl irngüd 
tirzek ilmahbüb dar ilmin'ama. 

elmegana-lmegana 'almegana 
lä tdillu ja rfäki glt ana. 

18* 



— 276 — 

wärdin 'aren tajimlu-lkurab 

mä haläli rer zenät irarab 
ruh ja schäjib ta'clini btigrab 

ta'äl jalmahbüb nukdi 'ezzena. 

elmeganä-lmegana ^almegana 
lauläki ulaulä 'jünik mä glt ana. 

ja zarif ettül 'enak 'en bäz 

mä heläli rer dakkak 'albzäz 
lan garra'üni sabr be'ödd essabr gäz 

lä rina 'ankum bbäbi lä rina.^ 

JVIegana, Megana, auf Megana,'^ 

Schöngewachsener, o meine Augen! 

Ich sah die Antilope auf dem offnen Platz verkaufen, 

zwischen der Wimper^ und dem Stirnhaar sprosst frischer Wuchs,* 

o mein Geliebter, in Wahrheit bei dir fiel ich nieder, 
stecke mich in deine Tasche anstatt des Taschentuchs! 

Megana, Megana, auf Megana, 

vom Schweiss deiner Wange will ich waschen ^ und mahlen. 

Ich sah sie im Hause den Teig kneten 

mit Ringen an der Linken und an der Rechten, 

auf, Sohn des Onkels, dass ich dir schwöre mit der Rechten, 
niemand soll ins Haus kommen ausser dir und mir. 

Megana, Megana, auf Megana, 

wozu dein Schlaf bis zum lichten Morgen? möge er wohl- 
bekommen! 

Sie erhob sich vom Schlafe, rufend : o Farag ! 

sie legte das Kleid an nach der Mode gangbar, 
es steht an dem Geliebten ein Söller mit Treppe, 

mit Schloss und Schlüssel und mit mir als Pförtner, 



^ andere hierhergehörende Strophen sind aus Versehen als 'Atäba- Verse 
mitgeteilt worden, s. S. 77 ff. die Nummern 39 — 44. * hier nur Bezeichnung 
der Dichtungsart , eigentl. „Holzhammer". * hägib eigentlich „Augen- 

braue". * die Augenbrauen. ^ das Getreide wird vor dem Mahlen ge- 

waschen. 



— 'It t — 

Megana, Megana, auf Megana, 

genug schüttelst du deine Armelzipfel, mein Rücken ist ge- 
krümmt ! 

Ich sah sie im Hause, sie mit ihrer Mutter, 

die Schachtel des Gewürzkrämers ist der Geruch ihres Mundes, 
über das Glück dessen, der sie besitzt und aufhebt, 

er nimmt zu an Lebenslänge achtzehn Jahre. 

Megana, Meganä, auf Megana, 

wie befindet sich euer Kranker unter den Abwesenden? 

Siehe sie im Hause, sie ruft: o Gütiger! 

ich bin nicht irrsinnig, noch ist mein Verstand sctiwach, 
wer Gott liebt, speise mich mit einem Kuchen 

vom Brot des Geliebten, er genügt mir für ein Jahr. 

Megana, Megana, auf Megana, 

freue dich, o Geliebter, wir erreichten den Wunsch. 

Sie legte das Kopftuch an und Hess daran hängen Quasten, 
sie that es zum Trotz meinem Auge, sie that es zum Trotz 

den Wangen, 

Herr, du Barmherziger, o Ursprung der Wesen, 

gewähre dem Geliebten die Wohnung des Paradieses! 

Megana, Megana, auf Megana, 

seid nicht unglücklich, o meine Genossen, ich kam ja! 

Sie gehen zur Quelle, die Schläuche zu füllen, 

nichts gefällt mir ausser den Schönen der Beduinen, 

geh fort, o Greis, du steckst mich an mit Krätze, 
komm, o Geliebter, wir vollenden unsre Kraft. 

Megana, Megana, auf Megana, 

wärst du nicht, wären deine Augen nicht, wäre ich nicht ge- 
kommen. 

Schöngewachsener, dein Auge ist Auge eines Falken, 

nichts gefällt mir ausser deiner Tätowierung auf dem Busen, 

wenn sie mich Wermut schlucken Hessen, rechnete ich es als recht, 
kein Genüge ohne euch, meine Geliebten, kein Genüge ! 



— 278 — 

b) Im 'Aglun. Mitgeteilt von eiuem Bauern in Elhösn. 
Der kokette Alte. 

Läbis raendil mgassab 

schälih mendil mgassab 
ja schäib lä tenassab 

goddämak när ugeniie. 

Läbis raendil mgetan 

schälih mendil mgetan 
ja schäib lä titschetan 

ibn 'ammi mä 'annu. 

Enninne befaj ettüt 

wilwarag fögu niahtüt 
dizzu-schschäib challüh müt 

bnär ighennam dubbinnu. 

Du, der anlegt ein mit Silber durchwehtes Tuch. 

der ablegt ein mit Silber durchwehtes Tuch, 
Greis, mach dich nicht hübsch, 

Yor dir ist Höllenfeuer und Paradies. 

Du, der anlegt ein Tuch mit Borten, 

der ablegt ein Tuch mit Borten, 
o Greis, mache keine Dummheiten! 

Mein Yetter ^ — keiner ausser ihm ! 

Der Schlummer im Schatten des Maulbeerbaums, 
und die Blätter darüber abgefallen, — 

Stosst weg den Greis, lasst ihn sterben, 
in das Höllenfeuer werft ihn! 

c) In Merg 'AjQn. Mitgeteilt vom Maultiertreiber Cheiralla aus Chijäm. 

Auf Megana.2 

Refrain. 

'Almegana 'almegana 'almegana 
ja bint abüki schäilik lahsäbina. 



1 ihn wünsche ich. - JVIelodie 14 ». 



— 279 — 

Lied. 

Ja chschüfin käbalüni-rrädani 

künt räjih fittarik uraddani 
inkän ja rühi mä 'ödt tridani 

lasbiir tiäbi 'alekum wahzana. 

ja chschüfin käbalüni min be'ld 

farfah ^klebi iikult iljöm 'id 
küm jabniramm nirab biggrid 

gerldet ilmahbüb säbitni ana. ^ 

ja clischiifin käbalüni tnenhum 

mä helili rer höbbi benhum 
küm jabnifamm nöfi denhum 

denet ilmahbüb ladäjir sana. 

Refrain. 

Auf Megana, auf Megana, auf Megana!^ 

Mädchen, dein Vater trug dich ein für unsere Rechnung. 

Lied. 

Gazellenjunges, es begegneten mir, die mich gern haben,^ 
ich ging auf dem AVege, und sie machten mich zurückkehren. 

Wenn du, mein Geist, mich nicht mehr magst, 

färbe ich meine Kleider euretwegen und halte Trauer. 

O Gazellenjunges, sie begegneten mir von fern, 

es freute sich mein Herzchen, und ich sagte: heut ist Fest! 

Auf, o Sohn des Onkels, lasst uns mit Geren ^ spielen, 
der Ger des Geliebten hat mich getroffen. 

O Gazellenjunges, es begegneten mir sie beide, 

nur mein Geliebter ist mir süss unter ihnen, 
auf, Sohn des Onkels, wir bezahlen die Schuld an sie, 

die Schuld des Geliebten lasse ich stehen ein Jahr.* 



' s. S. 276. - die Geliebte. ' Holzstäbe, beim Wettreunen verwandt. 
* d. h. das Verhältnis zur anderen löse ich, das Verhältnis zur Geliebten lasse 
ich bestehen. 



— 280 — 
Mitgeteilt vou Hablb Subhijje aus Balät. 

Wettgesänge. 

Wenn im Reigen zwei Improvisatoren vorhanden sind, stellt 
ein beliebiger Reigentänzer eine vierzeilige Strophe als Thema 
(farsche) auf. Jeder Improvisator singt dann zwei vierzeilige 
Strophen, in denen Zeile 1 mid 3 des Themas als erste und 
dritte Zeile erscheinen. Die vierte Zeile der zweiten Strophe ist 
eine Umstellung von Zeile 2 und muss in den Schlussreim des 
Themas ausgehen. Der Chor wiederholt singend jede Zeile des 
Themas wie des Wettgesangs. 

1. Wärst du nicht. 
Farsche. 

Lauläk ja hubbi lauläk 

la'bud rabbi wasir meläk 
bitla*^ biskun biggenne 

ubiftah bäben uschubbäk. 

Erster Sänger. 

Lauläk ja hubbi lauläk 

firälam mäfi mitlak 
bitla^ biskun biggenne 

u'ifdi nafsi min eglak. 

lauläk ja hubbi lauläk 

dachlak kulli schü is'älak 
bitla* biskun biggenne 

suälak kulli dachlak. 



Zweiter Sänger. 

Lauläk ja hubbi lauläk 
mä 'amri sirt ifkir 

bitla' biskun biggenne 
u'itba" likär ettaswir. 



— 2Sl — 

lauläk ja liubbi lauläk 
lagiblak badlet harlr 

bitla"^ biskim biggenne 
ubcdlet harlr lagiblak. 



Thema. 



Wärst du nicht, mein Freund, wärst du nicht, 

würde ich meinem Herrn dienen und ein Engel sein, 

ich stiege empor und wohnte im Paradies, 
und öffnete zwei Thüren und ein Fenster.^ 



Erster Sänger. 

Wärst du nicht, mein Freund, wärst du nicht, 
in der Welt giebt es keinen wie du, 

ich stiege empor und wohnte im Paradies 

und gäbe meine Seele als Lösegeld deinetwegen. 

Wärst du nicht, mein Freund, wärst du nicht, 
ich bitte dich, sage mir deinen Wunsch! 

ich stiege empor und wohnte im Paradies, 
deinen Wunsch sage mir, ich bitte dich. 

Zweiter Sänger. 

Wärst du nicht, o mein Freund, wärst du nicht, 

niemals wurde ich arm, 
ich stiege empor und wohnte im Paradies, 

und ich folgte dem Werk der Photographie. ^ 

Wärst du nicht, o mein Freund, wärst du nicht, 
ich will dir bringen einen Anzug von Seide, 

ich steige empor und wohne im Paradies, 

und einen Anzug von Seide will ich dir bringen. 



* um nach der Geliebten auszuschauen und ihr den Eintritt zu er- 
leichtem. 2 das Mädchen ist wie ein schönes Bild. 



— 282 — 

2. Gieb das Schwert! 
Farsche. 

A'ti-ssef lidarräbu 

werrumh bjilbak lilchaijäl 

will liädat 'an arbäbii 
kär ilfann bjitbahdal. 

Erster Sänger. 

A'ti-ssef lidarräbu 

jabii 'ajün illauzijje 
win hädat 'an arbäbu 

bihalkär mäfik laije. 

A'ti-ssef lidarräbu 

ja schar räl gib musrijje 

win hädat 'an arbäbu 
gib musrijje ja scharräl. 

Zweiter Sänger. 

A'ti-ssef liclarräbu 

uschü beddak bihaschschurle 
win hädat 'an arbäbu 

wil'adas niä jsir niirle. 

A'ti-ssef lidarräbu 

werräsmäl hatta-lbarle 
win hädat 'an arbäbu 

hatta-lbarle werräsmäl. 

Thema. 

Gieb das Schwert seinem Schläger 
und der Speer steht dem Reiter, 

und wenn es weggeht von seinen Herren, 
wird das Werk der Kunst beschimpft. 



— 28a — 

Erster Sänger. 

Gieb das Schwert seinem Schläger, 

du mit Augen wie Mandeln, 
und wenn es weggeht von seinen Herren, 

in diesem Werk bist du mir nicht gleich. 

Gieb das Schwert seinem Schläger, 

o Arbeiter, bring Geld,^ 
und wenn es weggeht von seinen Herren, 

bring Geld, o Arbeiter! 

Zweiter Sänger. 

Gieb das Schwert seinem Schläger, 
und was willst du in dieser Arbeit? 

und wenn es weggeht von seinen Herren, 
die Linsen werden ja nicht Mirle.^ 

Gieb das Schwert seinem Schläger, 
und das Kapital, auch den Maulesel,^ 

wenn es weggeht von seinen Herren, 

geht auch der Maulesel und das Kapital. 

d) Im Libanon. Mitgeteilt von Habib Subhijje aus Balät. 

Der Maronit und der Lateiner. 

Bei einer Maronitenhochzeit im Libanon kommt ein Römisch- 
Orthodoxer vorüber. Er bemerkt, dass der Vorsänger, welcher 
beim Reigen Lieder improvisiert, Fehler macht, tritt in den Tanz 
ein und fängt selbst an zu singen. Darauf entspinnt sich folgender 
Liederwettstreit. 

Der Maronit singt: 

Läni mitl bäki-nnäs 

ulä min mille mabrüda 
uläna mitl chüri rüm 

bissama mälu üda. 



^ Aufforderung au den zweiten Säuger, etwas Rechtes zu leisten. - mirl e 
ein heisses Getränk aus Traubensyrup , Sesam, Nuss und Piuienkerneu. Der 
zweite Dichter sagt dem ersten, dass von ihm nichts Gutes kommen kann. 
' der erste Sänger soll dem zweiten das Feld räumen. 



— 284 — 

Ich bin nicht wie die anderen Leute, 

und nicht von der verhassten Gesellschaft, 

und ich bin nicht wie der Priester von Rom/ 
im Himmel hat er kein Zimmer. 

Der Lateiner antwortet: 

Läni mitl bäki-nUfäs 

ulä min mille marbüta 
uläna mitl mär märün 
räbit "^ainu bifüta. 

Ich bin nicht wie die anderen Leute 

und nicht A^on der suspendierten Gesellschaft, 

und ich bin nicht wie Mär Märün, ^ 

der sein Auge mit einem Tuche zubindet. 

e) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduineu Hmed. 
l. Du mit dem luftfächelnden Tuch! 

Jabu mändil hauäwij 

mitwäschschih bih 
ja rabbi jiga' minnu 

wani blägih. 

jabnaije dschtaltini 

balla chdini 
ntschan abaijitsch ja'tini 

alla ichallih. 

du mit dem luftfächelnden Tuche, 
das er sich als Schärpe angelegt hat, 

o mein Herr, möge es fallen von ihm, 
und ich finde es dann ! 

Mädchen, du hast mich getötet, 

bei Gott, nimm mich! 
Wenn dein Vater (dich) mir giebt, 

erhalte Gott ihn am Leben! 



^ der Papst. - der Begründer der Maroniteukirche, welcher ein sus- 
pendierter Priester gewesen sein soll, dem ein lateinischer Priester Mär Uköla 
ein Auge ausgesehlagen hatte. 



— 285 — 

2. Auf Megana.^ 

Refrain. 

Ntschallifak ja zen lüh almegana. 

Lied. 

'Indi minibjüt megane bhär 

jedschtulanna-lbid binatr eschsche'är 

utschäbelitschin siimr ja kudsch eschschahär 
iigä'idät ilchäii mäbi marhama. 

essumr wilbid ja hugg izzebäd 

ugäibu ettägir min taht burdäd 
utschäbelitschin ja bid chintin biVebäd 

assumr hcäibät lilibsu 'aba. 

rarbi-schschech ehmed lazra' kann 'üd 

düht inna'amän wagnät elchudüd 
ja hef 'anz errim tnäm bhudn 'üd 

wa'affas iggüri umä taijar nide. 

schift ana-lkauwäk ihüsch mussala 
mrädschibu-lgannäs min gabl assala 

jegulhi git ila-ddebtscha winnha mfassala 
urilit echdera bisdür ilbanät. 

Refrain. 
Wir bemühen dich, o Schöner, schwinge den „Schlägel".^ 

Lied. 

Ich habe von Versen auf Megana Meere ; 

es töten uns die Weissen durch Ausbreitung der Haare, 
aber fort mit euch, Braune, ihr russigen Gäule, 

und Fegerinnen (?) der Karawanserei, da ist kein Erbarmen. 



1 vcrl. Melodie 14 a und 30. "^ d. h. singe ein Lied auf Megana. 



— 286 — 

Die Braunen und die Weissen — o Büchsen mit Zibet, 
das der Kaufmann brachte von unterhalb Baghdäd, — 

und fort mit euch, ihr AYeissen, ihr wart treulos gegen die Leute, 
die Braunen sind sehenswert, auch wenn sie anlegten einen 

Mantel. 1 

Westlich von Schech Hmed will ich mir pflanzen einen Garten 

von Aloeholz, 

wie der hohe Baum Ne'män's,- wie die Wangen der Backen — 
O weh! das Antilopenweibchen schläft im Schoss eines Stocks,' 

und er zertrat die Centifolie, und Hess nicht fliegen Thau. 

Ich sah den Schönen, er sammelt Reiser,* 

ihn beobachtet der Jäger vor der Gebetszeit, 
er sagt zu ihm: du kamst zum Reigen, und siehe, er war auf- 
gelöst, 

und Geruch grünen Krauts ist auf den Brüsten der Mädchen.'^ 

3. O mein Besitz!'' 
Als Refrain dient die erste Zeile. 

Ja haläli ja mäli 

ja 'izzi mä garäli 
in tschäditsch batschra tiFabin 

win tschäditsch fäter tindschirin. 

räsin *ala-lrarbijja 

tül idaija uriglaija 
uräsin 'ala-schschardschijja 

schillat harir umarmijja. 

ilhöl ilhöl ilhölijja 

raba'i riddura 'alaija 
kullum imäsiklu 'asa 

illäni mäsik ignäja. 



^ trotz solcher Verhüllung. ^ ein sagenhafter Fürst. ' ein Greis. 

* so erklärte Hmed. ^ zur Kühlung nach dem Tanz. ^ wohl ursprüng- 
lich Lied zum Klatschreigen, der aber bei Aleppo nicht üblich ist. 



— 287 — 

tiswa shüt etturkmän 

utiswa telat mit hsän 
utiswa halab umäblha 

uschai'dschllia urarblha. 

utiswa süg ilbelistän 

dikkän enbatar dikkän 
tiswa liöntet ibn rislän 

kull gerze thurr saba*^ erhäl. 
häda nazam ibn limedän 

min "^aschiret-eschschahrijje. 

O mein Besitz, o mein Schatz, 

o meine Ehre, was hat mich betroffen! 
wenn du noch Mädchen ^ bist, scherze, 

hast du aber schon die Schneidezähne,^ mach dich 

davon ! 

Das Haupt(haar) der Westlichen 

hat die Länge meiner Arme und meiner Beine, 
aber das Haupt(haar) der Ostlichen 

ist ein Strähn von Seide, den man weggeworfen hat. 

O Schreck, o Schreck, o Schrecken!^ 

meine Genossen, antwortet mir!* 
sie alle nehmen sich einen Stecken, 

aber ich nehme eine Keule. 

Sie ist wert das Yieh der Turkmanen, 

sie ist wert drei hundert Hengste, 
sie ist wert Aleppo und was darin ist 

und seinen Osten und Westen. 

Sie ist wert den Markt von Belistän, 

und zwar Laden auf Laden, 
sie ist wert den Weizen von Ibn Rislän, 

jedes Bündel lässt fallen sieben Kamellasten, 
Dieses dichtete der Sohn Hmedans 

vom Stamme der Schahrijje. 



^ zwischen 15 und 24 Jahren. ^ fätir ist ein Kamel, das die Schneide- 
zähne hat. * vielleicht richtige!- unübersetzt zu lassen. * d. h. respon- 
diert im Gesang. 



— 288 — 

4. Auf „Ja Mülaija". 

Für den Refrain sind hier vier verschiedene Formen an- 
gegeben. In diesem Fall wird der Vorsänger ihn stets vorsingen 
müssen. 

Rarräb za'in ilhamad 'aschschäm mädribu 

iimä had untäna-lchabar tä nugdub ^drebu 
chadd iragijje gibn weddor lissa bu 
urae'asseru halgiddi mäbu danas moije. 

makkär wabi-zzeluf wa'eni ja mülaije 
barrüt gatta' gamal mä gauwasu-lmoije. 

irget bräs irölu 'annet li 'anne 

uoIr, frag ilwulif rabbi ta'äwinna 
alla 'alik ja 'agi ab'^'adt menäzilna 

umhabbetin bilgelb lä tzall metschmijje. 

makkär jabi-zzeluf 'eni ja mülaije 

urarräf guwwa-lhanatsch ja mabrad ilmoije. 

min kökabin kiittan min kökabin kuttan 
wichdüd chaijt ilvvalad duhbän win 'addan 

utiswa bäsch 'aneza lassüg wirtaddan 
wilmüsil ilmu'^tamad udiarbakrijje. 

ugib jabu-zzeluf ja 'eni ja mülaije 

uhottu bikräi habl ugümii schhatu bijje. 

larga bräs ifölu wischref 'ala-lchäni 

elhiss hiss 'gsöba til'ab *ala-lmäni 
umä giltillak ja m'allmi clemi mnil'immäni 

wischschök lasa' Tagärib chamasch Idaije. 

ugib abu-zzeluf wa'eni ja mülaije 

ulä 'ödt ridak ulä zall lak bilgalb nijje. 

stagbalan dschüble-stagbalan dschüble 

wana dschatalni-ratasch 'alrarabu dschüble 

winnäs nämat bhana bilgurt winnifle 
wani dschetalni-lbarid ubtäg irabäje. 

ugib abu-zzalaf ilch. 



— 289 — 

bannet räsi wiradidsch 'addetu 

mahbüb galbi bidäk il'arab challetu 

assäs bifi*äg''na rabbi jinhadim betu 

mä 'äsch lu min adclana lä sbej ulä bnaije. 

ugib abu-zzeliif eich. 

jamm ilbnesch ilham-'r ja hef mälu gib 
bärethim min zarar tä sär bl-schschib 

umäsla 'aschlr iggahal illa libiäl tegib 
willa igussün elrazäl utis'lim ilhaije. 

ugib abu-zzeluf eich. 

uchschef madd nsarah ubsägtu tuljän 
usnün lubb iddahab mitfäsla murgän 

gülu labuha tschal'b jibnllha siwän 
scharg ittwel nas^b wähdu chaläwijje. 

ugib abu-zzeluf eich. 

min füg abu tabba min fög abu tabba 

hattat mchözag dahab taht ilhenetsch libbe 

uhäditsch ucht ilwalad raddat mribbe 
widdüs bassinsele wattög abu laije. 

ugib abu zzeluf-elch. 

urjäm te/a gört urjäm ter'a mäsch 

widmü"" 'eni sakub ja guäd tscharrischräsch 

ba'd ditsch ilm'^habbc wiljöm 'ad 'alläsch 
schitän jämdallale bditsch irözübijje. 

gib jabu-zzeluf eich. 

hazamtha bmehzame waschahf^ha bgurde 
'ala hsäbi jöm ellaga tanhar iggerde 

usär söt iddaha gäsim jabu warde 
saht "bsüt iddaha mä had hauwälaije. 

gib jabu-zzeluf eich. 

Dal man, "Volksleljen. 19 



— 290 — 

Westwärts zog Hamads Gesellschaft — nach Damaskus — ich 

weiss nicht von ihr, 
und niemand gab uns die Nachricht, dass wir ihren Weg 

nähmen, 
die Wange des Mädchens ist wie Käse, worin noch der Labmagen,^ 
und den man ausdrückt dermassen, dass keine Spur von Wasser 

darin bleibt. 

Betrüger, du mit den Stirnlocken, und mein Auge, o mein 

Patron I 
ein Floh trug ein Kamel durch eine Furt, nicht Hess er es 

berühren das Wasser.- 

Ich stieg auf den Gipfel des Bergs, seufzte für mich einen Seufzer: 
und bei der Trennung von den Vertrauten, mein Herr, hilf uns! 

Gott sei wider dich, o Knäbchen,^ du entferntest unsre Wohnungen, 
und Liebe bleibt im Herzen nicht verborgen. 

Betrüger, du mit den Stirnlocken, mein Auge, o mein Patron, 
mit einem Wasserrad im Gaumen, o Kühle des Wassers!* 

Von Kökab kamen sie herab, von Kökab kamen sie herab, 
und die Wangen der Schwester des Knaben^ sind wie Gold, 

wenn sie es zählen, 
sie ist wert eine Kamelherde der 'Aneza,*" die zum Markt kam 

und zurückgeführt wurde," 
und Mösul, das berühmte, und Diarbekr. 

Ja gieb,^ du mit der Stirnlocke, o mein Auge, o mein Patron, 
und legt an meine Fussgelenke ein Seil, und steht auf, 

zieht mich ! ^ 

^ dür ist das Stück Labmagen, welches in die Milch gerührt wird. 
Als ganz frisch soll der Käse bezeichnet werden. ^ diese unglaubliche 

Geschichte wird der Geliebten entgegen gehalten, weil ihre Rede ebenso 
unzuverlässig ist. ' die Geliebte ist gemeint. * sie zu küssen, erfrischt 
wie ein kühler Trunk. ^ der Geliebten. * ein mächtiger Beduinenstamm. 
^ die Herde fand keinen Käufer, weil niemand sie bezahlen konnte. * gieh, 
was du hast, sei willföhrig! " er will alles mit sich machen lassen. 



— 291 — 

Ich steige auf den Gipfel der Höhe und schaue aus nach dem Chan, 
der Laut ist der Laut einer Rohrflöte, die gespielt wird auf 

die Melodie „mäni","- 
und ich sagte nicht zu dir: Meister! ich habe Schmerz vom 

Erntestück, 
und die Dornen zerkratzten mit Stichen von Skorpionen meine 

Hände! 2 

Ja gieb, du mit den Stirnlocken, mein Auge, o mein Patron! 
aber nicht mehr mag ich dich, und nicht blieb nach dir im 

Herzen Verlangen. 

Sie gingen südwärts, sie gingen südwärts, 

und mich tötete der Durst wegen derer, die sich entfernten 

südwärts, 
und die Leute schliefen behaglich in Lauch und Klee, 

mich aber tötete die Kälte in dem blossen Mantel ! ^ 

Gieb, du mit den Stirnlocken u. s. w^ 

Ich färbte mit Henna mein Haar und die Stirnlocke Hess ich 

wasserlos,* 
den Liebling meines Herzens — an jenem Ort der Beduinen 

Hess ich ihn. 
Der den Plan machte, uns zu tremien, o mein Herr, zerstört 

werde sein Haus, 
kein Lebender sei ihm von den Nachkommen, nicht Knäblein, 

nicht Mädchen! 

Gieb, du mit den Stirnlocken u. s. w. 

du mit dem roten Kleide, wie schade, ohne Taschen!^ 
ich folgte ^ ihnen von klein auf, bis ich grau wurde, 

und ich kann nicht vermissen den Vertrauten der Zeit der Un- 

erfahrenheit, es sei denn, der Maulesel gebiert, 

und man schert die Gazelle und die Schlange wird ein Moslem. 



^ zum Reigen. Vgl. S. 243. Es wäre dort vergnüglicher gewesen. ''■ um 
des Mädchens willen hat er ausgehalten. ^ er fror vor Sehnsucht nach 

der Geliebten. * er hat sich für sie geschmückt. Die Stirnlocke Hess er un- 
gefärbt, also schwarz. ^ in die der Liebhaber etwas thun könnte, bnesch 
ist ein langärmliges weites Oberkleid. * so nach Hmed. 

19* 



— 292 — 
Gieb, du mit den Stirnlocken u. s. w. 

Und das Gazellenjunge kam heraus und ging auf die Weide, mit 

Fesseln an seinem Bein,^ 
und Zähne wie das beste Gold mit dazwischengesetzten 

Korallen. — 
Sagt ihrem Yater: du Hund! er möge ihr ein Zelt bauen, 
östlich von Twel, errichtet nur von ihm in der Einsamkeit.^ 

Gieb, du mit den Stirnlocken u. s. w. 

Yon oberhalb Abu Tabba, von oberhalb Abu Tabba 

legte sie an goldene Münzen,* unter der Kinnlade eine Perlen- 
schnur ; 

und jene die Schwester des Knaben* kehrte zurück am Ende, 
einhergehend in Kette und Geflecht von Abu Lajje. 

Gieb, du mit den Stirnlocken u. s. w. 

Die Antilopen fressen Lauch, die xVntilopen fressen "Wicken, 
und die Thränen meines Auges fliessen — o ihr Freigebigen,' 

wie der "VYasserguss, 

damals war die -Liebe, heut aber ward es zu nichts, 
ein Satan,^ o Verzärtelte, zur Zeit der Jungfrauschaft. 

Gieb, du mit den Stirnlocken u. s.w. 

Ich gürtete sie mit einem Gürtel und legte ihr an ein Schwert, 
ich dachte, am Tage des Handgemenges ersticht sie die Horde.'' 

Und es geschah ein Ruf am Morgen:^ Käsim, Yater von Warde ! 
ich rief mit der Stimme des Morgens: „Keiner ist um mich 

her!"*» 

' Knöchelringe waren zum Schmuck augelegt. - siwän, ein kleines 
spitzes Zelt, soll er ihr in der Einsamkeit errichten, damit ihre Brüder sie 
mit ihrem Kinde nicht töten. * mchözag sind grosse Münzen, welche 
über der Schläfe hängen. * der Geliebten. ^ (Jie Thränen sind angeredet. 
" d. h. voller Künste der Anlockung. Die Bezeichnung schliesst keinen Tadel 
in sich. ' er hoffte, sie werde sich, wenn sich Gegensatz erhebt, auf seine 
Seite schlagen. » söt eddaha eigentl. ,ein Ruf des zeitigen Vormittags", 
zwischen 71/2 und QVa Uhr, d.h. ein Ruf, der den um diese Zeit lebhaftesten 
Strassenlärm zu durchdringen vermag. * hier nennt sich der Dichter, der 
das Gedicht allein cremacht. 



— 293 — 

Mitgeteilt von Ahmed Amiri iu Aleppo. 

Tritt her, du mit den Locken! 

Refrain. 

Düs jabu zelüf 'eni ja mülaije ^ 

safsäf lä tinhana schirschak *^ala-lmoije. 

Andere Formen der zweiten Zeile: 

gurbän zerdumtki haltischrab ilmoije. 
gisr ilhadid inbara min dös igraije. 

Lied. 

Ubdit adahrig- ha gar min wädi ila wädi 
wa'add ngüm essama guäz ufrädi 

rabbi jerlb elgamar lagdi ana mrädi 
wagdi täh-ramr 'ischre ukefijje. 

uthöschsch bischschumra uthöschsch bisehschumra 
uthöschsch belel ittauwil bidau ilgamra 

win 'aijerüni-lchalg mahbübitka samra 
samra bint iFarab asl^ha hadidijje. 

utgül ja dünja utgül ja dünja 

sakrän sehärib chamr mäni 'ala-ddünja 

ja galb gaddi safa eschlak bihad dünja 
margü'ana ila-llah^d ja nur 'enaija. 

utgiäl ja rabbi utgül ja rabbi 

armetni birasch^g tirmi ma'i höbbi 

uthln mä '^and^na burrul wala habbe 
'andi habib ilgalb ja nur 'enaija. 

rarbi gebäl süd rarbi gebäl süd 

laula haua bintkum mä gitkum häsüd 

bijeddi laschil ilgadah ubekitfi laschll eggüd 
wagül jahl innazil maijtu ^^labijje. 



^ nach Amiri jamu laije „o Mutter, her zu mir". Diese Deutung er- 
wähnt auch Hartmann, ZDMG LI (1897) 200. 



— 294 — 

utgül märidu utgül märiclu 

jamm ilchzäm iddahab 'ala-lchadd lauwitu 
uftaim bäschit halab wamüni kechitu 

wachadige biräs ilbilok tusrach hrübijje. 

utgül bihdaije utgül bihdaije 

mitlik mä gäbu-nnisa walä walladit eddaije 
wittumm chätim dahab wissidr li mräje 

wilbatu scheint harir taije 'ala taije. 

Refrain. 
Tritt her, du mit den Locken, mein Auge, o mein Patron, 

Weidenbaum, du beugst dich nicht, deine Wurzel ist am Wasser. ^ 

Andere Formen der zweiten Zeile: 

Ein Opfer (will ich sein) für deine Kehle, welche das Wasser 

trinkt.^ 
Die eiserne Brücke ward abgenützt vom Tritt meiner Füsse.^ 

Lied. 
Und ich begann zu rollen einen Stein von Thal zu Thal, 

zu zählen die Sterne des Himmels in Paaren und einzeln. 
O mein Herr, es gehe unter der Mond, dass ich ausführe mein 

Vorhaben 
und vollende den Rest des Lebens mit Yerkehr und Vergnügen. 

Und sie sammelt Kräuter im Fenchel, und sie sammelt Kräuter 

im Fenchel, 
und sie sammelt Kräuter in der langen Nacht beim Mondschein, 
wenn die Leute mich «chmähen: deine Greliebte ist braun! — 
Braun ist das Beduinenmädchen, dessen Herkunft von den 

Hadidijje.* 

Und sie sagt: o W^elt! und sie sagt: o Welt! 

trunken (bin ich), trinkend Wein, ich bin nicht in der Welt! — 
Herz, sei immer heiter! was hast du in dieser Welt, 

wir kehren zurück zum Grabraum, o Licht meiner Augen! 

* er ist fest uud steht an gutem Platz. Ihm gleicht die Schöne. 
- d. h. er will ihren Durst stillen. ^ so oft ging er zu ihr. * ein Be- 

duinenstamm. 



— 295 — 

Und sie sagt: mein Herr! und sie sagt: o mein Herr! 

du hast mich in die Liebe geworfen, wirf meinen Geliebten 
mit mir! — 
Mehl ist nicht bei uns, von Graupe kein Körnchen, 

bei mir ist der Geliebte des Herzens, o Licht meiner Augen! 

Westlich sind schwarze Berge, westlich sind schwarze Berge — 

wäre nicht die Liebe zu eurer Tochter, wäre ich nicht zu euch 

gekommen als Schnitter, 

in meiner Hand will ich tragen den Becher, und auf meiner 

Schulter will ich tragen den Trinkschlauch, 

und ich sage: Leute des Lagers, sein Wasser ist hart!^ 

Und sie sagt: ich mag ihn nicht! und sie sagt: ich mag ihn nicht! 
du mit dem goldnen Nasenring, zur Wange hat sie ihn ge- 
bogen, — 
und Ftaim, Gouverneur von Aleppo, und Amüni, sein Verwalter, 
und Ghadige an der Spitze der Kompagnie lässt erschallen 
Kriegsgesang. ^ 

Und sie sagt: zu meiner Seite! und sie sagt: zu meiner Seite! 

deinesgleichen gebaren nicht Frauen und beförderte nicht ans 
Licht die Hebamme, 
und der Mund ist ein Goldring und die Brust mir ein Spiegel, 

und der Leib ein Seidensträhn, Falte auf Falte. 



7. Zum Klatschreigen der Männer. 

Der Klatschreigen (sahge)^ ist in der Gegend von Aleppo 
unbekannt, aber im südlichen und östlichen Palästina in häufigem 
Gebrauch. Bei Jerusalem führen ihn die Bauern so aus, dass die 
Tänzer eine Reihe bilden, welcher ein Vorsänger gegenübertritt. 



^ keine Mühe lässt er sich verdriessen um der Geliebten willen. 
^ ftaim, amüni und chadige sind Namen von Frauen, welche sich dem 
Verkehr mit der Geliebten heftig widersetzen. ^Wetzstein, ZDMG XXII 
105, schreibt sahka, das mit arab. sahak und hebr. sie hak „tanzen" 
zusammenhängen soll. In ganz Palästina heisst aber der Reigen sahge, 
weil ihm das Klatschen (sahag) eigentümlich ist. 



— 296 — 

Alle klatschen und wiederholen den Gesang des Yorsängers. Diese 
Art der Sahge galt in Merg 'Ajün als die Sahge der Hüle-Beduinen. 
Am Schluss riefen die Tänzer heju' oder dahhaju"*, indem sie 
gegen den Vorsänger anrückten. Hier kannte man ausserdem 
eine zweite Art der Sahge, die man den Haurän-Beduinen zu- 
schrieb, während man sie im Haurän nicht zu kennen schien. 
K^ach Wetzstein ^ würde sie aus dem Göf in Xordarabien stammen. 
Dabei rücken zwei Reihen von Tänzern klatschend und singend 
abwechselnd gegen einander an. Eine dritte Art der Sahge ist 
als die ostjordanische zu bezeichnen. Dabei tritt der klatschenden 
Tänzerreihe eine Frau oder ein Mädchen gegenüber, welche 
tanzend mit einem Schwert um sich haut. Man nemit sie häschie 
„Ausgestopfte" oder „Yermummte", weil sie oft durch einen 
Männermantel und allerlei Ausstopfung ihre Gestalt unkenntlich 
macht. Gelegentlich redet man sie auch als abu hwesch „Vater 
des Höfchens" an, vielleicht weil man die Reihe der Klatschenden, 
W' eiche aber selten einen Kreis bildet, als ihren Hof betrachtet. 
Dabei wird gesungen oder auch beständig nur idahhe oder 
hadahhe gerufen.''^ Die Beduinen der Belka nennen diese Sahge 
schlechtweg ragsa d. h. Tanz, weil sonstiger Frauentanz bei 
ihnen nicht üblich ist. Alle drei Arten des Reigens habe ich 
ebenso wie den Stampfreigen und den „Tanz" aus eigener An- 
schauung und Übung kennen gelernt. 

a) Bei Jerusalem. Mitgeteilt vou einem Aussätzigen in Jerusalem. 

Die Braune und die Weisse. 

Refrain (nach je 2 Zeilen vom Chor wiederholt). 

Ja haläli ja mäli. 

Lied. 

Jalli bithöbb issamra 

bhazz issamra mä tinhöbb 

essamra sa'adän ®zrlr 
lin la"abüha mä til'ab 



^ ZDMG XXII 106. ^ andere Rufe sind hauwelah und hauwalümni. 
Das erstere galt in Elhö.sn als den Bauern eigen, das letztere iu Gededi als 
von den Christen gebraucht. In Essalt i-uft mau hadahja. Alle Rufe gelten 
als blosse Anfeuerungsworte. 



— 297 — 

essamra kundarat bilik 

nid'as 'aleha bilik'äb 
kullu la'ejün ilbeda 

halli tischball ihnensäb 
tläki def ahla usahla 

wahiät abüji mä tirkab 
ilkahwe msahhaje ^annär 

subb 'bfingänak wischrab 
in mätat ilbecla ja güäd 

wassu 'aleha lehbäb 
kaffinüha bilharlr 

challu näif 'alik'äb 
chudüha 'ala gänia' 

hottüha bäb ilmuhräb 
challu-lchatib jesalli 

ujikra fataht ilketäb 
wassa'u Ihüd ilkabr 

schwoije schwoije hilu-tträb 
in mätat essamra ja güäd 

lä twassu 'aleha lahbäb 
hottu brekbatha täms 

dibbüha filkabr dabb 
daijeku Ihüd ilkabr 

hilu 'aleha-tträb, 

Refrain. 
O mein Eigentum, o mein Besitz ! ^ 

Lied. 

Der du die Braune liebst, 

mit Glück wird die Braune nicht geliebt, 
die Braune ist ein kleiner Affe, 

wenn man mit ihr spielen will, spielt sie nicht. 
Die Braune ist ein Schuh, der (allen) passt, 

lasst uns auf sie treten mit den Fersen ! 
Alles für die Augen der Weissen, 

welche gleicht dem Tornehmen I 



* hierbei denkt mau au die Geliebte. 



— 298 — 

Trifft sie einen Gast: — Willkommen, 

beim Leben meines Yaters, reite nicht fort! 
der Kaffee ist wohlbereitet auf dem Feuer, 

giess in deine Tasse und trink! 
Wenn die Weisse stirbt, o Freigebiger, 

gebt ihretwegen Aufträge den Freunden, 
hüllet ihre Leiche in Seide, 

lasst es überschiessen an den Fersen!^ 
Bringt sie zur Moschee, 

setzt sie an die Öffnung des Mihräb,^ 
lasst den Prediger beten, 

und lesen die Eingangssure des Buchs. ^ 
Macht weit die Kammer im Grabe, 

allmählich schüttet die Erde! — 
Wenn die Braune stirbt, o Freigebiger, 

gebt ihretwegen keine Aufträge den Freunden! 
Legt an ihren Hals ein Strohseil, 

werft sie ins Grab im Wurf, 
macht eng die Decksteine im Grabe, 

schüttet auf sie die Erde! 

Schriftlich mitgeteilt von Bschära Kanaan in Betgäla. 

I. Benedeiung des Propheten. 

Auwal ilköl namdah bidikr annabi 
bischafä'at mhammad ugirat 'ali. 

Am Anfang der Eede rühmen wir das Gedächtnis des Propheten 
durch die Mittlerschaft Muhammeds und den Schutz 'Ali's. 

2. An die Mutter des Bräutigams. 

Ja umm eFarls embärak schü 'amiltilu 
gücha gedide ubint ikräm gibtilu. 

Mutter des Bräutigams, gesegnet sei, was du für ihn thatst, 
neues Tuch und eine Tochter von Edeln brachtest du ihm. 



^ das Tuch, in welches die Leiche gehüllt wird, imd das mau dauu 
oben und unten zAibindet, soll reichlieh lang sein. - die Nische, welche 
die Gebetsrichtung angiebt. •' des Koran. 



— 299 — 

3. Im Namen des Bräutigams. 

Hattet mäli fittaijib hasadtüni 

jahsidkum schök ennazr jalli hasadtüni. 

Ich gab meinen Besitz für das Gute, ihr habt mich beneidet, 
neidisch sei gegen euch die Sehnsucht zu sehen, ^ ihr, die ihr 

mich beneidetet. 

KalüH deschscher 'arüstak kult mä besiri 
jesfarr lönak ugäk elmöt ja chanziri. 

Sie sagten mir: lass deine Braut! ich sagte: das geht nicht an! 
möge gelb werden deine Farbe und der Tod dich treffen, du 

Schwein ! 

4. Im Namen der Braut. 

Kahl habibak zraijir kult wesch mälu 

kälu bikla' ujalbis kult min mälu 
kuwwat erragul birgälu. 

Sie sagten: dein Geliebter ist klein! ich sagte: was thut das? 

sie sagten: er legt ab, er legt an! ich sagte: von seinem Besitz, 
die Stärke des Mannes besteht in seinen Männern. - 

5. Für das Haus des Bräutigams. 

Marschüscha bifutur ja dar ePafrähi 

maktüb liki fidjär el'ezz tartähi 
in 'ischt ana ja dar bilhenna ahanniki 

ja dar illi tlamlam schimlena fiki. 

Besprengt bist du mit Wohlgerüchen, o Haus der Freuden, 
dir ist (dein Los) geschrieben unter den edlen Häusern, dass 

du ausruhen möchtest. 

Wenn ich lebe, o Haus, will ich dich mit Henna färben,* 

o Haus, in dem sich versammelt unsere ganze Verwandtschaft. 



^ mein Glück. - in den Männern seiner Verwandtschaft, die für ihn 
eintreten. * Mädchen und Frauen , aber auch Männer färben sich mit 
Henna die Hände hei festlichen Gelegenheiten. Das Haus soll ebenso ge- 
schmückt werden, was indes nur bildlich gemeint ist. 



— 300 — 

6, Auf die Familie. 

Elbakrag illi jintasab rannat fanägilu 
ragul bala 'izwatu batalat marägilu. 

Die Kaffeekanne, die hochgestellt wird, deren Tassen klirren, 
ein Mann ohne seine Yerwandtschaft — dessen Mannesmut ist eitel. 

La tahsibu-liaij fitül eschscharäblschi 
elraij dakk ilkahwe bilmahäbischi. 

Meint nicht, der Stolz beruhe auf der Länge der Troddeln,^ 
der Stolz berulit auf dem Stossen des Kaffees in den Mörsern!^ 

La tahsibu-lbu'd nassäni tarik ahli 

larkab ^ala-lhugun ^Yalhakhum 'ala mahli. 

Meint nicht, die Ferne Hesse mich vergessen den Weg zu meiner 

Familie, 
ich will auf den Dromedaren reiten und sie allmählich erreichen.^ 



c) In der Belka. Mitgeteilt von einem Bauemburscheu in Mädaba 
als von einem Schörbeduinen gedichtet. 

Aus dem Kampf zwischen den Bni Sachr 
und den 'Anaze.* 

Refrain. 

Ja haläli ja mäli. 

Lied. 

Schaddan "^ascherat rekäib 
harär wakullhim negäib 
alkull darb^ha mimschäha 



^ an der Kleidung. * d. h. auf der Freigebigkeit. * wenn sie auch 
noch so fern ist. * die Streitigkeiten, welchen das Lied entstammt, sollen 
um 1895 stattgefunden haben. Die Schörbeduinen wurden von den Ruwäla- 
beduiuen, welche zu den 'Anaze gehören, angegriffen. Sie sandten Boten zu 
den Beduinen der Belka um Hilfe. Ihn Smer folgte der Aufforderung. Ibn 
'Adwän lehnte ab und gesellte sich zu den Feinden. Der Kriegszug, dessen 
Schauplatz die Gegend von 'Amman war, endete unglücklich für die Schür. 



— 301 — 

schaddan tinten 'ala ihn smer 

fedram ja sabäh ilcher 

schechan jehalli ^bmilfäha 
Hcheddaii tinten 'ala ibn 'adwän 

achs ja wugh ilbögän 

huätak mä had sauwäha 
tematna gama' ilgaräib 

wilbizr mitl issahäib 

walmilh releta reschäha 
wahna ja zilem eggui'"f 

löla hazä' mä lena chal^f 

rä'i-lhamämi tnäha 
hamad lä jachu-nzeli 

ja'ödd engümha iislieli 

ja chjül 'aniztak scheläha 
ii'amma 'abdak ja graijid 

razäl 'an etterad haijid 

mrammag zer'in tagäha 
dahratna delieri 

tallat min rüs innegeri 

ischürak sähen daiiäha 
ibn scha'län jetahaddaf 

gab gamü' almei-addaf 

schürak gerba jitläha 
amma 'abdak kin gerfas 

min harr ilbizr gäm jirfus. 

hatta-lbärüde nsäha 
ja näs mä 'amrha särat 

elchel ma' ennezil rärat 

guftän ilfetne challäha. 

Refrain. 
mein Besitz, o mein Schatz! 

Lied. 
Sie sattelten zehn Reittiere,^ 
edel und alle ausgezeichnet, 
sie alle hatten ihren Weg, ihren Gang. 



Kamele könneu gemeint sein. 



— 302 — 

Es sattelten zwei für den Sohn Smer's/ — 
„Fedram, o guten Morgen !" 
ein Häuptling, der willkommen heisst beim 

Einkehren. 

Es sattelten zwei für den Sohn 'Adwän's^ — 
gemein! o Gesicht des Hinterlistigen! 
deinen Streich hat niemand gemacht. 

Zum zweiten sammelte er die Verwandten, 
und das Blei war wie der Hagel, 
und das Pulver wie ein Nebel bedeckte sie. 

Und wir, o Männer der Schlucht,^ 

wäre nicht Hazä\ hätten wir keinen im Rücken, 
der Besitzer der Taube* wandte sie zurück. 

Hamad, nichtwahr, o Bruder von Inzeli, 
der die Sterne zählt, auch den Sirius,^ 
o Reiter, deine 'Anaze haben sie ^ zerstreut. 

Aber dein Sklave, o Graijid,"^ 

wie eine Gazelle vor dem Galopp wich er aus, 
verbarg sich tief in die Saat, deckt sie über 
sich. 

Da überfielen uns Deheri,^ 

wurden sichtbar von den Gipfeln des Ngeri, 
deine ^ Schür riefen: Arznei für sie!^" 

Der Sohn Scha'alän's^^ kommt heran, 
brachte die Mengen der Doppelreiter, ^"^ 
deine Schür sind wie Räude, die man schmiert. ^^ 

Aber dein Sklave ^* hatte sich gehockt, 

von der Hitze des Bleis stand er auf, schlug aus, 
sogar das Gewehr vergass er. 



^ Fedram ibn Smer ist der volle Name. ^ der Sohn 'Adwäus leliute 

ab, weil die Regierung den Kampf verboten habe, machte aber dann gleich- 
falls Raubzüge gegen die Schür. ' sie heissen vielleicht so, weil sie mit 
ihren Tieren über eine Schlucht gesetzt sind. * Hazä' wandte sein Reittier 
rückwärts. •"' dies ist Ausdruck für nächtliches Wachen. ® die Reiter. 
"^ ein Häuptling der Schür. ^ von den 'Anaze. ^ Graijid ist angeredet. 

'*• d. h. wir wollen sie töten! *i Schech der 'Anaze. ^^ zwei Schützen 

sitzen auf einem Kamel, einer vorn, der andere hinten, und schiesseu nach 
beiden Seiten. i' d.h. sie taugten nichts. ^* der oben genannte, der 

sich im Feld versteckt hatte, wurde von einer Kugel getroffen. 



— 303 — 

O Leute, niemals (sonst) geschah es, 

die Pferde sind mit dem Lager verschwunden,^ 
Kuftän verliess den Kampf.^ 

e) In Merg 'Ajiin. Mitgeteilt vom Bauern Sa'd in Balät 
als von den Beduinen stammend. 

Krieg mit der Regierung. 

Ja haläli ja mäli 

ja 'özzi jcä mä garäli 
tamanna ja tamanna 

^amüd ilcheme tbanna 
gatna döla min meschrig 

träk umä jifliamanna 
benna ubenhum dar ilharb 

uclarb essef iki ranna 
ja nähi lau ralbanna 

baddna gbürin tidfinna 
uhinna lau ralabnähin 

'ädät abüna wahalna 
heju' heju" heju' 

dahhaju' dahhaju' dahhaju'. 

mein Eigentum, mein Besitz,^ 

o meine Macht, wie vieles geschah mir! 
Unser Wunsch, o unser Wunsch : 

der Pfeiler des Zelts ist gebaut, — 
da kam zu uns Regierung von Osten, 

Türken, und sie verstehen uns nicht; 
zwischen uns und ihnen begann der Krieg, 

und der Schlag des Schwertes hat Klang. 
Ausgezeichneter, wenn sie uns besiegten, 

brauchen wir Gräber, die uns bestatten, 
und wir, wenn wir sie besiegten, 

(wären es) die Sitten unsers Vaters und unserer 

„ . , , . , , . ,, Familie. 

Heju , heju , heju ! 

Dahhaju', dahhaju', dahhaju'! 



' alles wurde von den 'Anaze geraubt. - Kuftän war wohl der Schür, 
welcher das Lager zu bewachen hatte. Er entfloh. ^ an die Geliebte ist 
gedacht. — Diese Zeile dient als Refrain. 



304 — 



Bei Ankunft und Abschied. 

1. Zur Begrüssung und Ehrung von Familiengliedern 

und Gästen. 

Wenn Familienglieder längere Zeit abwesend waren, werden 
sie gern bei der Rückkehr von den ihnen entgegeneilenden 
Frauen mit Freudentrillern ^ begrüsst, während der Vater oder 
Bruder einen Schuss abfeuert. Beim abendlichen Zusammensein 
werden den Heimgekommenen und sonst seltenen Gästen zu 
Ehren 'Atäbaverse von Männern oder Knaben vorgetragen, wäh- 
rend Frauen und Mädchen auch hier Fl'eudentriller ertönen lassen. 
Knaben werfen am Schluss des Gesangs wohl ihre Kappe in die 
Luft imd rufen: mhabbetan beräsak „aus Liebe zu dir". 

A. 'Atäbaverse der Männer.'-^ 

a) In Jerusalem. Mitgeteilt von Daniel, wohl aus Nordpalästina stammeucl. 
O Aprikosen unsrer Heimat! 

Sabäh ilcher ja mischmusch baladna 

wa'fid innadd räbin fi baladna 
wazir eschschäm irhal min baladna 

laffu fursänna-lkänu riäba. 

Guten Morgen, o Aprikosen unsres Ortes, 

und der Aloestengel ist aufgewachsen in unsrem Orte, 

Wazlr von Damaskus, ziehe ab von unsrem Orte,^ 
es trafen ein unsere Ritter, die abwesend Avaren. 

b) In Merg 'Ajün. Gesuugeu vom Baueruknaben Rattäs iu Balät. 

L Wunsch glücklicher Heimkehr. 

Masät ilcher minni ilak ja chawäga 
bekull belädna mä mitlak ja chawäga 



^ s. dazu das Vorwort. * s. das Vorwort und Melodie 6 und 7. 

als Beschützer ist er nun überflüssig. 



— 305 — 

iläh iKarsch iriddak lalilak ja chawäga 
utschähid abük wachwänak ulahbäba. 

Guten Abend von mir dir, o Herr! 

in iinsrer ganzen Gegend ist keiner wie du, o Herr! 
Gott der Thronende lasse dich zurückkehren zu deiner Familie, 

o Herr, 

dass du siehst deinen Yater und deine Brüder und die Freunde. 

2. Preis des Bartes. 

Jabu sa'd jabu scharbena — ja *eni 
hsänak mneräsi scharbena — ja 'eni 

kaijäd illeha uscharbena — ja 'eni 
jabu kaff ilm'auwad 'aratäba. 

Vater Sa'ds, o du mit dem Schnurrbart, — o mein Auge! 

dein Pferd trank aus dem Orontes, — o mein Auge! 
Besitzer des Kinnbarts und des Schnurrbarts, — o mein Auge! 

o du mit der Hand, die gewöhnt ist zu geben ! 

3. Tod deinem Hasser! 

Ja färis ja bahr mamdüd — ja 'eni 
usefak 'arkäb a'däk mamdüd — ja 'eni 

urit iljubardak billah^d mamdüd — ja 'eni 
rata balät ufräschu träba. 

Färis, o Meer, das weitgestreckt! — o mein Auge! 

und dein Schwert ist über dem Hals deiner Feinde ausgestreckt, 

— o mein Auge ! 
o wäre doch, wer dich hasst, in der Grabhöhle ausgestreckt, — 

mein Auge! 
als Decke Steinplatten, und sein Lager Erde! 

4. Langes Leben! 

Jabu habib ja midd ilmegidi 

saba' ta'mär we'amrak jezidi 
kama zed errabi' 'annidäba. 

Dal man, Volksleben. 20 



— 306 — 

Vater Habib's, o Scheffel von Thalern, 

sieben Lebensalter hast du, und dein Alter möge sich mehren, 
wie sich mehrt das frische Grün von dem Thau. 



B. Jubeltriller (zalarit) der Frauen. 

a) Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Zmikna iu Jerusalem. 
Ein Schloss am Meer. 

Hähiha — tmannetlak chaiji 'aschatt ilbahr 'öllijje 
hählha — 'ämüd min fudda u'ämüd erchämijje 

hähiha — in rekib't ilchel tirkablak taman mijje 
win 'ötschat ilchel tiskiha mukärijje. 
lululululi. 

Hähiha, ich wünsche dir, mein Bruder, an dem Meeresstrand 

einen Söller, 
hähiha, eine Säule von Silber und eine Säule marmorn, 
hähiha, wenn du reitest, mögen dir reiten der Pferde achthundert, 
und wenn die Pferde durstig sind, tränken sie Pferdetreiber. ^ 

lululululi ! 

b) In Merg 'Ajün. Mitgeteilt vou Bauersfrauen in Balät. 

1. Bei der Rückkehr eines Familiengliedes. 

Awlha — beschscheru ahl iddär lafu ilräibin 

äwlha — nütlub min alla rabb irälamln 
igma'na wefäris u'ümmu weljäs u'amln. 
lululululesch. 

Awlha, verkündet den Leuten des Hauses, dass zurückkehrten die 

Abwesenden, 
äwlha, wir bitten von Gott, dem Herrn der Welten, 
vereinige uns mit Färis und seiner Mutter und Elias und Amin ! ^ 

lululululesch ! 



1 in Jerusalem Imhaliä genannt, s. das Vorwort und Melodie 18. 
^ er hat eben so viel Pferdeknechte wie Pferde. ^ die uns noch fehlen. 



— 307 — 

2. Ein gastfreies Haus. 

Awllia — 'üllijjet abu selim tabäjik tabäjik 
äwiha — "^önd irasr tiltamm "^öndu clialäik 

äwiha — iltamm abu selim wa'askaru 
u'aijetu linnätür jelimm ifaläjik. 
lululululesch. 

Awlha, der Söller des Vaters von Selim ist Stockwerke auf Stock- 
werke, 
äwiha, um die Vesperzeit sammeln sich bei ihm die Leute, 
äwiha, es versammelte sich der Vater Selims und seine Soldaten, 
und man rief den Feldwächter, dass er sammle die Futtersäcke. ^ 
lululululesch ! 



3. Säulen von Gold und Silber. 

Awiha — 'öllijjet ibn zaid 'ala schatt ilbahr titmachtar 
äwiha — 'ämüd min fudda uämüd min dahab a.sfar 

äwiha — ulau hifjat ilchel tahdiha dahab asfar 
win "^ötschat ilchel tiskiha moijt issukkar. 
lululululesch. 

Awiha, der Söller des Sohns Zaids prangt an der Meeresküste, 

äwiha, eine Säule von Silber und eine Säule von gelbem Gold, 
äwiha, und wenn die Pferde ohne Huf wären, würdest du sie be- 
schuhen mit gelbem Gold, 
und wenn die Pferde dürsten, tränkst du sie mit Zuckerwasser. 

lululululesch ! 



4. Dem bösen Blick ausgesetzt, 

Awiha — mä aschüf ibn chalil taht faj idder 
äwiha — bidu mahrame "^aleha-lkasab ratlen 

äwiha — talab't errahbän 'ala-ddrüb imnen 
dukku-ggaras ahla ma jesibüh biren. 



^ die Futtersäcke der Pferde der Besucher, um sie zu füllen. So frei- 
jig ist dies Haus. 

20* 



— 308 — 

Awiha, so oft ich den Sohn Challls sehe unter dem Schatten des 

Klosters, 
äwiha, m seiner Hand ein Taschentuch, gestickt mit zwei Rotl 

Silberfaden, 
fragte ich die Mönche nach den Wegen, wo sie gehen. ^ 

Läutet die Glocke! hesser ist's, sie schädigen ihn nicht mit 

dem Blick. 

5. Unvergleichliche Schönheit. 

Awiha — ja sitt ümm 'ali katalni söd 'eneki 
äwiha — tlamlam ilhösn min eddünja u^'iga leki 

äwiha — igu banät medintik tä je'allmu 'aleki 
lä hinni mitlik walä jitschabhahu leki, 
lululululesch. 

Awiha, o Frau, Mutter 'Ali's, es tötete mich die Schwärze deiner 

Augen, 
äwiha, es sammelte sich die Schönheit von der Welt und kam 

zu dir, 
äwiha, es kamen die Mädchen deiner Stadt sich mit dir zu ver- 
gleichen, 
nicht sind sie wie du, vmd nicht können sie dir gleichgestellt 

werden, 
lululululesch ! 

6. Ausser sich vor Bewunderung. 

Awiha — ja sitt feride ja 'ejunik essüd säru sabab sauhi 

äwiha — 'allamüni-ggafa fitt ana rühi 
äwiha — hakk min achlak iPäjät 'ala-llauhi 

inti mart chaiji winti a'azz min rühi. 
lululululesch. 

Awiha, Frau Feride, o deine schwarzen Augen wurden Ursach 

meines Wanderns, 
äwiha, sie lehrten mich die Grausamkeit, ^ ich verliess meine 

Seele, 

* die Sängerin will die Aufmerksamkeit der Mönche von dem Manne 
ablenken, damit ihr Neid ihm nicht schadet. - gegen mich selbst. 



— 309 — 

äwiha, bei dem, der schuf die Gebote auf der Tafel, 

du bist die Frau meines Bruders, und du bist teurer als meine 

Seele, 
lululülulesch ! 



7. Eine wunderbare Schöpfung Gottes. 

Awiha — mä ahmar chaddki 

äwiha — mä asfar halakki 
äwlha — ukän fäfli rabb^na jöm ilchalakki 

äAviha — utigär eschschäm gäbülik hedijje 
usaba' mlük tiski lihabakki. 
lululülulesch. 

Äwiha, wie rot ist deine Wange, 

äwiha, wie gelb ist dein Ohrring, 
äwiha, unser Herr war ledig, als er dich schuf, 

äwiha, und die Kaufleute von Damaskus brachten dir Geschenk, 
und sieben Könige geben Wasser deinem Basilienkraut.^ 

lululülulesch ! 



8. Süss wie Zucker. 

Awiha — jabu ahmad ja abjad mänak asmar 

äwiha — jabu "^ejün-essüd ja mzaijin elmahdar 
ja hsüs 'mlebbas u'ölbet essukkar 
lululülulesch. 

Awiha, o Sohn Ahmads, o weisser, du bist nicht braun, 

äwiha, du mit den schwarzen Augen, du, der verschönt die 

Umgebung, 
Körner von Bonbon '^ und Schachtel mit Zucker ! 

lululülulesch ! 



' ein in Töpfen gezogenes wohlriechendes Kraut. ^ mlebl)as sind 

mit Zucker überzoofene Fruchtkerne. 



10 



2. Zur Verabschiedung. 

Dem in die Ferne reisenden Familienglied giebt gern die 
ganze Yerwandtschaft ein Stück Weges das Geleit. Beim Ab- 
sehiednehmen singt dann ein Mann oder eine Frau einen 'Atäba- 
vers, welcher dem Trennungsschmerze Ausdruck verleiht. Natür- 
lich könnten dieselben Verse auch zu anderer Zeit, etwa im Ge- 
danken an die entfernte Geliebte, gesungen werden. 

a) Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Zniikua iu Jerusalem. 
Wann sehen wir uns wieder? 

Ja hammi mä jeschilak bar'l uka'üd 
baläkum mä hell zädi walä ke'^üd 

mata ja dar nitlamlam unuk'ud 
ujigma' schim^lna rabb issamäba. 

O meine Sorge, dich trägt nicht Maultier und Kamel, 
ohne euch ist nicht süss meine Speise und nicht Sitzen, 

wann, o Haus, sammeln wir uns und sitzen, 

und es vereinigt uns alle der Herr des Himmels? 

Mitgeteilt von Daniel Abraham in Jerusalem. 
J. Ohne sie kein Leben. 

Balähom lä nuk'ud walä ne'isch 
walä-lmaschrüb taijibli walä-resch 

ana in mutt 'allüli nauäwls 
hottüni 'ala darb ilhabäba. 

Ohne sie wollen wir weder sitzen noch leben, 

und nicht ist der Trank mir angenehm und die Speise; 

ich, wenn ich tot bin, macht mir hohe Grabgewölbe, 
legt mich ^ auf den Weg der Geliebten ! 

' mein Grab. 



— 311 — 

2. Fasten will ich. 

Ana la'riscliir ilbalät ma*^ elmoij 
'aminnu döni maijit lä mnelmoij 

ana laharrim akl ezzäd wilmoij 
mädäm habäbna 'anna riäba. 

Ich will mich gesellen zu den Steinen am Wasser, 
weil er stets tot ist,^ aber nicht vom AVasser, 

ich will mir verbieten zu essen die Speise und das Wasser, 
so lange unsre Freunde von uns fern sind. 

3. Vergebliches Harren. 

Ja kalbi fik hamm räbin 

■^amin hbäbna 'annak räbin 
sliirt illel hatta-nnegüm räbin 

astanna ze'ün luibbi umä lafäba. 

mein Herz, in dir mehrt sich Sorge, 

weil unsre Greliebten von dir entfernt sind, 
ich durchwachte die Nacht, bis die Sterne untergingen, 

harrend auf die Gesellschaft meines Freundes, und sie kam 

nicht. 



h) In Merg 'Ajun. Mitgeteilt vom Maultiertreiber Cheiralla aus Cliijam. 
1. Bitterliches Weinen. 

Wana lasiah saut iljisma'üni 

belki hbäb kalbi jisma'üni 
ibkit %tlr la'amjat 'ejüni 

'ala-bkäi biki ter issamäba. 

Ich rufe mit einer Stimme, dass sie mich hören, 

vielleicht dass die Freunde meines Herzens auf mich hören, 
ich weinte sehr, dass blind wurden meine Augen, 

über mein Weinen weinet, o ihr Yögel des Himmels! 



* als Abwesender. 



312 



2. Unvei'gessliche Freunde. 

Hbäbi säfaru middat triba 

amäni rer schah^r lä triba 
killamä-schschem^s anwat 'almariba 

'ala bäli jecliutmn ilalibäba. 

Meine Freunde reisten für die Dauer der Abwesenheit, 

Hinterlegung- ist:^ mehr als einen Monat sei nicht abwesend! 

So oft die Sonne sich neigt zum Untergang, 
kommen mir in den Sinn die Freunde. 



3. Hoffnung au f Wie dersehen. 

Hbäbi säfaru jöm ittenena 

ftarakna ba'd^mä kunna tnena 
'alehum lau irtaga'^na wintanena 

lahanni-ddär birgü* ilhabäba. 

Meine Freunde reisten am Montag, 

wir trennten uns, nachdem wir zwei gewesen waren, 
wenn wir zu ihnen wiederkehrten mid verdoppelt würden, 

wollte ich das Haus beglückwünschen wegen der Rück- 
kehr der Freunde. 



3. Zur Verabschiedung des Mekkapilgers. 

Der Pilger, welcher von der Heimat aufbricht, um sich an 
die Mekkakarawane anzuschliessen, wird von seinen Verwandten 
ein Stück Weges geleitet. Die Frauen singen dabei gemeinsam 
(ohne Wechselgesang) dafür bestimmte besondere Lieder, in denen 
sie ihren Wünschen für den Pilger Ausdruck geben. Dieses 
Singen heisst tahnin,^ 



^ d. h. so mache ich es mit ihnen ab. - man sagt von der singenden 
Frau: bithanuin lilhuggäg. — Eigentliche Pilgerlieder s. S. 159 f. 



— 313 — 

Mitgeteilt von Farab Täbri in Essalt. 

1. Cfott mit euch! 

Siru alla ma'äkura — ja huggäg ennabi 
alla ma'äkum 
mhammad talabkum — ja Imggäg ennabi 
umhammad talabkum 
alla wai'äkum — ja huggäg ennabi 
alla waräkum 
umhammad kuddämkum — ja huggäg ennabi 
um h a m m a d ku d d ä m kum . 

Ziehet, Gott sei mit euch, — o Pilger zum Propheten, 
Gott sei mit euch! 
Muhammed ist euer Wunsch , — o Pilger zum Propheten, 
und Muhammed ist euer Wunsch. 
Gott sei hinter euch, — o Pilger zum Propheten, 
Gott sei hinter euch, 
und Muhammed vor euch, — o Pilger zum Propheten, 
und Muhammed vor euch! 



2. Ihr Sterne des Himmels! 

Sirin chauätu — ja ngüm essama 
sirin chauätu 
maschsch®tin schüschtu — ulabsinnu 'abätu 
ja ngüm essama — siru chauätu. 

u'ezra'üli-lchocha — fi darb elhaggi 
u'ezra'^üli-lchöcha 
jik'ud tahtlha — tezallil 'ala-lhaggi 
u'ezra'üli-lchöclia. 

Ziehet als seine Schwestern, — ihr Sterne des Himmels, 
ziehet als seine Schwestern, 
kämmet seine Scheitellocke ^ — und legt ihm an seinen Mantel, 
ihr Sterne des Himmels, — ziehet als seine Schwestern! 



• der vom Moslem alten Schlages nicht abrasierte Rest des Kopfhaars. 



— 314 — 

Und pflanzet mir den Pflaumbaum — auf dem Wege des Pilgers, 
und pflanzet mir den Pflaumbaum! 
Er sitzt dann unter ihm, — er beschattet den Pilger, 
und pflanzet mir den Pflaumbaum! 

3. An das Kamel. 

Lan gibt elhaggi — ja gamal 
lan gibt elhaggi 
'ala bedrawiet erruzz — ja gamal 
lan gibt elhaggi 
larbetak — ja gamal 

lan gibt elhaggi 
lahanni chefüfak — ja gamal 
lan gibt elhaggi. 

Wenn du den Pilger bringst, — o Kamel, 
wenn du den Pilger bringst, 
auf dem Beutel mit Reis, — o Kamel, 
wenn du den Pilger bringst, 
will ich dich binden, — o Kamel, 

wenn du den Pilger bringst, 
will ich mit Henna färben deine Füsse, — o Kamel, 
wenn du den Pilger bringst. 

4. Die Ausstattung des Pilgers. 

Gibu gezämi — ulibsu-lilhaggi 
u'ischru gezämi 
^adarb ennabi — gibu gezämi 
'adarb ennabi 
libsu gezämi — ila-lhaggi 
libsu gezämi. 

Bringt Stiefeln ^ — und leget an dem Pilger, 

ja kaufet Stiefeln! 

Für den Weg zum Propheten — bringt Stiefeln, 

für den Weg zum Propheten! 

Legt an Stiefeln — dem Pilger, 

legt an Stiefeln! 



^ gemeint sind niedriije Halbstiefeln von gelbem Leder mit blauer Quaste. 



— 315 — 

5. Der Empfang bei der Rückkehr. 

Fl gild ecldaba' — hlküli-lhaggi 

röha berag'a — läküli-lhaggi 
begild elhaije — Läküli-lhaggi 

röha begaije — läküli-lhaggi 
röha begaije — wa'imschi ja haggi. 

Im Hyänenfell ^ — geht mir entgegen dem Pilger, 

mit Hingang nnd Rückkehr — geht mir entgegen dem Pilger! 

In der Schlangenhant ^ — geht mir entgegen dem Pilger, 

mit Hingang imd Wiederkommen — geht mir entgegen dem 

Pilger ! 

Mit Hingang nnd Wiederkommen — so gehe denn hin, o Pilger I 

6. Mahnung des Pilgers an das Geleit. 

Betöb edduwehi — wirga'i ja ehaijti 
ittikli ^a'alla — wirga'i liddär ja ehaijti 

utöb schurl alla — wilbesi ja ehaijti 
"^okle min alla — g'T^ijti ja ehaijti 

ittikli 'a'alla — wirga'i ja ehaijti. 

Im langschleppenden Kleide — kehre um, meine Schwester! 
vertraue auf Gott — nnd kehre um nach Haus, meine 

Schwester, 
und das Kleid des Geschäftes Gottes"^ — lege an, meine 

Schwester! 
Geschenk von Gott — ist mein Wiederkommen, meine 

Schwester, 
vertraue auf Gott — und kehre um meine Schwester! 



in buntem Gewand. - das Festkleid. 



316 — 



Bei der Totenklage. 



Die Totenklage vollzieht sich in drei Abteilungen, erstlich 
bei der Leiche im Hause, oder, wenn diese draussen gebettet 
wurde, vor demselben, dann auf dem Weg zum Grabe (dies be- 
sonders bei christlichen Bestattvmgen), endlich nach der Beerdi- 
gung in der Klagezeit. In dieser letzteren, die sich durch 10 
bis 20 Tage ausdehnt, kommen die Frauen täglich im Trauerhaus 
zusammen und singen da Klagelieder (ned®b).^ Die Städter nen- 
nen das menäha oder "^aza, die Bauern und Beduinen in Süd- 
und Ostpalästina medäle. Beim Tode von Häuptlingen finden 
grössere Trauerveranstaltungen statt, bei denen in den letzt- 
genannten Gegenden die Frauen den Klagetanz (latm) aufführen. 
Diese Trauerfeier grösseren Stiles heisst hier me'^äde, der Klage- 
gesang dabei ma'^id. Bei allen diesen Gelegenheiten wird viel 
gesungen, besonders von den Frauen. Die Kenntnis von Klage- 
liedern ist deshalb ein nicht unwichtiger Zweig des Wissens, so- 
dass es verständlich ist, wenn es in Städten noch mietbare Klage- 
weiber giebt, deren Aufgabe es ist, den Klagegesang stets im 
Fluss zu erhalten. 

1. Klage der Männer." 

Die Männer singen Klagelieder (niddäbät) an der Leiche 
oder auf dem Weg zum Grabe. Zeilenweise singt der Chor nach, 
was der Vorsänger anstimmt. Nur 'Atäba und Kaside sind stets 
Gesang eines einzelnen. 

A. Klagelieder. 

a) .In Merg 'Ajün. Mitgeteilt vom Bauern Sa'd Subhijje in Balät. 
1. O Thränen des Auges!"^ 

Ja dmü' eren güdi 
winzali fök ilchdüdi 



1 Speisen werden dazu mitgebracht, vgl. 2 Sam. 3, 31.35, Jerem. 16, 7 
^ s. das Vorwort. * Melodie 19. 



— 317 — 

hef 'ala ibrahim bätil 
maskanu taht illehüdi. 

Thränen des Auges, fliesset, 

und rinnt niedei' über die Wangen ! 

Ach über Ibrahim, wehe! 

seine Wohnung ist unter den Grabplatten.^ 

2. Arzt der Apotheke! 

Ja haklm ilfarmaschijje 
biddaua ischfak 'alaije 

biddaua däwi grühi 
kabl mä rühi trühi. 

O Arzt der Apotheke, 

mit Medizin erbarme dich mein! 
Mit Medizin heile meine Wunden, 

ehe meine Seele entflieht. 

3. Halte fern den Tod! 

Ja haklni liakkim 'alilak 

kabl mä tirwi ralilak 
seht ja rabbi dachilak 

ja ilähi ischfak 'alaija. 

O Arzt, heile deinen Kranken, 

ehe du tränkest deinen Durstigen ! '^ 

Ich rief: mein Herr, ich bitte dich, 
o mein Gott, erbarme dich mein! 

4. Kein Sterben! 

Saht ba'la saut rühi 

ja rabbi ischfak 'alaiji 
ja hakim hakkim wedäwi 

wigtama' wahdak chaläwi 
inkän hamdän 'assafar näwi 

hkili ulä tchabbi ^alaiji. 



1 es sind die Decksteiue der Grabkammer gemeint. - der Klagende 
bittet Gott, ihm zu helfen, ehe er anderen hilft. Der Tote, der als noch 
lebend vorgestellt wird, soll nicht sterben. 



— 3 IS — 

Ich rief mit lauter Stimme: mein Geist! 

o mein Herr, erbarme dich meiner! 
o Arzt, gieb Medizin und heile, 

und stelle dich ein. du nur allein! 
Wenn Hamdän die Reise plant, ^ 

sag mirs mid verbirg es mir nicht! 

Mitgeteilt vom Maultiertreiber 'Ali aus Chijäm. 
Über einen J ü n g 1 i n g. 

Ja lief ja 'atr ilm^nedde 

ja lief "^alkämi tiiimedde 
ja haserH kalbi ba'd bakir ^aleki halmedde. 

Wie schade, o Parfüm, du bethauender, 

wie schade um die Gestalt, dass sie hingestreckt wird! 
o Seufzen meines Herzens ! zu zeitig kam über dich dies Dahin- 

strecken. 

b) Bei Aleppo. Mitgeteilt vom Beduinen Hmed. 
1. Über die Mutter. 

Ja ummi azrag innilu 

midri ndummu midri nschilu 
ja ummi umm^ tob eFazrag 

galbi 'alitsch eljöm mahrag. 

O Mutter, das Indigoblaue ^ 

ich weiss nicht, ob ich es zusammenlegen soll oder abtragen — ^ 
O Mutter, du mit dem blauen Kleid, 

mein Herz brennt heut über dich! 

2. Über ein Mädchen, 

Bnaijät ja 'uschlb issafäri 
ja näimätin bilhabäri. 



^ wenn er sterben soll. Ein Freund redet hier vom Verstorbenen, als 
wäre er noch nicht tot und vielleicht noch vom Tode zu retten. ^ (jas 

Kleid der Verstorbenen. ^ wird, sie etwa ins Leben zurückkehren, sodass 

ihr Kleid nur einstweilen zu verwahren ist? 



— 319 — 

Ihr Mädchen/ o gelbgewordene Pflänzchen, 
o ihr, die ihr liegt im Staube! 

3. Über einen jungen Mann.- 

Harbi 'ala süd ischschüärib harbi 

gäk elniüt ja megladak ja galbi 
jabu churg 'ageli tschasabtak rähat 

harim msachchama min tül räibätak. 

Weh mir über den schwarzen Schnurrbart, weh mir! 

der Tod traf dich, o dein Erstarren, o mein Herz! 
Du mit der Satteltasche von 'Ageli, was du gewonnen, ging davon, ^ 

die Gattin ist geschwärzt* wegen der Länge deines Fernbleibens. 

4. Über eine junge Frau. 

Ja ragulha mälak marära 

ba'ad elkehele turbut ihmära. 

ihr Mann, dahin ist deine Galle, ^ 

nach der Rassestute bindest du eine Eselin. 

5. Nach dem Tode der Gattin. 

Ja charbet beti 

ja deschret üledäti 
min jichbiz iltschin 

min jirsil 'alitschin 
ja charbetak ja beti. 

Verheerung meines Hauses, 

o Verlassenheit meiner kleinen Kinder! 

Wer wird euch Brod backen, 
wer für euch waschen? 

über deine Verheerung, o mein Haus! 



* nur eine ist gemeint. ^ s. Melodie 22. 'im Tod verlor er diesen 
ihn auszeichnenden Besitz. * trauernde Frauen schwärzen ihr Gesicht mit 
Russ. ^ deine Geduld ist aus. Schlimmerer Verlust kann ihn nicht treffen. 



— 320 — 

6, Über einen gastfreien Häuptling.^ 

Scliaddülu 'ala-lhamra-lmutabbi 

nchubzu tschallal iFabdät mnattabbi 

ulesch clidetu lesch clidetu ja rabbi 
ulü "^ab'd isPli azzäd ja gu'än. 

Man sattelte ihm auf dem Braunen dem raschen, 

und sein Brot ermüdete die Sklavinnen durch das Klopfen. - 

Warum denn nahmst du ihn, warum nahmst du ihn, o mein Herr,, 
und er hatte doch einen Sklaven, der ruft: Die Speise, 

o Hungriger! 

7. Über einen Ermordeten. 

Eljöm tschabschin gäibinu gsäba 
tschabschin simin ja'gib ilgassäba. 

Heut — ein Lamm, sie bringen es wie ein Rohr,-^ 
ein fettes Lamm, das gefällt dem Schlächter. 

8. Über zwei im Orontes ertrunkene Mädchen.^ 

Harldsch ja galbi haridsch 

'arrähin bilmoij raridsch 
ja lief ja scham'at rab'u 

räih bilmoij e raridsch. 

larüh li'ejjüb attanir 

agib liräsi amr 
ja liaserti tül irömr 

räihin bilmoije raridsch. 

jahl ettaräblsch ilhömr 

rähin walä gaddan ^ömr 
ja haserti tül irömr 

rähin bilmoije raridsch. 



1 Melodie 21. - des Brotteigs beim Backen. '' so steif. * der 
Vetter der ertrunkenen Mädchen, dem die eine verlobt war, zog in zer- 
rissenem Mantel klagend im Lande umher und bettelte, indem er dies 
Lied sang. 



— 321 — 

wardu 'ala-räsi tnin 

hdila wa^mescha il^hsln 
magiTid jabaij ettenln 

rähin bilmoije rarldsch. 

wardu 'ala-räsi riäm 

umin hösnhin mä 'ödt anäm 

ja lief lobbäs elchazäm 
jerü^h bilmoije rarldsch. 

Brennend (bist du), o mein Herz, brennend 

über die, welche im Wasser davon gingen ertrunken. 

Wie schade, du Kerze seiner Freunde, 
die im Wasser davon ging ertrunken! 

Ich will gehen zu Ejjüb, dem Sohn Tamr's,' 
ich will für den Orontes bringen Befehl, — 

o wehe mir für die Länge des Lebens, 
sie gingen davon im Wasser ertrunken! 

ihr mit den roten Tarbüschen, 

sie gingen und wurden nicht alt, 
o weh mir für die Länge des Lebens, 

sie gingen davon im Wasser ertrunken! 

Es gingen nach Wasser zum Orontes zwei, 
Hadlla und 'Amescha, Kinder von Ilsen, — 

vereinigt, o Vater der zwei, 

gingen sie davon im Wasser ertrunken! 

!N'ach Wasser gingen zum Orontes Antilopen, 

wegen ihrer Scliönheit konnte ich nicht mehr schlafen — 
o weh, der den Nasenring anlegte, 

er nreht davon im Wasser ertrunken! 



' ein niächti<?er Bcduineiifürst. 



DuliMiui, Viilkslclien. 21 



— 322 — 

B. 'Atäbaverse. 

In Merg 'Ajun. Mitgeteilt vom Maultiertreiber Cheiralla aus Chijäm. 
1. Brennender Schmerz. 

Min dama' *eni larauwi-rard kabl känün 

*^ala-lhattu filkalb ganir känün 
ja 'en ibki 'ala-lli kabl känün 

jisallünik 'ala tül ilmedäba. 

Mit den Tliränen meines Auges tränke ich die Erde vor dem 

Känün ^ 
wegen derer, die ins Herz legten Glühkohlen vom Kohlen- 
becken.^ 
O Auge, weine über die, welche vordem waren, 
man möge dich trösten für alle Zeiten ! 

2. Strömt, o Thränen! 

Wana labki wabekki kull gili 

"^ala-lli säbni umä sab gili 
uhili ja demü' il'en hili 

'nla-lli räh mä wadda' hadäba. 

Und ich weine und mache weinen alle meine Zeitgenossen 

über den, der mich erreichte, aber nicht erreichte mein Lebens- 
alter. 

Strömt denn, o Thränen des Auges, strömet 

über den, der ging und von niemand Abschied nahm ! 

3, Die Erde sei leicht! 

Nizil dam'i ^ala chaddi uhauwad 

u'alli schakk illahd bikitfu uhauwad 

billa 'alek ja behhäsch kabri ja m'auwad 
lä kauwi tetakkilli etteräba. 



' vor Dezember, d. h. vor der Regeuzeit. - durch ihr .Sterben. 



— 323 — 

Meine Tliräno rinnt auf meine Wange und kommt nieder 

über den, der spaltete die Grabkammer mit seiner Schulter 

und ging" nieder — 

Bei Gott, o Gräber meines Grabs, du geschickter, 

nicht gar sehr sollst du mir schwer macheu die Erde ! ^ 



C. Gesänge. 

In der Belka. Mitgeteilt vou Farah Täbii in p]ssalt (beLluinisch). 
t'ber fünf Glieder der Familie (Kaside). 

Ja rabb ja ma'büd ja niusnidin li 

arg<äk ja mauläji tas'if behäli 
ja chälidsch illi bilmesägid tesalli 

i'gil 'alaiji illi radu min rigäli 
raä gultha jahmüd be'ischgetin li 

mä gultha min hamm dschillat haläli 
labki 'ala chamse radu min haiin li 

gaffat bihum jahmüd süd elleläli 
labki 'al-illi jintah ettugl 'anni 

walhed schaijäl elhemül ettegäli 
labki 'ala illi lau haka mä bezalli 

min tal'atu mä 'aggabüh errigäli. 

O Herr, o angebeteter, o mein Hort, 

ich bitte dich, o mein Herr, du mögest mir helfen! 
Schöpfer derer, die in den Gotteshäusern boten, ^ 

bring zu mir schnell zurück die , welche verloren gingen von 

meinen Männern ! 
Nicht sagte ich es, o Hamüd, in meiner Verliebtheit, 

nicht sagte ich es aus Sorge um die Kleinheit meines Besitzes, — 
ich will weinen über fünf, die mir verloren gingen von der Familie, 

es gingen weg mit ihnen, ^ o Hamüd, die schwarzen Nächte, 
ich will weinen über den, der wegstösst das Schwere von mir, 

und das starke Kamel, den Träger der schweren Lasten, 
ich will weinen über den, der, w^enn er spricht, nicht strauclielt, 

seit seiner Jua-end konntcm ihm nichts anhaben die Männer. 



' liier redet der Tote. - der Mnsleiiis. ^ es iinlinieii sie turt. 



— 324 - 



2. Klage der Frauen. 

Auch bei den Frauen stimmt nur Eine die Klage zeilenweis 
an, während die anderen das Gesungene wiederholen. Dabei 
erheben sie im Takte abwechselnd die Unterarme nach dem Kopf. 
Unabhängig vom Uesang sind die Klagezeremonien der nächsten 
weiblichen Verwandten . das Zerreissen des Kleides, Schwärzen 
des Gesichts, Lösen des Haupthaars, Schlagen auf die Brust und 
das Zerfleischen der Wangen. Die hier in verschiedenen Ab- 
teilungen gruppierten Lieder wurden mir mit Bestimmung für die 
angegebenen Gelegenheiten mitgeteilt, doch dürfte die Verwen- 
dung einzelner nicht auf die dabei genannte Gelegenheit zu be- 
schränken sein. 

A. Bei der Leiche. 

a) Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Zmikiia in Jerusalem. 
1 . Über einen Familienvater. 

Ja bätil ilbattäl 

ja däfi' ilbela 
bätil 'annak 

welähu min sahih. 

^Ach, es ist ganz aus ! 

o du, der entfernt das Unheil, ^ 
es gilt nicht für dich, 

es ist ja nicht wahr ! 

2. Wunsch für den überlebenden Gatten. 

Salämtak ja göz habibetna 
salämtak min kata' burretna. 

Dein Unversehrtsein, "^ o Gatte unsrer Freundin, 

dein Unverselirtsein von dem Abschneiden unsers Geschenks!* 



^ dies sagen mehrere zusammen. ^ der Verstorbene ist noch als starker 
Verteidiger seines Hauses gedacht. ^ er wenigstens soll nicht sterben. 

* bnrre heissen Geschenke, welche Verwandte als Lieliesbeweis einander 
senden. 



— ;i25 — 

13. Über eine junge Frau. 

Ja gözha wirkab '"'hsän 

furr erarab witturkmän 
'amitlha mä "^ödt tilka. 

ja gözha wirkab guädak 
irkab udauwir fiblädak 
'amitlha mä 'ödt tilka. 

ja gözha marda nasibak 

min rer scharrin lä isibak 
mäkall hazzak fissabäja. 

O ihr' Gatte, reite ein Pferd, 

durchziehe die Araber und Turkomanen, 
wie sie findest du keine wieder. 

O ihr Gatte, reite deinen Renner, 

reite und ziehe umher in deinem Lande, 
wie sie findest du keine wieder. 

ihr Gatte, wie bös ist dein Geschick, 

kein anderes Übel treffe dich, 
wie gering ist dein Glück mit den Mädchen!'- 

b) Aus der Gegend von Nazaret. Mitgeteilt vou Fräulein Eli.sabet Bender 

in Safed. 

1. Über einen Vater von Kindern. 

Ja räihln minna balla tsallmu ^ilehom 

wetkülu lehom ja käsin ülädku tullu 'alehom. 

O die ihr von uns geht, bei Gott, dass ihr sie grüsset 

und zu ihnen saget: ihr, die ihr hart seid gegen eure Kinder, 

sehet nach ihnen! 

Lä hi mruwwe ulä schart irrifka 

entum terühu wa'ülädiku 'ala min tabka. 



' der Toten. - jede junge Frau kann noch bint und sabijje genannt 
werden. 



- 326 — 

Das ist weder Mannhaftigkeit noch Bedingung der Freundschaft, 
ihr geht fort, und eure Kinder — wem verbleiben sie? 

Ja schabb ja mhaschscham uk'ud 'ala helak 
wachäf 'ala ülädak jerabbihom hada rerak. 

jiuiger Mann, du bescheidener, setze dich aufrecht,^ 
und trage Sorge um deine Kinder, es erzieht sie (sonst) ein 

anderer als du. 

Rabbu üledätna balla-hsinu lehom 
'asa ja'üd izzemän wäruddana lehom. 

Erzieht unsre Kinderchen, bei Clott, seid barmherzig gegen sie! 
vielleicht wendet sich die Zeit und führt uns zu ihnen zurück. 

2. Auf ein in der Fremde gestorbenes Mädchen. 

Wana-lraribe beganb eddär hattüni 
lä hum achdüni ulä 'ala-ttarlk dallüni 

ja letni gärie bissük bä'üni 
be' iFabid ulä rähu uchallüni. 

Und ich bin die Fremde, neben das Haus setzten sie mich, 

nicht nahmen sie mich und nicht zeigten sie mir den Weg. 
wäre ich doch eine Sklavin und sie hätten mich auf dem Markt 

verkauft, 
wie man Sklaven verkauft, — und wären nicht davongegangen 

und hätten mich alleingelassen. 

Ja schaijäl bina'schi ^ala-lbäb liottni 

hatta jigi abi jekallib wajeschtiri 
in iga abi lä kailab ulä-schtara 

schilu bina'schi ja rgäl ilraräjib. 

Träger, auf meiner Bahre setze mich an die Thür, 
damit mein Yater komme, umwende'-^ und kaufe !^ 

Wenn mein Vater kommt, nicht umwendet und nicht kauft, 
tragt meine Bahre w^eg, ihr fremden Männer! 



' sorge selbst für dich. ^ wie eine Ware. * und sie ins Haus nehme, 
d. h. in der Heimat bestatten lasse. 



— 327 — 

Kcibr ilrarlb bäiiatli ischäiätu 

eschschök hölu min killet zijärätu. 

Das Grab des Fremden — klar waren mir seine Zeichen, 
die Dornen umgeben es, weil wenige es besuchen. 

3, Auf einen Verlobten. 

Marhaba ja schabäb min en mä kuntu 
ja min talabtu-raräjis umä tammamtu 

marhaba ja schabäb min en mä gltu 
ja min ischtaretu-lbadlät umä thannetu. 

Willkommen ihr jungen Männer, woher ihr auch seid, 

ihr, die ihr um Bräute warbet und euer Wort nicht hieltet! 

AVillkommen, ihr jungen Männer, woher ihr auch kommt, 
ihr, die ihr die Hochzeitskleider gekauft habt und sie nicht 

genösset! 

4. Über einen jungen Mann. 

Demü' eren sakäjib 

'ala fräk ilhabäjib 
'ala sldin räb 'anna 

fl 'umeru mä tahanna. 

Die Thränen des Auges sind fliessend 

über das Scheiden des Geliebten, 
über einen Herrn, der von uns in die Ferne zog, 

in seinem kurzen Leben hat er keine Freuden gekostet. 

Kahwe ja higäzijje dakkäkek wenn 
muhra ja rbä'ijje chaijälek wenn. 

Kaffee, du von Mokka, wo ist dein Zerstosser? 
Junge Stute, du vierjährige, wo ist dein Reiter? 

5. Auf einen Ermordeten. 

Hottu *ala-lmaktül cheme 

tura chemt ilmaktül hamra 
ja let kattälu katll 

dammu 'ala dammu jesil. 



— 328 — 

Legt über den Getöteten das Zelt, 
das Zelt des Gretöteten sieht rot aus.^ 

wäre doch sein Mörder ein Gemordeter, 
sein Blut fliesse über des andern Blut! 

6. Im Trennungsschmerz. 

Lag'al znüdi hatab wasäbfi hirka 

wasbur 'ala-ggör ulä asbur *ala-lfirka. 

Ich will meine Arme zu Brennholz machen und meine Finger 

zum Brande, 
und geduldig sein bei der Tyrannei, aber nicht geduldig sein 

bei der Trennung.^ 

Färaktaku färaktüni schahm kalbi däb 
mä dauwab elkalb rer fräkiku ja hbäb. 

Ich schied von euch, ihr schiedet von mir, das Fett meines 

Herzens schmolz ; 
nichts schmelzte das Herz ausser euer Scheiden, o Geliebte. 

7. Unvergessen. 

La tahsibu in tälat ilrebe nesinäku 

kullama tälat ilrebe dakarnäku 
lamma ka'adna 'ala-lmalde fakadnäku 

watanakkad il'esch lamma mä lakenäku. 

Meint nicht, wenn die Abwesenheit lang wird, dass wir euer ver- 
gessen, 

so lang auch die Abwesenheit wird, wir gedenken euer. 
Als wir uns an den Esstisch setzten, vermissten wir euch, 

und bitter wurde das Leben, als wir euch nicht fanden. 

8. Warum so eilig? 

La tirhalu mista'glin 

kuddämku wähle uiin 
kuddämku düd ilbila. 



1 wohl von dem darauf gespritzten Bhit. ^ d. h. jeder Schmerz ist 

mir lieber als der Trennungsschmerz. 



— ;329 — 

Zieht nicht so eilig von dannen, 

vor euch ist Sumpf und Lehm, 
vor euch ist der Wurm der Verwesung. 

{). Das Geschick muss ertragen werden. 

Ejjüb lamma-btala schü kän danb ejjüb 
jahtäg illadi-btala jesbur 'ala-lmaktüb. 

Als Hieb geplagt wurde, was war Hiobs Schuld? 
Wer geplagt wird, hat geduldig auszuhalten bei dem, was (für 

ihn) geschrieben. 

10. Keine Botschaft mehr möglich. 

Nahn nektub elkutub warejäm temhiha 

wanuk'ud 'ala-ttarlk umä nagid min jewaddlha. 

Wir schreiben die Bücher,^ und die Tage löschen sie aus, 
und wir sitzen am Wege und finden keinen, der sie bestelle. 

11. Der Ruf der Taube. 

Tallat 'alaija hamäme min wara-rämüd 
kälat rähat lajäli-lhana wigat lajäli-ssüd. 

Es blickte auf mich eine Taube hinter dem Pfeiler hervor, 
sie sagte: es gingen die Nächte des Wohlseins, und die 

schwarzen Nächte kamen. 



c) Am Berge Nebo. Gesungeu von der Beduiuenfrau Fuddii hei der 

Mosesquelle. 

Mete säile 'an gläd abu räbi 
mete säile 'an schech ilbelädi. 

Mete fragt nach Geläd, Vater Räbi's, 

Mete fragt nach dem Häuptling der Gegend. 



' VdW'je Briefe, welche die Zeit verlöscht. 



— 330 — 

(1) In der Belka. Mitgeteilt vun einem Beduinen bei 'Amman. 

Nigme bissama schä'at leha däli 

hädi nigmet elfirsän ja weli 
hädi nigmtak fäjiz ja ba'd 'eni. 

Ein Stern am Himmel, er strahlte ihnen Elend (?),^ 
das ist der Stern unter den Reitern, o weh mir! 
das ist dein Stern, Fäjiz, ^ du, der nach meinem Auge kommt.^ 

e) In Merg 'Ajun. Mitgeteilt von einer Bauersfrau in Balät. 

Unwahre Nachricht!* 

Schä' ilchabar jalla-lchabar kaddäbi 
min tümm mubrid mä jekün ishäbi. 

Die Nachricht ging aus — o Gott, die Nachricht ist lügnerisch, 
aus dem Munde eines Hassers, der nicht Freund ist! 

Mitgeteilt vom Maultiertreilier 'Ali aus Chijäm.'^ 
Wo bleibt Hämud? 

Mä schiftu hamüd ja chaijäli 

käsid unä'i ilmäri 
mä schiftu hamüd ja chaijäli 

ja när kalbi dabhu mitwäli. 

Saht ihr nicht Hamüd, ^ o ihr Reiter? 

er beabsichtigte zu benachrichtigen Märi — 
saht ihr nicht Hamüd, o ihr Reiter? 

o Feuer meines Herzens, es schlachtete ihn ein Mutwäli ! '^ 



^ däli für dilli. - Fäjiz war ein Häuptling der ' Adwänbeduinen, der 
i. J. 1900 von einem Schürbeduinen bei Hesbän in seinem Zelt erschossen 
wurde. Ihm gilt diese Totentlage. Das Rachegelübde seines Bruders s. oben 
S. 145. ■' mein teuerster. * Melodie 20. ^ 'Ali war selbst an dem 

Morde beteiligt, welcher die hier mitgeteilte Klage der Mutter des Getöteten 
veranlasste. Zwei Metäwile aus Chi j am wurden bei Banias von zwei Drusen 
überfallen. Einer von ihnen wurde verwundet, aber sie töteten einen der 
Drusen. Ein Druseuhäuptling, namens Hamüd, unternimmt es, nach Märi, 
der Heimat des Getöteten, die Nachricht von seinem Tode zu bringen, wird 
aber unterwegs von dreissig Metäwile getroffen und in Stücke gehauen. Eine 
allgemeine Erhebung der Drusen folgte. Die Hegierung griff aber ein, sodass 
die Metäwile mit einer Geldzahlung davonkamen. " metäwile ist Name 
einer schiitischen Sekte im Islam. 



331 — 



B. Auf dem Friedhof. 

Fern vom Grabe lassen sich bei Jerusalem die älteren Frauen 
auf der Erde nieder und singen, indem sie ihren Ärmelzipfel oder 
ein Tuch in der Hand drehen. Man nennt dies hier „ned^b". 

Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Zoiikua in Jerusalem. 
1. Am Wege. 

Lak'ud 'ala ganb ettarik 
'asa chirin kalbu rakik 
jeherku kalbu ^alaije, 

Ich will mich setzen zur Seite des Wegs, 

vielleicht einem Edlen, dessen Herz zart, 
entbrennt das Herz über mich ! 



2. Wohin des Weges? 

Ma' assalämi wen räjih 

ja "^ambari ja mis'k fäjih 
ma*^ assalämi wen biddak 

lak^id 'adarbak waruddak 
darbak wa'ar willel zalma. 

Geh in Frieden! wohin gehst du? 

o du mein Ambar, o duftender Moschus! 
Geh in Frieden! wohin willst du? 

ich will auf deinem Wege sitzen und dich zurückbringen, 
dein Weg ist Wildnis, und die Nacht ist dunkel. 



C. Bei der Klagefeier im Hause. 

Die Frauen sitzen hierbei am Boden. Wenn die Klage jedes 
Tages vorübei- ist, wird Trauermahl gehalten von den Esswaren, 
welche die Nachbarsfrauen mitbrachten. Den Schluss der Klage- 
zeit bildet eine Mahlzeit, welche die trauernde Familie giebt. 



332 — 



In der Belka. Mitgeteilt von Farah Tabri in Essalt. 

Über einen Jüngling. 

Mä tilbasün illa lisäwi 
raä tug'udün illa gbäli 
tiglu sada galbi balä mä. 

galbi jehöbb iFaschgeräni 
Aviüül Tid ilchezaräni 
we'öng 'öng errim u'ahla. 

Jörn rekibha wistadärat 

warchälha-lbarscham usärat 
hi lielwatun wenäkib ahla. 

essef jaslah letawll ilgäme 
wirägil maschju tegll 
weiTumli mangül ilfata. 

schabäb ja naggält elkis 
niurni 'ala gabr iFaris 
schüfüh 'azab welä mgauwaz. 

bärüdtu tirzim razlni 
ja milhha 'endi chazin 
ja rsäsha 'endi chabäja. 

a'gabni jom errahll 
wilgidr lilmensaf 'adil 
uschjüch tbäri ze'ün ahlna. 

tallet min ilmuzlemät 

schugr esclischauärib sägedät 
widdüd bilwagnät jir'a. 

Legt nichts an ausser schwarzen Mänteln, 
nm" vor mich setzt euch, 
reibt ab den Rost meines Herzens ohne Wasser! 



— 333 — 

Mein Herz liebt die Blonden 

und die schlank sind wie Bambusrohr, 

deren Hals gleich dem Hals der Antilope und schöner. 

Wenn er sie ^ bestieg und sie wandte sich 

und er Hess ihr den Zügel schiessen und sie ging dahin, 
ist sie schön, aber der Reiter ist schöner. 



Das Schwert steht dem Hochgewachsenen, 
und des Verständigen Gang ist gewichtig, 
und der Speer wird getragen vom Jüngling. 



Junge Männer, o ihr, die ihr den Beutel'^ tragt, 
geht vorüber am Grabe des Bräutigams, 
seht ilin unvermählt und nicht verheiratet ! 

Sein Gewehr gibt donnernden Knall, 
o sein Pulver ist bei mir verwahrt, 
sein Blei ist bei mir aufgehoben ! 

Es gefiel mir der Tag der Wanderung, 
der Kochtopf war gleich der Schüssel, 
und Häuptlinge wetteifern mit der Gesellschaft unsrer 
Familie ! 

Ich sah von den dunkeln Ortern her 
den blonden Schnurrbart herabgebeugt 
und den Wurm an den Wano-en weiden. 



D. Bei dem Klagetanz. 

Die tanzenden Frauen bilden einen weiten Ring und schreiten 
singend im Kreise. In der Mitte hüpfen die nächsten Verwandten 
der Entschlafenen unter heftigen Bewegungen der Arme. Bei 
Chiisten wird dieser Tanz in Südpalästina schon während der 
kirclilichen Trauerfeier vor der Kirche ausgeführt. Bei einer 
grossen Me'äde (s. S. 316) wird sonst ein andrer dafür geeigneter 
Platz gewählt, wo der Tanz sich dann täglich wiederholt. 



' sein der Antiloiic i>l('icht'nd('s I^ferd. '' mit l'ulvcr und P.loi zum 

.Scliicsscn. 



— 334 — 

a) Bei Jerusalem. Mitgeteilt von Zmikna in Jerusalem. 
Trauert, o Mädchen! 

Ja sabäja-rözz harrimin iggdld 

liarrimin lä titla*^in fijöm 'id 
ja sabäja-l'özz harrimin ilichdäh 

ilkaschämir ilhömr fök ittiäb 
ja sabäja-rözz ja mä näbkin 

ja mä za'ak ter ennaua 'abuäbkin. 

edle Mädchen, verbietet euch das Neue, 
verbietet euch, geht nicht hinauf am Festtag! 

O edle Mädchen, verbietet euch die Schminke, 
die roten Gürtel über den Kleidern! 

O edle Mädchen, o was hat eucli betroffen, 

wie oft schrie der Vogel des Weggangs^ au euren Thüren! 

Schriftlich mitgeteilt von Bsehära Kanaan in Betgäla. 
l. Über einen Häuptling. 

Häda schech min ben ilmaschäjich räh 

häda gisr min ben iraläli täh 
ja fanägln eddahab uhelülijjät 

ja harlmu hal'mläh msachchamät. 

Dies ist ein Häuptling — aus der Mitte der Häuptlinge ging er, 
dies ist ein Balken, aus der Mitte der Söller fiel er, 

O ihr Tassen golden und süss, 

o seine Frauen, die schönen, sind geschwärzt. - 

Nkabbat ilkahwe 'ala-tterräha 

ja djüf mhammad ja malät essälia 
nkabbat ilkahwe 'ala-ggambijje 

sähat ja fatime ja midhijje. 

Ausgegossen ist der Kaffee über das Polster, 

o Gäste von Muhammad, o die ihr den freien Platz füllt! 

Ausgegossen ist der Kaffee über das Kissen — 

sie schrie auf,-"' o Fätime, du von Unglück betroflFene ! 



^ die Krähen gelten als Uuglücksvögel. - s. o. S. 319. •'' die un- 

glncklioho Tiattin. wchJio sogloich angfredct wird, erhob Khigogcsi-lirci. 



— 335 — 

2. Über oinen jungen Mann. 

La ja üläd 'ammi ja mala-lfingäni 

tähu lilbila dauwäset elklmäni 
lä ja üläd 'ammi ja mala 'eni 

tähii lilbila dauwäset illeli. 

Ach, ihr Kinder meines Onkels/ o Gefülltsein der Tasse, '^ 
es stiegen hinab zur Verwesung die Niedertreter der Feinde. 

Ach, ihr Kinder meines Onkels, o Vollsein des Auges, 

es stiegen hinab zur Verwesung die Niedertreter der Nacht. ^ 

Tallat ilbärüdi wassaba' mä gäsch 
ja büz ilbärüdi mnennida raschräsch. 

Sichtbar wurde die Flinte, aber der Löwe* kam nicht, 

o Mündung der Flinte, vom Thau (ist darauf) Sprengung.^ 

3. ITber einen Verlobten. 

Iftahu-ssandük taminna ndüsu 
ufarragu bulrus 'akiswet "^arüsu. 

Offnet die Lade, damit wir es" anrühren, 

und zeigt dem Butrus den Anzug seiner Braut!" 

Mät uchätru zeffe ma'mämu 
mät uchätru 'arüs kuddämu. 

Er starb, und sein Sinn war ein Hochzeitszug mit seinen Onkeln, 
er starb, und sein Sinn eine Braut vor ihm her. 

4. Über einen Erschlagenen. 

Külu lilkattäl jesachchim irödde 
ja let rakbato liddebah minmedde, 

külu likattäl izzen jirhal wiraijir däru 

knbl iggam' jeläki-ggam' uahmad jächud tarn. 



' der Verstorbene ist angeredet. - er gleicht einer Noilcn Tasse. 

' nachts war er furchtlos. ■» der Verstorliene. der die Flinte trui;'. '' nachts 
ging er mit dem Gewehr ans, " den lidnilt der Lade. ' den er schon 

fiir sie srekanff hnfte. 



— 336 — 

Sagt dem Mörder, er soll schwärzen das Werkzeug/ 
o wäre doch sem Hals zur Schlachtung ausgestreckt! 

Sagt dem Mörder des Schönen, dass er wegziehe und verändere 

seinen Wohnsitz, 
ehe ein Trupp den anderen trifft ^ und Ahmad für ihn Rache 

nimmt. 

5. Beim Tod eines Vaters, der nur Töchter hintorliess. 

Lawara ja demü' 'eni lawara 
ja dmü*^ 'eni "^albanät wa'^al^ara. 

Zurück, o Thränen meines Auges, zurück,-* 

o Thränen meines Auges über die Töchter und die Frau ! 

6. Über einen Knaben. 

Ja sabi eschschüm milla hü sabi 
arrakabe beda uschäsch imkassabi. 

ja sabi eschschüm milla hü sabi 
umitlak ja hamad mä nikna sabi. 

Knabe von böser Vorbedeutung, was für ein Knabe ist er! 

der Hals weiss und wie silberdurchwirkter Musselin. 
O Knabe von böser Vorbedeutung, was für ein Knabe ist er! 

wie du, o Hamad, erhielten wir nicht einen Knaben. 

7. Über einen Freund. 

Chattet birraml winn elmöt mutwanni 
lesch ja möt tächud sähbi ^xnni. 

Ich schrieb in den Sand,* und siehe der Tod verzieht — 
warum, o Tod, nimmst du meinen Freund von mir? 

8. Über eine Frau. 

Bint ilmaschäjich scharrakat hardäne 
hottu meschaggarha 'ala-ggabbäne. 



* die Mordwaffe. ^ die Verwandtschaft und Freundsfliaft des Ge- 

mordeten zieht gegen die Sippe des Mörders. ^ hört auf v.n fliessen! 

* um das Schicksal zu erforschen. 



— 337 — 

Die Tochter von Häuptlingen ging ostwärts ^ im Zorn, 
legt ihr gesticktes Kopftuch ^ auf den Friedhof! 

Lesch ja bint ilkiräm tirhali min haijena 
ahlik ilbet il'kbir walkaram min 'andena. 

Warum, o Tochter von Edlen, ziehst du von unserm Ort? 

deine Familie ist das grosse Haus und der Edelsinn ist bei uns.-^ 

Ja bahhäsch ruh ma' assalämi 
usallimli 'ala slemän ukuUu 
sakanna-lkabr lijöm ilkejämi. 

Totengräber, geh im Frieden,* 

und grüsse mir Slemän und sage ihm: 
wir nahmen den Wohnsitz im Grab bis zum Tag der Auferstehung. 

Mitgeteilt von Farah Täbri in Essalt. 

Über das Haupt eines Geschlechtes (hamüle). 

Ja rumh erredeni ja 'akid ilköm 

ja kschel ilhamüle illi afkadük iljöm 
ja rumh. erredeni ja 'akid elköm. 

lä tischmati ja 'aduwwe räh sür uzall sür 

jislam lana baij hanna jimschi be'ardin watül 
lä tischmati ja 'aduwwe räh sür uzall sür. 

häda schech minben ilmaschäjich täh 

häda sür minben iFaläli räh 
häda schech minben ilmaschäjich täh. 

bärüdtu bid eddalläl aretha 

lä *äsch kalbi lesch mä-schtaretha 
bärüdtu bid eddalläl aretha. 



^ die Christen legen die Sterbenden ostwärts, damit ihre Seele nach 
Osten zu entweicht, die Moslems in der Richtung nach Mekka (südlich). 
^ der Sarg soll damit geschmückt werden. ^ du hast keinen Grund zum 

Weggang. * so redet gleichsam die Entschlafene. 

Da] man, Volksleben. 22 



— ;s:iS — 

ja mhei'tu liattu 'aleha glälha 

lä 'äsch kalbi wen ruh chaijälha 
ja mhertii liattii 'aleha gLälha. 

ja täle' 'asseräja fök 'addiwäni 

ja kschelak rarize udln abu-ddifäni 
ja täle*^ 'asseräja fök 'addiwäni. 

ja hagar essäha lawen mraijib 

ja hef 'abu slemän jemüt rraijib 
ja hagar essäha lawen meraijib. 

lä ja baij slemän wen halrebe 

ja kis eddahab niahtüt figgebe 
lä ja baij slemän wen halrebe. 

Speer der Lanze, o Anführer der Leute, 

Unglück des Stammes, der dich heut vermisst, 
Speer der Lanze, o Anführer der Leute! 

Seid nicht schadenfroh, o Feinde, eine Mauer fiel, eine Mauer 

blieb, 
es bleibe uns gesund der Vater Hanna's, er gehe in die Breite 

und Länge, 
seid nicht schadenfroh, o Feinde, eine Mauer fiel, eine Mauer 

blieb. 

Das ist ein Häuptling, aus der Mitte der Häuptlinge fiel er nieder, 

das ist eine Mauer, aus der Mitte der Söller brach sie, 
das ist ein Häuptling, aus der Mitte der Häuptlinge fiel er. 

Sein Gewehr — ich sah es in der Hand des Ausrufers,^ 

nicht möge leben mein Herz! warum kaufte ich es nicht? 
sein Gewehr — ich sah es in der Hand des Ausrufers. 

Seine Stute — sie legten auf sie ihren Saumsattel, 

nicht möge leben mein Herz, wohin ging ihr Reiter? 
seine Stute — sie legten auf sie ihren Saumsattel! 



^ der es an den Meistbietenden verkauft. 



— 339 — 

der du zum Reg-ierungspalast hinaufsteigst zur Sitzung, 
schade um dich, du Neigung und Religion des Gast- 

freundHchen, 
o der du zum Regierungspalast hinaufsteigst zur Sitzung! 

Stein des Gasthauses, wohin hast du dich entfernt? 

o schade um den Yater Slemän's, er stirbt in der Fremde, 
o Stein des Gasthauses, wohin hast du dich entfernt? 

Ach! Yater Slemän's, wohin bist du gegangen? 

Beutel mit Gold, in die Tasche gesteckt! 
Ach! o Yater Slemän's, wohin bist du gegangen? 

b) In der Belka. Mitgeteilt von Farah Täbri in Essalt. 

1. Über Zattäm, Sohn des Fäjiz, Häuptling der Schür- 
beduinen. 

Miten beda farra'^at billeli 

'alek ja zattäm 'agid ilcheli 
mIten beda farra'at binnetähi 

'alek ja zattäm jelmirjähi. 

Zweihundert weisse Mädchen entblössen ihr Haupt ^ in der Nacht 

über dich, o Zattäm, Anführer der Reiter! 
Zweihundert weisse Mädchen entblössen ihr Haupt beim Begegnen 

über dich, o Zattäm, den Ruhebringer! 

2. Über 'Ali, Sohn Diäb's, Häuptling der 'Adwän- 

beduinen.2 

Ja 'ali igmäl ilbid mahbüsi 
jatnu faz'atak ja nuetir eschschüsche 

ja 'ali igmäl ilbid tingädi 

jatnu faz'atak ja schech ilblädi. 

'Ali, die Kamele der AVeissen^ sind gefangen, 

sie warten auf deine Hilfe, der du auseinanderschüttelst die 

Flechte! 
'Ali, die Kamele der Weissen werden weggeführt, 

sie warten auf deine Hilfe, o Häuptling des Landes! 

^ als Zeichen der Trauer lassen sie ihr Haupt unbedeckt und lösen das 
Haar auf. '^ Vater des ermordeten Fäjiz, s. S. 145. ' Mädchen und Frauen. 

22* 



— 340 — 

3. Über denselben. 

Tab lo'b ilchel ja subjän täb 

wilhasa wirraml taht ilchel däb 
'en 'all 'öddha 'en il'agäb 

mahla 'ali jelaulah birrekäb. 

jegül eddera* bfüni 

willa-rmüni söb ennär 
min 'agbak ja 'ali 

mä-nhadart bjöm ekwän. 

jegül essef bi'üni 

willa-rmüni söb ennär 
min 'agbak ja 'ali 

mä-nhadart bejöm ekwän. 

jegül erriimh bfüni 

willa-rmüni söb ennär 
min 'agbak ja 'ali 

mä-nhadart bejöm ekwän. 

'ala-ssäha sahil achjül de^ni 

güm ifrischlum ja 'ali-radwäni 
güm ifrischlum sähi usakräni 

güm ifrischlum min zen eFalwäni 
güm idbahlum hei uchurfäni 

güm hauwilhum bibid erredäni. 

Schön war das Spiel der Pferde, o Burschen, schön, 

und die Kiesel und der Sand schmolz unter den Pferden! 

'Ali's Auge ist, als wäre es das Auge des Adlers, 
wie schön ist 'Ali, wenn er sich im Steigbügel w4egt! 

Es sagt der Brustpanzer: verkauft mich, 

oder werft mich zum Feuer! 
seit du fort bist, o 'Ali, 

ging ich nicht hinab am Tage des Kampfs. 



— 341 — 

Es sagt das Schwert: verkauft mich, 

oder werft mich zum Feuer! 
seit du fort bist, o 'Ali, 

ging ich nicht hinab am Tage des Kampfs. 

Es sagt der Speer: verkauft mich, 

oder werft mich zum Feuer! 
seit du fort bist, o 'Ah, 

ging ich nicht hinab am Tage des Kampfs. 

Auf dem freien Platz ist das Gewieher von Pferden der Gäste, 
auf, breite ihnen Teppiche, o *Ah der 'Adwänbeduine, 

auf, breite ihnen Teppiche, nüchtern und trunken, 
auf, breite ihnen Teppiche von den schönsten Arten, 

auf, schlachte ihnen fette Hammel^ und Schafe, 
auf, mache ihnen Wind '^ mit den weissen Ärmeln ! 

4. Über denselben. 

Bissama sehn msaggat 

nägilu bedr ilbidür 
wirraha bschigg betu 

mitl feddänin jedür 
gahwetu bschigg betu 

mitl fauwär ilgedür 
mensafu bschigg betu 

bärik mitl iggezür 
jitla'u min schigg betu 

mitl raffät ettjür. 

Im Himmel ist ein Schwert mit eingelegter Arbeit, 
sein Träger ist der Vollmond der Vollmonde, =* 

und die Handmühle im Gastteil seines Zeltes 
dreht sich wie ein Gespann Ochsen,* 

sein Kaffee im Gastteil seines Zeltes 
ist wie das Brodeln der Kochkessel. 



' häjil ein fettes unfruchtbares weibliches Schaf. * um das Feuer 

anzufachen oder die Speise zu kühlen. Andere Lesart: haijllhum „mach 
es ihnen bereit«. » der Verstorbene. * auf der Tenne. 



— 342 — 

seine Speiseschüssel im Gastteil seines Zelts 
lässt sich nieder wie das Schlachtkamel/ 

sie kommen hervor aus dem Gastteil seines Zelts 
wie die Schwärme von Vögeln, 

5. Über denselben. 

Tab lo'b ilchel wilchel ad'arüha 

war'aschu 'üd ilgana lamma at'abüha 
tibki 'alek eddalla wilfingäni 

tibki 'alek eschjüch biddiwäni 
tibki 'alek ilbüme 

hatta-lgamar wingümu 
tibki 'alek essurbe 

lan raiiwahat macljüme 
tibki 'alek ilkhele 

lan rauwahat billele. 

Schön war das Spiel der Pferde, und sie setzten die Pferde ^ 

in Schrecken, 

und schüttelten den Schaft der Lanze, bis sie sie ermüdeten! 
Es weinen über dich die Kaffeekanne und die Tassen,^ 

es weinen über dich Häuptlinge in der Ratsversammlung, 
es weint über dich die Eule, 

sogar der Mond mit seinen Sternen, 
es weint über dich die Kriegsschar, 

wenn sie in Bedrängnis gerät, 
es weint über dich das Rassepferd, 

wenn es fortgeht bei Nacht. 

6. Auf Sälih, Vater Gäber's, in Essalt.* 

Mä thöddin 'ala sälih 

ja ummät ilmanädili 
dauwäs esseräja blel 

'ala dau ilganädlli. 



' ein zum Schlachten bestimmtes fettes Kamel. ^ der Feinde. ^ die 
Bereitung des Kaffees für die Gäste ist Ehrenamt des Hausherrn. * ge- 
storben i. J. 1900. 



— 343 — 

mä thöddin 'ala sälih 
ja ummät schaW eFaschgar 

dauwäs esseräja Ijlel 

'ala dau ilgamar iFasch^al. 

sälih ja ratl iddaliab 

ratlin tegil iihäjil 
sikkine daggat eljamln 

mä tidbah illa-lhäjil 
raensafe barba' chidam 

gischschän dehnin säjil. 

Ihr müsst trauern ^ über Sälih, 

(3 ihr mit den Tüchern! 
der nachts in den Regierungspalast trat 

bei dem Licht der Lampen. 

Ihr müsst trauern über Sälih, 

ihr mit dem blonden Haar! 
der nachts in den Regierungspalast trat 

beim Licht des Mondes des angezündeten. 

Sälih, Ratr^ von Gold, 

ein schweres und erstaunlich grosses Ratl! 
Ein Messer — der Stoss der Rechten 

schlachtet nur den Hammel, 
eine Speiseschüssel mit vier Dienern,^ 

Teller mit fliessendem Fett! 



^ eigentlich: ihr trauert nicht? ^ ein Gewicht von über 2,5 Kilogr. 

^ nur vier Diener können sie trasren. 



— 344 — 



Nachtrag. 

Mitgeteilt vou Farali Täbri in Essalt. 



A. Imlälä. (Zu S. 25ff.). 

Aus der Gegend von Jerusalem. 

Chaijti ja märja ta'äli lahuna 

hidäna berüde uschammet haua huna 
ja täFa 'aggebel jamm libherijje 

bischwesch lä taka'i balkäki bidaije 
jcä märik eddarb dünak delüna dünak 

wischrab minnu moije nzife urammid 'ejünak 
ja chaiji ja 'Isa ja retak tezall lana 

lamma nkaddi-lräli min chauätirna 
ja chaiji slemän retak 'ezzna däjim 

ja mä 'aduwak retu fi-lbila näjim. 

Meine Schwester, o Maria, komme hierher, 

bei uns ist Frische, und Luftschöpfen hier! 
die du steigst auf den Berg, du mit den roten Schuhen, 

gemach, falle nicht! ich fange dich auf mit den Händen! 
O der du des Weges vorübergehst, da liast du unsern Schöpf- 
eimer, nimm ihn, 

und trinke aus ihm reines Wasser mit geschlossenen Augen! ^ 
O mein Bruder, o 'Isa, dass du doch für uns bliebest, 

bis wir das Teure erreichen, das in unserni Sinn! 
O mein Bruder Slemän, wärst du doch unser Stolz beständig, 

möchte doch dein Feind in der Verwesung liegen! 



* die Reinheit des Was.sers ist zuverlässicr. 



— 345 — 

B. Wegen eines Pferdes ein Krieg. (Zu S. 104.) 

Muhammed *Ali von Aegypten sandte seinen Sohn Toson 
Pascha nach Arabien, um von den Beduinenstämmen des Landes 
Tribut (widi) einzutreiben. Durch Ehrengeschenke an die Häupt- 
hnge suchte er diese sich geneigt zu machen, überging aber 
dabei den Häupthng Muhammed ibn Hädi. Als sein Bote auch 
bei diesem den Tribut einforderte, sah er bei ihm ein schönes 
Pferd, von dem er dem Pascha berichtete. Dieser war bereit, 
10 000 Megidi dafür zu zahlen, 7000 als Kaufpreis für das Pferd, 
je 1000 als „schöfet chätir" (Befriedigungsgabe) für die Familie 
ibn Hädi's, für das Pferd und ihn selbst. Als der vom Pascha 
zu Muhammed gesandte Bek aber sagte, dass der Pascha der 
Käufer sei, weigerte sich Muhammed das Pferd herzugeben. Der 
Scherif 'Abdalla in Mekka, bei welchem der Pascha wohnte und 
der dessen Zorn zu stillen wünschte, schrieb Muhammed darüber 
einen Verweis und drohte mit Krieg, wenn er das Pferd nicht 
sende. Darauf antwortete Muhammed mit einer Kaside, in 
welcher er das Pferd aufs neue verweigerte. Der Emir Turk 
ibn Mhed erbot sich nun dem 'Abdalla, ihm für den Pascha das 
Pferd zu verschaffen, und beantwortete die Kaside Muhammed's 
mit einem Gesang, in welchem er ihm Krieg androhte. Zum 
Kampfe kam es dann auch wirklich. Turk tötete aber durch 
einen Lanzenwurf wider Willen das umstrittene Pferd, und 
Muhammed schoss mit dem Karabiner seinen Gegner durch 
den Kopf. 

Dies wird als Veranlassung der auf S. 1 04 mitgeteilten Kaside 
in Essalt erzählt. Von dort stammt auch die Recension derselben, 
welche hier zugleich mit der S. 104 fehlenden Antwortskaside 
mitgeteilt wird.^ 

a) Schreiben des Muhammed ibn Hädi. 

Ja räkib min 'öndana fög haghüg 
dauwäs mauwäg ba'ldin m'aschschäh 

asbag mniddänüg fi rabbet elmög 
milfäk sultänin ba'idin mechalläh 



1 beide Kasideu sind hier in wesentlich besserer Gestalt als die von 
Socin, Diwan aus Centralarabieu I 62 ff., edierten Receusioneu. Auf Einzel- 
heiten einzuoreheu versaore ich mir. 



— 346 — 

jarabdali jalli 'ala-lchel fälüg 

zebn alhsän eljäga ser 'elbäh 
judkar lana jalgirm btitri-lrög 

■^an isclischimäs illi lafatna wasäjäh 
jarabdali lä tkattei* essom bilrög 

lau tschäri täri lana ettaman tschän bi'näli 
niä dazzet li sefin uschälin userüg 

minschän ndazzilak gauädin siberta 
abri 'aleh braddatin \valml"b 'üg 

lan hall birkän essabäja mtära 
walla lau wagafu 'ala-zzuml bimhüg 

jarmi mschelihu wajömi mirmäh 
aruddhin radd eggauärisch 'an ilmög 

radd elbagar min disatin söb mitnäh 
harribna lä gattab ilchel bisrüg 

läzim jiclialli minzalu lö nasenäh 
nasgihi sammln jodi' elhäl maznüg 

wamfarrig elchullän hädäk ana ijjäh 
hinna 'alehin mitl g\ig umägüg 

willi tamanna harbina schirib min mäh 
nabni 'ala-Falja nabänib wibrüg 

wamin gäl bina bivrada mä sami'näh 
win tschän begöli mitl giig umägüg 

atschün ana zallet astarfir alläh. 

O der du von uns reitest auf einem Reitkamel, 

das daher tritt wie Wogen, weit entfernt sein Abendfutter nimmt, 
rascher als das Schiff im Hinziehen durch die Wellen, 

dein Absteigeort ist bei einem Herrscher mit weitem Gebiet. 
du 'Abdali, der du zu Pferde Sieger bist, 

Besitzer des Hengstes, bei dem der Gang des Schenkels an- 
dauernd ist (?), 
es wird uns gesagt, o Held, dass du wünschest das Pferd, 

für den Diener, ^ dessen Befehle uns erreichten, 
o du "^Abdali, mache nicht viel Worte mit der Abschätzung des 

Pferdes, 

wenn uns der Preis genehm wäre, hätten wir es verkauft. 



^ verächtliche Bezeichnuns' des Pascha's. 



— 347 — 

Du sandtest mii' nicht Schwert, Mantel und Schabracke, 

damit wir dir senden sollten einen unvergleichlichen Renner. 
Ich möchte darauf sein bei der Rückkehr, wenn der Sieg 

schwankend ist, 

wenn über die Macht der Reiterscharen Ansturm hereinbricht. 
Bei Gott, wenn sie^ auf den Kamelen stünden in Kühnheit 

und ihre Mäntel abwürfen und zeigten auf den Ort, wohin sie 

sie warfen, 
würde ich sie zurücktreiben, wie man zurücktreibt das Wild von 

den Wogen, 

wie man die Rinder zurücktreibt aus dem Dickicht zur Seite 

der Stelle, da man sie erwartet. 
Wenn unser Gegner häufte gesattelte Pferde, 

müsste er seinen Lagerplatz verlassen, wenn wir ihn packten, 
wir würden ihn mit Gift tränken, welches aufs höchste gefährdet, 

und der die Freunde von einander scheidet, jener bin ich. 
Wir sind über ihnen wie Gog und Magog, 

und wer unsern Krieg begehrte, bekam sein Wasser zu trinken. 
Wir bauen in der Hölie Schlösser und Burgen, 

und wer von uns Übles redete, den hörten wir nicht. 
Wenn ich mit meiner Rede „wie Gog und Magog" 

gefehlt haben sollte, bitte ich Gott um Verzeihung. 

b) Antwortschreiben des Turk ibn Mhed. 

Haiji-lkitäb illi mnirafs mamzüg 

haijäh wahaija man lata bihi wa'^anäh 
ahlan usahlan bihi walä bih mahrüg 

hischme liman gaä minhu takrlmina ijjäh 
salämin mitl eddöb machlüt biblüg 

anwag min eFambar lau rili mischräh 
agäna kitäb m'arraf elchatt ma'rüg 

m'assaran walätschin hinna fahimnäh 
min 'ind man jächud 'ala nagd bichrüg 

jächud 'ala min hall bi'ischbu eschschä 
limhammad illi ilu hauänit wubrüg 

ba'idan wagariban bihäzmu wabiraijä 



' nach Socin die Schlachtenjungfrauen, vgl. S. 189. 



— 348 — 

judkar lana inn läzim tschihh elrög 

lamma agina lu walä a'tetina ijjäh 
hatta esch lau 'aijana mhamraad 'ala-lrög 

tschamm bittauäla wähidin tschinnu ijjäh 
minhum talat mijje litis' in bisrüg- 

ma' mitlahum btizha-ggenäjib utibräh 
in tum shel illi lu-ttula' wibrüg 

hinna-lgamar bilelat innusf rattcäh 
kämm min talfin fögu illibs maznüg 

lischschech jirchas mä janllu mgädäh 
kämm wähidin lau waradna 'äd maz'üg 

jichalli tarlhu ben döla udöläh 
min 'ind man jächud 'ala-ssef särüg 

zabn eddanäja mid'ir elehel bnädäh 
ana abri latm iTida in gä däbüg 

nimran kama wasf elfah^d jöm tabäräh 
usaijid eggamf illi lu-lhuk"m mazdüg 

hakam elbah^r welbarr jömin alla a'täh 
ja'ti-lmehära illi 'arägibha 'üg 

lannu 'ata schlan lä jächud bimagfäh 
mä inti 'ala häda-lgöl jalgirm mahwüg 

häda-lmatal mä jastaullak o 'agbäh 
mä jastauilak dikr güg umägüg 

alla jamna' min 'amalhum watarajäh 
essidd min dün elchabiten martüg 

mana'hu-lgarnen billa wawaggäh 
ja 'abd lä titräk nafsak 'ala-zzür bihrüg 

kafart bittärüt wana amantu billäh 
schabbaht gömak mitl güg umägüg 

willa garädan näschiran min faläjäh 
lä budd inn chelina 'ala chelak tamüg 

watschüf chaijäl elwara men minna hü ijjäh. 

Begrüsst werde das Schreiben, das gemengt ist mit Gall- 
äpfelsaft, 
begrüsst werde es und begrüsst werde, der damit kam und es 

besorgte I 
Willkommen ihm ohne Widerrede 

aus Höflichkeit gegen den, von dem es kam uns zu beehren, 



— 349 — 

ein Gruss wie Zucker mit Honig gemengt, 

besser als Ambra, wenn sie unerschwinglich teuer wurde. 
Es gelangte zu uns ein Schreiben mit bekannter Schrift, näm- 
lich aufsteigender,^ 

schwierig zu lesen, aber wir haben es verstanden. 
Yon dem,'^ welcher vom Negd Steuern nimmt, 

der nimmt von dem, in dessen Kraut das Schaf weidet, 
an Muhammed, der Yerkaufsläden und Burgen besitzt, 

fern und nah, in Städten und im Freien, 
Es ward uns berichtet, dass du notwendig das Pferd verweigerst, 

als wir nach ihm kamen, und du gabst es uns nicht. 
Ja, was wäre es, wenn Muhammed ims nicht hergäbe das Pferd, 

wie viele (Pferde) sind an der Krippe, die ihm gleichen! 
Von ihnen sind dreihundert und neunzig gesattelt, 

ausserdem ebensoviele übertreffen die andern und wetteifern 

mit ihm. 
Ihr seid der Hundsstern, der Höhe und Burgen hat, 

wir sind der Mond in der Nacht der Monatsmitte, der ihn be- 
deckt. 
Wie mancher Held, auf dem die Kleidung enggesehnürt, 

wird feil dem Häuptling,^ nicht reicht er heran an sein Urteil! 
Wie mancher, wenn er zu uns kam, kehrte zurück in Angst, 

Hess liegen seine Gefallenen zwischen diesen und jenen!* 
Von dem, welcher ausser dem Schwert eine Schabracke nimmt, ^ 

ein Freund der Gefahren, dessen Ruf die Rosse erschreckt:** 
Ich wünsche dreinzuschlagen auf die Feinde, wenn er im Pracht- 
kleid kommt 

wie ein Panther, nach der Art des Luchses, wenn er ihm 

begegnet, 
und als ein Herr über alle, der zweifache Herrschaft hat, 

er herrscht über das Meer und das Land, wenn Gott es ihm 

giebt, 
der junge Pferde verschenkt mit gebogenen Kniekehlen, 

wenn er etwas giebt, nimmt er es nicht zurück. 
Du hast diese Rede nicht nötig, dieser Vergleich 
ziemt dir nicht oder seines gleichen, 

' d. h. mit gebogenen, aufsteigenden Linien. - es ist der 'Abdali 

gemeint. * unterwirft sich ihm, nämlich dem 'Abdali. * beiden Parteien. 
6 als Geschenk. « Turk ibn Mhed meint sich selbst. 



— 350 _ 

nicht ziemt dir die Erwähnung von Gog und Magog, 

Gott behüte vor ihrem Werke und ihrem Gedenken! 
die Mauer ist vor diesen zwei Gottlosen verschlossen — 

es befestigte sie der Zweigehörnte ^ mit Gottes Hilfe und 

schützte sie. 
Menschenkind, nicht verführe dich deine Seele zu Gottlosigkeit 

in aufsätziger Rede, 
Gott leugnetest du mit Rebellion, ich aber habe an Gott ge- 
glaubt. 
Du verglichest deine Leute mit Gog und Magog, 

oder sie sind wie Heuschrecken, die sich ausbreiten von der 

Wüste ; 
sicherlich werden unsere Reiter über die deinen herfallen, 
und du wirst sehen, wer von uns der Held im Kampfe ist. 



C. Marschlieder. (Zu S. 1 44 ff.) 

l. An Muhammed Sa'id.^ 

Um 1860 wollte Muhammed Sa'id Pascha als Mutassarif von 
Nablus die Belka der türkischen Regierung unterwerfen. Der 
Aushebung von Soldaten und dem Einziehen von Steuern und 
Zehnten setzte man aber dort Widerstand entgegen und drohte 
in dem hier mitgeteilten Liede mit Krieg. Indessen wusste der 
Wäli von Damaskus, Muhammed Raschid Pascha, durch Ver- 
teilung von Geschenken einen Vergleich zu Wege zu bringen, 
welcher Essalt der Regierung unterwarf, aber der Stadt in bezug 
auf Steuererhebung und Militärdienst einige Vorteile verlieh. 

Abük ja mhammad sa'ld 

jelli trid 'ejälna 
raä 'endna rer ilhegüm 

watta'n berüs elgana. 



^ Alexander der Grosse, s. Kor'äu Sure 18. - zwei Verse dieses 

Liedes wurden in schlechterer Recensiou S. 148 mitgeteilt und Vers 1 dort 
unrichtiof als Zuruf der Stammessrenossen Muhammeds gedeutet. 



— 351 — 

abük ja mhammad sa'id 

jelli trid ktälna 
wilcbel mä täkul ^adas 

illa scha'ir mhassana. 

abük ja mhammad sa'id 

titlub 'alena mhaggakät 
mä 'endna rer ilbanädig 

rüs ilikräd mgatta'ät. 

Yerflucbt sei dein Vater, o Miibammed Sa'id, 

der du unsere Kinder willst!^ 
bei uns giebt es nichts ausser dem Ansturm 

und dem Durchbohren mit den Spitzen des Speers, 

Verflucht sei dein Vater, o Muhammed Sa'id, 

der du den Kampf mit uns willst! 
und die Pferde fressen nicht Linsen, 

sie fressen gereinigte Gerste.^ 

Verflucht sei dein Vater, o Muhammed Sa'id! 

du forderst bei uns Pferde mit weissen Füssen, 
bei uns giebt es nur die Flinten, 

die Köpfe der Kurden^ werden abgehauen. 

2. Kriegslieder der 'Ad \v änb eduinen. 
a) Schade um eure Kinder! 

Ja hef ja zen 'ejälkum 

razäizin labu-lhugur 
lat'an warauwi harbeti 

le'en min töbu jegurr. 

schade, o Schöner, eure Kinder 

sind Beute für Abu-lhugur,* 
ich will durchbohren und letzen mein Lanzenmesser 

für das Auge dessen, dessen Gewand schleppt.'' 



1 als Soldaten. ^ d. h. sie sind wohlgenährt und kampffähig, 

ä Muhammed Sa'id war Kurde. * Beiname eines feindlichen Häuptlings. 

"^ der Geliebten. , 



— 352 — 

b) Die Kurdenschöne. 

Naschmijjatan 'end el'akräd 

ja Weli Süd 'ejünha 
archashi rühi wilfaras 

mä hegwati jintünha. 

Eine Schöne bei den Kurden — 

weh mir, schwarz sind ihre Augen! 

ich bot meine Seele dar und die Stute, 
nicht glaube ich, sie geben sie mir. ^ 

c) Wir sind deine Waren. 

Ja schech henna geläibak 

u'izwatak bejöm elmabi* 
lat'an warauwi harbeti 

le'en abu-ssulb erraff. 

Häuptling, wir sind deine Waren, 

und deine Leute am Tage des Markts! ^ 

Ich will durchbohren und letzen mein Lanzenmesser 
für das Auge des mit der schlanken Hüfte ! ^ 

d) Die Eroberer von Essalt. 

Henna walina saltakum 

wadiäb malhügin 'aleh 
willi jedill eljöm minna 

ja bid lä tibkin 'aleh. 

Wir haben erobert euer Salt, 

und Diäb* wird schon noch erreicht! 

und wer heut von uns elend wird,^ 
ihr Weissen, weinet nicht über ihn!^ 



1 vgl. S. 36 Nr. 8. ^ der Schlacht. ^ der Geliebten. * ein Feind. 
^ wer im Kampfe fällt. " die Mädchen sollen keine Totenklage anstellen. 
Heldentod ist kein Unglück. 



Melodien 



Dalman, Volksleben. ^^ 



354 



I. Tonleitern und Stimmungen. 



1. Tonleiter (Bajät). 



3. Tonleiter (Hidgäz). 



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3. Tonleiter der einfachen Flöte. 4. Doppelflöte. 

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5. Doppelflöte mit Grundton.,?™"'^*"''* ^f t.T''^ <'• ^i^er (Ifänün), 
^■^ Verlängerung d.RonrsA — - 



Verlängerung u.xvuiirsy. ^ 

* k J J J IlJ • ^ • >^ ^ J || voJiV' J bi Q (m — 



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7. Mandoline CÜd). S.Violine. 



9. Bauerngeige (Rabäbi). 



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n. Melodien. 



1. Hirtenweise (Belka). 



v^**^ ^n ^^ n ^r i P p pp P P Mr Hi 



S-33. 5abat 'a . lai-ji esch - Scheins wazlanra.lai .ji el . . lel. 

3. Hirtenweise (Belka). 3. Schnitterweise CAglün). 



S5 



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.■l l tj a P l P^P P P P 



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S.39. Eh.lub la - fre.ga ja wa.lad s.7. Ja nä.i.manömet.tu . li 
wehlub la - ha zid el.ha.llb. wuddagga'alburtumhe . 11. 

4. Tränklied CAglün). 5. TränkUed CAglün). 

Gemächlich. o Rasch. 



^ 



fi=^ :p'ir rip P^^r i J^^p p 



• I • 



S.45. Öe - dä-li wen tar.din s.48. Haijhin jömgenhaij helwät el.le. 
maschä.ri' inä fihuni tin . 



355 



"^^.^f I p p=g F I D r p I p p p P I p r r II 



beu "a . lai-ji nier.wi . hen.ne lau. in ed.le.wi schenne. 



6. Ataba (Merg 'Ajun). 

Kräftige Einsätze. 



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e^^feE^ 



S.76. Ja 'en ja 'en ja 'en ja 'e . ni. Kad.det il.lel al. 



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chullan a.dau.wir 



ha.zin u . bi.za.läm il 



v=^ p-p l 



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^ 



lel a.dau-wir sa . 'a a.nam sä . 'a a . küni a.dau. 




wir sä /a a.kul hon kä . nu il.ha.ba.ba. 



7. Ataba (beduinisch). 



*>=»;; ^ifr^fi r-|f Pf i rr- | f Pr-|r^p 



S.82. A -bat il.lel 'a . la chul . län ma . g-ü' 



u . 



^M rf i fT i rp Ej 



Ä-i •_:_. (2. 



n fr Pr i fti 



min sidr iz . za.rlf em.set mau . gu' wanaji masset chaddet. 



*M-tlI^ 



ffPff | frrffPP|£r| m 



ta.raf ma.gu' tamant if . rad i . da bit . na cha . la. 



— 356 



8. Mauwal (südl. Libanon). 



;>L^p If; p p p ^^ 



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S.221. Laf . dl . lak er.ruh.^ mä zä 
jal - li min ag.lak sau . ä . 



Zusatz für Zeile 1 un d 7. 
.? 



^■■r^ n 



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r i rcr i fM i 



lat ta.ra 'e . ni ja 'e.ni ja le 
ki garatniin'e . ni. 

9. Tarwide (Merg 'Ajün). 

Kr(\ftig. ^ — ^ 
m ß" m o . p a r-<2 (2. 



li a . li. 



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S.208. Jich -lif a . lek u . jal _ 



künt — 'ä . zim. 



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O — I — et — r-fi- 



na jik . tir la . che.rak g'a.lak dorn far . hän jö 



10. MarscMied (Merg 'Ajün). 

Lebhaft. ^ 



^ 



11. Zum Präsentier- 

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s. 193. 'A - rls _ na dau il.ka.niar 
wischschams had . du wä .ki . fi. 



S.254. Tchat - ta.ri 
kibsch il - ku 



tanz der Braut (Nazaret). 



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smal-la ja ze . na ja war.di guw.wa . ggi.ne . na 
rim.ful ja 'a.rü . si wil.fill je.chai.jem 'a . le . na. 



12. Dasselbe (südl. Libanon). 




^ 1 "^ r 1 ^ jT^^ip p^i{]Jj^i^'J'^jij^ii 



Mi'tchatta.ri e ja ze.na ja warde minguw-wa ge.ne . na. 



— 357 — 
13. Zum Tanz (Merg 'Ajün). Bei > Händeklatschen. 



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^ 



^ 



±1 



S.272. Hek maschk za' . ru . ra ja jum . raa hek 

hek maschi-lran _ du . ra ja jum . ma hek. 



14^ Zum Stampf reigen „auf Megana" (Merg Ajün). 

Bestimmt. 



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S.279. Ja chschüfin ka _ ba _ lu . ni er . ra _ da 
künt rä . jih fit . ta . rik u . rad.da 



. ni 
_ ni. 



14^ Dasselbe (Galiläa). 



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tä.lat il 



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S.269. Hani dani.a' il 'en fök il . chadd hani 



J- J I J ^ - # I J7] J j p p p I» |jt p y Jp 



re.be wa . lä-rsal.li sa _ läm tä.lat il _ re _ he wa_lä _ 



^ 



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rsal-li ha . da chuded a . bu kde.le schibh katr en .ni . da. 



15. Matlu' (Merg Ajün). 

Ge t rage w^._^ 



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4 I M 



S.118. Kä.sini sa . gan . ni mitl nah.le bi . ka . fir 

wah.tür am . ri mä ba . kä . li gnäh a . tir. 



16. Ga'idijje (Merg 'Ajün). 

Rasch , po intiert. 



§^ 



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S.120. Nij-jal il - ba . lu hed-jän u . f ik.ru fä.di muschma'guk 
mitl i _ flä.ni bint i . f län rabbak mä cha.lak machlük. 



358 — 



17. Kaside (südl. Libanon). 



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S.130. Ka. ma gäl il 
a _ gül wa . fij 



mud . na min . gedd de . nia el . 
ja när il . wagd u . gal . bi 

Zwischenspiel auf der Rabäbi (Aleppo). 



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'en la . gadd sa . ka . ba 
zäd la - ha la.ha . ba. 

18. Zalrüta (Merg 'Ajün). 

Hasch. 



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S.212. 


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Wim - nif . 
dai . jät 


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kü . mi lan . zur 

f 1 'läli ahsan min 

'a . la haua.lrarbi 
'a - ris te . rat . 



fi j)r p ^u^^p p p p p p I r t W 



n . ki 
'aläli.ki 
jirmiki 

tl - ki. 



lu lu lu lu lu lu lu lu lu lu lesch. 



19. Totenklage der Mäimer (Merg/Ajün) 

Langsam. „, — .^ ^ — ^ 



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S.316. Ja 


du. . 


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ilchu . 


. du . 


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20. Totenklage der Frauen (Merg 'Ajün). 



* 



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S.330. Schä' il . cha.bar jal . la.lcha.bar kad . da . bi 
min tümmnmb,rid mä je. kün is . . hä . bi. 



21. Totenklage der Mäimer (beduinisch). 



Gedämpft. 



^ 



^ 



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S.320. Schid . du . lu 



'a - la 



Iham - ra 



Imu . tab 



bi 



— 359 — 



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u.chubzu tschallal il 'ab. . dät min et . tab.bi. 



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leschcha.de . tu lesch cha . de . tu ja rab.bi. 



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lü 'ä . - bid i . sih ez . zäd ja gu .'än.. 



22. Dasselbe. 






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S.319. Har . bi 'a . la süd ischschü . a . rib har . bi 

ja . bu churga . ge . li tscha.sab- tak rä _ hat. 



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gäk el - müt ja meg . la . dak ja gal . . bi 

ha . rim msach.cha . ma min tül räi . bä . .tak. 



23. Bardu (Aleppo). x Erhöhung um W Ton. 



Munter. y^ 



X >f X. 




s. 237. Ja bar. du bar. du bar. du as.mar sa.bä.ni kad.du 



>< X 



'y-^ p i g pft n^p^ U Qü^iQ^m 



ma . ta jü . f I . ni wa 'du wa.kab . bil schä.met chad . du. 



— 360 

24. Zeiiii (südl. Libanon). 



'M'i mP P P P I P LTP- £/ | P ^ 



s. 232. Ja ze - nu ze . nu 
de . chi . lik de . chil 



ze 
al 



nu as . mar 
la dil.ll - 



25. Dasselbe (Aleppo). 



-H P P P'g l P pr:|M-i p P P P hP=M^ 



wimkah.hel 
ni be.tik 



e - mi 
we.nu. 



Hai.ji ze.nu je . nu ze.nu 




ze . nu as . mar u . me . kalihel 'e _ nu dechilek 




de.chil ha . ra.ka.tek dil . li . ni al . bet we . . nu. 

26. Essumr (Aleppo). 




S.250. 



Essum.ru lil . la hin.nu 'a . le . na neh . na 




esch.ta.bak.na esch ta.le' bi . de . na el.bid je . ku . lu nah 



'^^u^ ui f^' PiP PpP i Pp r^^ 



na 



el . kau-ä . kib neh.na ka.det.na be - 'a'-la.lme . rä.tib. 



27. Riif des Mueddin zum Gebet (Aleppo). Hidgäz, 



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hü ak.bar al . lä 



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hü ak.bar al . 



361 — 



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lä . hü ak.bar esch.ha . du ann lä i.läh iU.al.la eschha. 



'>=!>'' r p p i^^ rrrir- i'ip cj 



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du an. na niu.ham niad ir . ra . sül al 



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la hai.ja 'a.la.ssa.la hai.ja 'a.la.ssa . la hai. 



'^'■''c/p rr pir^'^^ i c;p fr pir^'^''ir [p 



ja al-il . f a . läh hai . ja 'al_il . f a . läh al . lä . hu 



3 

'-'ni'^ pp p p p i p pv^Mppp rSr^ ^pi 



ak.bar al - lä . hü ak.bar la i .lä.ha ill . al - la. 



28. Zum Tanz (Kefr Besin bei Aleppo). 
Munter. 



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4 ^ g gdg 



Klarinette. 



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Pauke, (e = Schlag mit Schlägel; g = Schlag mit Stäbchen.) 



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P n P :| 



362 



29. Zum Tanz. 30. Zum Stampf reigeii. 

Topftrommelrythmus (Aleppo). Auf der Rohrflöte (beduinisch). 



. ^>^ip-ppP i j ^ r^\\^\'i m^if^ ^ 



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* , * J~~ * • J J J J —J— *"* • J 






31. Ben KÖlÜm (türkisch). Bajät. 
Hasch. 



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363 — 




32. A feriad ittem (türkisch). Hidgäz. 

Melodie. ^3 ^ 

f*2 



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Zwischen- 



j l J J^/TSl^'-^JJ^fJU /j) 



spiel. 



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Mel. 



f ^-r K^^J Vi^ 






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jVIeL,- ^ Zw. ^^^ ^^^ 



* ^ * * ^i^ ^* i- 



Mel 




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dreimal Da Capo 



Ergänzungen und Berichtigungen. 



S. XII Z. 7 V. u. Farali Täbri schreil)t, dass bei Bauern niemals die Dreseh- 

tafel zum Sitz für den Bräutigam oder zum LagQr einer Leiche gemacht 

werde. Bei Beduinen könne ja dergleichen einmal vorkommen , ^s'enn 

es ihnen au Bettzeug fehle. 
S. XVIII Z. 13 v.u. Eiu einzelnes Treiblied heisst hdijje oder uhdijje, pl. 

uhädi oder hidijjät. 
S. XIX Z. 4 V. u. Zu zalruta ist der Plural zalärit. Zalröta -Verse sind 

bei den Beduinen nicht üblich und auch in Essalt unbekannt. 
S. XX Z. 18 V. u. Die Mtauwahat werden nach Angabe von Farah Täbri 

bei den Beduinen von jungen Männern auf dem Weg zum Klatschreigen. 

aber auch beim Reigen selbst gesungen. 
Z. 7 V. u. Ein Tahnlu-Vers heisst tahnine, pl. tahnlnat oder tahänin. 

— Der Schlummergesang für kleine Kinder heisst tahlil, ein einzelnes 

Schlummerlied tahlile, pl. tahlllät oder tahälll. Von der Mutter 

sagt man: bithall il li'ibniha. 
S. XXI Z. 3 V. 0. Ein einzelnes Klagelied heisst auch nuddebijje, pl. 

nuddabijjät. Ein Klagetanzlied (s. S. 333 tf.) heisst ma'lde oder 

mi"edijje, pl. mi"edijjät. 
Z. 18 V. 0. Eine allgemeine Bezeichnung des Liedes ist auch kauwälijje, 

pl. köl oder kauwälijjät. Anm. 1* 1.: runnäwijje. 
S. 7 Z. 9 V. u. 1. : gäima. 
S. 8 Anm. 3. bulläna ist Poterium spinosum, das für den Domenkranz Jesu 

immer als wahrscheinlichste Älöglichkeit gelten muss. 
S. 9 Z. 13 V. u. 1.: gaben. 
S. 31 Z. 4 V. u. 1.: känat. 

S. 32 S. 7 V. 0. 1. : hatte es erregt JMitleid — für den Freund. 
S. 33 Z. 13 V. 0. 1.: ra'iän. 
S. 37 Z. 14 V. o. 1.: Wädi-ssalihi. 
S. 42 Z. 14 V. 0. L: 4. 
8.43 Anm. 2. Die Churschäu gehören zu den Schilr-Beduineu. s. Litt manu, 

ZDPV XXIV 29. 
S. 62 Z. 6 V. u. 1.: betet für den Propheten! 
S. 63 Z. 13 V. u. 1.: jäbu-ddifän. 
S. 67 Z. 3 V. o. 1.: diese grossen Schüssel u. 
S. 68 Z. 3 V. o. 1.: täle'; Z. 7 I.: und was kann man thiniV 
S. 74 Z, 9 V. u. 1.: hintreten; Z. 10 v. u. L: will iu euer Haus treten. 
Dal man, Volksleben. 24 



— 366 — 

S. 77 fF. Nr. 39—44 sind Verse zum Stampfreigeii „auf Megaua", s. S. 274 ft. 

S. 84 Z. 3 V. u. 1.: den Abhängen, die entlang (gehen). 

S. 86 Z. 7 V. u. 1.: bözhüriu. 

S. 89 Z. 1 V. u. 1.: eddüa. 

S. 91 Z. 1 V. u. 1.: ilröa. 

S. 93 Z. 13 V. 0. 1.: warridanna. 

S. 96 Z. 6 V. 0. ].: hamad. 

S. 97 Z. 14 V. 0. 1.: Hatina-rasehäri; Z. 18 v. o. 1.: Wir trieben die Renner. 
Anm. 5 1. : der Dreschschlitten gleicht schnell laufenden Kamelen, 
welche die Strecke von zehn Tagen an einem Tage zurücklegen. 
Anm. 7 zu streichen. 

S. 98 Z. 8 V. n. 1. : -ddima. 

S. 99 Z. 15 V. o. 1.: c); Z. 17 1.: 'aselen : Z. 21 L: gehen zu zwei Bächen. 
Z. 7 V. u. I.: d); Z. 5 1.: Der Regenbogen; Z. 3 1.: fanägini; Z. 2 1.: tahtlu. 

S. 100 Z. 1 V. 0. 1. : Im Himmel ist ein grünes Schwert; Z. 3 1.: unter ihnen, 
Weiche.- Anm. 1 1.: die Sterne. Anm. 2 1.: die Wolke ist gemeint, 
welche mit sonnenbestrahlten Rä,nderu umsäumt ist. 
Z. 7 V. u. 1.: auf die Wange fliessend. 

S. 101 Z. 14 V. 0. 1.: bichamsm; Z. 7 v. u. 1.: tefäsir. 

S. 103 Z. 1 1. : Oscha'; Z. 3 1.: ilchadra mnil'öscheb tibni; Z. 8 1.: vom Kraute 
wird sie stark; Z. 14 1.: hiddeu. 

S. 104 vgl. oben S. 345 ff. — Z. 7 v. o. 1. : dauwäg; Z. 8 1. : togu : Z. 14 1. : judkar 
— titlub elrog; Z. 16 1.: dazzaz sefin; Z. 18 1.: widdi — welrulab; Z. 20 
1.: waruddhum; Z. 21 1.: elli-ntaschar. — Z. 6 v. u. 1.: auf einem 
Reitkamel. Streiche Anm. 2. Z. 5 v. u. 1. : der im Dunkeln laufen kann, 
der wie Meereswelleu dahin eilt, weit entfernt sein Abendfutter ein- 
nimmt. Z. 4 V. u. 1.: dein Absteigeort ist ein Herrscher, dei' als Freund 
gelassen ist (V). 

S. 105 Z. 1 ff. V. 0. 1.: der auf den Pferden Sieger ist — Inhaber des Hengstes, 
dessen Muskeln im Laufe ausdauernd sind, — es wird uns mitgeteilt, 
o 'Abdali, dass du forderst das Pferd, — wenn uns der Preis genehm 
gewesen wäre, hätten wir es verkauft. — Und was wäre es, wenn er 
gesandt hätte ein Schwert vuid eine Schabracke \ damit wir dir sendeten 
einen unvergleichlichen Renner V — Ich wünsche auf ihm zu sein, wenn 
der Sieg zweifelhaft ist, — wenn hereinbricht über die Macht der 
Reiterscharen Ansturm, — und ich mache sie umkehren, wie man das 
Wild zurücktreibt von den Wogen, — wie mau die Ochsen, die sich 
zerstreuten, zurücktreibt zur Seite der Schöpfstelle ('?). — Ich vergleiche 
meine Schar der Macht von Gog und Magog^. 

S. 106 Z. 8 V. n. I.: jätschlitsch; Z. 9 v. u. 1.: jätschlit. 

S. 107 Z. 9 V. u. 1.: jisär; Z. 4 v. u. 1.: hörrin; Z. 1 v. u. 1.: 'abdiu. 

S. 109 Z. 4 V. u. 1.: schurut; Z. 2 v. u. 1.: jarinni. 

S. 110 Z. 16 V. u. 1.: -räli-l'äli; Z. 14 1.: aidau; Z. 13 ].: tumma-ddrähim; 
Z. 8 I.: daläli. 

S. 111 Z. 1 L: räschiha; Z. 10 1.: ruzlänha tar'a; Z. 11 1.: hugg; Z. 16 1.: höbb; 
Z. 18 1.:" mäzinu; Z. 21 1. :"mabi; Z. 22 I.: ilgöl. — Z. 2 v. u. 1.: einem 
Neumond. 

S. 112 Z. 5 V. o. 1.: und das Auge schwarz, nicht gaben ihm Bestechung 
Schminkstifte. Z. 11 v. u. 1.: ich glaube nicht, jemand sieht ihres- 
gleichen in der Wüste; Z. 7 1.: die" ihr die Rede hört, betet für Mu- 



> Vgl. oben S. 345 Z. 4 « Vgl, Ko'rän Sure 18 und 21. 



— 367 — 

hammedl (d. h. saget: allahumma salli wasalliin 'ala muharamad „Gott, 

segne und griisse Muhaninied!"'). Z. 3 v. u. 1.: -l'uesijje. 
S. 113 Z. 19 V. 0. 1.: wa'uesiti. 
S. 114 Z. 4 V. 0. L: sirig. 
S. 115 Z. 9 V. u. 1.: wie leuchtende Lami^en. 
S. 120 Z. 13 V. 0. 1.: machlük. 
S. 122 Z. 1 V. 0. 1.: wilbüz. 
S. 123 Anm. 2. Chadr, Vater von 'Abbäs, ist Bezeichnung des muslemischen 

Skt. Georg, s." Hartman n, ZDMG LI 205. 
S. 147 Z. 4 V. 0. 1.: wenn er die Berghöhe erreicht, ruft sein Reiter um Hilfe. 

Z. 13 V. u. 1.; der weiche Sattel (wie man ihn jungen Pferden auflegt). 
S. 148 Z. 8 V. o., s. Nachtrag S. 350 f. Anm. 4 1.: sie sind wohlgenährt, 
S. 150 Z. 1 V. 0. 1.: es stand schreiend. Anm. 3: Zattäni, Häuptling der 

Scha'aiän und Ruwala, hatte die Schur besiegt. Turkijje war in diesem 

Kriege „Schlachtenjungfrau". Nur die Scha'län haben noch das Recht, 

eine solche in den Krieg zu führen. 
S. 166 Z. 2 V. o. Vgl. zu S. XX. 
S. 168 Z. 13 V. u. 1.: ma'äkum. 
S. 175 Z. 8 V. o. 1.: wie die Teufel. 
S. 176 Z. 6 V. u. 1.: elharämijje. 
S. 182 Z. 12 V. 0. 1.: 4. 
S. 192 Z. 5 V. 0. 1. : c). 

S. 194 Z. 11 V. u. streiche: a) in Merg 'Ajön. 
S. 217 Z. 7 V. 0. 1.: E. Mtauwahät. Vgl. zu S. XX. 
S. 218 Anm. 1 : ein junger Mann ist gemeint. 
S. 219 Z. 6 V. u. 1. : asbur. 
S. 230 Z, 5 V. u. 1.: wubdä'a. 
S. 246 f Die letzten zwei Zeilen jedes Verses sind als Refrain vom Verse zu 

trennen. 
S. 284 Z. 10 V. u. 1.: utschän, 
S. 289 Z. 13 V. 0. 1. : labOha. 
S. 297 Z. 14 V. 0. L: hottnha. 
S. 298 Z. 11 V. u. L: b) bei Betlehem. 
S. 311 Z. 8 V. u. 1.: lasPh. 



24* 



Inhaltsverzeichnis. 



Vorwort. 

A. Der Zweck der Publikation V 

B. Die Herkunft der Lieder VIII 

C. Der Inhalt der Lieder XI 

D. Die Dichtungsarten 1_ • • • ^^^ 

Kaside XIV f., Mauwäl, 'Atäba XV, Halaba, Matlu', Galdijje 
Xv'lf., Zagal XVII f., Tarwid, Hida XVIII, Hadi, .Schöbäsch, 
Gelwe, ZalrQta XlXf., Imlälä, Mtauwalia, Tahnin XX f., Niddäbe, 
RinaXXIf. ' 

E. Der Rhythmus XXII 

F. Die Melodien XXV 

G. Transskription und Aussprache des Arabischen XXX 

Übersicht über die Herkunft der Lieder XXXV 

Erster teil. Bei Ruhe und Arbeit. 

Auf Feld und Tenne. 1. Beim Pflügen S.o. — "2. Bei der Ernte 8,4. — 
;i Beim Dreschen S. 14. — 4. Beim Austreten der Dura durch Büffel 
S. 19. — 5. Beim Worfeln S. 20. 

Im Hause. 1. Zum Mahlen auf der Handmühle S. 22. — 2. Vom Backen S. 25. 

Im Weingarten. 1. Die Imlälä der Frauen und Mädchen S. 25. — 2. Beim 
Keltertreten S. 28. 

In der Wildnis. 1. Beim Weiden von Schafen und Ziegen S. 31. — 
2. Beim Schafscheren S. 41. — 8., An den Hirten S. 41. — 4. Beim 
Holzholen der Mädchen S. 42. 

Bei Quelle und Brunnen. 1. Beim Führen zum Wasser und beim Tränken 
der Schafe S. 45. — 2. Beim Schöpfen für die Herde S. 48. 

In Dorf und Zeltlager. 1. Beim Melken der Kühe S. 50. — 2. Beim 
Buttern S. 52. — 3. Beim Wasserholen S. 52. — 4. Beim Ausrufen von 
Verlorenem S. 54. — 5, Bei ausbleibendem Winterregen S. 56. 

Am Kalkofen und beim Hausbau. 1. Beim Heizeu des Kalkofens S. 58. 
— 2. Beim Steinetragen und Mauern S. 59. — 3. Beim Bau der 
Kuppel S. 63. 

Auf Weg und Steg. 'Atäbaverse S. 64. 

Beim Zeltfeuer. 1. 'Atäba-Lieder S. 88. — 2. Kätsel S. 95. — 3. Ge- 
sänge S. 100. 



— 369 — 

In d ö r 11 i c h e r A b c ii d y o .s e 1 1 s c h a lt. 1 . G esänge S. 109. — 2. Matäli' 

S. 116. — 3. tJa ulijjät S. V20. 
Im Kaffeehaus. Gesang S. loO. ' 
Auf der Kara w aneiistrasse. 1. Beim Aufladen der Kamele S. 135. — 

2. Beim Treiben von Kamelen S. 136. — 3. Auf den Kameltreiber 
S. 139. — 4. Beim Scheren der Kamele S. 139. 

Zur See. 1. Bei der Abfahrt S. 141. - 2. Beim Ankerlichten S. 141. — 

3. Beim Rudern S. 143. 

Auf Raubzug und Kriegspfad. 1. Marschlieder S. 144. — 2. Gelänge 
S. 153. — 3. 'Atäba-V^erse S. 155. — 4. Tarwide S. 157. 

Auf der Pilgerfahrt. 1. Auf dem Zug zum Mosisgrabe S. 158. — 2. Für 
die Wallfahrt nach Mekka S. 159. 

Zur christlichen Festzeit. 1. Um Ostern S. 161. — 2. iVm Barbaratage 
S. 162. 

Zweiter Teil. Bei den Abschnitten des Lebens. 

In der Kinderzeit. 1. Schlummerlieder S. 165. — 2. Um das Schreien zu 
stillen S. 171. — 3. Am Beschneiduugsfest S. 172. — 4. Kiuderreime 
S. 173. — 5. Spiellieder S. 182. 

Bei der Heirat. 1. Nach Abschluss der Verlobung S. 184. — 2. Beim An- 
kleiden der Braut S. 185. — 3. Beim Ankleiden des Bräutigams S. 186. 

— 4. Bei der Abholung der Braut S. 187. — 5. Beim Brautzuge S. 188. 

— 6. Bei der Ankunft der Braut am Hause des Bräutigams. A. Mänuer- 
gesäuge S. 190. B. Frauengesänge S. 192. — 7. Beim Zuge des Bräuti- 
gams S. 193. — 8. Im Hochzeitshause. A. Gesäuge der Männer S. 207. 
B. Jubeltriller der Frauen S. 209. C. Tarwid der Frauen S. 214. D. Be- 
duinischer Frauengesang S. 216. E. Mtauwahät S. 217. 

Zur Unterhaltung der Gäste. 1. Vortrag von Mauäwil S. 219. — 
2. Wechselgesäuge S. 230. — 3. Gesänge S. 251. 

Zu Tanz und Reigen. 1. Zum Paradiertanz der Braut S. 254. Zwei Freuden- 
triller S. 261. — 2. Zum Tanz der Frauen S. 262. — 3. Zum Stampf- 
reigen der Frauen S. 267. — 4. Zum Schreitreigen der Frauen S. 270. 

— 5. Zum Tanz der Männer S. 272. — 6. Zum Stampfreigeu der Männer 
S. 273. — 7. Zum Klatschreigen der Männer S. 295. 

Bei Ankunft und Abschied. 1. Zur Begrü.ssung und Ehrung von Familien- 
gliedern und Gästen. A. 'Atäbaverse der Männer S. 304. B. Jubeltriller 
der Frauen S. 306. — 2. Zur Verabschiedung S. 310. — 3. Zur Ver- 
abschiedung des Mekkapilgers S. 312. 

Bei der Toten klage. 1. Klage der Männer. A. Klagelieder S. 316. 

B. 'Atäbaverse S. 322. C. Gesänge S. 323. — 2. Klage der Frauen. 
A. Bei der Leiche S. 324. B. Auf dem Friedhof S. 331. C. Bei der 
Klagefeier im Hause S. 332. D. Bei dem Klagetanz S. 334. 

Nachtrag. A. Imlälä S. 344. B. Wegen eines Pferdes ein Krieg S. 345. 

C. Marschlieder S. 350. 

Melodien S. 354 

Ergänzungen und Berichtisruu jjeu S. 365 



Wfiitiiar. — Hof-BucMruckerei.